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22.07.2018

06:27

Temperatur 14,8 °C
Luftfeuchte 94 %
Taupunkt 13,8 °C
Luftdruck 1012,1 hPa
Windrichtung 273 °
W
Windstärke 19,0 km/h
Windböen 24,1 km/h
Wind 10m Ø 18,7 km/h
Windchill 9,8 °C
Regen/Tag 4,8 l/m²

 


Aktuelle Wetterdaten

Wetterstation Aalbäumle 707 m über Normalnull
Sonntag, 22. Juli 2018 06:27
Temperatur
14,8 °C
Luftdruck
1012,1 hPa
Wind
273 °
Luftfeuchtigkeit
94 %
Tendenz
-0,4 hPa/6hup down
Windstärke
19,0 km/h
Taupunkt
13,8 °C
Regen / 1/h
0,0 l/m²
Windböe
24,1 km/h
Windchill
9,8 °C
Regen / Tag
4,8 l/m²
Wind 10 Min Ø
18,7 km/h
Vorhersage - veränderlich -

Telefonabruf Wetterstation 0160-3282349

Aktuelle Wettervorhersage


Wind u. Thermikprognose 20.7.18

Bodenwind:
Variabler Wind um 2 KT. Ab Freitagvormittag aus E mit 4 bis 6 KT. In den frühen Nachmittagsstunden allmählich auf W bis SW drehend. In der Umgebung von Schauern und Gewittern Böen bis 40 KT möglich. Am Abend und der Nacht erneut variabel mit 1 bis 3 KT.

Höhenwind:
2000FT | 100/05KT 21C | 310/05KT 26C | 3000FT | 090/05KT 19C | 300/05KT 22C | 5000FT | 020/05KT 15C | 300/05KT 17C | FL100 | 270/15KT 03C | 280/05KT 03C |

Thermik:
Am Freitag gute Blauthermik. Nachmittags durch flache Cumuli gekennzeichnet. Im Südwesten örtlich durch Überentwicklungen gestört. Arbeitshöhen bis 2300 m, über den Alpen bis 2900 m.

Das Wetter in Aalen 20.7.18
In Aalen bilden sich tagsüber vereinzelt Wolken und die Temperaturen liegen zwischen 16 und 27°C. In der Nacht ist es leicht bewölkt bei Tiefsttemperaturen von 17°C.

Wetterlage und -entwicklung:
Süddeutschland befindet sich zunächst noch unter schwachem Hochdruckeinfluss. Dabei ist eine stabil geschichtete und trockene Luftmasse wetterbestimmend. Ein Trog über Frankreich führt mit einer südwestlichen Höhenströmung zunehmend feuchte und labile Luft in die Südwesthälfte des Vorhersagegebietes.

Alpenwetter:
Wetterseite des
Deutschen Alpenvereins


Skigebiete: Schwäbische Alb Ostalbskilift
Schneehöhen:Allgäu

 

Der Sommer 2018 läuft weiter auf Hochtouren!

Datum 18.07.2018

Wiederholt stabile Luftdruckstrukturen lassen den Sommer 2018 durchstarten. Die Sommerwärme ist dabei durch die Sonneneinstrahlung überwiegend "Haus gemacht". Auch mittelfristig lässt er die Bürgen schwitzen. Typische Hitzewellen über 35 Grad fehlen jedoch dem diesjährigen Sommer bisher.

Gefühlt startete der Sommer 2018 schon im April seine Eroberungstour, als die Temperaturen zur Monatsmitte regional erstmals für einen längeren Zeitraum die 25-Grad-Marke überschritten. So richtig Fahrt nahm er dann in der letzten Maidekade auf. Es folgten bis Mitte Juni von Südwesten und Westen ausgreifend in vielen Regionen 10 bis 20 Sommertage am Stück. Nach kurzer Schwächephase in der zweiten Junihälfte, in der aber auch nur selten kühlere Temperaturen unter 20 Grad erreicht wurden, begaben sich die Temperaturen zum Juniende wieder auf Klettertour. Seitdem hält der Sommer den deutschen Raum nahezu uneingeschränkt seine Treue. Insgesamt gab es zur offiziellen Halbzeitpause des meteorologischen Sommers (~16. Juli) bis auf wenige "Gallische Dörfer" verbreitet schon überdurchschnittlich viele Sommertage. Während im vieljährigen Mittel (1961-1990) in Frankfurt an 41,4 Tagen Temperaturen über 25 Grad erreicht werden, wurde diese Temperaturmarke bis zum 18. Juli 2018 schon an 48 Tagen überschritten. Ähnlich sieht es in Köln oder Potsdam aus, wo 39 bzw. 43 Sommertage bisher in 2018 einem Mittel von 33,8 bzw. 37,6 Tagen gegenüberstehen. Derzeit noch eine unterdurchschnittliche Anzahl an Sommertagen findet man im äußersten Norden oder aber im Umfeld der Neiße. Geht dem Sommer auch im weiteren Verlauf nicht die Puste aus, könnte dem Sommer 2018 zumindest was die Anzahl der Sommertage betrifft ein Platz auf dem Siegertreppchen winken. Ob er auch den "Supersommer 2003" diesbezüglich gefährden kann, wird sich zeigen. Mit Blick auf die "Heißen Tage", also Tage mit Temperaturen über 30 Grad, kommt der Sommer derzeit noch nicht überall überdurchschnittlich daher. Vor allem im Westen und Süden hat er in diesem Zusammenhang noch etwas Nachholbedarf. Allerdings hat der Sommer 2018 auch noch genügend Zeit in diesen Regionen das kleine Defizit aufzuholen. Im Norden und in Teilen Ostdeutschlands sieht es dagegen schon anders aus. Im Vergleich zum vieljährigen Mittel wurden dort teilweise schon doppelt so viele heiße Tage wie im Mittel der Periode 1961-1990 registriert (Bremen: Mittel 3,5; aktuell 6).

Die sommerlichen Temperaturen lassen sich zumindest in Teilen mit der vorherrschenden Großwetterlage erklären. Schon im Mai waren typische Westlagen, also zonale Strömungen, die uns nur mäßig warme bis warme Atlantikluft nach Deutschland bringen, nicht existent. Nahezu der gesamte Monat war von meridionalen (Nord-Süd ausgerichtete) Wetterlagen geprägt. Allerdings kam die Luft dabei häufig nicht aus dem Süden Europas nach Deutschland, sondern wehte aus Norden oder Nordosten ins Land. Die Sommerwärme ist dabei meist nicht auf advehierte Warmluft zurückzuführen, sondern ist in den meisten Fällen durch stabile Wetterlagen und die entsprechend über einen längeren Zeitraum hinweg einstrahlende Sonne "Haus gemacht". Im Juni sah das nur wenig anders aus. Bis auf eine Periode zur Monatsmitte, in der sich kurzfristig mal eine Westlage einstellen konnte, dominierten ebenfalls meridionale Strukturen, die Nordseeluft nach Deutschland führten.

Regen fiel dabei in den letzten 4 Wochen (4W) überwiegend nur als Folge von teils kräftigen Gewittern. Daher sind die Niederschlagsmengen bis auf wenige Ausnahmen sehr ungleichmäßig verteilt. Regionen mit signifikanten Regenmengen über 40 l/qm/4W stehen Regionen unter 10 l/qm/4W in direkter Nachbarschaft gegenüber. Ausnahmen bilden der äußere Osten sowie Südosten. Dort sorgten zeitweise Aufgleitniederschläge samt gewittrigen Verstärkung teilweise für Regensummen über 125 l/qm/4W. Während durch die Niederschläge östlich der Elbe dort die größte Trockenheit etwas getilgt werden konnte, sieht es im Nordteil von Thüringen bis ins nördliche Sachsen-Anhalt eher mau aus. Schon von Mitte Mai bis Mitte Juni fielen dort nur 5 bis 40 l/qm/4W. Von Mitte Juni bis Mitte Juli kamen dann auch nur 1 bis 10 l/qm/4W hinzu. Ansonsten sind auch im Nordwesten Deutschlands in den letzten 8 Wochen vergleichsweise nur geringe Regenmengen zu verzeichnen. Dagegen kam die sommerliche Witterung in Bayern an vielen Tagen eher unbeständig daher.

Auch derzeit wird das Wetter in Deutschland zunehmend von einem Sonnenhoch geprägt, das auf den Namen "Gottfried" getauft wurde. Dieses liegt am heutigen Mittwoch in der westlichen Nordsee und verlagert sich in den nächsten Tagen nur sehr langsam nach Osten. In weiten Teilen des Landes scheint dabei wieder nahezu ungestört die Sonne. Lediglich an den Alpen und im Schwarzwald sowie in der Alb ist noch ausreichend Feuchte in der Luft vorhanden, sodass dort ein geringes Gewitterrisiko besteht.

Wirklich überall kann sich das sonnige Sommerwetter aber nicht durchsetzen! Vor allem im Osten ist nämlich noch Tief "Halina" im Spiel. Es liegt zwar mit Kern schon nördlich des Schwarzen Meeres und somit weit entfernt, doch sein Einfluss reicht über Polen hinweg bis nach Deutschland. Etwa entlang von Oder und Neiße trennt schließlich eine Luftmassengrenze die feuchtewarme Luft im Osten von der trockeneren Luft über Deutschland. In der besagten Grenzregion regnet es länger schauerartig verstärkt. Vereinzelt ist auch Starkregen mit Mengen über 20 l/qm in 6 Stunden zu erwarten. Dieser klingt unter stetiger Abschwächung bis Donnerstagabend komplett ab, sodass ab Freitag Hoch "Gottfried" vorübergehend auch dem äußersten Osten die Sonne zurückbringt.

Doch so richtig lange kann sich "Gottfried" nicht auswirken. Da er auf seiner allmählichen Wanderung in die westliche Ostsee an Kraft und somit an Einfluss verliert, können sich schon ab Freitag im Süden und Südwesten unter Zufuhr feuchtwarmer Luft flache kleinräumige Tiefdruckgebiete ans Werk machen und das Wetter unbeständiger gestalten. Unterstützt von den Strukturen in höheren Luftschichten produzieren die Tiefs einen Impuls für aufsteigende Luftbewegungen, sodass sich hochreichende Wolken auftürmen und wiederholt kräftige Schauer und Gewitter auftreten können. Vor allem am Samstag kracht und regnet es dann vielerorts mal kräftig. Doch typisch für konvektive Ereignisse gilt weiter: Es trifft nicht jeden Ort.

Die Temperaturen bleiben bis Freitag erneut hochsommerlich warm bis heiß. Auch die vorübergehend geringe Abkühlung durch die Niederschläge am Wochenende kann dem Sommer nichts ausmachen. Denn schon zur neuen Woche kündigt sich ein erneuter Vorstoß des Azorenhochs bis nach Deutschland an, sodass nach derzeitigem Wissen bei zunehmenden Sonnenanteilen auch die Temperaturen erneut auf ein hochsommerliches Niveau zwischen 25 und 32 Grad ansteigen werden. Der Sommer bleibt also weiter auf Kurs!

