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17.11.2018

00:14

Temperatur 0,7 °C
Luftfeuchte 77 %
Taupunkt -2,9 °C
Luftdruck 1024,3 hPa
Windrichtung 97 °
O
Windstärke 24,0 km/h
Windböen 33,8 km/h
Wind 10m Ø 24,9 km/h
Windchill -10,4 °C
Regen/Tag 0,0 l/m²

 


Aktuelle Wetterdaten

Wetterstation Aalbäumle 707 m über Normalnull
Samstag, 17. November 2018 00:14
Temperatur
0,7 °C
Luftdruck
1024,3 hPa
Wind
97 °
Luftfeuchtigkeit
77 %
Tendenz
-0,4 hPa/6hup down
Windstärke
24,0 km/h
Taupunkt
-2,9 °C
Regen / 1/h
0,0 l/m²
Windböe
33,8 km/h
Windchill
-10,4 °C
Regen / Tag
0,0 l/m²
Wind 10 Min Ø
24,9 km/h
Vorhersage - veränderlich -

Telefonabruf Wetterstation 0160-3282349

Aktuelle Wettervorhersage


Wind u. Thermikprognose 16.11.18

Bodenwind:
Allgemein um E mit 2-6 KT. In den Frühstunden südlich der Donau Windzunahme auf 4-8 KT, Böen 8-12 KT. Am Alpenrand 1-4 KT, Böen bis 10 KT. Ab späten Vormittag im gesamten Gebiet um E mit 5-10 KT, Böen 13 bis 18 KT, im Bereich der östlichen Mittelgebirge und der Schwäbischen Alb um 25 KT. Gegen Sonnenuntergang geringe Windabschwächung auf 4 bis 8 KT, Böen 10 bis 15 KT, in exponierten Lagen der östlichen Mittelgebirge und der Schwäbischen Alb um 30 KT.

Höhenwind:
2000FT | 090/15KT 02C | 080/15KT 05C | 3000FT | 100/30KT 02C | 080/20KT 01C | 5000FT | 080/20KT 06C | 090/25KT 03C |

Thermik:
Keine Thermik.

Das Wetter in Aalen 16.11.18
In Aalen gibt es tagsüber ungestörten Sonnenschein bei Werten von 2 bis zu 6°C. Nachts ist es wolkenlos und die Werte gehen auf 0°C zurück.


Wetterlage:
Süddeutschland liegt an der Südwestflanke eines kräftigen Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt über Osteuropa in einer östlichen Strömung. Oberhalb einer markanten Absinkinversion um 3000 FT AMSL im Nordosten ansonsten um 3500 FT AMSL, lagert eine trockene Luftmasse. Unterhalb der Absinkinversion hält sich eine feuchte und kühle Luftmasse. Diese wird im Tagesverlauf vor allem in der Mitte und im Norden Bayerns sowie im Nordosten Baden-Württembergs abgetrocknet.

Alpenwetter:
Wetterseite des
Deutschen Alpenvereins


Skigebiete: Schwäbische Alb Ostalbskilift
Schneehöhen:Allgäu

 

Eine Ära geht zu Ende

Datum 15.11.2018

Die Ära der sogenannten "Iridium-Flares", einer sehr hellen Leuchterscheinung am Himmel, geht in den kommenden Monaten zu Ende. Welche Verbindung zwischen Iridium-Satelliten und dem Deutschen Wetterdienst besteht, erfahren Sie heute im Thema des Tages.

Die erste Generation von Iridium-Satelliten wurde zwischen Mai 1997 und Juni 2002 über Trägerraketen ins Weltall geschossen. Das US-amerikanische Unternehmen Iridium Communications Inc. baute ein Netzwerk bestehend aus 66 Satelliten für die Satellitenkommunikation auf und ermöglichte dadurch eine weltweite Sprach- und Datenkommunikation. Hierdurch wird auch polwärts von 82 Grad Breite eine zuverlässige unterbrechungsfreie Verständigung mit der Außenwelt gewährt, denn in diesen Breiten kann das Signal von geostationären Satelliten, die auf einer Umlaufbahn in zirka 36000 Kilometer Höhe über dem Äquator stehen, nicht mehr empfangen werden.

Mithilfe der Iridium-Satelliten ist auf dem Forschungsschiff Polarstern, auf dem Meteorologen* des DWD im Einsatz sind, eine fortwährende Datenübertragung möglich. Bei Einsätzen in der Arktis kommt es häufig vor, dass sich das Schiff nördlich von 82 Grad befindet. Würden die Bordmeteorologen* in diesen Breiten keine Modelldaten oder aktuellen Satellitenbilder empfangen können, wäre eine Vorhersage dort auf kurz oder lang nicht mehr möglich oder gerade noch auf das Nowcasting (Vorhersagen bis zu drei Stunden) anhand der auf dem Schiff stattfindenden Wetterbeobachtung beschränkt. (*Die verwendete Form steht vertretend für männliche wie weibliche Mitarbeiter.)

Des Weiteren wird die Iridium-Satellitenkommunikation auch von Seglern genutzt. Diese können auf hoher See, sofern sie nicht über Internet erreichbar sind, von den Seeschifffahrtsberatern* des DWD über Iridium SMS empfangen. Da jedes Zeichen extra über die normale SMS-Länge hinaus Geld kostet, werden die Routenberatungen kurz gehalten und nur die wichtigsten Informationen übermittelt.

Von Januar 2017 bis Ende 2018 wird die erste Generation der Iridium-Satelliten nun durch eine neue Generation (Iridium NEXT) abgelöst. Die Ära einer spektakulären Leuchterscheinung geht damit ebenfalls zu Ende. Die alten Iridium-Satelliten verfügen nämlich über drei geneigt angebrachte Antennen, die etwa die Größe eines Esszimmertisches haben. Aufmerksame Himmelsbeobachter konnten jahrelang Iridium-Satelliten vor allem am nächtlichen Himmel, mit Glück auch am Tage, mit bloßem Auge sehen. Die großen Antennen reflektierten zu bestimmten Zeiten für mehrere Sekunden das Sonnenlicht, sodass sehr helle sogenannte "Iridium-Flares" ("flare": engl. für Aufflackern) sichtbar wurden. Zunächst erschien der Satellit als kleiner Punkt wie alle sonstigen Satelliten auch. Innerhalb weniger Sekunden wurde dieser Punkt immer heller, bis ein Maximum an Helligkeit erreicht wurde und diese dann wieder abnahm. Auf Fotos mit einer langen Belichtungszeit, wie es uns Artur Schmitt zur Verfügung stellte, zeigte sich der Iridium-Flare "als heller Leuchtstreifen mit sich in Flugrichtung zu beiden Seiten verjüngenden Ausläufern" (Quelle: Wikipedia). Die Geometrie der neuen Iridium-Satelliten ist nun jedoch so geschaffen, dass keine Leuchterscheinungen mehr erzeugt werden. Da die alte Generation zum Teil bereits ersetzt wurde, sind Iridium-Flares seit 2017 immer seltener zu beobachten. Im Jahr 2019 werden sie wohl gar nicht mehr zu sehen sein. Die alte Generation der Iridium-Satelliten wird dann nach und nach in der Erdatmosphäre verglühen. Die genaue Position eines Iridium-Flares kann übrigens über das Internet in Erfahrung gebracht werden. Vielleicht haben Sie ja Glück und sehen bis 2019 doch noch mal ein sehr helles Aufflackern am Himmel!

Dipl.-Met. Julia Fruntke

Im Schatten der Berge

Datum 14.11.2018

Eindrucksvolles ereignete sich in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2018 in einem kleinen Dorf in Westnorwegen. Was dort passierte und wie sich dies meteorologisch erklären lässt, lesen Sie heute im Thema des Tages.

Søren Jensen* genoss Mitte Oktober seinen Urlaub im kleinen Dorf Tafjord in Westnorwegen. Am Abend des 13. Oktober 2018 trat der Däne vor die Tür seines Ferienhauses. Vor dem Zubettgehen wollte er noch einmal frische Luft schnappen. Der Schein der entfernten Straßenlaternen spiegelte sich im Asphalt. Nieselregen spürte er in seinem Gesicht und das Thermometer zeigte 11 Grad. Alles war ruhig und kaum ein Lüftchen wehte. Er legte sich schlafen. Um 1:30 Uhr erwachte er, schlurfte in die Küche und trank ein Glas Wasser. Den Blick aus dem Fenster hätte er sich sparen können. Noch immer war es trüb und Sprühregen schlug sich als dünner Film auf der Fensterscheibe nieder. Alsbald schlief er wieder tief und fest, bevor er kurze Zeit später durch einen heftigen Schlag aus dem Schlaf gerissen wurde. Der Fensterladen prallte gegen die Hauswand. Jensen schwitzte unter seiner Daunendecke. Ein warmer Wind durchstrich in heftigen Böen das Zimmer. Jensen setzte sich in seinem Bett auf und musste erst einmal zu sich finden. Er blickte zur Uhr, die ihm suggerierte, es wäre kurz nach halb drei mitten in der Nacht. Immer noch war es dunkel draußen. Woher aber kamen die Wärme und dieser Sturm? Er schloss das Fenster und tapste zur Eingangstür. Das Quecksilber im Thermometer war auf 25 Grad gestiegen. Ein stürmischer Wind pfiff durch sein Haar. Am Himmel über sich konnte er zwischen den Wolken unzählige Sterne erkennen. All die dichten, tiefhängenden Wolken, der Sprühregen und die schlechte Sicht vom Abend zuvor waren verschwunden. Stirnrunzelnd legte er sich wieder schlafen.

Um 8 Uhr erwachte er. Bald würde die Sonne über den Horizont steigen. Hinter den Bergen war sie bereits zu erahnen. Es waren immer noch 25 Grad draußen und aus den Bergen wehte ein stürmischer Wind ins Tal.

Was Herr Jensen in der Nacht erlebte, erstaunte auch den einen oder anderen Meteorologen. Zwischen 2 und 3 Uhr früh mitten in der Nacht stieg die Temperatur innerhalb von nur einer Stunde um 14,2 Grad an. Um 2 Uhr wurden noch 10,9 Grad registriert, um 3 Uhr waren es bereits 25,1 Grad. Doch wie kam dies zustande? Die Bewohner der Alpen kennen dieses Phänomen nur zu gut. Anhand der Wetterdaten der Station Tafjord leuchtete uns Meteorologen sofort ein, dass dies nur im Zuge eines einsetzenden Föhns passiert sein konnte. Alle Wetterdaten deuteten eindrucksvoll darauf hin: Der Wind drehte von nördlichen Richtungen auf Südost und nahm schlagartig zu. Vor 3 Uhr wurden Böen zwischen 5 und 20 km/h registriert. Ab 3 Uhr blies der Wind stark bis stürmisch mit 65 bis 75 km/h. Die Luft trocknete aufgrund der Winddrehung ebenso rasch ab und die Wolken rissen auf. Die relative Feuchte sank von satten 95 Prozent innerhalb von nur einer Stunde auf 35 Prozent. Die beigefügte Grafik zeigt eindrücklich, wie sich die Wetterbedingungen mit einem Schlag änderten. Informationen zur Entstehung des Föhns finden Sie im Thema des Tages vom 10. September 2015.

Im Übrigen wurde die Tageshöchsttemperatur in Tafjord am 14. Oktober 2018 um 9 Uhr morgens erreicht. Mit 25,5 Grad wurde der Monatsrekord um nur 0,1 Grad verfehlt.

*Name und Geschichte frei erfunden

Dipl.-Met. Julia Fruntke

Niedrigwasser in Schwedens Seen

Datum 13.11.2018

Nicht nur hierzulande meldeten und melden die Flüsse außergewöhnlich oder gar rekordverdächtig niedrige Pegel. Auch die großen Seen in Schweden weisen niedrige Wasserstände auf.

In vielen Teilen Europas war es in diesem Jahr verglichen mit dem vieljährigen Mittel zu trocken, woraus sehr niedrige Pegelstände der Flüsse resultieren. Beispielsweise betrug Pegel des Rheins bei Düsseldorf am vergangenen Wochenende knapp unter 45 cm, womit man schon sehr nah dran ist am niedrigsten bekannten Wasserstand von 40 cm am 30. September 2003. Auch am Bodensee sind Flächen sichtbar, die sich normalerweise unterhalb der Wasseroberfläche befinden.

Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schweden war das Jahr 2018 markant zu trocken (den meisten werden wohl noch die diesjährigen Waldbrände in Erinnerung sein). Knapp neun Prozent der Fläche Schwedens sind Gewässer, eine Fläche ziemlich genauso groß wie die Fläche der deutschen Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammen. Allein das Gesamtareal der vier größten Seen Schwedens (Vänern (zugleich drittgrößter See Europas), Vättern, Mälaren und Hjälmaren - Lage siehe Abbildung (1)) ist in etwa halb so groß wie Sachsen.

Aufgrund ihrer Größe reagieren die Wasserstände der Seen langsam. Zu Beginn des Sommers lagen sie noch auf normalem Niveau, wiesen seitdem aber eine stetig sinkende Tendenz auf.

Das Niveau des Vänern liegt derzeit bei 43,78 Metern über dem Meeresspiegel, was 55 Zentimeter niedriger ist als der Mittelwert. Ähnlich tief lag das Niveau in den Jahren 1996 und 2003. Im April 1970 wurde der niedrigste Wasserstand seit der Regulierung des Sees in den 1930er Jahren gemessen: Er lag sogar noch weitere 40 Zentimeter tiefer als derzeit (vgl. Abbildung (2)). Das Niedrigwasser führt dazu, dass große Frachtfahrzeuge, die auf dem See unterwegs sind, nicht mit voller Zuladung verkehren können.

Die Pegel der anderen drei großen Seen liegen jeweils ungefähr 30 Zentimeter unter ihrem Mittelwert. Erstaunlich beim Mälaren ist jedoch, dass dessen Niveau innerhalb nur eines halben Jahres fast einen halben Meter gesunken ist und sich derzeit mit 59 cm über dem Meer auf dem niedrigsten Stand seit 1989 befindet. Trotzdem ist man noch weit entfernt vom historischen Tiefststand von 13 cm, der am 5. November 1939 erreicht wurde.

Berechnungen zufolge würden sich die Pegel im Laufe des Frühjahres 2019 erholen. Diese Prognose geht allerdings für die Wintermonate von einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge (basierend auf der Referenzperiode 1981-2010) aus, die wegen der niedrigen Verdunstung und der Vegetationsruhe zu großen Teilen in die Seen abfließen würde. Das Problem dabei ist, dass schon die letzten Jahre nicht "normal" waren. Der Sommer 2018 war in weiten Teilen Schwedens trockener als normal und diese Trockenheit setzt sich auch jetzt im Herbst noch fort. Ein zu trockener Winter würde zu anhaltend niedrigen Wasserständen im kommenden Jahr führen.

M.Sc. Met. Stefan Bach

Mit Pauken und Trompeten in die närrische Saison?!

Datum 11.11.2018

Am heutigen 11.11. kommt etwas Schwung in die Wetterküche: Wind, Wolken, Sonne, Regen und sogar kurze Gewitter könnten ein facettenreiches Programm bieten. Aber wie entstehen eigentlich solche Kaltluftgewitter?

Das Wetter zeigte sich in den vergangenen Tagen ja eher von seiner recht einfältigen Seite: Nebel und Hochnebel wechselten sich ab mit Sonne, dabei war es ungewöhnlich mild und vor allem trocken.

Nun hat es ein Atlantiktief namens ZARMINA geschafft, sich gegen das "russische Hochdruck-Bollwerk" durchzusetzen und pustet mit teils kräftigem Wind Regenwolken übers Land. Spürbar kälter wird es zwar zunächst nicht, dennoch fließt kühlere Luft ein - allerdings eben nicht am Boden sondern in höheren Luftschichten. Dies führt zu einem veritablen Temperaturunterschied: Während milde bis warme Höchstwerte von 13 bis 19 Grad uns nicht an den nahenden Winter denken lassen, herrschen in knapp 5,5 km Höhe arktische Temperaturen zwischen -18 und -25 Grad. Es herrscht also ein vertikaler Temperaturunterschied von knapp 35 Grad, man sagt dazu, die Luft ist sehr "labil geschichtet".

Ein Luftpaket kann also immer weiter aufsteigen, da es wärmer und leichter ist als die Umgebung und das Kondensationsniveau durchschreiten, sodass es zur Wolkenbildung kommt. Wenn die Luft hinreichend labil ist, können sich so nicht nur die typischen "Häufchenwolken" bilden, sondern auch höherreichendere Gewitterwolken.

Und genau dies kann am heutigen Sonntag vor allem im Westen Deutschlands und im Nordseeumfeld durchaus geschehen, sodass der ein oder andere beim Sonntagsspaziergang nicht nur von einem kurzen Schauer, sondern auch von Blitz und Donner überrascht werden könnte. Aber: Es braucht auch noch einen "Trigger", der das erwähnte Luftpaket zum Aufsteigen bringt. Eine solche "Hebung" kann ein Gebirge sein, Sonneneinstrahlung, eine Luftmassengrenze oder auch ein Hebungsmechanismus in der Höhe, z.B. durch einen Trog (siehe Wetterlexikon).

Ein markanter Hebungsmechanismus ist für den heutigen Sonntag und auch für den morgigen Montag nicht auszumachen, sodass zwar mal ein kurzer Donner den Narrhallamarsch zum Start in die 5. Jahreszeit begleiten kann, eine großräumige Gewitterlinie ist jedoch nicht zu befürchten.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Vorübergehend Regen - danach "back to the roots"

Datum 10.11.2018

Endlich Regen! In einigen Teilen Deutschlands sorgen wiederholte Niederschläge für eine Entspannung bei der Trockenheit. Doch die Freude währt nur kurz ...

In der Nordwesthälfte Deutschlands stehen vorübergehend feuchte Zeiten an. Und um mal eine ganz verwegene Theorie zu äußern: Die Mehrheit wird dem anstehenden Regen in Anbetracht der zurzeit bestehenden außerordentlichen Trockenheit eher wohlgesonnen sein. Ein kräftiger und umfangreicher Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik entwickelt genug "Power", sodass sich dessen Ausläufer gegen den kontinentalen Hochdruckblock über Mitteleuropa zumindest in Teilen durchsetzen können. Im Westen, Norden und in Teilen der Mitte darf man sich bis einschließlich Dienstag über zeitweiligen Regen, mitunter auch Schauer oder gar einzelne Gewitter freuen.

Etwa nordwestlich einer Linie von Südbaden über Hessen bis nach Mecklenburg werden bis Dienstagabend nennenswerte und erstmals seit längerer Zeit ziemlich flächendeckende Niederschlagsmengen zwischen 10 und 20 Liter pro Quadratmeter erwartet (siehe Grafik auf https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/11/10.html). Im Bereich der westlichen Mittelgebirge, also rund um Eifel, Hunsrück, Westerwald und Rothaargebirge, akkumulieren sich die Niederschläge gebietsweise auf Mengen um 30, in Staulagen möglicherweise auch auf um 40 Liter pro Quadratmeter. Die extrem niedrigen Pegel der großen Flüsse, wie beispielsweise des Rheins, werden dadurch mit einer gewissen Verzögerung leicht ansteigen können - vermeintlich aber nicht in dem Maße, dass das Niedrigwasser und die eingeschränkte Schifffahrt der Vergangenheit angehören werden. In weiten Teilen des Südens und Ostens werden steigende Flusspegel ziemlich sicher kein Thema sein, denn die Tiefausläufer verlieren nach Südosten hin zunehmend ihre Wirkkraft bzw. kommen gegen das osteuropäische Hochdruckbollwerk kaum an. Somit fällt zwar gebietsweise messbarer, aber im Hinblick auf die Trockenheit kaum nennenswerter Regen.

Mal ganz von der räumlichen Begrenztheit abgesehen, wären die in den kommenden Tagen anstehenden Niederschläge für die Natur nur dann wirklich wertvoll, wenn mittelfristig weitere folgen würden. Selbst unter gebührender Berücksichtigung der mit dem Vorhersagehorizont zunehmenden Vorhersageunsicherheiten darf man getrost, und ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu müssen, von einem "back to the roots" sprechen - also quasi von einem "Zurück zu Altbewährtem". Denn der aufflammende Tiefdruckeinfluss bleibt ein Strohfeuer. Schon zur Wochenmitte baut sich über dem europäischen Kontinent ein hochreichendes und stabiles Hochdruckgebiet auf, das atlantische Tiefdruckausläufer bis auf Weiteres von uns fernhält. Regenfälle werden mit hoher Wahrscheinlichkeit für einige Tage, vermutlich sogar für 1 bis 2 Wochen komplett ausfallen. Dies würde die Trockenheit dann wieder verschärfen - auch im Winterhalbjahr, ganz ohne Hitze.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Wetter am 11. November - damals und heute

Datum 09.11.2018

Das Wetter am 11.11. erweckt Jahr für Jahr besonderes Interesse. Dieser Tag ist nicht nur der Festtag des heiligen St. Martin, sondern auch der Beginn der "Fünften Jahreszeit". Heute erfahren Sie, wie das Wetter am kommenden Sonntag wird und welchem Wetter die Jecken und Laternenträger in den letzten Jahren ausgesetzt waren.

Heißen Sie vielleicht Martin? Dann haben Sie am kommenden Sonntag wahrscheinlich Namenstag, denn der 11. November ist der Festtag des Heiligen Martin von Tours (Sankt Martin). Martin von Tours (316/317 - 397) war der dritte Bischof im Bistum von Tours. Ihm zu Ehren ziehen in den Tagen um den 11. November viele Kinder in Martinsumzügen mit ihren oft selbst gebastelten Laternen durch die Straßen. Der 11. November ist aber auch der Tag, an dem die sogenannte "Fünfte Jahreszeit" beginnt. Echte Karnevals- und Faschingsjecken können diesen Tag sicher kaum erwarten.

Sowohl die Karnevalsveranstaltungen als auch die Laternenumzüge finden im Freien statt, daher ist folglich das Wetter von besonderem Interesse. In diesem Jahr gestaltet es sich in einigen Regionen wechselhaft. Deutschland liegt an der Südostseite eines mächtigen Tiefdruckkomplexes mit Zentrum nordwestlich von Irland. Das dazugehörige Frontensystem (Okklusion) zieht im Tagesverlauf von West nach Ost über Deutschland. Es hat etwas Regen im Gepäck, der ab Mittag auch den Osten erreicht. Die gute Nachricht ist aber, dass es in den Karnevalshochburgen am Rhein um 11:11 Uhr bereits überwiegend trocken sein sollte. Auch im Südosten Bayerns kann man beruhigt sein, denn dort ist ebenfalls kaum mit Regen zu rechnen. In der Mitte und im Süden Deutschlands kann nach Durchzug des Regens mancherorts sogar die Sonne zum Vorschein kommen. Da im Nordwesten vor allem in der Höhe etwas kältere Luft einfließt, bilden sich dort am Nachmittag und Abend Schauer, vielleicht kann es mit dem einen oder anderen Schauer sogar blitzen. Am Boden spürt man von der Kaltluft nichts. Mit 12 bis 16 Grad wird es insgesamt erneut recht mild, am Oberrhein sind sogar für die Jahreszeit deutlich zu warme 18 Grad drin.

Diese Vorhersage mag zwar bei manchen Lesern in den Regenregionen Unmut hervorrufen, aber eigentlich ist das Wetter für einen 11. November gar nicht so schlecht. Blicken wir zum Beispiel ins Jahr 2016 zurück. Vor zwei Jahren sorgte ein Tief über Mitteleuropa für richtig nass-kaltes Wetter. Im Osten stiegen die Temperaturen gerade einmal auf 1 bis 3 Grad, aber auch in den übrigen Regionen wurden nur kühle 2 bis 8 Grad erreicht. Damit lagen 2016 die Höchstwerte teils unter den am Sonntag zu erwarteten Tiefstwerten. Vor allem in der Südhälfte regnete es vielerorts. Bei diesem Temperaturniveau ist es kaum verwunderlich, dass bis in mittlere Lagen der Regen mit Schnee vermischt war und es oberhalb von 600 bis 800 m sogar weiß wurde. In der Lausitz schneite es am Morgen selbst in tiefen Lagen. Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern. Nur der Norden blieb von Niederschlägen verschont und es schien häufig die Sonne. Um die Winterjacke kam man jedoch auch dort nicht herum.

Ähnlich hohe Temperaturen wie in diesem Jahr hatten wir am Martinstag im Jahre 2015. Hochdruckeinfluss verwöhnte damals zumindest den Süden mit viel Sonnenschein, während es im Norden leicht wechselhaft war. Ähnlich mild war es auch 2008, allerdings war es vor genau zehn Jahren sehr windig, sodass starke bis stürmische Böen sicher dem einen oder anderen Jecken in den Karnevalshochburgen den Hut vom Kopf geweht haben könnte.

Geben wir uns also mit diesem leicht unbeständigen Wetter zufrieden. Mit einem nicht zu dicken regenfesten Kostüm und regensicherer batteriebetriebener Laternenbeleuchtung sind Sie am Sonntag auf der sicheren Seite.

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel

Regenwolken

Datum 08.11.2018

Nachdem die Sonne in den vergangenen beiden Tagen vielerorts häufiger zu sehen war, gestaltet sich der Himmel heute wieder einmal wolkenverhangen. Aber aus längst nicht allen Wolken fällt dabei Regen. Wovon hängt es aber ab, welche Wolke abregnet und welche nicht? Und woher kommt das ganze Wasser?

Im Thema des Tages vom 23. Oktober 2018 wurde eindrucksvoll erläutert, dass es sich bei Wolken ganz und gar nicht um "flauschige Leichtgewichte" handelt. Im Gegenteil: Alleine der Wassergehalt einer Schönwetterwolke bringt hunderte von Tonnen auf die Waage, bei ausgewachsenen Gewitterwolken sind es sogar über eine Million Tonnen. Damit trifft es die Bezeichnung "meteorologisches Schwergewicht" wohl eher. Bei einem interessierten Leser kam dabei allerdings die Frage auf, aus welcher Wolke es denn schließlich regnet. Wie entsteht denn Regen?

Bereits in der Schule wird das Wissen über den Wasserkreislauf vermittelt. An dessen Anfang steht die Verdunstung von Wasser. Scheint die Sonne, erwärmt sich die Erdoberfläche und somit auch die bodennahe Luftschicht. Dabei verdunstet Wasser vom Boden, aber auch aus Flüssen und Seen oder von der Vegetation und wird zu Wasserdampf. Die erwärmte Luft, die leichter ist als vergleichsweise kalte, steigt in der Folge zusammen mit dem Wasserdampf in höhere, aber auch kältere Luftschichten auf. Dabei kühlt sie sich ab. Da kältere Luft jedoch weniger Wasserdampf speichern kann als wärmere, wird ab einer gewissen Höhe und Abkühlung die sogenannte Taupunkttemperatur erreicht, bei der die Luft gesättigt ist und Kondensation einsetzt. Dann bilden sich viele winzige Wassertröpfchen, die wir als Wolke wahrnehmen. In großen Höhen, wo die Temperatur deutlich unterhalb des Gefrierpunktes liegt, können auch kleine Eiskristalle entstehen, die in ausreichender Menge Eiswolken bilden.

Häufig entstehen Niederschläge durch komplexe Vorgänge, bei denen auch die Eisphase eine Rolle spielt. Bleiben wir der Einfachheit halber aber bei den sogenannten Wasserwolken: Wann regnet es nun aus den Wolken?

Damit die winzigen Wassertröpfchen schließlich zu Regentropfen anwachsen, reicht die Kondensation von Wasserdampf alleine nicht aus. Wesentlich effektiver ist das Zusammenfließen (Koaleszenz) von Wolkentröpfchen. Beinhaltet die Wolke nun unterschiedlich große Tropfen, sinken die größeren schneller ab als kleine. Dabei kollidieren sie miteinander, was das Tropfenwachstum weiter beschleunigt. Erreicht der Tropfen schließlich eine kritische Masse, sodass seine Sinkgeschwindigkeit die Geschwindigkeit der aufsteigenden Luftmasse übersteigt, fällt der Tropfen zum Erdboden. Mangelt es allerdings an Feuchtigkeit oder ist die Aufwärtsbewegung der Luftmassen zu gering, bilden sich keine ausreichend großen Tropfen, womit es unter den Wolken trocken bleibt.

Die Fallgeschwindigkeit des Regentropfens hängt dabei von seiner Größe, Form und der ihn umgebenden Luftströmung ab. In der Regel fallen kleine Tropfen langsam, große Tropfen hingegen schnell. Ihre maximale Geschwindigkeit erreichen Tropfen dann, wenn der Luftwiderstand des Tropfens im Gleichgewicht mit seiner Schwerkraft ist. Um an dieser Stelle jedoch keine allzu komplexen Berechnungen anstellen zu müssen, kann man sich einer groben Faustregel zur Berechnung der Fallgeschwindigkeit bedienen: Die Fallgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde (m/s) entspricht etwa dem doppelten Tropfendurchmesser in Millimetern. Bei einem mäßigen Landregen besitzen die Tropfen in der Regel einen Durchmesser von etwa einem Millimeter. Folglich weisen diese Tropfen eine Fallgeschwindigkeit von ungefähr 2 m/s (= 7,2 km/h) auf. Bei einem sommerlichen Starkregenereignis sind die Tropfen größer. Diese messen etwa 2 bis 8 Millimeter, was einer Geschwindigkeit von bis zu 16 m/s (= 57,6 km/h) entsprechen würde. Allerdings können kalte Fallwinde die Geschwindigkeit der Tropfen noch deutlich erhöhen.

Und was passiert nun mit dem Regen, der auf den Erdboden fällt? Dieser versickert schließlich wieder im Boden, fließt in Flüsse und Seen ab oder wird von der Vegetation aufgenommen. Dann kann das Wasser erneut verdunsten, womit sich der Wasserkreislauf schließt.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Süd ist Trumpf

Datum 06.11.2018

Die Hintergründe und weiteren Aussichten des milden und ruhigen Herbstwetters gibt es für Sie im heutigen Thema des Tages nachzulesen.

Nachdem vor gut einer Woche in Teilen Süddeutschlands der Winter eine erste "Duftmarke" gesetzt hat (siehe Thema des Tages vom 28.10.2018), ist inzwischen längst wieder mildes Herbstfeeling zurückgekehrt. So rasant es das zarte Weiß einiger schneegezuckerten Landschaften wieder dahingerafft hat, so rasant schnellte das Quecksilber in die Höhe. So lagen die Höchstwerte am gestrigen Montag mit föhniger Unterstützung am Alpenrand verbreitet oberhalb der 20 Grad-Marke. Beispielsweise wurden in Holzkirchen südlich von München 22,4 Grad gemessen, in Rosenheim 22,1 Grad. Etwas weiter östlich an der österreichischen Grenze wurden am Salzburger Flughafen sogar 23,6 Grad erreicht. Ähnliche Größenordnungen sind auch am heutigen Dienstag für die Region noch einmal zu erwarten, bevor es im Laufe der Woche von Westen etwas wechselhafter und kühler wird. Von Rekordwerten sind wir allerdings noch ein Stück weit entfernt. Die höchste Maximumtemperatur eines Novembertages seit 1961 von 25,8 Grad am 06. November 1997 in Altenstadt wurde dort gestern doch um mehr als 5 Grad verfehlt (Maximum 20,1 Grad). Ähnlich erging es München mit dem Allzeitrekord von 23,7 Grad - ebenfalls registriert am 06. November 1997 (am gestrigen Montag "nur" 17,9 Grad). Irgendwie aber auch beruhigend, wenn im voraussichtlich wärmsten Jahr seit Aufzeichnungsbeginn nicht bei jeder Süd- oder Südwestlage gleich neue Rekorde purzeln, oder? Immerhin wurden gerade erst im vergangenen Monat zahlreiche Langezeitrekorde vor allem in Norddeutschland pulverisiert.

Und wie geht es nun wetter- und im Speziellen temperaturtechnisch weiter? Immerhin steht in nicht einmal vier Wochen der erste Advent vor der Tür, beziehungsweise kann besagte 24-mal wieder geöffnet werden. Beim Blick auf die Luftdruckverteilung über Europa zeigt sich dabei einmal mehr frappierend offensichtlich "DAS" Muster der letzten Monate - nämlich eine stark meridional geprägte Wetterlage (Süd antizyklonal, kurz: Sa) mit den Protagonisten "Tief Nordostatlantik" und "Hoch Mittel-/Osteuropa". Dazwischen gelangt mit einer südlichen Strömung weiterhin milde Luft zu uns. Das schließt gleichwohl nicht aus, dass lokal sowohl persistente Nebelfelder in Flussniederungen als auch Streifschüsse schwacher Tiefausläufer (vor allem im Westen und Nordwesten) für gelegentliche Abstriche sorgen. Der grundsätzliche Wettercharakter wird für die meisten aber ein freundlich-milder und weitgehend trockener bleiben.

Das zeigt sich eindrucksvoll auch in der beigefügten Abbildung, in der unterschiedliche Vorhersagemodelle (ICON vom DWD, IFS vom Europäischen Zentrum (EZMW) sowie GFS vom amerikanischen Wetterdienst) für den Zieltermin Beginn nächster Woche gegenübergestellt sind. Dabei sticht nicht nur die weitgehende Einigkeit der Modelle untereinander sofort ins Auge, auch die Abweichungen zur aktuellen Situation (Analyse) sind nur marginal. Exemplarisch dargestellt finden Sie zudem noch im unteren Bereich die prognostizierten Windrichtungen bis zum 20. November für Köln (links) und Berlin (rechts). Auch in den Ensemblevorhersagen (siehe DWD Lexikon oder Thema des Tages vom 21.03.2018) des IFS dominieren demnach durch die Bank südliche Windrichtungen.