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.07.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Heinrichsflut

Datum 16.07.2018

Heute vor 53 Jahren kam es von Ostwestfalen bis ins südliche Sachsen-Anhalt zu schweren Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen. Dem nachfolgenden Hochwasser fielen 16 Menschenleben zum Opfer. Ein Rückblick...

Das Drama ereignet sich am 16. Juli 1965 - also vor genau 53 Jahren. Bei Tagesanbruch wird es kaum hell, selbst tagsüber ist zeitweise die Straßenbeleuchtung eingeschaltet. Dann öffnet der Himmel seine Schleusen - über mehrere Stunden hält der gewittrige Starkregen an und verwandelt sonst so beschauliche Flüsse wie Twiste, Diemel, Lippe und Altenau in reißende Ströme. Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschnitten, Menschen in den Fluten eingeschlossen. Vielerorts heulen die Sirenen pausenlos, der Katastrophenalarm wird ausgelöst. Besonders schwer betroffen sind Teile Ostwestfalens, Südniedersachsens, Nordhessens, der Nordosten Thüringens, der Süden Sachsen-Anhalts bis nach Sachsen hinein. 16 Menschen lassen in den Fluten ihr Leben.

Diese Katastrophe ging als "Heinrichsflut" in die Geschichtsbücher ein, da sie kurz nach dem Todestag (13. Juli 1024) des römisch-deutschen Kaisers Heinrich II. ihren Anfang nahm. Seltener findet man auch die Begriffe "Julihochwasser" beziehungsweise "Schwarzer Freitag von Waldeck" in diesem Zusammenhang.

Ausgangspunkt dieser Tragödie war eine Wetterlage, die der aktuellen brisanterweise gar nicht mal so unähnlich ist. Dabei blockiert ein Hoch über der Norwegischen See respektive Skandinavien atlantische Tiefdruckgebiete, die über Frankreich bis ins westliche Mittelmeer ausweichen müssen. Durch diese Konstellation bauen sich über Deutschland in der Regel starke Temperaturkontraste auf, wenn trocken-kühle Luft am Rande des Hochs aus Skandinavien auf feucht-warme Luft mit Ursprung aus dem zentralen Mittelmeer trifft. Zünglein an der Waage spielte damals zudem noch ein sogenannter "Kaltlufttropfen" (Erklärung siehe z.B. Thema des Tages vom 24.01.2017), der sich von Frankreich den betroffenen Regionen näherte und die Entwicklung kräftiger Regenfälle begünstigte. Zudem sorgten häufige Niederschläge im zurückliegenden Zeitraum bereits für volle Flüsse und gesättigte Böden. In Ostwestfalen fielen beispielsweise binnen 2 Tagen (15./16. Juli 1965) in Lichtenau/Westfalen 179 Liter pro Quadratmeter, in Büren 176 l/qm, in Paderborn 172 l/qm - der Großteil davon binnen weniger Stunden. Werte, die mehr als dem Doppelten entsprechen, was sonst in einem durchschnittlichen Juli in der Region zu erwarten ist. Nicht unerwähnt soll die nachteilig wirkende Orographie sein, denn viele Ortschaften befinden sich in einer Kessellage, die sich im Falle kräftiger Niederschläge wie eine Badewanne von allen Seiten füllt.

Auch wenn aktuell über dem Süden und Teilen der Mitte Deutschlands eine ähnlich energiereiche Luftmasse lauert, die sich am heutigen Montagnachmittag lokal wieder in Form unwetterartiger Starkregenfälle entlädt - räumliche Ausdehnung und absolute Mengen werden glücklicherweise bei weitem nicht die Ausmaße der "Heinrichsflut" erreichen. Nicht zuletzt dank infrastruktureller Anpassungsmaßnahmen (z.B. Schaffung großer Rückhaltebecken) wurden in der Vergangenheit zahlreiche Anstrengungen unternommen, um das Risiko vergleichbarer Auswirkungen in Zukunft zu minimieren.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.07.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Erst Dürre, dann Gislinde als Regenbringer - Trockenheit nun beendet?

Datum 14.07.2018

In den letzten Wochen nahm die Dürre in Nord- und Ostdeutschland regional katastrophale Ausmaße an. (Höhen-)Tief Gislinde brachte nun in den letzten Tagen vielen Regionen endlich den langersehnten Regen. Doch hat sich die Trockenheit überall entspannt?

Gislinde ließ viele Hobbygärtner, Förster und Landwirte aufatmen. Doch bevor wir zu diesem (Höhen-)Tief kommen, blicken wir auf die Vorgeschichte zurück. April, Mai und Juni waren nicht nur ungewöhnlich warm und sonnenscheinreich, sondern auch die Niederschlagsmengen und deren Verteilung waren bemerkenswert. Einerseits verursachten schwere Unwetter lokale Sturzfluten, Überschwemmungen und Hagelansammlungen. Andererseits rückte in den letzten Wochen eine regional katastrophale Trockenheit zunehmend in den Fokus.

Betrachtet man die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen zwischen 8. Juni und 8. Juli (Abb. 1), erkennt man eine deutliche Ungleichheit. Große Teile Süddeutschlands bekamen ausreichend Niederschlag ab, wobei auch hier einige Gebiete zu finden sind, in denen weniger als 30mm zusammen kamen. Außergewöhnlich regenarm war es hingegen in weiten Teilen Ost- und Nordostdeutschlands. Nur lokal öffnete der Himmel in Schauern und Gewittern seine Schleusen. In den meisten Regionen fielen allerdings nur zwischen 10 und 30mm und damit deutlich weniger als üblich. Ganz besonders trocken war es im Großteil Sachsen-Anhalts und in Teilen von Brandenburg, wo lediglich zwischen 1 und 10mm Regen registriert wurden.

Da dort auch die Vormonate äußerst niederschlagsarm ausfielen, mündete dies in ein extremes Niederschlagsdefizit. Beim Blick auf den Jahresniederschlag (Abb. 2) springt einem sofort ins Auge, dass in einem Gebiet von der Leipziger Tieflandsbucht über Sachsen-Anhalt und dem Westen Brandenburgs, aber auch in Teilen Vorpommerns bis letzten Sonntag (8. Juli) lediglich schlappe 120 bis 200mm Niederschlag vom Himmel kamen. Damit sind teilweise weniger als die Hälfte des bis dahin zu erwarteten Niederschlags gemessen worden.

Die Folgen der Dürre sind unübersehbar. Auf Wiesen und Rasenflächen ist vielerorts kaum mehr ein grüner Grashalm zu finden. Selbst an einigen Bäumen verfärben sich bereits die Blätter und werden abgeworfen. In der Landwirtschaft kam es zu Getreide-Noternten und auch dem Mais macht der fehlende Niederschlag zu schaffen. Wald- und Flächenbrände kamen auch noch hinzu. Eine detailliertere Analyse der landwirtschaftlichen Auswirkungen sowie eine kurze klimatologische Einordnung können Sie im unten verlinkten Bericht der Abteilung für Agrarmeteorologie nachlesen.

Doch in den letzten Tagen fungierte (Höhen-)Tief Gislinde als Heilsbringerin. Von Dienstag bis Donnerstag bestimmte sie das Wettergeschehen in weiten Teilen Deutschlands. Spiralförmig umkreisten mehrere Starkregenbänder das Tiefdruckzentrum. Diese und einige Gewitter brachten vielerorts den langersehnten Regen. Er war regional sogar mehr als üppig, beispielsweise prasselten in Angermünde (Uckermark) 103mm/72h vom Himmel. Im Osten Berlins lösten heftige Niederschläge am Donnerstagvormittag (z.B. zwischen 4 und 10 Uhr in Berlin-Marzahn 51,3mm [insg. 82mm/72h] und 46,0mm in Berlin-Buch [insg. 94mm/72h]) sogar Überschwemmungen aus.

Ist damit die Trockenheit beendet? Antwort: jein. Abbildung 3 zeigt, dass Gislinde von der Niederlausitz bis nach Vorpommern verbreitet zwischen 30 und 50mm, von der Uckermark bis nach Berlin sogar 70 bis 100mm brachte. Auch von Mecklenburg-Vorpommern über Teile Niedersachsens und Ostwestfalens bis nach Mittelhessen wurden zwischen 20 und 60mm registriert. Weitgehend außen vor blieb der Südwesten und erneut die Dürre-geplagten Gegenden in Sachsen-Anhalt und Nordthüringen, wo nur der "Tropfen auf dem heißen Stein" oder nicht einmal dieser gefallen ist. Von Entspannung bezüglich der verheerenden Trockenheit kann hier keine Rede sein (Abb. 4). Schließlich hat es bisher in diesem Jahr in Artern (Thüringen) lediglich 128mm und in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) 136mm geregnet. Das entspricht nur 45,7% (Artern) bzw. 42,5% (Wittenberg) der durchschnittlich dort bis zum 13. Juli gefallenen Jahresregenmenge. Quedlinburg, Jeßnitz, Holzdorf (jeweils Sachsen-Anhalt) und Baruth (Brandenburg) zählen ebenso zu den Niederschlagsstationen, an denen weniger als 150mm Niederschlag gemessen wurde.

Auch in den nächsten Tagen ist in diesen Regionen kaum mit Regen zu rechnen. Schwacher Hochdruckeinfluss sorgt vielerorts für Sonnenschein und sommerliche Temperaturen. Lediglich im Bergland und in Süddeutschland bilden sich einzelne kräftige Gewitter. Land- und Forstwirte in den Dürreregionen werden weiterhin tiefe Sorgenfalten auf der Stirn haben.

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.07.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Der Sternschnuppenregen der Perseiden

Datum 13.07.2018

Kommende Woche beginnt der Sternschnuppensommer! Die Perseiden nehmen Fahrt auf, um Mitte August den Höhepunkt zu erreichen! Ein paar Details können Sie in den folgenden Abschnitten lesen.

Es wird mal wieder Zeit: Die Perseiden - der bekannteste Meteorstrom, der aus den Auflösungsprodukten des Kometen "109P/Swift-Tuttle" besteht - kreuzen demnächst wieder die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne. Der Name "Perseiden" ist dabei auf das Sternbild "Perseus" zurückzuführen, vor dem die Sternschnuppen bei einem Blick in den Himmel zu sehen sind. Wie jedes Jahr von Mitte Juli bis Ende August (17.07. - 24.08.) können dann zahlreiche Sternschnuppen am Nachthimmel beobachtet werden. Die höchsten Fallraten sind in diesem Jahr in der Nacht vom 12. auf den 13. August zu erwarten. In diesem Jahr ist dabei mit einem durchschnittlich starken Sternschnuppenregen der Perseiden zu rechnen. Allerdings herrschen während der Hochzeit der Perseiden günstige astronomische Rahmenbedingungen. Da am 11. August Neumond ist, kann der sonst den Nachhimmel erhellende Erdtrabant nicht weiter stören. Die ersten Sternschnuppen können mit Aufgang des Sternbildes Perseus am Abend bereits nach Eintritt der Dunkelheit beobachtet werden.

Sicherlich werden dann viele Menschen - ob Singles oder Pärchen - nachts am Fenster und auf dem Balkon sitzen oder einfach auf einer Sommerwiese liegen, um den zahlreichen Sternschnuppen mit den Augen nachzujagen. Dabei werden dann zahlreiche Wünsche und Träume mit der Hoffnung auf Erfüllung in die Ewigkeit geschickt.

Doch was sind Sternschnuppen und warum werden sie hauptsächlich im August beobachtet?

In bestimmten Zeiträumen des Jahres kommt es zu einer verstärkten Sternschnuppenaktivität am Himmel. In solchen Nächten huschen zahlreiche Sternschnuppen über den Nachthimmel, die anscheinend alle einen einzigen Ausgangspunkt haben. Dieses Phänomen ist immer dann der Fall, wenn die Erde die Bahn eines Meteoritenstroms kreuzt und wiederholt Partikel in die Erdatmosphäre eindringen. Die Sternschnuppen stammen in der Regel von einem Kometen. Diese Schweifsterne sind kilometergroße Ansammlungen aus Staub und leicht flüchtigen Materialien wie gefrorenes Methan, Trockeneis und Wassereis. Die Partikel verteilen sich im Laufe der Zeit entlang der Kometenbahn und bilden den Meteorstrom.

Auf der Bahn des Meteorstroms dringen auch große Mengen solcher Partikel, sogenannte "Meteorite", mit sehr hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein. Dabei glühen sie durch die Reibungswärme beim Eintritt in die Erdatmosphäre als "Meteore" kurz auf und verdampfen schließlich. Das auf mehrere tausend Grad aufgeheizte Gas um verglühende Partikel herum kann der Beobachter schließlich als leuchtende Sternschnuppen beobachten.

Wer geduldig den möglichst dunklen Nachthimmel beobachtet, kann übrigens in jeder Nacht des Jahres Sternschnuppen sehen, vorausgesetzt der Himmel ist nicht mit Wolken bedeckt. Die meisten dieser sporadischen Meteore stammen aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter, wo sich zahlreiche und unterschiedlich mächtige Gesteinsbrocken tummeln. Der größte Anteil besteht aus Partikeln in Staubkorngröße, die beim Eintritt in die Atmosphäre vollständig verglühen. Größere Stücke überstehen jedoch teilweise die heiße Reise durch die Erdatmosphäre und fallen dann als Meteoriten zum Boden.

Alle 12 Jahre beeinflusst der Planet Jupiter mit seiner Schwerkraft die Bahnen der Meteoriten und verschiebt diese in Richtung Erdbahn. Dies geschah z.B. in den Jahren 1992, 2004 und 2016.

Die Gefahr aus dem All - Solare UV-Strahlung und ihre Wirkung auf den Menschen

Datum 12.07.2018

Hoch "Falk" bringt den Sommer mit viel Sonne zurück! Dabei steigen nicht nur die Temperaturen erneut auf sommerliche, teils sogar heiße Werte, auch die UV-Strahlung kann durch die noch hoch am Himmel stehende Sonne wieder ordentlich zulegen.

In den folgenden Abschnitten soll der sogenannte aktinische Wirkungskomplex, also die Komponenten der biologisch wirksamen Sonnenstrahlung und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper näher unter die Lupe genommen werden.

Die biologisch wirksamen Spektren des Lichts reichen vom infraroten über den sichtbaren bis zum ultravioletten Bereich (UV-Bereich) und haben teils gesundheitsfördernde als auch -schädigende Einflüsse auf den Menschen. So fördert beispielsweise Infrarotstrahlung die Durchblutung. Sichtbares Licht beeinflusst den Hormonhaushalt und die Psyche. Das größte Wirkungsspektrum besitzt jedoch die UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die an der Erdoberfläche nur wenige Prozent der gesamten solaren Strahlung ausmacht. Sie umfasst dabei den Wellenlängenbereich (Wellenlänge: der kleinste Abstand zweier Punkte gleicher Phase einer Welle), die kürzer sind als die des sichtbaren Lichtes. Da die einzelnen Elementarteilchen der UV-Strahlung (Photonen) über eine sehr hohe Energie verfügen, können sie teilweise tief in biologische Systeme eindringen, Molekülverbindungen irreversibel zerstören und somit wesentlichen Einfluss auf das Leben nehmen. Beispielsweise wird die UV-Strahlung als Auslöser für verschiedene Hautkrebsarten angesehen.

Die Haut unterliegt dabei als Grenz- und Kontaktorgan in besonderem Maße dem Einfluss von Umweltfaktoren und somit auch der UV-Strahlung. Zahlreiche Hautkrankheiten finden ihren Ursprung in dieser Strahlung oder werden von ihr verstärkt. Am bekanntesten ist in diesem Sinne wohl der Sonnenbrand, der einer Verbrennung ähnelt und nach einer vom Hauttyp abhängigen Bestrahlungszeit mit einer scharf begrenzten Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz sowie gelegentlicher Blasenbildung und Ödemen einhergeht.

Schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben jedoch Reaktionen, die nach einem jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum zwischen der UV-Bestrahlung und der sichtbaren Reaktion auftreten. In diese Gruppe sind beispielsweise die Hautalterung oder bösartige Hauttumore einzuordnen.

Traditionell wird die UV-Strahlung auf Basis der Ozonabsorption in drei Teilbereiche aufgegliedert. Demnach wird zwischen der UV-A Strahlung in dem Wellenlängenbereich von 315 bis 400 Nanometer, der UV-B Strahlung im Bereich zwischen 280 bis 315 Nanometer sowie der UV-C Strahlung zwischen 100 und 280 Nanometer unterschieden. Dabei hindert das atmosphärische Ozon die UV-A Strahlung nur wenig daran die Erdoberfläche zu erreichen. Die UV-C Strahlung wird dagegen unabhängig von der Ozonkonzentration auf dem Weg durch die Atmosphäre fast komplett aus der Luft herausgefiltert, während die Menge an UV-B Strahlung am Boden stark von der Ozonkonzentration sowie der Dicke der Ozonschicht abhängig ist. Als Maß für die UV-Strahlung dient der sogenannte UV-Index, der üblicherweise als Bestrahlungsstärke (Watt pro Quadratmeter) auf einem horizontal orientierten Empfänger angegeben wird. Neben dem Ozon beeinflussen auch weitere Bestandteile der Atmosphäre, wie beispielsweise Aerosole (Schwebeteilchen in der Atmosphäre) und Wolken (Wassertröpfchen), astronomische Bedingungen wie der Sonnenstand, der orographische Standort oder auch die Bodenbeschaffenheit in Form der Albedo (Rückstrahlvermögen der solaren Strahlung) die Menge an UV-Strahlung am Boden.

Insgesamt hat die UV-Strahlung, wie zu Beginn des Artikels schon aufgeführt, bedeutende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Wer seine Haut beim Sonnenbaden nicht ausreichend schützt, schädigt diese nachhaltig. Die UV-A (lange Wellen) Strahlung führt zu einer kurzfristigen Bräune, die jedoch kaum Lichtschutz bringt. Dagegen verliert die Haut an Spannkraft und altert bei langfristiger Bestrahlung frühzeitig. Auch das Hautkrebsrisiko ist bei häufiger ungeschützter Einstrahlung deutlich erhöht. Die UV-B Strahlung sorgt hingegen eher für eine langfristigere Bräune, die auch einen echten Lichtschutz mit sich bringt. Gleichzeitig dringen diese Strahlen nicht so tief in die Haut ein und schädigen sie daher nicht nachhaltig. Ein allgemein schädigender Effekt der UV-Strahlung ist zudem die Immunsuppression, eine Verringerung der Körperabwehr, z.B. gegenüber Infektionskrankheiten.

Positiv ist jedoch anzuführen, dass die UV-Strahlung hauptverantwortlich für die Entstehung von Vitamin D in der Haut ist. Dieses Vitamin ist im Körper für den Calcium- und Phosphatstoffwechsel essentiell. Allerdings wird die notwendige Vitamin D-Dosis in Deutschland im Sommer bei wolkenlosen Bedingungen gegen Mittag innerhalb von etwa 15 Minuten durch die Sonnenexposition von Händen, Armen und Gesicht erreicht.

In den nächsten Tagen wird nun der menschliche Körper wieder zunehmend den positiven und negativen Eigenschaften der UV-Strahlung ausgesetzt. Nachdem der Sommer seine kurze Auszeit beendet und Hoch "Falk" ab Freitag verbreitet wieder den Sonnensommer zurück bringt. Die Sonne kann dann vielerorts wieder vom gering bewölkten oder wolkenlosen Himmel scheinen. Aufgrund des Sonnenstandes nahe am Maximum (21.06.) kann dabei auch eine beachtliche Menge an UV-Strahlung in den bodennahen Luftschichten ankommen.

Entsprechend sollte man in den nächsten Tagen die Haut vor allem im Westen und Süden wieder schützen. Insgesamt kommt es in den genannten Regionen zu einem teils sehr hohen UV-Index. Als Schwellenwert für eine sehr hohe gesundheitliche Gefährdung wird dabei ein UV-Index von größer/gleich 8 angesehen.

In möglichen Warnungen oder auch in den entsprechenden Gefahrenkarten des DWD wird dann besonders darauf hingewiesen, dass Schutzmaßnahmen unbedingt erforderlich sind. Dabei sollte zwischen 11 und 15 Uhr der Aufenthalt im Freien grundsätzlich vermieden werden. Auch im Schatten gehören ein sonnendichtes Hemd, lange Hosen, Sonnencreme (SPF (Licht-Schutz-Faktor) 15+), Sonnenbrille und ein breitkrempiger Hut zum sonnengerechten Verhalten. Ergänzend zu diesen international einheitlichen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation finden Sie unter dem unten aufgeführten Link weitere UV-Schutztipps.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.07.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Taifun trifft auf China

Datum 11.07.2018

MARIA heißt der Tropische Wirbelsturm, der in den letzten Tagen über den Nordwestpazifik und das Ostchinesische Meer hinweggezogen ist. Die Auswirkungen des Taifuns bekamen die südlichen Inseln Japans und auch Teile Taiwans zu spüren. Nun hat MARIA China erreicht.

Es ist gerade mal eine Woche her, seit der Taifun PRAPIROON im Süden Japans und in Teilen Koreas mit hohen Windgeschwindigkeiten und enormen Regenmengen für große Verwüstungen sorgte. Nun ist mit MARIA bereits der nächste Taifun über das Ostchinesische Meer hinweggezogen und bedroht derzeit den Osten Chinas.