Fazit: Eine nachhaltige Wetterumstellung - geschweige denn zu frühwinterlichen Verhältnissen - findet auf absehbare Zeit (vorerst) nicht statt. Im Gegenteil, Süd bleibt Trumpf.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Verfrühter "Martinssommer"?

Datum 05.11.2018

Ist er es oder ist er es nicht? Der gefühlte Dauersommer geht in die Verlängerung und mündet wohl im verfrühten "Martinssommer"!

Das Jahr des "Sommers" zeigt weiter kaum Schwächen! Auch zum Herbstausklang haben die sommerlichen Begriffe wie Spätsommer, Altweibersommer, goldener Oktober oder nun der Martinssommer Hochkonjunktur. Typische Kälteeinbrüche sind selten und kurz. Stattdessen dominieren bei deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer zweistellige Temperaturhöchstwerte.

Verantwortlich für die außergewöhnlich stabilen Witterungsbedingungen sind nahezu gleichbleibende bzw. rasch wiederkehrende Luftdruckmuster. In diesem Jahr stehen die sogenannten blockierenden Wetterlagen ganz hoch im Kurs. Kräftige Hochdruckgebiete hinderten atlantische Tiefs daran Europa auf direktem Weg ostwärts zu überqueren. Da der hohe Luftdruck dabei meist über oder östlich von Deutschland lag und der tiefe Luftdruck westlich, strömte die Luft entsprechend der Drehbewegung der Druckgebilde überwiegend aus den warmen Regionen Südeuropas ins Land. War der Hochdruckeinfluss zusätzlich auch noch stabiler, konnte zudem auch die Sonne über einen längeren Zeitraum hinweg scheinen. Schon am 20. Oktober wurde dies im Thema des Tages mit dem Titel "Der Sommer im Herbst" beschrieben. Der einzige Hinweis, dass wir uns nun langsam dem Winter nähern, liefern die immer kürzeren lichten Tage und die Bildung von zähen Nebel- und Hochnebelfeldern bei Aufklaren in den länger werdenden Nächten.

Auch derzeit beherrscht ruhiges und teils sehr mildes Herbstwetter Deutschland. Temperaturen bis 20 Grad und nach Auflösung der Nebelfelder auch viel Sonnenschein werden im November häufig mit dem sogenannten "Martinssommer" in Zusammenhang gebracht. Kalendarisch wäre er in diesem Jahr aber etwas früh dran. Dies lässt den Schluss zu, dass entweder auch in der kommenden Woche wieder milde und sonnige Herbsttage anstehen oder dass der Martinssommer in diesem Jahr einfach etwas verfrüht Einzug gehalten hat. Eine genaue Abgrenzung ist bei dem anhaltenden "Sommer im Herbst" aber auch schwierig. Die mittelfristigen Wettersimulationen, die ab dem kommenden Wochenende einen eher unbeständigen und windigen Wettercharakter zeigen, sprechen aber für den zu frühen "Martin". Auch im letzten Jahr stiegen die Höchstwerte bei viel Sonnenschein in der ersten Novemberhälfte vor allem im Südwesten auf Werte zwischen 14 und 19 Grad an und ließen ein Frühlingsfeeling aufkommen. Der Martinssommer wurde also seinem Ruf auch im Jahre 2017 gerecht.

Völlig außergewöhnlich ist eine Wärmeperiode vor allem Mitte November jedoch nicht, schon die diesbezüglichen Bauernregeln geben Hinweise auf diese überdurchschnittlichen Temperaturen. Im Volksmund wird eine typische Schönwetterperiode aufgrund stabiler Hochdrucklagen gegen Ende der ersten Novemberdekade vor allem in der Schweiz und Süddeutschland als "Martinssommer" oder "Martini-Sommer" bezeichnet. Dort ermöglicht die Wärmeperiode in den Weinbaugebieten eine Novemberlese. Aus meteorologischer Sicht gehören diese Tage zu den stetigen Singularitäten. Mittlerweile wird der Ausdruck "Martini-Sommer" im gesamten deutschsprachigen Raum angewendet.

Der Glaube an diese sogenannten Lostage geht auf Gebräuche des Altertums zurück, die später von der christlichen Kirche übernommen wurden. Im Mittelalter wurden diese Termine und andere Bauernregeln meist mündlich u.a. in "Bauernpraktiken" sowie in landwirtschaftlichen Kalendern überliefert. Im Falle des "Martini-Sommers" ereignete sich der Legende nach dieses Wetterphänomen erstmals beim Tod des heiligen Martin im französischen Tours. Der Bischof starb unerwartet während eines Besuches im Kloster, das er gegründet hatte. Bei der Überführung seines Leichnams auf der Loire in die Stadt sorgte ein plötzlicher Wärmeeinbruch dafür, dass die Ufer neu ergrünten und Obstbäume zu blühen begannen. Dieser Vorgang wurde damals als vermeintliches Wunder angesehen. Der "Martinssommer" ist demnach eine Zeit mit einigen warmen Tagen kurz vor der dunklen Winterzeit.

Dem Volksmund nach währt der "Martinssommer" jedoch nicht lange. Ob dies auch in diesem Jahr zutrifft, muss abgewartet werden. Wie beschrieben zeigen die Wettersimulationen ab nächster Woche eine Umstellung zu eher windigen und unbeständigen Wetterverhältnissen. Wie nachhaltig diese ist und ob eine blockierende Lage mit milden und trocken Wetterbedingungen mittel- bzw. langfristig erneut Einzug hält, werden die nächsten Tage zeigen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Grau, grauer, Nebel

Datum 04.11.2018

In Gruselfilmen sorgt er für eine mystische Stimmung und für manche Lyriker ist er eine Inspiration: Nebel. Die Tage, an denen diese bodenaufliegende Wolke Orte in eine "graue Suppe" versinken lässt, nehmen nun im Herbst wieder zu.

Wer kennt das nicht: Es ist Herbst, man freut sich auf lange Spaziergänge im bunt gefärbtem Laubwald bei strahlendem Sonnenschein in herrlich klarer Luft. Perfekt, schließlich verkünden die Meteorologen eine "ruhige Hochdruckwetterlage". Oder?! Erste Zweifel kommen auf, wenn man morgens verschlafen aus dem Fenster schaut, aber kein strahlendes Blau am Himmel erblickt, sondern vielmehr in eine triste, graue Suppe. Wenn man Glück hat, lichtet sich der Nebel am Vormittag oder Mittag und die Sonne setzt sich doch noch durch. Manchmal jedoch (und Bewohner einiger Flussniederungen nicken nun vermutlich zustimmend) bleibt es tagelang grau in grau, vielleicht mal hellgrau, mal dunkelgrau - man könnte auch resümieren, der Himmel erstrahlt in "Fifty shades of grey".

Nun soll dieses Thema des Tages etwas "Licht in die graue Dunkelheit" bringen, warum sich Nebel so gerne im Herbst bildet.

Es gibt drei Typen von Nebel: Abkühlungsnebel, Verdunstungsnebel und Mischungsnebel. MISCHUNGSNEBEL entsteht kurz gesagt wenn kalte und warme Luft aufeinanderstoßen, z.B. in Bereich von Wetterfronten. VERDUNSTUNGSNEBEL hingegen kann man häufig bei Seen oder Flüssen beobachten (sie scheinen regelrecht zu "rauchen"), wenn das warme Wasser verdunstet und die darüber liegende Luftschicht stark anfeuchtet.

Besondere Aufmerksamkeit soll heute aber dem ABSKÜHLUNGSNEBEL gewidmet werden, bzw. dessen Unterart dem STRAHLUNGSNEBEL. Er bildet sich bei klarem und windschwachem Wetter, vor allem in Nächten im Herbst oder Frühjahr, wenn die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht am größten sind. Bodennahe Luft kühlt sich ab und der enthaltene Wasserdampf kondensiert. Sobald sich nach Sonnenaufgang die Erdoberfläche aufheizt und die Sonne die Luft erwärmt, verdunsten die Tropfen und der Nebel löst sich auf. Im Winter hat die Sonne so wenig Kraft, dass der Nebel teilweise tagelang erhalten bleiben kann. Da sich der Nebel häufig nur am Boden befindet, spricht man auch von Bodennebel, Talnebel, Wiesennebel, Nebelmeer, Nebelbank oder wenn er sich vom Boden löst auch von Hochnebel.

Auch in den aktuellen Wetterberichten für die kommenden Tage finden sich fast täglich die Begriffe "Nebel", "Hochnebel", "in den Nächten verdichtet sich vorhandener Nebel erneut" etc., sodass es vielerorts wieder eine Lotterie ist, wo sich die graue Suppe hält und wo die Sonne die Überhand gewinnt. Aber wer die Grautöne am Horizont Leid hat, kann sich auch die Bergschuhe schnüren und wie in Caspar David Friedrichs Gemälde "Der Wanderer über dem Nebelmeer" auf eine Bergspitze kraxeln und ganz erhaben über den Wolken stehen...

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Wie uns Tiere das Wetter ankündigen

Datum 01.11.2018

Tiere, die in freier Natur leben, haben einen sehr feinen Spürsinn für Gefahren, der ihnen im Ernstfall das Leben rettet. Einige Tiere reagieren auch empfindlich auf bevorstehende Wetteränderungen.

"Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen. Fliegen die Schwalben in den Höh'n, kommt ein Wetter, das ist schön." Fast jeder kennt diesen Spruch oder hat schon eine abgewandelte Form von ihm gehört. Der Zusammenhang mit dem Wetter ist leicht hergestellt: Schwalben fressen Insekten und bei trockenen und warmen Bedingungen fliegen diese länger und auch in größeren Höhen. Bei kühleren, feuchten und windigen Wetterbedingungen sind die Insekten hingegen eher in Bodennähe zu finden. Meteorologisch betrachtet ergibt sich folgendes Bild: Starke Sonneneinstrahlung an mehreren Tagen in Folge findet man vor allem bei Hochdruckwetterlagen. Diese haben die Neigung, sich nicht so schnell aufzulösen, man kann also davon ausgehen, dass auf einen schönen Tag ein weiterer schöner Tag folgt.

"Ziehen die wilden Gäns' und Enten fort, ist der Winter bald am Ort." Diese Bauernregel bezieht sich auf den Zug der Vögel im Winter in wärmere Gefilde. Sobald der erste Kaltlufteinbruch ansteht und das Futterangebot eingeschränkter ist, setzt bei den Vögeln die sogenannte "Zugunruhe" ein. Sie bereiten sich auf den Flug in ihr Winterquartier vor, der unmittelbar bevorsteht. Eine Erweiterung der Regel findet sich etwa in diesem Spruch: "Bleiben die Schwalben lange, sei vor dem Winter nicht bange." Ziehen die Schwalben erst später in Richtung Süden, gab es offenbar noch keinen Kaltlufteinbruch, der Winter "verspätet" sich also. Aus der Länge des Winters aber auf die Stärke zu schließen, kann ins Auge gehen. Auch ein kurzer Winter kann knackig kalt sein.

Das wohl berühmteste Wettertier ist der Hahn. Er steht auf vielen Dächern und zeigt die Windrichtung an. Eine oft zitierte und modifizierte Bauernregel lautet: "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, kräht er auf dem Hühnerhaus, hält das Wetter die Woche aus." Den meisten dürfte der erste Teil der Bauernregel geläufig sein. Aber erst zusammen mit dem zweiten Teil macht die Regel Sinn. Denn, kräht der Hahn auf dem Mist, ist dieser vermutlich nass und er ist dort mit Nahrungsaufnahme beschäftigt. Kräht er hingegen auf dem Dach des Hühnerstalls, ist der Misthaufen vermutlich trocken und das Nahrungsangebot nicht so reichlich, weil sich die Würmer und Insekten in die unteren Schichten verzogen haben. Da sich Hochdruckwetterlagen und somit meist schönes und trockenes Wetter länger halten, als Wetterlagen mit Tiefdruckeinfluss die oft Regen bringen, entbehrt diese Regel nicht einer gewissen Logik. Findet der Hahn auf dem Mist etwas zu fressen, gab es vermutlich Regen oder regnet es aktuell. Aufgrund der eher kurzlebigen Tiefdruckwetterlagen steht ein Wetterwechsel, zu welchem Wetter auch immer, bevor. Findet er hingegen auf dem Mist nichts zu fressen, ist dieser wohl trocken und, geht man von langlebigen Hochdrucklagen aus, bleibt es wohl auch noch trocken. Ob das eine ganze Woche so sein muss, sei dahingestellt.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Latente Energie - die verborgene Kraft in der Wetterküche!

Datum 31.10.2018

Eine verborgene Energie sorgt für Knalleffekte! Auch bei den intensiven, überwiegend konvektiven Niederschlägen in Italien und den westlichen Balkanregionen sorgte die "latente Energie" für einen zusätzlichen Antrieb.

Die latente Wärmeenergie [von lat. latere=verbergen] ist die Wärmeenergie, die bei konstanter Temperatur und konstantem Luftdruck für einen Aggregatzustandswechsel eines Stoffes benötigt bzw. bei einem Phasenübergang freigesetzt wird. Die Phasenübergänge zwischen den Aggregatzuständen fest und flüssig werden dabei als "Gefrieren" und "Schmelzen" bezeichnet. Zwischen den Zuständen flüssig und gasförmig spricht man von "Kondensieren" und "Verdunsten". Bei den Übergängen von fest und gasförmig ist schließlich die Rede von "Sublimieren" und "Resublimieren".

Für die Meteorologie ist diesbezüglich der Stoff "Wasser" von besonderer Bedeutung, der bei seinen Phasenwechseln große Energiemengen in der Troposphäre umsetzt. Der Begriff "Latente Wärmeenergie" steht meist für die Wärmemenge, die im Wasserdampf als potentielle Energie gespeichert ist. Luft, die Wasserdampf enthält, besitzt aus diesem Grund auch immer eine große Energiemenge, die sich aber nicht in der Temperatur auswirkt und deshalb latent (verborgen) genannt wird.

Diese Wärmemenge wird, global betrachtet, bei der Verdunstung hauptsächlich den Wasseroberflächen entzogen. Im Wasserhaushalt der Erde besteht die Verdunstungskomponente aus rund 86 Prozent Meeresanteil und rund 14 Prozent Landanteil. Während des Verdunstungsvorgangs wird der Verdunstungsoberfläche Wärme entzogen, wobei ihre messbare Temperatur absinkt. Dieser verdunstungsbedingte Abkühlungseffekt kann schließlich bei den unterschiedlichsten Wetterphänomenen beobachtet werden.

Im Winter ist beispielsweise ein rasches Absinken der Schneefallgrenze mit der Verdunstungsabkühlung in Verbindung zu bringen. Fällt Niederschlag, anfangs als Regen, in eine trockene bodennahe Schicht, verdunstet er zunächst und kühlt somit die Schicht ab. Nachfolgend sinkt die Schneefallgrenze ab. Vor allem in den Tälern der Gebirge lässt sich dieser Vorgang besonders gut nachvollziehen. Des Weiteren kann eine signifikante Verdunstungsabkühlung z.B. im Umfeld von tropischen Wirbelstürmen festgestellt werden. Diese beziehen den Großteil ihrer benötigten Energie aus dem Meeresoberflächenwasser. Bei der Verdunstung wird dem Meerwasser Wärmeenergie entzogen, was eine deutliche Erniedrigung der Temperatur der Wasseroberfläche zur Folge hat. Mit Durchzug von Hurrikan "Katrina" im Golf von Mexiko fiel beispielsweise die Wasseroberflächentemperatur um etwa 1 Grad von 32 auf 31 Grad ab (vom 29. Zum 30. August 2005).

Bei der Kondensation (Übergang gasförmig-flüssig) oder Sublimation (Übergang gasförmig-fest) des Wasserdampfes wird die latente Wärmeenergie schließlich wieder freigesetzt. In der Troposphäre erhöht sich dabei die Lufttemperatur der Umgebung. Dieser kondensationsbedingte Erwärmungseffekt tritt z.B. bei der Wolken- und Niederschlagsbildung auf. Besonders bei Gewitterwolken, den sogenannten "Cumulonimbi", ist die Freisetzung von latenter Energie von großer Bedeutung. Je mehr Wasserdampf kondensiert, umso mehr Wärmeenergie wird freigesetzt und desto größer sind die Aufwinde in der Wolke. Dies ist auch der Grund, weshalb sich vor allem an schwülheißen Sommertagen, an denen die Luft über einen hohen Feuchtegehalt verfügt, kräftige Gewitter entwickeln können.