Ihren Ursprung hatte MARIA am 2. Juli als Tropisches Tief südöstlich der Insel Guam im westpazifischen Ozean. Zu diesem Zeitpunkt wies das Tief etwa einen Kerndruck von 1004 hPa auf. Rasch entwickelte es sich zu einem Tropensturm und zog als solcher über die Insel Guam hinweg. Von dort setzte MARIA ihren Kurs nordwestwärts über den Westpazifik fort und wurde bereits am 5. Juli bei einem Kerndruck von 940 hPa und Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zu einem Taifun heraufgestuft. Den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichte der Wirbelsturm am 8. Juli über dem offenen Ozean als Taifun der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten bis zu 280 km/h bei einem Kerndruck von 915 hPa. Ab Windgeschwindigkeiten von 240 km/h werden Taifune vom Joint Typhoon Warning Center (JTWC) als Super-Taifun bezeichnet. Das JTWC mit Hauptsitz auf Hawaii hat die Aufgabe, Warnungen vor tropischen Wirbelstürmen für den westlichen und südlichen Pazifik sowie den Indischen Ozean herauszugeben.

Am gestrigen Dienstag traf MARIA unter leichter Abschwächung als Taifun der Kategorie 3 zunächst auf die zu Japan gehörende Ryukyu-Inselkette und zog dort mit seinem Auge über die Insel Miyakojima hinweg. Im Bereich des Taifuns wurden Böen bis 163 km/h registriert. Nachfolgend erreichte MARIA in der Nacht zum Mittwoch bei weiter abnehmender Intensität mit ihren Ausläufern den Nordteil Taiwans. Laut örtlichem Wetterdienst brachte MARIA neben schweren Sturmböen auch heftigen Regen. So fielen auf der Insel Peng-Chia Yu nördlich von Taiwan 174 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden, in Taipeh waren es immerhin noch 92 Liter pro Quadratmeter, wobei der Regen derzeit immer noch anhält.

Am heutigen Mittwochmorgen (Ortszeit) traf MARIA schließlich als Taifun der Kategorie 2 südlich der Metropole Shanghai auf das chinesische Festland. Am stärksten betroffen sind aktuell die Provinzen Fujian, Zhejiang und Jiangxi. Dort meldeten die Städte Fuzhou und Fuding Orkanböen. Hinzu kommt weiterhin kräftiger Regen. In den küstennahen Regionen fielen bis zum frühen Mittwochnachmittag allein innerhalb von sechs Stunden bereits um 60 Liter pro Quadratmeter.

In den nächsten Stunden wird sich der Tropische Wirbelsturm auf seinem weiteren Weg in Richtung Zentralchina zwar deutlich abschwächen, mit starken Regenfällen (gebietsweise um 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden) muss aber weiterhin gerechnet werden.

Während die diesjährige Wirbelsturmsaison im Westpazifik schon einige Taifune hervorgerufen hat, steht sie auf dem Westatlantik noch am Anfang. Dort erreichte am Dienstagnachmittag (Ortszeit) der Tropische Sturm CHRIS Hurrikanstärke und ist somit der zweite Hurrikan der Saison. Der erste offizielle Hurrikan mit dem Namen BERYL hatte sich Ende der vergangenen Woche weit östlich der Kleinen Antillen gebildet. Er war nur sehr kurzlebig und ist in den letzten Tagen als Tropisches Tief nordwestwärts über Puerto Rico und Teile Hispaniolas hinweggezogen. Allerdings könnte er sich laut aktuellen Vorhersagen im Laufe der Woche im Bereich der Bahamas erneut zu einem Hurrikan verstärken.

CHRIS befindet sich derzeit vor der Küste North Carolinas und hat bereits die Kategorie 2 erreicht. Nach jetzigem Stand wird er einen Kurs Richtung Nordosten entlang der US-Küste einschlagen, sodass die Gefahr eines sogenannten Landfalls nach jetzigem Stand nicht besteht. Am 13. Juli erreicht CHRIS voraussichtlich das Seegebiet östlich von Neufundland, wo er schließlich in die Nordatlantische Westwinddrift aufgenommen und als außertropisches Tief ostwärts Richtung Europa geführt wird. Ob und in welcher Form er dann Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa hat, ist aber derzeit noch nicht exakt vorhersagbar.

Dipl.-Met. Johanna Anger

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.07.2018

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Wenn ein Tief auf Deutschlandreise geht

Datum 10.07.2018

Name: Gislinde, Geburtsort: Kanada, Geburtsdatum 03.07.2018, Aufenthalt in Deutschland: 10.07-12.07.2018

Wenn man am heutigen Dienstag auf eine Bodendruck-Wetterkarte schaut, springt einem ein Tiefdruckgebiet über Deutschland ins Auge, das auf den Namen GISLINDE getauft wurde. Ausgeprägt ist dieses Tief allerdings vor allem in höheren Luftschichten. Wer nun aufgrund des Namens mutmaßt, GISLINDE sei älteren Semesters, hat gar nicht so unrecht: Sie entstand schon letzte Woche Dienstag über Kanada, machte sich dann auf den weiten Weg über den Atlantik und zog schließlich am gestrigen Montag von Norwegen nach Dänemark. Aber GISLINDE gönnte sich keine Nachtruhe (obwohl es in Jütland ja durchaus lauschige Plätzchen geben soll), denn bereits heute früh hat sie die deutsch-dänische Grenze passiert und weilt nun über Schleswig-Holstein.

Wenn man den aktuellen Computerberechnungen Glauben schenkt, dann gefällt es ihr hierzulande recht gut, verweilt sie doch zwei ganze Tage bei uns. Erster "Sightseeing Stop" ist Hamburg. Ob sie nach der durchwachten Nacht auf der Suche nach einer steifen Brise ist oder nur hanseatisches Flair erleben möchte weiß man natürlich nicht, jedenfalls geht's danach weiter über das östliche Niedersachsen nach Nordhessen. Dieser erste Tag in Deutschland scheint doch etwas kräftezehrend zu werden, denn GISLINDE entscheidet sich dafür, in der kommenden Nacht ihr Tempo zu drosseln und etwas langsamer fortzuziehen. Allerdings scheint sie sich nicht so recht entscheiden zu können, ob das Nachtlager nun in der Rhön oder im Thüringer Wald aufgeschlagen werden soll - jedenfalls fällt nach dem Weg von Norddeutschland gen Süden die Wahl auf die Mittelgebirge.

Gestärkt durch die Thüringer Waldluft macht sie sich Mittwochvormittag auf zur Leipziger Tieflandsbucht, von wo aus sie sich ganz gemächlich entlang der Elbe nach Sachsen-Anhalt bewegt. Dann scheint sie doch gerne einmal "gegen den Strom" schwimmen zu wollen, denn in der Nacht zum Donnerstag macht sie sich flussaufwärts wieder zurück nach Sachsen und erreicht Donnerstagfrüh die Lausitz. Dies soll dann auch die letzte Station des "Roadtrips" in Deutschland zu sein, von dort aus zieht sie am Donnerstag weiter nach Polen.

Aber was hat denn GISLINDE nun eigentlich als "Mitbringsel" für uns im Gepäck? Die Antwort wird vermutlich alle Gartenbesitzer und Landwirte zum Lächeln verleiten: Niederschlag! Diese lang ersehnten Regenwolken werden in richtigen "Bändern" um das Tief herum gedreht, was man schön in der beigefügten Grafik erkennen kann. Der Regen wird dann durch eingelagerte Schauer und Gewitter noch lokal verstärkt, wobei die genauen Schwerpunkte von der exakten Position GISLINDEs abhängen - und diese ist noch unsicher.

In der Grafik kann man die Regionen gut erkennen, in denen die Regentonnen in den nächsten Tagen gefüllt werden. Besondere Erwähnung verdient dabei der Nordosten Deutschlands, wo nach aktuellen Berechnungen stellenweise um 40 l/qm in 12 Stunden fallen könnten.

Aber wie schon erwähnt sind die genauen Niederschlagsschwerpunkte noch unsicher, was daran liegt, dass Höhentiefs allgemein nur schwer berechenbar sind - man könnte auch sagen, GISLINDE hat ein sehr spontanes Gemüt. Man weiß also nicht, ob sie sich kurzfristig umentscheidet, ihren letzten Stopp in Deutschland nicht in der Lausitz, sondern doch lieber im Vogtland zu verbringen, was kräftige Regenfälle knapp 200 km weiter westlich zur Folge hätte.

Und wie sehen die Wochenendpläne von GISLINDE aus? Ihr scheint es im östlichen Mitteleuropa ganz gut zu gefallen, und so hält sie sich die meiste Zeit im Dreiländereck Polen-Weißrussland-Litauen auf. Und das bedeutet für das Wetter in Deutschland: Von Westen kann sich wieder Hochdruckeinfluss durchsetzen und für ruhiges und niederschlagsfreies Wetter sorgen.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.07.2018

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Eine kleine Sommerstatistik

Datum 09.07.2018

Steuern wir auf einen neuen Rekordsommer zu? Die bisherige Anzahl an "gesammelten" Sommertagen ist zumindest schon ganz beachtlich...

Der Winter war lang und ging zumindest gefühlt direkt in den Sommer über. Seitdem ist es überwiegend warm und gebietsweise auch sehr trocken. Nun gibt es unterschiedliche Parameter, an denen man die "Sommerlichkeit" festmachen kann. Zum einen kann man die Sonnenscheindauer oder die gefallenen oder eben nicht gefallenen Niederschläge betrachten. Zum anderen kann man sich aber auch die Tage ansehen, an denen eine Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad erreicht wurde. Diese Tage werden als Sommertage bezeichnet.

Betrachtet man die zurückliegenden Monate, so übertraf seit April jeder Monat die nach dem langjährigen Mittel zu erwartende Anzahl an Sommertagen. Dieses Klimamittel bezüglich der Anzahl der Sommertage hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert, zum einen über das gesamte Jahr gesehen, aber natürlich auch wenn man die Einzelmonate betrachtet. Die Entwicklung des Jahresmittelwertes der Sommertage ist im dargestellten Diagramm ersichtlich, in dem für ein paar ausgewählte Orte in Deutschland die langjährigen Mittelwerte für 3 verschiedene Klimazeiträume von 30 Jahren (1961 bis 1990, 1971 bis 2000 sowie 1981 bis 2010) dargestellt sind. Die im aktuellen Jahr 2018 bereits registrierte Anzahl an Sommertagen (seit April bis einschließlich 07.07.2018, roter Balken im Diagramm) liegt vielfach schon sehr hoch. In Hamburg gab es in diesem Jahr sogar bereits mehr Sommertage als normalerweise in einem gesamten Jahr. Zur Verdeutlichung folgt eine entsprechende Auflistung an Stationen (auch in der Tabelle ersichtlich, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und "ohne Gewähr"): Hamburg 27 vs. 26,6 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Hannover 29 vs. 32,4 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Düsseldorf 35 vs. 39 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Berlin 31 vs. 43,1 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Erfurt 17 vs. 31,4 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Frankfurt/Main 47 vs. 51,8 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); Stuttgart 38 vs. 46,8 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010); München 32 vs. 46 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010)

Da stellt sich durchaus die Frage, ob wir geradewegs auf ein Rekordjahr zumindest in Bezug auf die Häufung an Sommertagen zusteuern...