Von diesen Tagen sind wir in Deutschland derzeit allerdings weit entfernt. Auch wenn sich der Oktober teilweise sommerlich zeigte und auch der November sich in den nächsten Tagen anschickt, örtlich Temperaturen bis 20 Grad zu erreichen. Ein Blick auf die Alpensüdseite kann sehr schön die Effekte der latenten Energie sichtbar machen. Wie im Thema des Tages vom 27. Oktober beschrieben, kam es in Italien durch kräftige Gewitter, die sich teilweise zu mächtigen Clustern zusammenschlossen, zu heftigen konvektiven Niederschlägen. Da das Mittelmeer noch über eine relativ hohe Oberflächenwassertemperatur verfügt, können die bodennahen Luftmassen entsprechend erwärmt und mit Feuchte angereichert werden. Die induzierte Hebung der Luft in höheren Schichten setzt, wie beschrieben, die "latente Energie" frei und verstärkt somit die vertikalen Windgeschwindigkeiten. Aber auch die am 27. Oktober betrachteten intensiven Niederschläge an den orographischen Hindernissen wie Alpen und Apenninen verfügten durch die gestauten, sehr feuchten und warmen Luftmassen vom Mittelmeer über einen gewissen Antrieb durch die "latente Energie".

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Bauernregeln im Oktober

Datum 29.10.2018

Es gibt sie für nahezu jeden Tag und jede Gelegenheit: die Bauernregeln. Früher unentbehrlich, hat die moderne Wissenschaft die alten Regeln inzwischen abgelöst. Wir gucken dennoch auf ein paar Regeln für den Oktober.

"Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Januar/Februar." Statistisch gesehen ist an der oben genannten Bauernregel - nur auf die Temperatur bezogen - nicht viel dran. Wenn man in der Statistik allerdings die Jahre betrachtet, in denen der Oktober zu warm und auch zu trocken war, so folgt in 90 % der Fälle (also in 9 von 10 Jahren) ein überdurchschnittlich kalter Januar und in 65 % der Fälle auch ein zu kalter Februar. Ursächlich für schönes und warmes Oktoberwetter, ist eine länger anhaltende Hochdrucklage unter Zufuhr von trockener Warmluft, wie wir sie lange in diesem Herbst hatten. Laut Statistik kehrt die Großwetterlage aus dem Oktober oftmals im darauf folgenden Januar wieder. Hochdruck im Januar bedeutet allerdings meistens Kälte. Geht man von der hohen Trefferquote dieser Bauernregel aus, so könnte man für den kommenden Januar eine Hochdrucklage mit Kälte annehmen.

"Viel Nebel im Oktober - viel Schnee im Winter." Diese Regel hat eine statistisch nachgewiesene Trefferquote von 60 %. Das bedeutet, wenn im Oktober die Anzahl der Tage mit Nebel überdurchschnittlich hoch ist, gibt es auch überdurchschnittlich viele Tage im Winter an denen Schnee liegt. Nun hatten wir nur sehr wenige Tage mit Nebel, der dann auch nur sehr lokal auftrat. Für den kommenden Winter müsste man jetzt nach dieser Regel annehmen, dass es nur wenige Tage mit Schnee gibt. Kleiner Trost für alle Schneefans: In 4 von 10 Jahren lag die Bauernregel daneben.

"Ist St. Gallus (16. Oktober) trocken, folgt ein Sommer mit nassen Socken" oder aber auch "Einem trockenen Gallustag ein trockener Sommer folgen mag." Sich widersprechende Bauernregeln gibt es einige. Ähnlich liegt dann auch die Trefferquote bei 50 bis 60 %. Der diesjährige 16. Oktober war trocken, für den nächsten Sommer kann es also so oder so ausgehen.

Man kann derzeit keine brauchbare Prognose für den Winter oder gar den nächsten Sommer abgeben. Die von einigen Klimamodellen berechneten Trends weisen aktuell große Differenzen auf. Je nachdem, ob man das europäische oder das amerikanische Modell betrachtet, bekommt man zurzeit unterschiedliche Ergebnisse. Eines ist jedenfalls sicher: Die Tage werden erst kürzer und dann wieder länger.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Sintflutartiger Regen in Mittel- und Norditalien

Datum 27.10.2018

Nasse Aussichten für Italien und die westlichen Balkanregionen. Stauniederschläge und Gewittercluster laden über drei Tage viel Regen teilweise auch in kurzen Zeiträumen ab und stellen die Infrastruktur vor eine große Herausforderung.

Ab dem heutigen Samstag öffnet der Himmel über weiten Teilen Italiens sowie dem südöstlichen Zipfel von Frankreich seine Schleusen und flutet die genannten Regionen.

Wie so häufig in den letzten Monaten und Jahren stellt sich wieder ein meridionales Strömungsmuster über Europa ein. Während sich auf dem Atlantik ein kräftiges Hoch aufplustert und bis nach Spitzbergen ausdehnt, macht sich von Nordwestrussland bis nach Nordafrika hochreichend tiefer Luftdruck breit. Daraus resultiert schließlich über dem Atlantik auf der Vorderseite des Hochs eine nördliche Strömung. Dagegen stellt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Russland eine stramme südwestliche Grundströmung ein.

Für den Mittelmeerraum steht dabei der bis in große Höhen reichende Tiefdruckkomplex über der Westküste Spaniens sowie den Balearen im Fokus, der sich in den nächsten Tagen allmählich nordwärts über die Schweiz hinweg bis in die Nordsee verlagert. Auf dessen Ostflanke strömt die Luft aus südwestlichen bis südlichen Richtungen vom Mittelmeer direkt nach Italien. Für die heftigen und teils länger andauernden Regenfälle dort sind dabei gleich mehrere Faktoren und Prozesse verantwortlich.

Eine wesentliche Voraussetzung für heftigen Starkregen ist der Flüssigwassergehalt einer Wolke. Umso wärmer nun die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie in Form von Wasserdampf bzw. Wolkentröpfchen binden. Über dem westlichen und mittleren Mittelmeer findet die Luft diesbezüglich derzeit sehr gute Bedingungen vor. Bei Oberflächenwassertemperaturen von 20 bis 23 Grad kann die Luft von unten ordentlich erwärmt und gleichzeitig mit Feuchte angereichert werden. Nun muss nur noch der Stark- bzw. Dauerregen ausgelöst werden. Dazu werden Hebungsprozesse, also aufsteigende Luftmassen, benötigt.

Aufsteigende Luftmassen sind entweder in dynamischen, diabatischen oder orographischen Prozessen begründet. Bei einem diabatischen Hebungsprozess liegt zwischen warmen bodennahen und kalten höheren Luftschichten eine größere Temperaturdifferenz vor, sodass Umlagerungsbewegungen einsetzen. Die warme bodennahe Luft steigt auf und die kältere Höhenluft sinkt ab. Je größer die Temperaturunterschiede, desto stärker das Aufsteigen der Luft (Hebung).

Dynamische Hebungsprozesse sind da wesentlich komplexer. Auf der Vorderseite eines Höhentiefs liegen im Normalfall divergente, also auseinanderlaufende Luftbewegungen vor, sodass Luft von tiefer liegenden Luftschichten nach oben nachströmen muss. Je stärker die Divergenz der Höhenströmung, desto mehr Luft muss von unten nachgeführt werden. Weitere dynamische Hebungsprozesse gibt es an den sogenannten Warm- und Kaltfronten. Während sich an einer Warmfront die mildere Luft über die kühlere Luft schiebt und so typischen Landregen auslöst, ist eine Kaltfront durch konvektive Wettererscheinungen wie Schauer und Gewitter geprägt. Auch hier gilt, je größer die Temperaturunterschiede der aufeinander treffenden Luftmassen, desto stärker die Hebung.

Den dritten Hebungsprozess beschreibt das orographisch bedingte Aufsteigen von Luftmassen an Gebirgen. Strömt die Luft gegen einen Berg wird sie gezwungen aufzusteigen, um das Hindernis zu überwinden. Natürlich kann die Luft auch um das Hindernis herumfließen, bei der Größe der Alpen ist dies aber kaum möglich, sodass meist nur der Weg über die Alpengipfel bleibt. Umso stärker der Wind gegen das orographische Hindernis strömt, desto kräftiger ist auch die erzwungene Hebung.

Egal, wie nun die Luft aufsteigt, durch die Abkühlung der Luft mit der Höhe kondensiert der Wasserdampf zu kleinen Wolkentröpfchen und fällt schließlich als Regen aus der Wolke hinaus zum Boden. Wie groß nun die Tropfen werden, ist maßgeblich von der Stärke der Aufsteigbewegung der Luft (Hebung) abhängig. Und da liefert die Umsetzung der sogenannten latenten Energie einen wesentlichen Beitrag (siehe künftiges Thema des Tages vom Mittwoch den 31. Oktober). Bei der Kondensation von Wasserdampf in Wolkentröpfchen wird Energie freigesetzt, die als zusätzlicher Sprit für die Hebungsprozesse dient.

Über dem mittleren Mittelmeer und somit auch weiten Teilen Italiens kommen gleich alle Prozesse zusammen. Einerseits presst die stramme südwestliche bis südliche Strömung die Luft vom Meer auf das Land und dann gegen die Apenninen sowie die Alpen. Entsprechend muss an der Küste mit einer Niederschlagsverstärkung sowie an den Alpen mit dem Einsetzen kräftiger, länger andauernder Niederschläge gerechnet werden. Gleichzeitig entstehen durch die beschriebenen dynamischen Hebungsprozesse sowie einem guten Entwicklungspotential großräumige Gewittercluster, die sich von den Balearen über Sardinien und Korsika bis nach Italien ziehen und heftigen Starkregen bringen.

Am heutigen Samstag sollen demnach an der Riviera, den Apenninen und an der Alpensüdseite schon 24-stündige Regenmengen zwischen 30 und 80, exponiert durch Alpenstau auch bis 150 mm fallen. Zum Sonntag sollen sich die Niederschläge nochmals intensivieren. Über 24 Stunden werden demnach bis Montagmorgen an der Westküste Italiens und an den Apenninen sowie an der Küste der Balkanstaaten 30 bis 120, örtlich bis 180 mm erwartet. An den Alpen sind im gleichen Zeitraum 40 bis 140 mm, exponiert bis 200 mm möglich. Am Montag ist noch keine Ende in Sicht. In den beschriebenen Regionen Italiens und des Balkans werden nochmals 40 bis 140 mm, exponiert auch bis 200 mm in 24 Stunden prognostiziert. Über drei Tage hinweg sollen somit bevorzugt an den Westküsten sowie den Südwest- bzw. Südstaulagen der Berge Regenmengen verbreitet zwischen 100 und 300 mm, an den Alpen lokal bis 500 mm oder mehr niedergehen (vgl. Graphik). Eine zusätzliche Gefahr geht dabei von den Gewitterclustern aus, die einen Großteil der Niederschläge in kurzer Zeit abladen können. So werden 100 mm oder mehr in wenigen Stunden keine Seltenheit sein.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

"Von O bis O"

Datum 26.10.2018

Das Sommerwetter bis weit in den Herbst hinein ist mittlerweile vorüber und letzterer zeigt sich immer mehr von seiner ungemütlichen Seite. Damit ist nun die ideale Zeit für den Wechsel auf Winterreifen, um gut für die bevorstehende Wintersaison gerüstet zu sein.

In den vergangenen Wochen erlebten wir einen goldenen Oktober, wie man ihn sich nicht besser vorstellen kann. Verbreitet neue Temperaturrekorde über 25 Grad riefen eher wieder Sommer- als Herbstgefühle hervor. Bei diesen Wetterbedingungen hat man ganz vergessen, dass wir uns meteorologisch gesehen bereits in der zweiten Hälfte des meteorologischen Herbstes (1. September bis 30. November) befinden. In dieser Woche gestaltete sich das Wetter schon eher der Jahreszeit entsprechend. Kühlere Temperaturen, Wind, viele Wolken und zumindest in einigen Regionen etwas Regen waren mit von der Partie. Der Herbst schreitet weiter voran, da wird es nun auch für Autofahrer Zeit, sich auf die Wintersaison vorzubereiten.

Als grober Anhaltspunkt für das Wechseln von Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt gilt die Faustregel "Von Oktober bis Ostern", kurz gesprochen "Von O bis O". Natürlich darf man diese Regel nicht allzu wörtlich nehmen, denn Ostern fällt als bewegliches Fest jedes Jahr auf ein anderes Datum. Generell hängt der geeignete Termin für den Reifenwechsel von den aktuellen Wetterbedingungen ab. Gerade bei frühen Ostern kann es durchaus auch nach den Feiertagen noch ein winterliches Intermezzo geben.

In Deutschland ist kein bestimmter Zeitraum für die Nutzung von Winterreifen gesetzlich vorgeschrieben. Aber die Straßenverkehrsordnung verpflichtet die Autofahrer, bei winterlichen Straßenverhältnissen nur mit wintertauglichen Reifen zu fahren. In Österreich schreibt das Gesetz hingegen vor, dass in einem festgelegten Zeitraum vom 1. November bis 15. April bei Schnee, Matsch, Reif oder Glatteis Winterreifen verwendet werden müssen.

Aber nicht nur bei Schnee und Glätte sind Winterreifen ratsam. Auch die Temperatur hat einen entscheidenden Einfluss auf die Bodenhaftigkeit der Reifen. Damit ein Winterreifen auch bei kalten Temperaturen geschmeidig bleibt, enthält die Gummimischung einen hohen Anteil von Naturkautschuk. Aber Vorsicht! Auch ein zu früher Wechsel von Sommerreifen auf Winterreifen ist nicht von Vorteil, denn bei zu hohen Temperaturen wird der Winterreifen zu weich, was sich ebenfalls negativ auf die Bodenhaftigkeit auswirkt. Hätte man in diesem Jahr die oben genannte Faustregel für bare Münze genommen und schon Anfang Oktober den Reifenwechsel vollzogen, wäre man sicher nicht gut beraten gewesen. Lange Zeit galt als Anhaltspunkt, die Reifen bei etwa 7°C Lufttemperatur zu wechseln. Allerdings hängt die ideale Temperatur von der speziellen Gummimischung der Reifen ab - falsch liegt man bei dieser Temperatur für den Reifenwechsel dennoch nicht.

Das kommende Wochenende eignet sich ganz gut für den Einsatz von Wagenhebern und Radmutterschlüsseln. Über Westeuropa stößt polare Kaltluft weit nach Süden bis zur Iberischen Halbinsel vor und induziert dabei die Entwicklung eines kräftigen Tiefdruckgebietes nahe den Balearen. Ein weiteres Tief befindet sich am Samstag über der Ostsee (siehe Abbildung). Die dazugehörige Kaltfront überquert bereits am heutigen Freitag und in der Nacht zum Samstag Deutschland mit leichten Regenfällen. Auf ihrer Rückseite fließt Kaltluft auch bei uns ein. Gleichzeitig wird an der Vorderseite des Balearentiefs Warmluft nach Norden über die Alpen transportiert und gleitet auf die eingeflossene Kaltluft auf. Die damit verbundenen Niederschläge vereinen sich über Süddeutschland mit den Niederschlägen der Kaltfront. Dabei sinkt die Schneefallgrenze immer weiter ab, sodass in der Nacht zum Sonntag vor allem im Schwarzwald und in der Schwäbischen Alb die ersten Schneefälle erwartet werden können. Die Schneefallgrenze könnte zeitweise bis in mittlere Lagen sinken (ca. 500 - 600m), örtlich ist durchaus mit einigen Zentimetern Neuschnee zu rechnen. Sonntagmorgen ist möglicherweise auch für die fränkischen Mittelgebirge und später für den Thüringer Wald und das Erzgebirge oberhalb von 500 - 800m etwas Schnee drin, liegen bleiben wird dort aber kaum etwas. Auch im Tiefland wird es ungemütlich bei sehr kühlen Temperaturen zwischen 4 und 8 Grad. Winterreifen sind bei diesen Wetteraussichten also keine schlechte Wahl.

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel

Die nebligsten Orte der Welt oder: Jammern auf hohem Niveau

Datum 24.10.2018

Im Herbst tritt in Deutschland häufig Nebel auf. Doch es gibt Regionen auf der Erde, in denen das noch viel öfter der Fall ist. Wir gehen auf eine kleine Reise zu den nebligsten Orten der Welt.

Herbstzeit ist Nebelzeit in Deutschland. Gerade dann, wenn die Wetterkarten Hochdruck und schwachen Wind verkünden, bleibt der Sonnenschein in vielen Regionen rar oder bleibt ganz aus. Kein goldener Herbst, bei dem das warme Licht der tiefstehenden Sonne die Wälder golden färbt, sondern dichte Nebelschleier, die alles und jeden umhüllen und fad-grau erscheinen lassen. Ja, das kann durchaus auf die Stimmung schlagen. Dass wir dahingehend aber eher auf hohem Niveau jammern, soll das heutige Thema des Tages darlegen. Wir gehen auf die Reise zu den nebligsten Orten der Welt.