Bisher gilt das Jahr 2003 in punkto Sommertage als Rekordhalter. Die angefügte Grafik zeigt den Vergleich des aktuellen Jahres bis einschließlich 07.07.2018 mit dem Rekordsommer 2003 für eine kleine Anzahl ausgewählter Orte. Man kann erkennen, dass wir aktuell bereits in etwa die Hälfte der Sommertage von 2003 angehäuft haben, obwohl noch ein "ganzes Stück Sommer" vor uns liegt. Wenn wir uns nun mal der Spekulation hingeben und ein wenig die potenziell möglichen Sommertage überschlagen (2/3 des Juli mit etwa 20 Tagen, der August mit 31 Tagen und dann vielleicht noch ein paar Tage im September, sagen wir mal 10), dann kommen wir auf etwa 50 bis 60 mögliche Sommertage. Auch wenn es wie in den kommenden Tagen mal eine kleine Delle in der Temperaturkurve gibt und vielleicht "nur" 2/3 der möglichen Tage mit Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke aufwarten, bleiben noch 30 bis 40 weitere Sommertage übrig... Rein spekulativ liegt es also im Bereich des Möglichen, dass der Sommer 2018 dem Rekordsommer 2003 den Rang abläuft. Na dann lassen wir uns mal überraschen, denn abgerechnet wird zum Schluss, genauer gesagt Ende September oder Oktober, denn auch im Oktober sind einzelne Sommertage nicht ungewöhnlich.

Dipl.-Met. Sabine Krüger

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.07.2018

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Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Datum 08.07.2018

In vielen Regionen Deutschlands ist in den letzten Wochen und Monaten eine weitgehend trockene Witterung der ständige Begleiter. Vor allem Land- und Forstwirte leiden mittlerweile stark darunter. In den nächsten Tagen ist zwar etwas Regen in Aussicht, aber ob dieser viel bewirken kann ist mehr als fraglich.

Der Frühling und auch die ersten Wochen des Sommers liefen vor allem in den nördlichen Regionen Deutschlands sowie im Osten meist nach demselben Muster ab: über lange Zeiträume Hochdruckeinfluss mit nur kurzen Unterbrechungen, die aber meist nur unergiebigen Regen zur Folge hatten. Das Resultat davon ist gebietsweise eine außergewöhnliche Trockenheit. Die Kombination aus sonnigem Wetter und trockener Festlandsluft lässt die landwirtschaftlichen Flächen sowie die Wälder zunehmend austrocknen. Mittlerweile sind nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes bei gewissen Kulturen massive Ernteeinbußen zu verzeichnen. Zudem sind Waldbrände eine ständige Gefahr. Bereits der Funkenflug von Erntemaschinen oder die Brennglaswirkung von unachtsam weggeworfenen Gegenständen können Wälder und Flure schnell in Brand setzen (nähere Informationen zur Walbrandgefahr: Thema des Tages vom 01.07.2018 https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/7/1.html).

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Land- und Forstwirte mit besonderer Aufmerksamkeit unsere täglichen Prognosen verfolgen. Bisher konnten die "Wünsche" nach Regen aber kaum erfüllt werden. Wie geht es aber nun in den nächsten Tagen weiter? An der grundlegenden Großwetterlage ändert sich zumindest in den nächsten Tagen erstmal wenig. Es bleibt dabei, dass sich der Schwerpunkt des für weite Teile West- und Mitteleuropas wetterbestimmenden Hochdruckgebiets weiterhin bei oder über den Britischen Inseln befindet. Allerdings gelangen weite Teile Deutschlands zunehmend an den Rand dieser Hochdruckzone. Damit können kleinräumige Tiefs etwas ins Wettergeschehen eingreifen.

Das markanteste davon ist ein Tiefdruckgebiet, das ab Montag vom Europäischen Nordmeer über das südliche Skandinavien in den Norden Deutschlands zieht und die Oder in der Nacht zum Mittwoch erreicht. Mit diesem strömt kühlere und auch etwas feuchtere Nordseeluft heran. Allerdings ist die Vorhersage der exakten Zugbahn solcher kleinräumigen Tiefdruckgebiete zum einen nicht einfach und relativ lange von Unsicherheiten geprägt, zum anderen sind die damit verbundenen Niederschlagsprozesse schwierig vorherzusagen.

Aus aktueller Sicht kommt es ab Montagnachmittag zunächst im Nordwesten zu ersten Schauern, die aber eher unergiebig ausfallen werden. In der Nacht zum Dienstag breiten sich diese aus und verstärken sich etwas. Außerdem gesellen sich vor allem in Küstennähe auch ein paar Gewitter dazu. Am Dienstag tagsüber können schließlich mit Ausnahme des Südwestens überall Schauer und einzelne Gewitter auftreten, in der Nacht zum Mittwoch geht deren Verbreitung wieder etwas zurück. Am Mittwoch konzentrieren sich die Schauer vor allem auf die Osthälfte Deutschlands. Es liegt nun aber in der Natur der Sache, dass die Schauer nur örtlich Regen bringen werden. Viele Regionen werden daher auch dieses Mal "leer ausgehen". Von flächendeckendem Regen ("Landregen") kann daher keinesfalls gesprochen werden.

Es scheint zudem so zu sein, dass sich in der zweiten Wochenhälfte sowie am Wochenende wieder ein altbekanntes meteorologisches Muster einstellt: Das Bodenhoch etabliert seinen Schwerpunkt über Nordwesteuropa. Damit rücken weitere Niederschläge im Norden und Osten sowie in großen Teilen der Mitte Deutschlands in weite Ferne. Bei zunehmenden Sonnenscheinanteilen steigt die Temperatur zudem flächendeckend über die Marke von 25 Grad. Es ist daher zu befürchten, dass die Niederschläge der ersten Wochenhälfte gebietsweise nur ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein sind.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.07.2018

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Wenn Hitze zum Verhängnis wird

Datum 07.07.2018

Sowohl im Osten Kanadas, als auch in Algerien führten in den vergangenen Tagen Hitzewellen zu teils extremen Temperaturen. Ganz so heiß wird es in Deutschland glücklicherweise sind, wenn man mal von einigen ganz speziellen Orten absieht...

Für Sommer- und Hitzefans sind Temperaturen um 30°C kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern eher die Füße; freuen sie sich doch über perfekte Bedingungen für Flip-Flops, einen Badeseebesuch und ein kühles Eis. Aber vielen Menschen sind solche Höchstwerte doch zu viel des Guten und für einige werden die hohen Temperaturen sogar lebensbedrohlich, wie diese Woche im Osten Kanadas.

Denn dort sorgte eine Hitzewelle tagelang für Höchstwerte um 30°C. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit war die gefühlte Temperatur mit Werten über 40 Grad noch deutlich höher. In Hamilton, am Westende des Ontariosees, lag die gefühlte Temperatur am Donnerstag sogar bei 45°C. Solche Temperaturen stellen eine enorme Belastung für den menschlichen Körper dar und sind vor allem für ältere und kranke Menschen sogar lebensgefährlich - so auch in der kanadischen Provinz Quebec, wo die Hitze der vergangenen Tage 33 Todesopfer forderte. Eine gute Nachricht gibt es immerhin: In der Nacht zum gestrigen Freitag beendete eine Kaltfront von Norden die große Hitze.

Aber nicht nur im Norden Amerikas, auch im Norden Afrikas vermelden die Wetterstationen dieser Tage Höchstwerte jenseits von Gut und Böse. In Algerien wurden am Donnerstag verbreitet zwischen 45 und 50°C Lufttemperatur gemessen, die Station Ouargla meldete sogar 51,3°C.

So heiß wird es in Deutschland glücklicherweise nicht, zumindest FAST nirgendwo. Nicht zu vergessen sind nämlich Arbeitsplätze, an denen durchaus solch hohe Temperaturen gemessen werden: Köche arbeiten beispielsweise bei 45°C und mehr am Herd, Straßenbauarbeiter müssen Temperaturen bis zu 80°C bei Asphaltierungsarbeiten ertragen und ein Imbiss ist bei 90°C direkt vor dem Hähnchengrill ebenfalls mehr Sauna als Arbeitsplatz.

Da können sich doch nur all diejenigen glücklich schätzen, die ihre Arbeit in klimatisierten Räumen absolvieren dürfen. Aber auch Anzugträger und Businessmänner können der Hitze nicht ganz entkommen: Denn in festen Lederschuhen können bei Sommerhitze bis zu 50 °C gemessen werden!

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.07.2018

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Numerische Wettervorhersage - ein weltumspannendes Spinnennetz

Datum 06.07.2018

Heutzutage verwendet man für die Prognose des zukünftigen Wetters komplexe Computermodelle. Im heutigen Thema des Tages wird erläutert, weshalb eine weltweite Wettervorhersage benötigt wird, um das Wetter für kleinere Gebiete (z.B. Deutschland) vorhersagen zu können.

Für eine Wetterprognose bedient man sich heutzutage sogenannter numerischer Wettervorhersagemodelle (NWV-Modelle). Dabei handelt es sich um komplexe Computerprogramme, welche die für das Wetter verantwortlichen physikalischen Prozesse in der Atmosphäre beschreiben. Diese NWV-Modelle berechnen die atmosphärischen Zustandsgrößen (z.B. Temperatur, Wind, Wasserdampf) auf einem dreidimensionalen Gitternetz. Man kann sich das wie ein riesiges weltumspannendes und mehrschichtiges Spinnennetz vorstellen. Je feiner die Maschenweite eines solchen Gitters ist, desto kleinräumigere atmosphärische Prozesse können mit dem Modell berücksichtigt werden und umso genauer wird letztendlich die Vorhersage. Besitzt das Modell beispielsweise eine horizontale Maschenweite von etwa 2 km - wie das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) entwickelte COSMO-D2-Modell - so werden einzelne Schauer- und Gewitterzellen mit einem Durchmesser von etwa 10 km zumindest teilweise aufgelöst. Bei einer Maschenweite von mehreren Dutzenden Kilometern würde hingegen das Gewitter buchstäblich durchs Netz fallen und kann daher auch nicht explizit beschrieben werden.

Im Thema des Tages vom 10. Mai (siehe erster Link) wurde gezeigt, dass für eine 2-Tages-Vorhersage mit dem COSMO-D2-Modell für ein Gebiet in der Größenordnung von Deutschland bereits Billionen an Rechnungen durchgeführt werden müssen. Man kann sich leicht ausmalen, dass man nicht den ganzen Globus mit einem derart feinen Gitter umspannen kann. Deshalb rechnet der DWD das COSMO-D2 auch nur auf einem relativ kleinen Gebiet von etwa 1400 km x 1600 km. Man bezeichnet ein solches Modell daher als Ausschnittsmodell.

Das Ausschnittsmodell alleine reicht aber für eine Wettervorhersage für Deutschland nicht aus. Die Entstehung von Hoch- und Tiefdruckgebieten, die den Wettercharakter maßgeblich bestimmen, wird durch großräumige Strömungen in der Atmosphäre rund um den Globus beeinflusst. Man muss also die Luftbewegungen auf der ganzen Welt kennen, um das Wetter für eine bestimmte Region prognostizieren zu können. Der US-amerikanische Meteorologe Edward N. Lorenz erklärte dazu im Jahre 1972, dass praktisch der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien in irgendeiner Weise auch mit einem zukünftigen Tornado in Texas zusammenhängt. Man bezeichnet diese Theorie daher als "Schmetterlingseffekt".

Für ein Ausschnittsmodell ist es also wichtig, welche Temperatur und Feuchtigkeit mit welcher Windgeschwindigkeit am Rand in das Modellgebiet hineinströmt und an anderer Stelle wieder das Gebiet verlässt. Man bezeichnet diese für das Modell essentiellen Informationen als Randbedingungen. Diese werden von einem sogenannten Globalmodell zur Verfügung gestellt. Der DWD verwendet für eine weltweite Wettervorhersage das ICON (ICosahedral NOnhydrostatic) Modell (siehe zweiter Link). Wie der Name bereits sagt, benutzt das ICON-Modell eine Ikosaeder-Gitterstruktur. Dabei handelt es sich um eine Art Dreiecksgitter, welches die Welt umspannt (siehe Abbildung). Aktuell besitzt das ICON-Modell eine Maschenweite von etwa 13 km, womit die Atmosphäre mit 2.949.120 Dreiecken mit einer Fläche von je 173 Quadratkilometern beschrieben wird. Mit insgesamt 90 vertikalen Schichten besteht das Modell somit aus etwa 265 Millionen Gitterpunkten. Alle Modellvariablen wie Luftdichte, Temperatur, Wind, Wasserdampf, Wolkenwasser, Wolkeneis sowie Regen- und Schneegehalt sind als Mittelwerte über die einzelnen Gitterflächen anzusehen.

ICON wird viermal am Tag gerechnet. Dazu benötigt man modernste Hochleistungsrechner, um in der nötigen Schnelligkeit die Modellsimulation durchführen zu können und um nicht erst fertig zu werden, wenn das vorhergesagte Wetter bereits in der Vergangenheit liegt. Je Vorhersagetag benötigt das ICON auf dem Hochleistungsrechner des DWD etwa 8 Minuten Rechenzeit und erzeugt eine Datenmenge von rund 900 GB für eine 7-Tage-Prognose - eine enorme Datenmenge.

Doch nun zurück zur Deutschlandvorhersage. Um die Randbedingungen für das COSMO-D2 zu bekommen, werden die meteorologischen Größen vom groben ICON- auf das feine COSMO-D2-Gitter interpoliert. Man nennt diesen Prozess Modell-Nesting. Der Unterschied zwischen einer 2,2 km (COSMO-D2) und einer 13 km (ICON) Maschenweite ist jedoch recht groß, wodurch die Interpolation ziemlich ungenau werden würde. Deshalb führt man ein doppeltes Nesting durch. Das Globalmodell ICON liefert zunächst die Randwerte für das "Europamodell" ICON-EU mit einer Maschenweite von etwa 6,5 km (umgekehrt fließen auch die feineren Informationen aus ICON-EU wieder in die globale ICON-Vorhersage ein (Zwei-Wege-Kopplung)). ICON-EU stellt schließlich im zweiten Schritt die Randwerte für das COSMO-D2 bereit, womit sich der Kreis schließt. Eine numerische Wettervorhersage ist also ein ganz schön komplizierter und rechenintensiver Prozess!

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.07.2018

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Die Wolkenmütze (Pileus)

Datum 05.07.2018

Fast jeden Tag ziehen die unterschiedlichsten Wolkenarten am Himmel vorüber, die alle etwas Besonderes bezüglich ihrer Entstehungsgeschichte oder ihrer Begleiterscheinungen zu erzählen haben. Heute erfahren wir Näheres über die sogenannte "Wolkenmütze" und welche Auswirkungen beim Wetter bei ihrem Auftreten zu erwarten sind.

Wie auch heute über der Mitte und dem Süden Deutschlands sind Kumuluswolken, z.Dt. "Haufenwolken", eine häufig am Himmel zu beobachtende Wolkenart. Mal handelt es sich um harmlos über den Himmel dahinschwebende Schäfchenwolken, die sich als kleine und vertikal eher schmächtige Schönwetterwolken am sommerlichen Himmel bemerkbar machen, mal jedoch um rasant in die Höhe schießende Wolken, die sich zeitnah in eine Schauer- oder Gewitterwolke verwandeln können. Im Sommer sind die Zutaten für die Haufenwolken besonders günstig, denn durch die intensive Sonneneinstrahlung angetrieben steigen warme und feuchte Luftpakete von bodennahen Schichten in die Höhe und kühlen sich während dieses Aufstiegs ab. Durch das Abkühlen kondensiert der vorhandene Wasserdampf zu kleinen Tröpfchen, die als Wolken am Himmel wahrgenommen werden. Je günstiger die Bedingungen für die Bildung solcher Wolken sind, umso schneller steigen diese Luftpakete auf und bilden Wolken, die immer hochreichender werden. Dadurch kommt es auch zum Erscheinungsbild eines Blumenkohls, da eine solche Wolke aus zahlreichen kleineren Aufwindschloten besteht, in denen die feuchte Luft nach oben gerissen wird und dadurch die unverkennbare Wolkenstruktur erzeugen.

An besonders schwül-warmen Tagen mit vorhergesagten heftigen Gewittern kann man diesen Wolken nicht selten auch mit bloßem Auge beim Wachsen zuschauen, was ein Indiz für besonders kräftige Aufwinde mit entsprechend schadensträchtigen Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Hagelschlag oder Sturmböen sein kann. Doch ein aufmerksamer Beobachter erkennt in dem Stadium einer rasant in die Höhe schießenden Haufenwolke nicht selten noch eine weitere Wolkenart, die nur kurzlebig ist und während ihres Auftretens sehr rasch ihre Form verändert. Die Rede ist von dem sogenannten "Pileus" (lateinisch "Mütze").

Diese Wolke entsteht, wenn ein Aufwind bzw. eine Haufenwolke sehr rasch in die Höhe wächst und dabei die darüber liegende Luftmasse plötzlich anhebt. Ist die Luftmasse zugleich auch noch hinreichend feucht, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass die durch die Haufenwolke gehobene Luft beginnt, Eiskristalle zu bilden und zwar so zahlreich, dass eine Art Eiskristallnebel entsteht. Die gehobene Luftmasse ist stabil, das heißt, ohne den in die Höhe schießenden Wolkenturm hätte sie sich nicht in die Vertikale verlagert. Durch den Aufwind wird sie zum Aufsteigen gezwungen und weist daher eine laminare Struktur auf. Je nach Windverhältnissen in diesem Höhenbereich oder je nach Intensität des Aufwindes kann der Pileus unterschiedliche Formen annehmen und manchmal entstehen auch mehrschichtige Wolkenstrukturen (siehe beigefügtes Bild). Dank der unzähligen Eiskristalle kann man bei einem günstigen Sonnenstand auch äußerst farbenprächtige Lichterscheinungen in einem Pileus bestaunen. Dabei muss man sich allerdings mit der Beobachtung dieses Wolkenphänomens beeilen, denn nicht selten ist der Pileus bereits nach wenigen Minuten wieder verschwunden, wenn sich nämlich der Aufwind wieder abschwächt und somit der lokale Hebungsprozess gestoppt wird oder die gehobene feuchte Schicht nur eine geringe vertikale Mächtigkeit aufweist. Natürlich kann die Entstehung dieser Wolke auch andere Ursachen haben wie z.B. einen Vulkanausbruch, wo ebenfalls Luft in kurzer Zeit auf dramatische Weise gehoben wird. Doch wie sieht nun diese Wolke in der Realität aus?

Im Anhang sehen Sie Bilder einer abendlichen Gewitterzelle, die am 12. Juni 2017 in der nördlichen Steiermark abgelichtet wurden. Dabei beträgt der zeitliche Abstand zwischen den Bildern rund 60 Sekunden. Im ersten Bild ist bereits die "Wolkenmütze" über dem großräumigen Aufwindbereich (roter Pfeil) zu erkennen, wobei man beim genauen Betrachten sogar mehrere Schichten ausmachen kann (schwarze Pfeile). Die Oberfläche sieht glatt aus und man könnte geneigt sein zu sagen, dass diese Haufenwolke beginnt zu vereisen, was dem Stadium eines Gewitters entsprechen würde. Allerdings handelt es sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht um die Ambossbildung, denn die Wolke ist auch weiterhin noch im Begriff, in die Vertikale zu wachsen. In der Folge ist dann zu erkennen, wie der Pileus durchbrochen wird bzw. sich beginnt aufzulösen und wenig später bildete sich dann auch in der Tat ein großräumiger Amboss aus.

Wenn Sie daher einen Pileus sehen, dann kann man in vielen Fällen davon ausgehen, dass sich diese Wolke zeitnah zu einer Schauer- oder Gewitterwolke entwickelt und erst in der Folge ist der weithin sichtbare und langlebige Amboss zu bestaunen. Diese natürliche Vorwarnung kann während einer Wanderung in den Bergen sehr hilfreich sein, da man sich innerlich auf ein baldiges Schauer- und Gewitterrisiko einstellen und die noch zu bewältigende Reststrecke der Wanderung entsprechend planen und einteilen kann bzw. rasch Schutz suchen sollte.

Und wer weiß, wenn Sie heute in Ihrer Pause einen Blick zum Himmel werfen und den Wolken ein bisschen beim Wachsen zuschauen, vielleicht können Sie ja eine "Wolkenmütze" am Himmel entdecken.

Dipl.-Met. Helge Tuschy

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.07.2018

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Kältester Ort der Erde

Datum 04.07.2018

Forscher aus den USA und der Niederlande haben mit Infrarot-Messungen von Satelliten den kältesten Punkt der Erde gesucht und gefunden.

Die tiefste auf der Erde gemessene Lufttemperatur beträgt -89,2 Grad und stammt vom 23. Juli 1983. Sie wurde an der Station Vostok in der Antarktis gemessen. Satellitendaten deuteten aber darauf hin, dass in einer höher gelegenen Region des Ost-Antarktischen Plateaus im Winter häufiger Tiefstwerte unter -90 Grad herrschen. Vor allem in den flachen Tälern in der Nähe der höchsten Erhebung des Eisschildes (3800 bis 4000 m) sollen derart tiefe Temperaturen auftreten. Eine Forschungsgruppe, bestehend aus Wissenschaftlern aus den USA und den Niederlanden, hat in einem zeitaufwendigem Projekt über 12 Jahre hinweg Satellitendaten gesammelt, mit Messwerten abgeglichen und so neue Temperaturrekorde auf der Erde gefunden.

Im antarktischen Winter (im mitteleuropäischen Sommer) bildet sich bei stabilen Wetterlagen in den unteren Metern der Atmosphäre, also direkt über dem Eis, durch ständige Ausstrahlung der Bodenwärme und Absinken kalter Luft eine starke Inversion aus. Dass bedeutet: Die Luftschicht nahe am Boden wird kälter und dichter, während sich über der Inversion wärmere und "dünnere" Luft befindet. Als Druckausgleich zwischen den beiden Luftschichten bildet sich der katabatische Wind, ein kalter Fallwind. Die Inversion und ein schwacher Wind, lassen die Temperatur über Tage hinweg stark absinken. Wird der katabatische Wind turbulent, kann er die Inversionsschicht durchbrechen und die untere Luftschicht erwärmt sich wieder.