Schauen wir aber zunächst mal vor die eigene Haustür. In erster Näherung nimmt die Nebelhäufigkeit von Nord nach Süd und von West nach Ost zu. Bemerkenswert ist eine relative Nebelarmut am Niederrhein und im Münsterland bis zur Schwelle des Teutoburger Waldes, was in der "Leelage" bei südlichen und östlichen Strömungen begründet ist. Richtung Ostdeutschland nimmt die Nebelhäufigkeit besonders in den Geestgebieten in der Nähe von Feuchtgebieten zu, mit einem Maximum in der Altmark. Im Bereich der Mittelgebirge werden Mulden- und Tallagen, wo sich Kaltluft und Feuchtigkeit sammeln und lange halten können, vom Nebel bevorzugt, während größere Erhebungen oft aus den kalten "Nebelmeeren" herausragen. Im Süden nimmt die Nebelneigung von West nach Ost deutlich zu, sodass z. B. am südlichen Oberrhein weitaus seltener Nebel auftritt als im Donautal und rund um den Bodensee, wo Maxima der Häufigkeit zu verzeichnen sind. Zu den Alpen wird Nebel - mal von den Flussniederrungen abgesehen, wieder weniger häufig. Die durchschnittliche Anzahl der Nebeltage, also Tage, an denen die horizontale Sichtweise unter 1 km sinkt, beträgt am verhältnismäßig nebelarmen Niederrhein in Düsseldorf nur rund 40 Tage, in Frankfurt und Nürnberg immerhin schon 50 bis 60 Tage, in Bad Hersfeld nahe der Fulda und in Regensburg an der Donau über 70 Tage.

70 Tage Nebel? Das bedeutet immer noch knapp 300 Tage ohne Nebel. Über diese Anzahl an nebelfreien Tagen wäre man anderswo sicher sehr froh. So beispielsweise auf der Neufundlandbank, einer Gruppe von Unterwasserplateaus vor Neufundland. Die "Grand Banks" sind der mutmaßlich nebligste Ort der Welt. Das Aufeinandertreffen von kalten und warmen Meeresströmen, dem Labrador- und dem Golfstrom, und die dadurch forcierte Mischung von feucht-warmen und feucht-kalten Luftmassen begünstigt die Nebelbildung so sehr, dass quasi an jedem Tag Nebel auftritt.

Ähnlich sieht es in der Atacama-Wüste in Südamerika aus. Nebel in einer Wüste? Ja, durchaus! Obwohl die Atacama bezogen auf die Niederschlagsmengen zu den trockensten Orten auf der Erde gehört, wird quasi tagtäglich Nebel, der über dem vom Humboldtstrom gekühlten Wasser des Pazifiks entsteht, durch den Seewind weit ins Inland "geblasen". Diese Nebelschwaden sind so charakteristisch für die Region, dass sie einen eigenen Namen bekommen haben: "Camanchaca".

Sie haben ein Foto von der Golden-Gate-Bridge ohne Nebel? Herzlichen Glückwunsch! An den meisten anderen Tagen ziehen nämlich flache Nebelfelder vom Pazifik in die Bucht von San Francisco und umhüllen auch die bekannte Hängebrücke. Ausgerechnet in den Sommermonaten ist die Kombination aus Temperatur und Feuchte oft sehr begünstigend für Nebel in der Metropolregion San Francisco.

Mit immerhin durchschnittlich 125 Nebeltagen wartet die eigentlich bei Touristen äußerst beliebte neuseeländische Großstadt Hamilton auf. Im Gegensatz zur "Nebelhochburg Atacama" herrscht dort allerdings von Natur aus ein durchweg feuchtes Meeresklima mit hohen Niederschlagsmengen. Nass-kalte und sehr neblige Wintermorgen sind typisch für die Region, wenngleich sich dieser Nebel mittags oft auflöst und sonnigen und angenehmen Bedingungen weicht.

Bei uns in Europa sind derweil an erster und zweiter Stelle die norditalienische Po-Ebene und das Schweizer Mittelland zu nennen. In beiden Regionen sorgt oft fehlender oder schwach ausgeprägter Luftmassenaustausch dafür, dass sich flache Kaltluftseen und dadurch scharfe und stabile Inversionen ausbilden können - das sind Bereiche, wo die Lufttemperatur über einen bestimmten Bereich in der Atmosphäre mit der Höhe zunimmt. An ihr breiten sich gerne Hochnebelfelder aus.

Sie sehen, es gibt Orte, an denen es weitaus häufiger neblig-trüb ist als in Deutschland. Vielleicht hilft Ihnen die Auflistung der nebligsten Orte der Welt ja ein Stück weit über die nächste, ausgeprägte Nebelsituation hinweg - frei nach dem Motto: "Es könnte schlimmer sein!"

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Die nebligsten Orte der Welt oder: Jammern auf hohem Niveau

Datum 24.10.2018

Im Herbst tritt in Deutschland häufig Nebel auf. Doch es gibt Regionen auf der Erde, in denen das noch viel öfter der Fall ist. Wir gehen auf eine kleine Reise zu den nebligsten Orten der Welt.

Herbstzeit ist Nebelzeit in Deutschland. Gerade dann, wenn die Wetterkarten Hochdruck und schwachen Wind verkünden, bleibt der Sonnenschein in vielen Regionen rar oder bleibt ganz aus. Kein goldener Herbst, bei dem das warme Licht der tiefstehenden Sonne die Wälder golden färbt, sondern dichte Nebelschleier, die alles und jeden umhüllen und fad-grau erscheinen lassen. Ja, das kann durchaus auf die Stimmung schlagen. Dass wir dahingehend aber eher auf hohem Niveau jammern, soll das heutige Thema des Tages darlegen. Wir gehen auf die Reise zu den nebligsten Orten der Welt.

Schauen wir aber zunächst mal vor die eigene Haustür. In erster Näherung nimmt die Nebelhäufigkeit von Nord nach Süd und von West nach Ost zu. Bemerkenswert ist eine relative Nebelarmut am Niederrhein und im Münsterland bis zur Schwelle des Teutoburger Waldes, was in der "Leelage" bei südlichen und östlichen Strömungen begründet ist. Richtung Ostdeutschland nimmt die Nebelhäufigkeit besonders in den Geestgebieten in der Nähe von Feuchtgebieten zu, mit einem Maximum in der Altmark. Im Bereich der Mittelgebirge werden Mulden- und Tallagen, wo sich Kaltluft und Feuchtigkeit sammeln und lange halten können, vom Nebel bevorzugt, während größere Erhebungen oft aus den kalten "Nebelmeeren" herausragen. Im Süden nimmt die Nebelneigung von West nach Ost deutlich zu, sodass z. B. am südlichen Oberrhein weitaus seltener Nebel auftritt als im Donautal und rund um den Bodensee, wo Maxima der Häufigkeit zu verzeichnen sind. Zu den Alpen wird Nebel - mal von den Flussniederrungen abgesehen, wieder weniger häufig. Die durchschnittliche Anzahl der Nebeltage, also Tage, an denen die horizontale Sichtweise unter 1 km sinkt, beträgt am verhältnismäßig nebelarmen Niederrhein in Düsseldorf nur rund 40 Tage, in Frankfurt und Nürnberg immerhin schon 50 bis 60 Tage, in Bad Hersfeld nahe der Fulda und in Regensburg an der Donau über 70 Tage.

70 Tage Nebel? Das bedeutet immer noch knapp 300 Tage ohne Nebel. Über diese Anzahl an nebelfreien Tagen wäre man anderswo sicher sehr froh. So beispielsweise auf der Neufundlandbank, einer Gruppe von Unterwasserplateaus vor Neufundland. Die "Grand Banks" sind der mutmaßlich nebligste Ort der Welt. Das Aufeinandertreffen von kalten und warmen Meeresströmen, dem Labrador- und dem Golfstrom, und die dadurch forcierte Mischung von feucht-warmen und feucht-kalten Luftmassen begünstigt die Nebelbildung so sehr, dass quasi an jedem Tag Nebel auftritt.

Ähnlich sieht es in der Atacama-Wüste in Südamerika aus. Nebel in einer Wüste? Ja, durchaus! Obwohl die Atacama bezogen auf die Niederschlagsmengen zu den trockensten Orten auf der Erde gehört, wird quasi tagtäglich Nebel, der über dem vom Humboldtstrom gekühlten Wasser des Pazifiks entsteht, durch den Seewind weit ins Inland "geblasen". Diese Nebelschwaden sind so charakteristisch für die Region, dass sie einen eigenen Namen bekommen haben: "Camanchaca".

Sie haben ein Foto von der Golden-Gate-Bridge ohne Nebel? Herzlichen Glückwunsch! An den meisten anderen Tagen ziehen nämlich flache Nebelfelder vom Pazifik in die Bucht von San Francisco und umhüllen auch die bekannte Hängebrücke. Ausgerechnet in den Sommermonaten ist die Kombination aus Temperatur und Feuchte oft sehr begünstigend für Nebel in der Metropolregion San Francisco.

Mit immerhin durchschnittlich 125 Nebeltagen wartet die eigentlich bei Touristen äußerst beliebte neuseeländische Großstadt Hamilton auf. Im Gegensatz zur "Nebelhochburg Atacama" herrscht dort allerdings von Natur aus ein durchweg feuchtes Meeresklima mit hohen Niederschlagsmengen. Nass-kalte und sehr neblige Wintermorgen sind typisch für die Region, wenngleich sich dieser Nebel mittags oft auflöst und sonnigen und angenehmen Bedingungen weicht.

Bei uns in Europa sind derweil an erster und zweiter Stelle die norditalienische Po-Ebene und das Schweizer Mittelland zu nennen. In beiden Regionen sorgt oft fehlender oder schwach ausgeprägter Luftmassenaustausch dafür, dass sich flache Kaltluftseen und dadurch scharfe und stabile Inversionen ausbilden können - das sind Bereiche, wo die Lufttemperatur über einen bestimmten Bereich in der Atmosphäre mit der Höhe zunimmt. An ihr breiten sich gerne Hochnebelfelder aus.

Sie sehen, es gibt Orte, an denen es weitaus häufiger neblig-trüb ist als in Deutschland. Vielleicht hilft Ihnen die Auflistung der nebligsten Orte der Welt ja ein Stück weit über die nächste, ausgeprägte Nebelsituation hinweg - frei nach dem Motto: "Es könnte schlimmer sein!"

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Wieviel Energie steckt eigentlich in einer Wolke?

Datum 23.10.2018

Manche sehen wunderbar flauschig aus, andere können wiederum sehr bedrohlich wirken, alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie schweben scheinbar am Himmel und sehen federleicht aus. Aber sind Wolken wirklich so leicht, wie sie aussehen? Und wie viel Energie steckt eigentlich in einer Wolke?

Viele Menschen haben den Eindruck, Wolken seien schwerelos und schweben leise über der Erde. Gerade beim Blick aus dem Flugzeug wirken sie federleicht. Und selbst große Gewitterwolken geben uns trotz ihres bedrohlichen Aussehens nicht gerade den Eindruck, als seien sie tausende Tonnen schwer.

Wagen wir uns deshalb an ein kleines Gedankenexperiment und fragen uns, wie viel eine flauschige "Schönwetterwolke" wohl wiegen könnte. Schönwetterwolken werden in Fachkreisen auch als Kumuluswolken (Cumulus humilis oder Cumulus mediocris, siehe Links weiter unten auf www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/10/23.html) bezeichnet. Bei den Kumuli (Plural von Kumulus) handelt es sich um reine Wasserwolken, die im tiefsten der drei Wolkenstockwerke in einer Höhe zwischen 600 m und etwa 2 km zu finden sind. Eiswolken sind im Gegensatz dazu in deutlich größeren Höhen anzutreffen. Die Temperatur schwankt im Innern der Wolke etwa zwischen -10 und +10 Grad, die Wolkentröpfchen können also auch "unterkühlt" (d. h. im flüssigen Aggregatszustand mit einer Temperatur unter dem Gefrierpunkt) vorliegen.

Gehen wir also davon aus, dass diese Wolke etwa 500 Meter breit, 500 Meter lang und 500 Meter hoch ist und nehmen nun der Einfachheit halber an, dass Luft bei einer Temperatur von 0 Grad Celsius etwa 5 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen kann. Dann bringt alleine das Wasser unserer Quellwolke ein unglaubliches Gewicht von 625 Tonnen (entspricht 625 m³ Wasser) auf die Waage - das Gewicht der Luft nicht eingerechnet. Unsere kleine, flauschige Schönwetterwolke wiegt also genauso viel, wie 125 ausgewachsene, afrikanische Elefanten. Und mit den Wassermassen könnte man etwa 4200 Badewannen oder ein quadratisches Schwimmbecken mit einer Tiefe von 2 Metern und einer Seitenlänge von etwa 18 Metern füllen.

Bei einem gewittrigen Schauer im Sommer können auch schon mal 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit aus einer Gewitterwolke fallen. Allerdings zieht die Wolke noch mehrere Kilometer weiter und regnet dabei immer weiter ab. Entsprechend bringt es die für unseren Sommer durchschnittliche Gewitterwolke gut und gerne auf über eine Million Tonnen. In den Tropen können sie sogar noch um ein vielfaches schwerer sein. Auch wenn Wolken federleicht aussehen, sollte spätestens jetzt klar sein, dass es sich dabei wohl eher um "meteorologische Schwergewichte" handelt.

Noch beeindruckender ist übrigens die Energie, die in Form von Wasserdampf in den Wolken steckt. Um dies zu berechnen, kann man annehmen, dass es etwa 2500 Kilojoule an Energie benötigt, um 1 Kilogramm flüssiges Wasser mit einer Temperatur von 0 Grad Celsius in Wasserdampf umzuwandeln. Rechnet man dies auf den Wassergehalt unserer Wolke hoch, schlagen sagenhafte 1.562.500.000 Kilojoule (entspricht etwa 1,56 Terajoule ) zu Buche. Konvertiert man diesen Wert in die allgemein geläufigere Einheit Wattstunde, so stecken gute 434.028 Kilowattstunden (kurz kWh) an Energie in einer solchen Wolke.

Auf Anhieb wird man sich jedoch auch unter der Energiemenge in Kilowattstunden nur wenig vorstellen können. Anhand einiger Beispiele wird jedoch schnell klar, dass es sich hierbei um eine gewaltige Menge handeln muss, die in der harmlos aussehenden Schönwetterwolke steckt. Denn die 434.028 kWh entsprechen der bei einer Explosion von etwa 375 Tonnen Trinitrotoluol (kurz: TNT - wohl einer der bekanntesten Sprengstoffe) frei werdenden Energie und ist damit fast zehnmal so hoch, wie die Sprengkraft der stärksten konventionellen Bombe mit dem Namen "Vater aller Bomben" (kurz: FOAB), die von Russland erstmals im Jahr 2007 gezündet wurde.

Nimmt man an, dass ein Elektroauto der Mittelklasse einen Verbrauch von 20 kWh auf 100 Kilometern Strecke aufweist, so kommt man mit der Energie einer Kumuluswolke stolze 2,2 Millionen Kilometer weit. Das entspricht ganzen 55 Erdumrundungen entlang des Äquators. Alternativ könnte man mit der Energie auch einen handelsüblichen Haartrockner mit 2000 Watt über 25 Jahre hinweg dauerhaft betreiben.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Verlängerung der Badesaison?

Datum 21.10.2018

Zugegeben, in diesem Jahr können wir in Mitteleuropa nicht über mangelndes Badewetter klagen. Doch wo kann man jetzt noch in der freien Natur schwimmen?

Bis weit in den Oktober hinein gab es Sommertage und mancherorts verlängerten die Freibäder die Saison. Nun macht sich aber der Herbst auf, den nicht enden wollenden Sommer zu vertreiben. Gab es am vergangenen Wochenende noch verbreitet Sommertage und Temperaturhöchstwerte bis 29 Grad, so ist es an diesem Wochenende mit nur noch 13 bis 19 Grad schon deutlich kühler, zudem halten sich gebietsweise auch dichtere Wolken und die Sonne hat immer weniger Kraft. Für die kommende Woche finden sich gar Signale für den ersten Herbststurm der Saison in den Wetterkarten.

Mit dem Ende des Sommers endet für gewöhnlich die Freiluftschwimmersaison, zumindest in den Bädern, die ihre Außenbecken nicht beheizen können. Auch der in diesem Jahr prächtige goldene Oktober geht nun zu Ende. Die aktuelle Wassertemperatur an Nord- und Ostsee von 12 bis 15 Grad lädt nur noch Hartgesottene zum Baden ein und die einheimischen Seen und Flüsse sind meist nicht viel wärmer.

Wie sieht es derzeit an den anderen europäischen Küsten aus? Im Ärmelkanal herrschen aktuell 16 bis 18 Grad, die Atlantikküste Portugals und Spaniens kann noch mit 18 bis 21 Grad aufwarten. Das ist zwar deutlich mehr als an Nord- und Ostsee, aber von "angenehm" für viele Badende doch noch ein bisschen entfernt. Etwas wärmer, und damit badetauglich, ist es da schon im Mittelmeer mit etwa 23 Grad rund um die Balearen, vor Zypern liefern Messgeräte zurzeit gar bis zu 25 Grad Wassertemperatur.