In der Studie wurde mithilfe von Satellitendaten über 12 Jahre hinweg jeweils vom 15. Juni bis 15. September die Häufigkeit und Lage der kältesten Spots im Antarktischen Eisschild untersucht. Die Forscher beschränkten sich in ihren Auswertungen auf Tage mit maximaler Ausstrahlung (also keinen Wolken) und schwachem Wind. Ein Problem bestand zunächst in der Beschaffung der richtigen Daten, denn Temperaturen unter -73 Grad werden bei einigen Satellitenkanälen als Wolken erkannt und somit aus den Bodendaten eliminiert. Eine Kombination verschiedener Kanäle des MODIS (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer) sowohl vom Terra-, als auch vom Aqua-Satellit und ein Abgleich mit sichtbaren Kanälen lieferte ausreichend wolkenfreie Lagen und genügend Daten für eine wissenschaftliche Analyse.

Die Auswertung ergab, dass in den 12 Jahren oberhalb von 3500 Metern Höhe etwa 150 Mal eine Oberflächentemperatur von unter -90 Grad auftrat. Die tiefste ermittelte Temperatur lag bei -98,6 Grad und stammt vom 23.07.2004. An einigen kleineren Stellen wurden im gesamten betrachteten Zeitraum etwa 30 Fälle mit einer Oberflächentemperatur von -98 Grad registriert. Das Areal, in dem am häufigsten und verbreitetsten eine derart tiefe Temperatur gemessen wurde, beträgt etwa 900 x 100 km und liegt auf der südlichen Seite des Haupteisschildes in einer Höhe zwischen 3850 und 4050 m. Über die gesamte betrachtete Fläche gibt es eine große Schwankungsbreite bei der Minimumtemperatur. Die kältesten Jahre waren 2004, 2008 und 2015, die weniger kalten Jahre 2007, 2009 und 2011.

Aus der ermittelten Bodentemperatur wurde mit Abgleich von vorhandenen Messwerten und Satellitendaten eine 2-Meter-Lufttemperatur an den kältesten Stellen berechnet. Die Forscher geben ein Minimum der Lufttemperatur von -94 Grad an, mit einem Fehler von +/- 4 Grad.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.07.2018

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Das Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes

Datum 03.07.2018

Wochenvorhersage Wettergefahren, Warnlagebericht, Vorabinformation und Warnung sind die Etappen im mehrstufigen Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes, die eine kontinuierliche Verfolgung der zu erwartenden Wetter- und Warnlage ermöglichen.

Die vergangenen Tage waren von ruhigem, meist sehr sonnenscheinreichem und trockenem Sommerwetter geprägt. Kein Gedanke an Gewitter, Starkregen und andere meteorologische Warnelemente. Lediglich auf die erhöhte UV-Strahlung wurde gebietsweise mittels Warnungen des Zentrums für Medizinisch-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg hingewiesen und entsprechende Schutzmaßnahmen empfohlen. Auf diese Warnkategorie soll im Folgenden aber nicht weiter eingegangen werden.

Nach einer ruhigen Wetterphase folgt unweigerlich irgendwann wieder eine turbulentere und nun geht zunächst für den Südwesten, in den kommenden Tagen in etwa für die Südwesthälfte die warnfreie Zeit zu Ende. Die Luftmasse wird von Süden wieder feuchter und ist mit Hilfe leichten Tiefdruckeinflusses in Form einer Tiefdruckrinne wieder "bereit" für das ein oder andere Gewitter. Ein guter Zeitpunkt also, um sich unser Warnsystem einmal genauer anzuschauen.

Das Warnsystem des DWD ist mehrstufig aufgebaut. Die ersten Hinweise auf zu erwartende markante Wetterereignisse liefert die sogenannte "Wochenvorhersage Wettergefahren", in der für die kommende Woche voraussichtlich zu erwartenden Wettergefahren erörtert werden. Dieser Bericht wird einmal täglich im Laufe des Vormittages erstellt.

Die daran anschließende Informationsstufe ist der sogenannte "Warnlagebericht". Dieser wird sowohl für ganz Deutschland als auch für die einzelnen Bundesländer herausgegeben und liefert Informationen zu warnwürdigen Wetterereignissen, die in den kommenden 24 Stunden zu erwarten sind. Im Bedarfsfall kann der betrachtete Zeitraum auch länger sein. Im Warnlagebericht werden bereits Angaben zur erwarteten Intensität der Warnparameter und eine grobe räumliche Zuordnung gemacht. Der Warnlagebericht wird 5-mal täglich aktualisiert.

Im Fall von erwarteten Unwettern gibt es als weitere Informationsstufe vor den tatsächlichen Warnungen die sogenannte "Vorabinformation". Diese wird erstellt, wenn über einer Region unwetterartige Entwicklungen erwartet werden, Details zur genauen Position und dem genauen Zeitpunkt aber noch nicht sicher sind. Die Vorabinformation wird im Gegensatz zu den Texten des Warnlageberichtes grafisch auf der Warnkarte (www.dwd.de unter "Amtliche Warnungen") dargestellt und ist aber noch KEINE Warnung, sondern ein Hinweis auf zu erwartende Unwetter in einigen Stunden oder z.B. am Folgetag. Sobald neuere Erkenntnisse zur Wetterentwicklung vorliegen, wird diese aktualisiert. Insbesondere bei sommerlichen Gewitterlagen, bei denen aufgrund der Luftmasse zwar in einem größeren Gebiet Unwetterpotenzial besteht, treten die wirklichen Unwetter meist nur sehr lokal und eng begrenzt auf. Die Aussage einer Gewitter-Vorabinformation lautet also: Achtung, es kann zu Unwettern kommen, die aber meist nur sehr eng begrenzt auftreten werden. Es trifft also nicht jeden in dem Gebiet der Vorabinformation.

Schlussendlich kommen die Warnungen selbst. Diese werden dann erstellt, wenn die Wetterentwicklung hinreichend sicher ist, um die Warnungen möglichst gut zu regionalisieren, die Intensität gut einschätzbar ist und natürlich, wenn eine Überschreitung der entsprechenden Warnschwellen erwartet wird. Die Warnschwellen zu allen Wetterereignissen und Warnkategorien sind auf unserer Homepage zu finden. Je nach Warnparameter wird eine gewisse Vorlaufzeit angestrebt, die es ermöglicht wie auch immer geartete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Vorlaufzeit kann und sollte bei Ereignissen wie Sturm, Dauerregen oder Schneefall deutlich größer sein als z. B. bei Gewittern und den damit in Zusammenhang stehenden Begleiterscheinungen Starkregen, Hagel oder Sturmböen. Schauer und Gewitter können von den Wettermodellen nur sehr schwer so gut aufgelöst werden, dass die genaue Position und Stärke im Vorfeld abgeschätzt werden kann. Hier hilft leider für die "Akutwarnung" nur ein Blick auf das Regenradar und die Blitzdetektion. Umso wichtiger ist daher im Zusammenhang mit Schauern und Gewittern die Potenzialabschätzung der Luftmasse bzw. der Wetterlage. Informationen darüber sind dann mit entsprechendem Vorlauf eben nicht als Warnung, sondern im Warnlagebericht und gegebenenfalls der Vorabinformation zu finden.

Die Schattenseite des trockenen Sommerwetters: Hohe Waldbrandgefahr!

Datum 01.07.2018

Sonne, Wärme und ausbleibende Niederschläge führen zu einer hohen Waldbrandgefahr.

Seit vielen Wochen, genau genommen schon beginnend im Frühjahr, sind die sogenannten "blockierenden Wetterlagen" die Hauptprotagonisten auf der europäischen Wetterbühne. Bei solchen Wetterlagen "nistet" sich ein nahezu ortsfestes, sehr warmes und bis in große Höhen reichendes Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt meist über dem nordwestlichen oder nördlichen Europa ein. Dabei wird die im Mittel vorherrschende Westströmung unterbrochen und atlantische Tiefausläufer bei ihrem Versuch blockiert, auf den europäischen Kontinent überzugreifen. Die Auswirkungen einer blockierenden Wetterlage auf das lokale Wetter in Deutschland können je nach räumlicher Verteilung und Stärke der dominierenden Hoch- und Tiefdruckgebiete aber sehr unterschiedlich ausfallen. Von relativ kühler bis hin zu sehr heißer Witterung, von durchweg trockenem Wetter bis hin zu Schauern und Gewittern kann alles dabei sein. Was aber in vielen Fällen fehlt, ist ausgedehnter, ergiebiger Landregen.

Während im April und Mai wenigstens weite Teile des Südens und Westens noch von Schauern und zum Teil heftigen Gewittern "bewässert" wurden, sind im Juni nun auch diese schauerartigen Regenfälle immer seltener geworden. Die eher unbeliebte, da "drückende" schwül-warme Luft wurde immer häufiger nach Südwesteuropa abgedrängt und von Nordosten durch wahrlich "staub-trockene" Festlandsluft ersetzt. Dies mag zwar zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen, da nicht nur die gefühlten Temperaturen zurückgehen, sondern auch die Nächte weitaus kälter ausfallen, doch Schauer und Gewitter haben in dieser Luftmasse kaum eine Chance. Das zurzeit vorherrschende sonnig-warme Sommerwetter führt somit zwangsläufig, nicht zuletzt durch die ohnehin in vielen Regionen nicht allzu feuchte Historie, zu einer ernstzunehmenden Trockenheit und hohen Waldbrandgefahr.

Zur Abschätzung der Waldbrandgefahr stellt der DWD täglich aktualisierte Waldbrandgefahrenprognosen in Form eines Index, dem WBI, bereit. Den Link zu den WBI-Vorhersagekarten finden Sie unter diesem Text auf https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/7/1.html.

"Index" ist aber schon das Stichwort, denn es handelt sich dabei erstmal nur um eine grobe Abschätzung der sehr schwierig vorhersagbaren und regional mitunter stark variierenden Waldbrandgefahr. Die Hinweise, die der WBI liefert, stellt dann aber eine wichtige Grundlage für die eigentliche Warnungsherausgabe durch die verantwortlichen Landesbehörden dar.