Alle "Warm-Bader" müssen etwas weiter reisen. Hier empfehlen sich die Karibik oder Hawaii oder auch die Malediven mit einer Wassertemperatur aktuell zwischen 26 und 30 Grad. Auch an der südamerikanischen Ostküste und im Westpazifik kommen wärmeliebende Schwimmer bei 25 bis 30 Grad Wassertemperatur auf ihre Kosten. Fast schon badewannenwarm kann einem die Temperatur im Persischen Golf und im Roten Meer vorkommen. Hier melden Bojen und Schiffe 28 bis 32 Grad Wassertemperatur. Über das jeweils herrschende Wetter vor Ort können Sie sich auf den Seiten des DWD "Wetter Europa und weltweit" informieren (https://www.dwd.de/DE/wetter/wetter_weltweit/wetter_weltweit_node.html).

Zwar sind die in der Abbildung gezeigten Werte für die Wassertemperatur nur eine Momentaufnahme, aufgrund der "thermischen Trägheit" von Wasser sind sie aber noch ein paar Tage gültig.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Der Sommer im Herbst!

Datum 20.10.2018

Es ist Herbst, es merkt bloß niemand. Die Temperaturen und auch der verbreitet strahlende Sonnenschein erinnern eher an den vergangenen Sommer. Doch warum ist der Herbst bisher wie er ist?

Der diesjährige meteorologische Herbst knüpft nahtlos an den Sommer an und begeistert mit teils sommerlichen Temperaturen. Über das Land hinweg wurden fast überall Sommertage gezählt. Ausnahmen bilden lediglich die höheren Bergspitzen sowie die Nordseeinseln. Aber selbst im 920 Meter hoch gelegenen Meßstetten oder in Glückburg im Norden Schleswig-Holsteins stieg die Temperatur zumindest an einem Tag über die Sommerschwelle von 25 Grad. Im Norden von Baden-Württemberg und Bayern wurde dieser Wert vielerorts an 15 bis 19 Tagen überschritten. Die Spitzenreiter diesbezüglich sind im Messnetz des DWD die Stationen Ohlsbach (BW), Bad Mergentheim-Neunkirchen (BW) und Kitzingen (BY) mit jeweils 19 Sommertagen. Davon entfielen in Bad Mergentheim und Kitzingen sogar 5 Sommertage auf den Oktober. Im Westen des Landes stellt der Oktober an den Stationen in Düsseldorf, Tönisvorst und Waltrop-Abdinghof (alle NRW) mit 7 Sommertagen mit Abstand neue Oktoberrekorde auf. In Düsseldorf gab es beispielsweise seit 1961 insgesamt nur 19 Sommertage, von denen wie beschrieben 7 im Oktober 2018 registriert wurden. Selbst heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad waren im Herbst 2018 bisher keine Seltenheit. In Ohlsbach und Emmendingen (beide BW) sind 6 Tage mit Werten über 30 Grad gezählt, die allerdings alle auf den September entfallen. Dagegen spielte der Frost bisher nur eine geringe Rolle. Meist sind nur an einigen Tagen, bevorzugt in den für Frost anfälligen Regionen von Deutschland die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt gesunken. In Berlin-Kaniswall war dies bisher an 9 Tagen der Fall, in Baruth (BB) zumindest noch an 7 Tagen. Ein weiteres Indiz für einen "tollen" Altweibersommer sowie einen sehr goldenen Oktober liefert auch die bisher in diesem Herbst erreichte Sonnenscheindauer. Nach nunmehr etwa der Hälfte aller Herbsttage liegt die Sonnenausbeute verbreitet schon über dem vieljährigen Mittel. In Zahlen werden zum 19. Oktober fast im ganzen Land zwischen 90 und 158% der Gesamtsonnenausbeute des Klimawertes erreicht. Lediglich typische Nebelorte oder auch einige Ecken am Alpenrand haben mit relativen Werten zwischen 75 und 90% noch etwas Aufholbedarf. "Des einen Freud ist des anderen Leid" - so könnte man auch das Wetter im Herbst beschreiben, der sich somit nahtlos an den Frühling und Sommer anschließt. Denn aufgrund der vielen trockenen Sonnentage fehlt überall das Wasser. Die Flüsse sind leer und die Böden teilweise staubtrocken. Weiterführende Informationen über den Niederschlag der vergangenen Monate und des Jahres sowie die Folgen für Natur und Mensch können sie auch den Themen des Tages vom 19. Oktober, dem 9. Oktober und dem 5. Oktober entnehmen.

Nach den ganzen Zahlen stellt sich natürlich die Frage, warum ist der Herbst nun so wie er ist? Dazu muss man die Zirkulationsmuster, also die Luftdruckverteilung, genauer unter die Lupe nehmen und gleichzeitig aber auch die vergangenen Witterungsverhältnisse über den Sommer hinweg berücksichtigen. Wie schon so häufig in der nahen Vergangenheit dominierten wieder die meridionalen Wetterlagen. Dabei stehen 9 Tage mit einer zonalen Wetterlage (18%) insgesamt 16 Tagen mit einer reinen meridionalen Wetterlage (33%) gegenüber. An den restlichen Tagen des Herbstes 2018 konnten die Luftdruckmuster nicht eindeutig zugeordnet werden (Gemischte Zirkulation, 49%).

Um die größeren Abweichungen bei den Temperaturen sowie der Sonnenscheindauer zu erklären, bedarf es einer Analyse der Strömungsverhältnisse. Dabei ist sowohl die Richtung als auch die Krümmung der Grundströmung von wesentlicher Bedeutung. Typische Wetterlagen, in denen die Luft aus nördlichen Gefilden, also aus polaren oder subpolaren Regionen, nach Mitteleuropa geführt wurde, konnten sich im Herbst an 10 Tagen (~20%) durchsetzen. Allerdings wehte der Wind die von Haus aus kühleren Luftmassen meist über die Nordsee ins Land. Die Nordsee war und ist jedoch aufgrund des sehr warmen bis heißen Sommers ungewöhnlich warm und konnte somit die kühlen Luftmassen spürbar erwärmen, bevor diese das Land fluteten. Meistens kam es nur zu einer Abkühlung "light".

An 14 Tagen wehte der Wind aus südlichen Richtungen nach Mitteleuropa und führte warme Mittelmeerluft ins Land, überdurchschnittliche Temperaturen entsprechend vorprogrammiert. Doch alleine reichen die meridionalen Südlagen nicht aus, um den bisherigen eher sommerlichen Herbst zu erklären. Eine wesentliche Rolle spielte die wärmende Sonne, die analog der anfangs präsentierten Daten verbreitet überdurchschnittlich lange am Himmel stand. Der Grund lag an großräumigen Hochdruckgebieten über Europa, deren Einfluss sich meist über das gesamte Bundesgebiet ausdehnte. Die entsprechend dominierenden antizyklonalen Strömungsverhältnisse machten durch die absinkenden Luftbewegungen und somit einhergehenden Wolkenauflösung den Weg für die wärmende Sonne frei.

Doch zur kommenden Woche scheint dem Herbstsommer nun die Puste auszugehen. Die Strömung dreht wieder auf nordwestliche Richtungen und zapft kühlere Luftmassen aus dem Raum Island an. Aufgrund des Fortschreitens des Jahres wird die angezapfte Luft kälter. Gleichzeitig kühlt sich auch die Nordsee immer weiter ab. Ab Montag werden zwar noch keine winterlichen Verhältnisse erwartet, aber zumindest sind typisch herbstliche Witterungs- und Temperaturbedingungen in Sicht.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

VIKTOR und das Warten auf Godot

Datum 15.10.2018

Hoch VIKTOR dominiert unser Wetter schon seit einigen Tagen. Ob es das auch in der kommenden Woche schafft und welche Auswirkungen dies auf das Wetter in Deutschland hat, lesen Sie heute im Thema des Tages.

Die Großwetterlage zeigt sich aktuell recht persistent, sprich sie lässt keine große Neigung erkennen, sich umzustellen. Das osteuropäische Hoch VIKTOR, dessen Name aus dem Lateinischen kommt und "Sieger" bedeutet, macht dabei ebendiesem Namen alle Ehre. Immerhin hat es schon einige Schlachten gegen anrennende Tiefdruckgebiete schlagen müssen und ist am Ende bisher immer als Gewinner aus dem Kräftemessen hervorgegangen.

Bis zur Wochenmitte bleibt es auch bei dieser Konstellation, und selbst in der zweiten Wochenhälfte ist VIKTOR auf unseren Wetterkarten noch zu erkennen, allerdings zieht er sich dann nach Osten zurück und verliert an Einfluss auf das Wetter in Deutschland.

Am heutigen Montag läuft das von VIKTOR angeworfene Heißluftgebläse aber noch auf stärkster Stufe, immerhin steigen die Temperaturen lokal nochmal auf bis zu 27 Grad. Danach schaltet VIKTOR zurück, am Dienstag soll es in der Spitze nochmal um 25 Grad, am Mittwoch um 23 Grad werden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass wir aktuell in die zweite Oktoberhälfte rutschen, in der solche Temperaturen alles andere als die Norm sind.

Neben den hohen Temperaturen hält Viktor auch viel Sonnenschein für uns bereit. Damit macht er auch eher den sommerlichen als den winterlichen Hochs alle Ehre, da letztere ja durchaus nicht selten Nebel oder hochnebelartige Bewölkung mit sich bringen. Davon kann bei VIKTOR keine Rede sein. Mit bis zu 11 Stunden Sonnenschein beglückte er uns am gestrigen Sonntag (vgl. Grafik), und das ist aktuell das astronomisch maximal Erreichbare. Alles eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Insbesondere im Nordwesten und Norden lässt die Kraft von Viktor langsam nach. Das bedeutet, dass sich in den kommenden Tagen dort ein paar Wolken hereinschieben, die hier und da auch etwas Regen bringen können. Viel wird es nicht sein, daran gibt es nichts zu deuteln. Manche Modelle, auch das ICON des Deutschen Wetterdienstes, sehen morgen und am Mittwoch von Hessen über Ostwestfalen bis nach Niedersachsen bzw. in Mitteldeutschland die Chance auf Schauer und auch mal ein kurzes Gewitter (vgl. Grafik). Manche Modelle sehen das aber auch anders! An den Alpen gibt es dann in der zweiten Wochenhälfte gewisse Chancen auf Regen. Letztendlich kann man es aber drehen und wenden wie man will - die erwarteten Regenmengen werden auch in der kommenden Woche wieder überschaubar sein, verbreitet bleibt es trocken, und so hält auch die Dürre vielerorts weiter an. Das Warten auf den Regen gestaltet sich also ein wenig so wie das berühmte Warten auf Godot.

Und dies bleibt auch so, wenn VIKTOR in der zweiten Wochenhälfte abdankt! Dann soll sich zwar tatsächlich von Norden eine schwache, kaum wetterwirksame Kaltfront nach Deutschland vorarbeiten - und mit dazu beitragen, dass Viktor endgültig seinen Weg ins Exil nach Sibirien antritt. Das Problem ist nur: Ein Nachfolger steht schon bereit! Hinter besagter Kaltfront schiebt sich von Westen ein Hoch zur Nordsee, welches dann am kommenden Wochenende unser Wetter dominiert.

Das neue Hoch könnte dabei den Namen WOLFGANG tragen. Der Namensteil WOLF erklärt sich von selbst. Der Namensteil GANG stammt aus dem Althochdeutschen und kann mit "Streit", "Ansturm" oder "Waffengang" übersetzt werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass der streitbare WOLFGANG, so das Hoch diesen Namen denn bekommt, bei seinen Auseinandersetzungen mit Tiefausläufern nicht so erfolgreich ist wie VIKTOR.

Wohin der Wind mich trägt

Datum 13.10.2018

Wie ein Vogel dahinschweben, immer im Einklang mit dem Wind. Ruhe erleben, wie sie am Boden kaum noch wahrzunehmen ist, und dabei den Alltag für eine Weile vergessen. Eine Ballonfahrt ist ein Erlebnis für alle Sinne. Doch bei welchem Wetter kann mit dem Ballon in die Höhe gestiegen werden?

Am frühen Abend kurz vor Sonnenuntergang steigt der riesige Ballon mit seinem vergleichsweise kleinen "Körbchen" samt sechs Mitfahrern in die Lüfte. Mit jedem Brennerstoß gewinnt der Ballon an Höhe bis er über der Grenzschicht in klarer Luft dahinschwebt und die dreckigen Abgase der großen Städte unter sich lässt. Von der Fahrt ist nichts zu spüren. Kein Laut ist dort oben zu hören. Die Menschen sind so klein wie Spielzeugfiguren. In der Ferne ist der Stau auf einer nahen Autobahn zu sehen. Wir schweben dem Alltag davon, frei wie ein Vogel. Allein der Wind legt fest, wohin wir treiben. Es war unser vierter Anlauf, diese Ballonfahrt überhaupt durchzuführen, denn kaum ein anderes Luftfahrterlebnis ist so wetterabhängig wie das mit einem Heißluftballon.

Ballonfahren ist grundsätzlich das gesamte Jahr über möglich, im Winter sogar den ganzen Tag über. Im Sommer werden Ballonfahrten jedoch nur morgens und abends angeboten. Warum? Weil die Sonneneinstrahlung im Sommer so stark ist, dass tagsüber Thermik einsetzt (siehe Thema des Tages vom 09.09.2018). Die dabei entstehenden Turbulenzen kann der Pilot nicht ausgleichen und so wäre eine Ballonfahrt zu gefährlich. Auch bei zu starkem Bodenwind kann ein Ballon weder starten, noch landen.

Um den Heißluftballon in die Luft zu bekommen, wird mit einem Ventilator zunächst Luft in den am Boden liegenden Ballon geblasen. Hat sich die gesamte Hülle entfaltet, wird die Luft im Inneren mit dem Brenner erhitzt und wenige Minuten später richtet sich der Ballon allmählich auf. Während dieses Prozesses darf der Wind nicht mehr als etwa 10 Knoten (18 km/h, Bft 3) betragen, auch böig darf es nicht sein. Ebenso wäre es von Vorteil, wenn der Wind nicht ständig dreht und somit seine Richtung ändert. Der Ballon bietet eine riesige Angriffsfläche für den Wind. Wenn er sich aufgrund böigen und dabei drehenden Windes ständig in eine andere Richtung bewegt, ist es unglaublich schwer, die Luft im Inneren der Hülle zu erhitzen, damit sich der Ballon aufrichtet. Bei der Landung müssen ähnliche Voraussetzungen gelten, denn nun muss der Ballon aus der Senkrechten wieder in die Waagerechte gebracht und eingepackt werden. Dazu muss die Luft aus der Ballonhülle zunächst durch ein Ventil am oberen Ende des Ballons entweichen. Dieser sinkt dann zu Boden und dort wird der Rest der Luft letztlich mit vereinter Mannes- und Frauenkraft herausgedrückt. Die Landung selbst kann bei zu viel oder zu böigem Wind auch mal holprig mit mehreren Aufsetzern oder mit einem umkippenden Korb verlaufen. Denn, der Ballon ist träge, wird also mit dem Wind weitergetrieben und stoppt nicht einfach am Ort der Landung. Um das zu vermeiden, sollte am Boden ein nur schwacher Wind wehen, sonst bewegt sich der Ballon mit der Windgeschwindigkeit, mit der sich eben noch fortbewegt wurde, weiter, während der Korb bereits den Boden berührt.

Bei Gewittern, nahenden Fronten oder Niederschlag wird auch kein Ballon aufsteigen. Gewitter stellen ohnehin eine Gefahr dar. Der Wolkenaufzug im Zuge einer Front ist mit zunehmend schlechten Lichtverhältnissen verbunden. Zudem droht Niederschlag einzusetzen. Den Ballon nach einem Regenguss einfach zum Trocknen auf die Leine zu hängen, ist auch noch niemandem geglückt. Zudem geht Niederschlag meist mit schlechten Sichten einher und diese sind tatsächlich ausschlaggebend bei der Entscheidung, ob ein Ballon fahren kann oder besser am Boden bleiben sollte. Jedes Luftfahrzeug muss nämlich eine Sicherheitsmindesthöhe einhalten, so auch ein Heißluftballon. Hängen die Wolken tiefer als jene Höhe (1500 Fuß), darf nicht gefahren werden. Dass bei Nebel nicht gestartet wird, ist selbsterklärend, schließlich muss der Pilot den Boden immer sehen können. Die Landung könnte sonst sehr hart werden. Außerdem wollen die zahlenden Passagiere ja auch etwas von diesem schönen Erlebnis haben und nicht durch trübe Nebelsuppe dahingleiten.

Jetzt möchte einer meinen, im vergangenen Sommer ist jeden Tag ein Heißluftballon gestartet. Durchaus war der Sommer 2018 ein guter Ballonsommer für manches Unternehmen. Jedoch war der vergangene Sommer auch häufig sehr heiß. Bei zu hohen Temperaturen macht eine Ballonfahrt auch keinen Spaß mehr. Selbst wenn die Temperatur mit zunehmender Höhe abnimmt, ist ab 30 Grad kaum mehr an eine Ballonfahrt zu denken. Erstens sinkt die Tragkraft stark. Also jene Fähigkeit des Ballons, den Korb samt Passagieren zu halten bzw. mit Korb und Passagieren aufzusteigen. Das heißt, je heißer es ist, desto geringer ist die Tragfähigkeit, sodass unter Umständen ab einer bestimmten Höhe kein Steigen mehr möglich ist. Zweitens wird es unter dem Brenner so heiß, dass unangenehme gefühlte Temperaturen im Korb in Kopfhöhe der Passagiere entstehen.

Viele Wetterelemente beeinflussen die Entscheidung der Ballonfahrer, ob ihr Heißluftballon in die Höhe steigen kann oder nicht. Die Sicherheit aller sollte dabei aber immer im Vordergrund stehen. Auch wenn es manchmal schwer ist, einen Termin zu finden, ist es ein fantastisches Erlebnis und nur zu empfehlen. Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, mal solch eine Fahrt zu machen, nur zu! Lassen Sie sich von den Wetterbedingungen, die für eine sichere Ballonfahrt herrschen müssen, nicht abschrecken! Denken Sie vielmehr an die alte Ballonfahrerweisheit: Lieber am Boden stehen und wünschen man wäre oben als in der Luft zu sein und man wünschte, man stünde am Boden!

Anhaltende Dürre in Deutschland

Datum 05.10.2018

Auch wenn es mittlerweile in den Frühstunden deutlich kühler ist, Nebel über die Wiesen wabert und sich Tau oder gar Reif bildet und somit die Böden feucht erscheinen lässt, darf man sich keinesfalls täuschen lassen. Die Dürre in Deutschland hält immer noch an. In weiten Teilen des Landes herrscht fortwährend ein hohes Niederschlagsdefizit.

Wer dieser Tage begonnen hat, seinen Garten winterfest zu machen, hat sicherlich festgestellt, wie trocken immer noch die Böden sind. Die Gartenhacke durchdringt die obersten Schichten und darunter folgt meterweise staubtrockene Erde. Man darf sich von den niedrigen Frühtemperaturen sowie Tau auf den Blättern und Gräsern nicht täuschen lassen: Auch wenn es sich anfühlt, als wäre es deutlich feuchter als in den vergangenen Sommermonaten, sind die Böden in Deutschland weiterhin viel zu trocken. Die Lufttemperatur hat nämlich keinen direkten Einfluss auf die anhaltende Trockenheit. Auch wenn die Hitzewellen in diesem Sommer von dem einen oder anderen als Ursache für die Dürre im Land in Verbindung gebracht wurden, sind Lufttemperatur und Dürre zwei verschiedene Paar Schuhe. Obwohl die Dürre im Sommer vielerorts mit heißen Tagen einherging, haben Trockenheit und Hitze wenig miteinander zu tun. Denn auch bei einer Höchsttemperatur von 20 bis 25 Grad und keinem einzigen Tropfen Regen über Monate hinweg wäre das Land von einer Dürre betroffen, wenngleich sich diese Temperaturen für viele Menschen deutlich angenehmer anfühlen als 35 bis 40 Grad. Hohe Temperaturen können eine Dürre mitunter jedoch noch verschärfen, denn je höher die Temperatur bei gleichbleibender absoluter Feuchte (Infos im DWD-Lexikon) ist, desto geringer ist die relative Feuchte und desto höher ist die Verdunstung. So hat in erster Linie der fehlende Niederschlag zur Dürre in Deutschland geführt. Laut Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) litten Ende September etwa 70 Prozent der Fläche Deutschlands über die gesamte Bodentiefe unter einer extremen bis außergewöhnlichen Dürre.

Der Höhepunkt der Dürre ist laut UFZ zwar überschritten, dennoch ist das Niederschlagsdefizit vielerorts geblieben. Im vergangenen Sommer fielen über Deutschland gemittelt mit rund 130 Liter pro Quadratmeter nur 54 Prozent des üblichen Niederschlags. Auch im September kamen in nur wenigen Regionen des Landes - v.a. im Zuge des Sturmtiefs FABIENNE am 23.09.2018 - überdurchschnittliche Regenmengen zusammen. Im Alpenvorland gab es bspw. örtlich mehr als 100 l/qm im gesamten Monat. Dies wird aus der Niederschlagsmenge des Monats September deutlich. Die beigefügte Grafik (Abb. oben) zeigt u.a. auch die Abweichung zum langjährigen Mittel (1961 bis 1990). In weiten Teilen des Nordens und Nordostens (v.a. zwischen Elbmündung und Usedom) fiel im September weniger als die Hälfte des langjährigen Mittels an Niederschlag (unter 20 l/qm). Dies spiegelt sich auch im standardisierten Niederschlagsindex (SPI) wider, der u.a. zur Identifikation von Niederschlagsdefiziten genutzt wird. Im Monat September liegt der Index im östlichen Schleswig-Holstein und weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns unter -1. In Bezug auf die Monate April bis September wird die Dürre in Deutschland sichtbar: Die Karte erscheint tiefrot. Der SPI liegt für das gesamte Land unter -1, was definitionsgemäß einen Hinweis auf eine landwirtschaftliche Dürre liefert.

Die Pegelstände der Flüsse zeigen ein ähnlich erschreckendes Bild. In Wittenberg an der Elbe (Sachsen-Anhalt) etwa wurde heute Morgen um 08 Uhr ein Pegelstand von 72 Zentimeter gemeldet. Der bisher niedrigste bekannte Wasserstand lag am 14. August 2015 bei 73 Zentimeter. Auch der Rhein führt seit Monaten Niedrigwasser. Der Pegel in Kaub (RLP) fiel in der Nacht zum Mittwoch (03.10.2018) auf 54 Zentimeter. Mittlerweile ist das Wasser dort zwar wieder etwas gestiegen, aber bis zum bisherigen Niedrigwasserrekord von 35 Zentimeter (28.09.2003) ist es nicht mehr weit. Bedenken geben dahingehend auch die aktuellen Wetterprognosen: Am heutigen Freitag sowie am morgigen Samstag zeigt der Altweibersommer was er drauf hat. Nach Nebelauflösung scheint verbreitet die Sonne. Lediglich vom Alpenrand bis zur Donau sind am Samstagnachmittag einzelne Schauer möglich. Sonst wird kein Niederschlag erwartet. In der Nacht zum Sonntag nähert sich dann von Westen eine Tiefdruckrinne mit einem Frontensystem, das zumindest regional für etwas Regen sorgen wird. Den langersehnten Landregen wird es allerdings nicht geben. Am Montag ist der Niederschlag bereits abgezogen und abgesehen von dichten Nebelfeldern im Süden scheint schon wieder häufig die Sonne. Aus heutiger Sicht setzt sich in der neuen Woche schon wieder Hochdruckeinfluss durch. Wollen Sie Ihrem Garten etwas Gutes tun, vergessen Sie nicht, Ihre Pflanzen und Bäume zu gießen!

"Altweibersommer light" kontra "Goldener Oktober" light

Datum 04.10.2018

Zwei Begriffe mit ähnlichen Phänomenen und mit gleicher Wirkung! Egal ob "Altweibersommer" oder "Goldener Oktober", die anstehende Schönwetterperiode lädt zum Spaziergang ein.

Das Wetter in Deutschland wird nun zunehmend von Hoch "Ulf" dominiert, das sich am heutigen Donnerstag über dem Süden des Landes eingerichtet hat. Durch die absinkende Luft im Hoch lösen sich die Wolken mehr und mehr auf und die Sonne kann teils ungestört scheinen. Im Südwesten können die Temperaturen dabei am Nachmittag örtlich wieder über die 20-Grad-Marke springen. Nur der Norden profitiert zunächst kaum von "Ulf", da dieser im Übergangsbereich zwischen Ulf und tiefem Luftdruck von Island bis nach Nordrussland in einer westlichen Grundströmung liegt, sodass noch Wolken mit etwas Regen die Küstenregionen überqueren.

Allerdings beharrt Hoch "Ulf" nicht an Ort und Stelle, sondern wandert in den nächsten Tagen langsam nach Osten. Die positive Seite daran ist, dass Deutschland nachfolgend auf dessen Westseite gelangt, sodass milde bis sehr milde Luft von Süden nach Deutschland strömt. Da diese auch die Frontalzone nordwärts drückt, kann sich ab dem Freitagnachmittag auch der Norden über den "Goldenen Oktober" freuen. Temperaturen zwischen 17 Grad an der Küste und 26 Grad im Südwesten laden am Freitag und Samstag landesweit zu einem Herbstausflug ein.

Die negative Seite an der Verlagerung von "Ulf" ist, dass der Hochdruckeinfluss allmählich schwindet und somit neuen Tiefausläufern Raum zur Entfaltung gibt. Genau dies geschieht schließlich schon zum Samstagnachmittag. Ein vor allem in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief über der Schweiz schaufelt feuchte Luft über die Alpen bis in die Mitte Deutschlands und sorgt bevorzugt im Südosten bis Sonntag für Schauer und auch einzelne Gewitter. Zudem rückt von Nordwesten und Westen eine Tiefdruckrinne heran, in die ein Tiefausläufer eingebettet ist. Die dichten Wolken erreichen das Land am Samstagabend und bringen in der Nacht zum Sonntag und Sonntag neben starker Bewölkung gebietsweise auch etwas Regen.

Im Oktober wird freundliches und vielfach sonniges Wetter bei angenehmen Temperaturen oftmals als "Goldener Oktober" bezeichnet. Nach Definition beschreibt der "Goldene Oktober" eine Schönwetterperiode, die häufig Mitte Oktober auftritt und auf einem stabilen Hoch über Mittel- bzw. Osteuropa beruht. Typische Merkmale für eine derartige Wetterlage sind meist große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Während nachts teils dichter Nebel und lokal Frost und Bodenfrost auftreten, können die Temperaturen tagsüber durchaus Höchstwerte um bzw. über 20 Grad erreichen. Den Namen erhielt die Schönwetterperiode durch die Laubfärbung der Bäume. Durch den Sonnenschein auf die bunte Blätterpracht entfaltet sich schließlich das "goldene Naturschauspiel". Das Wort "golden" drückt dabei die vom Menschen empfundene Schönheit aus. Der Ausdruck "Goldener Oktober" wurde in Deutschland bereits seit hunderten von Jahren verwendet und blickt somit auf eine lange Tradition zurück.

Die anstehende kurze freundliche Wetterperiode kann allerdings auch noch als "Altweibersommer" bezeichnet werden. Der Begriff "Altweibersommer" geht auf das altdeutsche Wort "weiben" zurück, was weben bedeutet und beschreibt beständige frühherbstliche Hochdrucklagen über Mitteleuropa, die besonders häufig Mitte September bis Anfang Oktober auftreten und mit sommerlichen Temperaturwerten am Tag und kühlen Nächten (starke Taubildung, oft Strahlungsnebel) einhergehen. Der Altweibersommer ist, wie die Schafskälte, eine im mittleren Jahresgang der Lufttemperatur ausgeprägte Singularität.

Da wir uns noch Anfang Oktober befinden und die Höchsttemperaturen am Samstag regional wirklich noch sommerliche Werte erreichen spricht viel für den Ausdruck "Altweibersommer". Der Bodenfrost und lokal Luftfrost sowie die Tatsache, dass die 25 Grad nur ganz vereinzelt überschritten und ansonsten meist um die 20 Grad erreicht werden, bringt jedoch den "Goldenen Oktober" wieder zurück ins Spiel. Grundsätzlich ist es aber egal, wie die anstehende Schönwetterperiode bezeichnet wird. Bei viel Sonnenschein und angenehmen milden bis sehr milden Temperaturen können die Akkus vor der meist dunklen Winterzeit nochmals richtig aufgeladen werden. Da es sich aber zunächst nur um ein paar Tage handelt, erscheint der "Altweibersommer" oder "Goldener Oktober" zunächst nur als "Light-Version". Es fehlt das "beständige" Hoch.

In Nordamerika werden die Naturphänomene des "Altweibersommers" bzw. des "Goldenen Oktober" übrigens als "Indian Summer" bezeichnet. Er beginnt meist an den Berghängen im Süden Kanadas, von dort verbreitet er sich über die US-Staaten Neuenglands und hält sich bis in den späten Oktober, manchmal auch in den November hinein. Der "Indian Summer" definiert dabei nicht nur das Farbenspiel der Blätter, wie es bei uns der Begriff "Goldener Oktober" beschreibt, sondern umfasst zudem analog zum Ausdruck "Altweibersommer" eine warme herbstliche Witterung. Dabei stellt sich eine typische Herbstwetterlage mit einem ausgedehnten Hochdruckgebiet entlang der amerikanischen Ostküste ein. Auf der Westflanke des Hochs strömt dabei Warmluft aus dem Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten nach Norden und sorgt für deutlich ansteigende Temperaturen. Oftmals ist das Phänomen somit von einem strahlend blauen Himmel begleitet. Die Wortherkunft von Indian Summer ist ungeklärt.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutschlandwetter im September 2018:

Datum 02.10.2018

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2018* 1. Platz Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) 17,5 °C Abweich. +2,6 Grad 2. Platz Frankfurt am Main-Westend (Hessen) 17,3 °C Abweich. +2,1 Grad 3. Platz Ohlsbach (Baden-Württemberg) 17,3 °C Abweich. +2,5 Grad

Besonders kalte Orte im September 2018* 1. Platz Carlsfeld (Sachsen) 11,8 °C Abweich. +2,0 Grad 2. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 11,9 °C Abweich. +2,0 Grad 3. Platz Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) 12,0 °C Abweich. +0,7 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2018** 1. Platz Bad Hindelang-Gailenberg (Bayern) 180,8 l/m² 126 Prozent 2. Platz Lenggries (Bayern) 159,2 l/m² 118 Prozent 3. Platz Hoherodskopf/Vogelsberg (Bayern) 156,8 l/m² 174 Prozent

Besonders trockene Orte im September 2018** 1. Platz Rothemühl (Mecklenburg-Vorpommern) 7,2 l/m² 16 Prozent 2. Platz Schönermark (Brandenburg) 7,6 l/m² 19 Prozent 3. Platz Feldberg (Mecklenburg-Vorpommern) 8,1 l/m² 19 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2018** 1. Platz Rheinau-Memprechtshofen (Baden-Württemberg) 256 Stunden 161 Prozent 2. Platz Lahr (Baden-Württemberg) 254 Stunden 149 Prozent 3. Platz Rheinfelden (Baden-Württemberg) 253 Stunden 148 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2018** 1. Platz Leck (Schleswig-Holstein) 134 Stunden 96 Prozent 2. Platz List/Sylt (Schleswig-Holstein) 135 Stunden 91 Prozent 3. Platz Hattstedt (Schleswig-Holstein) 146 Stunden 101 Prozent

oberhalb 920 m NN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Hermann Kehrer

Gefährlicher Herbstnebel?!

Datum 01.10.2018

Nach einem sehr heißen und langen Sommer hat sich nun endgültig das Herbstwetter durchgesetzt. In den Wetterberichten liest und hört man deshalb wieder häufiger von Nebel oder Hochnebel. Zwar ist der Gedanke an Nebel nicht gerade Furcht einflößend, hauptsächlich für den Straßenverkehr kann dieser jedoch eine erhebliche Gefahr darstellen.

Schaut man im Oktober aus dem Fenster oder beobachtet bei einem gemütlichen Spaziergang die Natur, sieht man den Herbst in seiner vollen Pracht. Auch die Blätter der Laubbäume, die bisher noch nicht von der Trockenheit betroffen waren, färben sich allmählich von Grün und Goldgelb über Rot zu Braun. Hobbygärtner bringen ihre Garten- und Balkonpflanzen vor nächtlichem Frost in Sicherheit und die Vögel scharen sich am Himmel und bereiten sich auf ihre lange Reise Richtung Süden vor.

Die Tage werden nun kürzer, die Nächte länger und somit dauert auch die nächtliche Auskühlung länger an. Gerade bei schwachen Windverhältnissen während herbstlicher Hochdrucklagen und einem meist nur gering bewölkten oder klaren Himmel kann sich die Luft in der Nacht bis zur sogenannten Taupunkttemperatur abkühlen. Bei dieser Temperatur handelt es sich jedoch keineswegs um die Temperatur, ab der Eis taut, sondern vielmehr um jene Temperatur, ab der sich Tau beispielsweise auf Wiesen niederschlägt (siehe www.dwd.de/lexikon). Bei Erreichen der Taupunkttemperatur ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt und er beginnt zu kondensieren. Es bilden sich winzige Nebeltröpfchen. Wird dabei die horizontale Sichtweite in Augenhöhe nicht allzu sehr beeinträchtigt, spricht man von Dunst. Beträgt die Sicht jedoch weniger als einen Kilometer, herrscht definitionsgemäß Nebel. Unterschreitet die Sichtweite überregional die Schwelle von 150 Metern, wird laut den Warnkriterien des DWD eine Nebelwarnung fällig. Dabei variiert aber die Andauer der Warnung im Herbst. Während sich der Nebel im September im Laufe des Tages aufgrund des noch höheren Sonnenstandes meist vollständig auflöst, kann er ab Oktober in windgeschützten Niederungen bereits den ganzen Tag anhalten und die Sonne - wenn überhaupt - lediglich als blasse, trübe Scheibe am Himmel erscheinen lassen. Besonders nebelanfällig ist beispielsweise das Donautal. Dort sorgt die Donau für zusätzliche Feuchtigkeit in der Umgebungsluft.

Zugegeben ist der Gedanke an Nebel nicht gerade Furcht einflößend. Eigentlich hat er fast schon etwas Besinnliches oder Romantisches an sich. Was ist also so bedrohlich an diesem mehr oder weniger dichten Schleier, der sich geräuschlos über Wald und Wiesen legt?

Dass beispielsweise Gewitter gefährlich für uns Menschen sein können, ist vielen von uns auch diesen Sommer wieder bewusst geworden. Statistisch gesehen sterben etwa drei bis sieben Menschen jährlich allein an Blitzschlag. Wer allerdings davon ausgeht, dass die nun angebrochene Jahreszeit wettertechnisch ungefährlicher abläuft, täuscht sich. Die Statistik spricht hier eine eindeutige Sprache: In den Jahren 2011 bis 2017 registrierte die Polizei laut dem Statistischen Bundesamt insgesamt 4155 Verkehrsunfälle, bei denen Nebel eine Rolle spielte. Insgesamt nahmen dabei 4476 Personen Schaden, 146 Menschen verloren dabei ihr Leben. Im Durchschnitt sind das also über 20 Tote pro Jahr, die der Nebel durch die erheblichen Sichtbehinderungen im Straßenverkehr fordert. Dabei ereigneten sich rund 60 Prozent aller Nebelunfälle in den Monaten Oktober bis Dezember!

Nebel stellt somit eine deutlich unterschätzte Gefahr dar. Neben dem Flug- und Schiffsverkehr wird hauptsächlich der Straßenverkehr durch Nebel stark beeinträchtigt und erheblich gefährdet. Innerhalb kürzester Zeit kann die Sichtweite für Autofahrer in plötzlich auftauchenden, dichten Nebelbänken nahezu auf null sinken. Wer dann mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h unterwegs ist, kommt einem Piloten, der sein Flugzeug im Blindflug fliegt, nahe. Der wesentliche Unterschied besteht nur darin, dass die Flugzeuge technisch für solche Gegebenheiten ausgerüstet sind, PKWs hingegen kaum. Der Anhalteweg, der neben dem eigentlichen Bremsweg auch die Reaktionszeit des Autofahrers beinhaltet beträgt bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h bereits über 100 Meter!

Schalten Sie also selbst bei leichtem Nebel schon das Abblendlicht ein und passen Sie die Geschwindigkeit Ihres Fahrzeugs den Sichtverhältnissen an! Die Nebelschlussleuchten dürfen nach Straßenverkehrsordnung allerdings erst bei einer Sichtweite unter 50 Metern benutzt werden, da das rote Schlusslicht bis zu 30 Mal heller erstrahlt als gewöhnliche Rückleuchten und somit nachfolgende Fahrer blenden könnte. Als Orientierungshilfe können Sie die Leitpfosten am Straßenrand zu Hilfe nehmen, die in der Regel in einem Abstand von 50 Metern angeordnet sind. Auf Fernlicht sollte allerdings besser verzichtet werden, da Sie sich damit durch das von den Wassertröpfchen im Nebel reflektierte Licht eher selbst blenden.

In den kommenden Tagen ist die Nebelgefahr zunächst nur gering. Ausläufer von Tief "JESSIKA" sorgen bereits am morgigen Dienstag für auffrischenden Wind und somit eine gute Durchmischung der Luft, sodass sich höchstens in einzelnen windgeschützten Tallagen örtliche Nebelfelder ausbilden können. In der Nacht zum Donnerstag kommt es jedoch durch Hoch "ULF" zu einer Wetterberuhigung, sodass der Wind wieder deutlich nachlässt und sich vor allem in der Südwesthälfte teils dichter Nebel bilden kann.

Dämmerung! Ob nautisch, bürgerlich oder astronomisch - atemberaubende Himmelsbilder sind vorprogrammiert.

Datum 30.09.2018

Bezaubernde Himmelsbilder bei Sonnenaufgang und -untergang. Die sogenannte Dämmerung verzaubert den Beobachter mit einer Vielzahl an atemberaubenden Erscheinungen.

Derzeit können aufgrund der Wetterverhältnisse sowohl am Morgen als auch am Abend vielerorts wieder faszinierende Himmelbilder beobachtet werden. Die untergehende Sonne strahlt mit voller Kraft vorüberziehende Wolkenfelder an und lässt diese orange oder rot erscheinen. Mit einer Skyline oder Bergen im Vordergrund werden dabei einige tolle Postkartenbilder erzeugt. Die Übergangsphase vom Tag zur Nacht wird somit zu einem eindrucksvollen Himmelsschauspiel.

Allgemein dauern der Übergang vom sonnenhellen Tag zur finsteren Nacht sowie der umgekehrte Fall mehrere Stunden an. Die Übergangszeit zwischen Tag und Nacht wird im Sprachgebrauch als "Dämmerung" (Morgen- bzw. Abenddämmerung) bezeichnet. Physikalisch beschreibt die Dämmerung den Zeitraum, in dem die Sonne unter dem Horizont steht, ihr gestreutes Restlicht jedoch am Himmel noch sichtbar ist. Vermehrte Staub-, Gas- und Eisaerosole in der Atmosphäre (bspw. Vulkanasche) können die "Dämmerung" dabei enorm verstärken.

In der Astronomie werden bei der "Dämmerung" je nach Dunkelheit drei unterschiedliche Arten definiert. Man unterscheidet dabei zwischen "bürgerlicher Dämmerung", "nautischer Dämmerung" und "astronomischer Dämmerung".

Ausgangspunkt für die Dämmerung ist der Sonnenuntergang, der in Mitteleuropa etwa 3 bis 4 Minuten vom ersten Kontakt der Sonnenscheibe mit dem Horizont bis zu ihrem vollständigen Verschwinden dauert. Danach spricht man zunächst von "bürgerlicher Dämmerung" bezeichnet, bei der bequem noch ohne künstliches Licht gelesen werden kann. Die Sonne steht bei der bürgerlichen Dämmerung entsprechend nicht tiefer als 6° unter dem Horizont, sodass noch ausreichend gestreutes Sonnenlicht den Beobachter erreicht. Dennoch sind am Himmel schon helle Planeten wie bspw. die Venus oder der Jupiter sowie die hellsten Sterne des Sirius zu erkennen. Zeitlich umfasst diese erste Phase je nach Breitengrad und Jahreszeit eine Länge zwischen 37 und 51 Minuten und bringt atemberaubende Erscheinungen wie den Erdschattenbogen (siehe Link 1), das Purpurlicht (siehe Link 2) sowie das Alpenglühen (siehe Link 3) am Horizont hervor.

An die "bürgerliche Dämmerung" schließt sich die "nautische Dämmerung" an. Sie endet sobald die Sonne 12° unter dem Horizont steht. Bei den meisten Aktivitäten wird nun zusätzliches künstliches Licht benötigt, da die restlichen gestreuten Sonnenstrahlen die Umgebung alleine nicht mehr ausreichend aufhellen. Am Himmel sind am Ende der nautischen Dämmerung schon kleinere Sterne und somit Umrisse der ersten Sternbilder zu erkennen. Gleichermaßen treten häufiger Himmelsspektakel wie die "farbigen Horizontalstreifen" - ein farbiger meist glutroter Streifen oberhalb weiter Bereiche des Horizonts, der bis zu 180 Grad betragen kann- oder die sogenannte "Blaue Stunde" -besondere Färbung des Himmels, während die Sonne etwa 4 bis 8 Grad unter dem Horizont steht- auf.

Der nautischen Dämmerung folgt die astronomische Dämmerung, bei der sich die Sonne 12 bis 18° unter dem Horizont befindet. Nachfolgend erreicht das Sonnenlicht auch die höheren Luftschichten nicht mehr, sodass der Himmel richtig dunkel erscheint. Die beste Zeit für Sternengucker beginnt. Am Morgen verlaufen die drei Phasen der Dämmerung in der umgekehrten Reihenfolge, bis die Sonne schließlich am Horizont aufgeht.

Wie oben schon beschrieben ist die Dauer der Dämmerung stark von der geographischen Breite abhängig. Je größer der Abstand zum Äquator, desto länger dauert die Dämmerung. Da die Sonnenbahn am Äquator am Morgen sehr steil aufsteigt und entsprechend stark am Abend auch wieder absinkt, verschwindet die Sonne rasch unter den Horizont. Je näher man jedoch den Erdpolen kommt, umso ausgeprägter wird der Dämmerungsverlauf zu bestimmten Jahreszeiten.

Wie überall gibt es aber auch bei der Dämmerung gewisse Ausnahmen. Am Tag der Sommersonnenwende geht die Sonne in den Polarregionen etwa ab einer geographischen Breite von 65,7° aufgrund der atmosphärischen Refraktion überhaupt nicht unter, sodass die Dämmerung komplett entfällt. Zudem gibt es im Sommer auf allen Breitengraden größer als 48,56° Nächte, in denen die Sonne zwar unter den Horizont sinkt, aber nie tiefer als 18°. In diesen Regionen wird es also nie richtig Nacht mit völliger Dunkelheit. Stattdessen herrscht eine Art Dauerdämmerung, die auch unter dem Begriff "Mitternachtsdämmerung" bekannt ist. Visuell ist diese Dämmerung für das menschliche Auge teilweise aber nicht zu erkennen. Auf den Breitengraden größer 54,56° gibt es im Sommer Nächte, in denen die nautische Abenddämmerung direkt in die nautische Morgendämmerung übergeht. Dies bedeutet gleichermaßen, dass die Sonne während der ganzen Nacht nicht weniger als 12° unter dem Horizont steht. Auf den Breitenbereichen größer 60,56°, wo die Sonne dann nicht unter 6° unter den Horizont sinkt, gilt ähnliches für die "bürgerliche Dämmerung".

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

"Medicane Zorbas" - Ein (sub)tropischer Sturm über dem Mittelmeer

Datum 29.09.2018

Während das Wetter in Deutschland ruhig ist, durchleben die Menschen in Griechenland gerade unruhige Stunden. Verantwortlich dafür: "Medicane Zorbas". Alle Infos dazu im heutigen Tagesthema.

Tropische Systeme wie Hurrikans und Taifune sind bei vielen bekannt. Besonders gut in Erinnerung ist sicherlich noch Hurrikan Florence (USA) und der Supertaifun Mangkhut (Philippinen und Hongkong), die erst in jüngster Vergangenheit Schlagzeilen gemacht haben. Aber auch über dem Mittelmeer können Stürme mit einem tropischen Charakter entstehen, man nennt sie dann Medicanes.

Der Begriff Medicane ist schon mehr als 30 Jahre alt und ist einfach eine Kombination aus zwei Wörtern -"mediterran" und "Hurricane". Etabliert hat sich dieser Begriff, als die ersten Satellitenbilder in den Achtzigerjahren tropisch anmutende Tiefdrucksysteme über dem Mittelmeer zeigten, die wie ein tropischer Wirbelsturm ein Auge im Zentrum ausbildeten.

Was unterscheidet einen Medicane eigentlich von einem "normalen" außertropischen Tiefdrucksystem mittlerer Breiten? Tiefdruckgebiete bilden sich normalerweise aufgrund von horizontalen Temperaturunterschieden zwischen den nördlichen und südlichen Breiten. Um die Unterschiede auszugleichen, bilden sich zwischen den beiden Systemen unsere bekannten Tiefdrucksysteme, die ein klassisches Frontensystem ausbilden. Warmfront und Kaltfront trennen dabei die verschiedenen Luftmassen. Tropische Systeme haben hingegen keinerlei Fronten. Stattdessen bildet sich ein warmer Kern, das heißt, im Zentrum des Tiefs ist die Temperatur in allen Höhenschichten wärmer, als in ihrer Umgebung. Damit ergibt sich auch die klassische zirkulare Erscheinungsform mit einem "Auge" - also einem wolkenfreien Zentrum.

Medicane stellen eine Art Mischform dar. Meist ist ihr Ursprung außertropisch, ehe sie später zunehmend tropische Eigenschaften erlangen. Wunderbar lässt sich dies am aktuellen Medicane "Zorbas" über dem Ionischen Meer erkennen, der am heutigen Samstag Griechenland bedroht.

Der Ausgangspunkt von "Zorbas" war ein Kaltluftvorstoß in das östliche Mittelmeer, der am Mittwoch stattgefunden hat. Ein damit in Verbindung stehendes Tief in höheren Luftschichten sorgte mit seiner Dynamik, aber auch in Verbindung mit der Höhenkaltluft, für die Ausbildung eines Bodentiefs vor der Libyschen Küste. Genau diese Kaltluft in der Höhe war es auch, die in Verbindung mit dem warmen Meerwasser zur Ausbildung von Schauern und Gewittern geführt hat. Die Wassertemperatur im Ionischen Meer liegt derzeit bei etwa 27 Grad. Diese Prozesse haben das Tief zusätzlich verstärkt. Der Ausgangspunkt für Medicane "Zorbas" war also außertropisch.

Mittlerweile hat "Zorbas" aber klar subtropische Züge angenommen. Erkennen lässt sich dies vor allem seiner Struktur. So liegt das Tief in der Höhe nun nahezu senkrecht oberhalb des Bodentiefs (senkrechte Achsenlage). Zudem ist die Höhenkaltluft verschwunden. Stattdessen lässt sich ein warmer Kern bis in die höheren Troposphärenschichten finden. Das Tief zeigt zudem eine zirkulare Struktur. Einzig ein Auge hat sich nicht ausbilden können.

Positiv für die Verstärkung in den letzten 24 Stunden war vor allem, dass die Unterschiede zwischen den Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Luftschichten (vertikale Windscherung) nur gering waren. Eine geringe vertikale Windscherung hilft, eine gebündelte zirkulare Struktur zu erhalten. Wäre die Windscherung zu stark, würde es den Sturm "zerreißen" und ihn angreifbar machen für trockenere Luftmassen aus der Umgebung. Eine zu starke vertikale Windscherung schwächt den (sub)tropischen Sturm also.

Hilfreich ist zudem, dass das Meerwasser in dem sich "Zorbas" bewegt, wärmer als im langjährigen Durchschnitt ist. Die Wassertemperatur liegt mit etwa 27 Grad etwas unter den Schwellwerten für tropische Systeme und das warme Wasser hat auch nur eine geringe Ausdehnung. Es ist also nur die Oberfläche sehr warm. Gleichzeitig liegt aber auch die Temperatur in höheren Luftschichten niedriger, als über den Tropen. Damit sind auch etwas niedrigere Werte der Meeresoberflächentemperatur durchaus ausreichend um einen Subtropensturm wie "Zorbas" zu verstärken. Und wie geht es weiter? Der Medicane hat um sein etwas asymmetrisch aussehendes Zentrum zahlreiche Gewitterherde ausgebildet und wird im Laufe des heutigen Tages in eine neue Tiefdruckentwicklung eingebunden, die von Westen her übergreift. Das hat zur Folge, dass das System nordostwärts geführt wird und dabei Griechenland überquert, ehe es am Sonntag die Türkei erreichen wird. Ein Problem ist natürlich der Wind. Die stärksten Böen werden bei Landgang auf das Griechische Festland im Sturm- bis Orkanbereich vorhergesagt. Die Prognosen bewegen sich zwischen 100 und 130 km/h. Die Böen von "Zorbas" werden sich durch die Reibungsverluste aufgrund der Wechselwirkung mit dem Land bis zum Sonntag deutlich abschwächen. Ein weiteres sehr großes Problem stellt der Niederschlag dar. So werden über Teilen von Griechenland innerhalb von 24 h Mengen zwischen 200 und 500 l/qm vorhergesagt. Im Vergleich dazu: In Frankfurt am Main liegt die mittlere Jahresniederschlagssumme bei 650 l/qm.

Es ist also zu erwarten, dass Zorbas für sehr große Probleme in den betroffenen Regionen sorgen wird. Neben Windschäden, muss vor allem mit Überflutungen und Erdrutschen gerechnet werden. Im Laufe der weiteren Entwicklung wird sich der Medicane wieder in ein außertropisches Tief umwandeln und weiter nordostwärts ziehen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

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