Was macht die Abschätzung der Waldbrandgefahr so schwierig? Es ist das komplexe Zusammenspiel der drei maßgeblichen Zutaten "Brennstoff", "Wetter" und "Topographie". Sie entscheiden darüber, wie wahrscheinlich sich sein Brand entzündet und wie schnell und weit er sich ausbreiten kann. Damit sich Brände entwickeln können, muss zunächst einmal ein adäquater "Zündstoff" in Form trockener Vegetation vorhanden sein. Die Ausprägung der Vegetation (Dichte, Höhe, Verbreitung), die Art (Laub- versus Nadelbewuchs) und die chemische Zusammensetzung (verschiedene Holz-, Blatt- und Nadelarten) sind ausschlaggebend, wie schnell und explosiv sich die Brände ausweiten. Bezüglich Wetter sind die meteorologischen Parameter Temperatur, Feuchte und Wind zu nennen. Hohe Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit bzw. ausbleibende Niederschläge erhöhen die Gefahr einer Entzündung, während böiger Wind zum einen die Verdunstung und Trocknung der Vegetation verstärkt, zum anderen bereits loderndes Feuer weiter anfacht. Wechselt die Windrichtung zudem, macht es die Ausbreitung des Brandes unberechenbar. Zu guter Letzt spielt die Topographie noch eine entscheidende Rolle. Es ist besonders die Stärke der Hangneigung, die die Geschwindigkeit der Ausbreitung beeinflusst. An steilen Hängen weitet sich das Feuer potenziell schneller aus.

Dass sich die meteorologischen Begebenheiten bei der aktuellen blockierenden Hochdruckwetterlage stark begünstigend auf die Waldbrandgefahr auswirken, steht außer Frage und wurde ja bereits zuvor erläutert. Auf Basis der aktuellen Berechnungen der verschiedenen Wettermodelle ist zu befürchten, dass sich daran auch mittelfristig wenig ändert. Allenfalls die Schauer- und Gewitterneigung nimmt im Wochenverlauf von Süden und Südwesten her langsam wieder zu. Bleibt am Ende zu bemerken, dass fast alle Waldbrände durch fahrlässiges menschliches Handeln verursacht werden. Bitte beachten Sie daher unbedingt die gesetzlichen Regelungen zum Rauchen, Grillen und Betreten des Waldes (siehe Link zur Übersicht auf https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/7/1.html).

"Nordostlage, in Mitteleuropa überwiegend zyklonal"

Datum 28.06.2018

Wie so oft schon in diesem Jahr liegt über Skandinavien sowie dem Nordmeer ein Hochdruckgebiet, über dem Mittelmeer sowie der Schwarzmeerregion dagegen herrscht tiefer Luftdruck. Während uns derartige Wetterlagen im Winter kalte Tage besorgen, wie beispielsweise Ende Februar und Mitte März 2018, sorgen sie im Sommer für warme bis heiße Temperaturmaxima.

Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich aus weiträumigen Luftdruckverteilungen und den daraus resultierenden Strömungsmustern in Bodennähe sowie auch in den darüber liegenden Luftschichten. Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in die Zirkulation einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten.

Vom mittleren Nordatlantik westlich der Azoren bis nach Skandinavien liegt am morgigen Freitag eine Hochdruckbrücke, die jedoch durch einen von Island her südwärts ausgreifenden Frontenzug zum Teil unterbrochen wird. Wichtig für unser Wetter ist aber der östliche Pfeiler der Brücke, nämlich das kräftige Hochdruckgebiet EKKEHARD mit Schwerpunkt über dem Nordmeer (Kerndruck 1030 hPa). EKKEHARD sorgt im Norden sowie in den mittleren Teilen Deutschlands für Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, während Süddeutschland und Südosteuropa sich dank eines ausgedehnten Tiefdruckgebietes über Südrussland bzw. der Schwarzmeerregion vielerorts mit trübem Himmel und zeitweiligen Regenfällen begnügen müssen.

Vom synoptisch-klimatologischen Standpunkt bietet sich daher die Klassifizierung der Großwetterlage dieser Tage als eine für Mitteleuropa "zyklonal" geprägte "Nordostlage" an (wiss. Abkürzung "NEz"; zyklonal bedeutet tiefdruckbeeinflusst, denn auf der Nordhalbkugel rotiert die Strömung in Tiefdruckgebieten entgegen des Uhrzeigersinns). "NEz" zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in Ost-West-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Nord-Süd-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind etwa gleich groß. Sowohl in Bodennähe als auch in der mittleren und höheren Troposphäre herrscht eine Strömung aus nördlichen bis östlichen Richtungen, mit der mäßig warme Luft herangeführt wird.

In der unten stehenden Abbildung finden Sie oben vom amerikanischen Vorhersagemodell GFS für Freitag, den 29.06.2018, 12:00 Uhr UTC, berechnete Prognosen der geopotentiellen Höhe der die mittlere Troposphäre repräsentierenden 500-hPa-Hauptdruckfläche (schwarze Isopotentialen, Maßeinheit geopotentielle Dekameter, [gpdam]), des Bodendruckfeldes (weiße Isobaren in Hektopascal [hPa]) sowie der die Schichtdicke der unteren Troposphäre kennzeichnenden "relativen Topographie" H500-H1000 gpdam. Darunter wird für denselben Termin eine vom DWD für die Luftfahrt herausgegebene, selbsterklärende Prognosekarte des nordatlantisch-europäischen Raumes gezeigt.

Über sieben schlafende Christen und das Wetter der nächsten Wochen

Datum 27.06.2018

Wer einen Bauernregel-Kalender besitzt, wird am heutigen Mittwoch darin vermutlich einen Spruch finden wie: "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag" oder "Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt". Ist da etwas dran?

Das Wetter am Siebenschläfertag soll der Regel zufolge sieben Wochen lang andauern. Allerdings müsste der Siebenschläfertag eigentlich nicht am 27. Juni, sondern am 7. Juli liegen, denn durch die gregorianische Kalenderreform im Jahre 1582 gab es eine Verschiebung um etwa 10 Tage. Für die Wetterregel ist aber sowieso nicht ein einzelner Tag, sondern der gesamte Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli entscheidend. In diesen Tagen stabilisiert sich oft die Großwetterlage, bleibt also für einige Wochen bestehen.

Etabliert sich hoher Luftdruck über Skandinavien und entsteht sogar eine Hochdruckbrücke über England zum Azorenhoch, führt das in Mitteleuropa oft zu trockenem und sehr warmem Badewetter. Werden hingegen bei einer sog. "zyklonalen Westlage" feuchte atlantische Luftmassen nach Mitteleuropa geführt, wird der Regenschirm ein sinnvoller Begleiter, denn es muss mit wechselhaftem und eher kühlem Wetter gerechnet werden.

Dabei hat die Siebenschläfer-Bauernregel eine vergleichsweise hohe Trefferquote. Statistische Auswertungen ergaben, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit der Siebenschläferregel bei der erstgenannten "Schönwetter-Variante" zwischen 55 und 60 % liegt, bei unbeständigen Westwetterlagen trifft die Bauernregel sogar mit 62 bis 70 % zu. Dabei ist die Trefferquote im Alpenvorland höher als in Norddeutschland.

Bei uns in Deutschland lässt sich jedoch in den nächsten 10 Tagen kein einheitliches Wettergeschehen ausmachen. Während zur Zeit ein hochreichender Tiefdruckkomplex über Südosteuropa bis Freitag mit unbeständigem Wetter sein Unwesen treibt und auch die Südosthälfte Deutschlands beeinflusst, ist im Norden und Westen des Landes oft schon Sonne pur angesagt. Zum Wochenende strömt dann mit südwestlicher Strömung sehr warme Subtropikluft in den Westen und Südwesten Deutschlands, die dort für schweißtreibende Höchstwerte von teils über 30 Grad und für ungestörtes Badewetter sorgt. Aber auch in den anderen Landesteilen steht bei viel Sonnenschein einem Wochenendauslug nichts im Wege. In der kommenden Woche bleibt es zwar insgesamt sommerlich warm, jedoch nimmt unter Zufuhr von zunehmend feuchterer Luft die Schauer- und Gewittergefahr wieder zu.

Somit ist noch nicht sicher, dass die Siebenschläferregel in diesem Jahr tatsächlich greift und die nächsten sieben Wochen unter dem Motto "Hitze und Blitze" stehen.

Apropos Siebenschläfer: Entgegen der weitverbreiteten Vermutung hat das gleichnamige Nagetier nichts mit der Bauernregel zu tun, sondern vielmehr ist sie auf eine alte Legende zurückzuführen. Demnach sollen sieben junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung in einer Berghütte lebendig eingemauert worden und in einen tiefen Schlaf gefallen sein. Nach 195 Jahren wurden sie an einem 27. Juni dann zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten und starben jedoch wenig später. Seitdem gilt der 27. Juni als Gedenktag an die sieben Schläfer.

Um dieser Bauernregel für eine sich Ende Juni/Anfang Juli oftmals einstellende Wetterlage, sei sie nun von wechselhaftem oder eher sonnigem Charakter, einen Namen zu geben, hat man sich einfach dieser Legende bedient, ohne dass ein Bezug zur Meteorologie vorgelegen hat.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.06.2018

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Faszination Gewitter - Elmsfeuer

Datum 26.06.2018

Bei Gewittern entstehen häufig interessante optische Erscheinungen. Manche treten häufiger auf, wie Entladungen in Form von Blitzen. Das sogenannte Elmsfeuer wiederum ist nur selten zu beobachten.

Jeder, der schon einmal ein schweres Gewitter erlebt hat, weiß um die Gefahr, die davon ausgeht. Häufig sind es die Begleiterscheinungen wie heftiger Starkregen, Orkanböen, großer Hagel oder Tornados, die enorme Schäden anrichten. Aber auch Blitzschlag kann ein Haus in Flammen aufgehen lassen oder für einen getroffenen Menschen sogar tödlich enden. Trotzdem faszinieren uns diese Gewalten der Natur immer wieder aufs Neue. Vor allem die mit hohen elektrischen Spannungen zusammenhängenden Leuchterscheinungen sind besonders beeindruckend.

Die Spannungen entstehen dabei durch Reibung: Im sogenannten Aufwindbereich der Gewitterwolke werden sehr viele Wassertröpfchen und Eiskristalle mit Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern in eisige Höhen, zum Teil über 10 km, katapultiert, um anschließend wieder in Richtung Erde zu fallen. Dieser Vorgang kann sich mehrmals wiederholen. Eine der gängigen Theorien besagt, dass die Teilchen auf ihrem Weg durch die Wolke aneinanderstoßen, wodurch es zu einer elektrischen Ladungstrennung innerhalb der Wolke kommt. So entstehen zum einen positive Ladungen, die sich im oberen Bereich der Wolke ansammeln, zum anderen konzentrieren sich negative Ladungen im unteren Teil. Die dadurch hervorgerufenen Spannungen sind dabei erheblich und können bis zu 1.000.000.000 Volt betragen. Sie sind sogar so groß, dass die negativ geladenen Teilchen am Erdboden, die der negativ geladenen Unterseite der Wolke nahe sind, abgestoßen werden (gleichpolige Ladungen stoßen sich ab), sodass sich diese Region am Boden positiv auflädt.

Übersteigt das durch Ladungstrennung erzeugte elektrische Feld an der Erdoberfläche einen bestimmten Schwellwert (etwa 100.000 Volt pro Meter), kommt es direkt an exponierten Stellen zu schwachen bis mäßigen Entladungen, das heißt, Luftmoleküle werden ionisiert und beginnen dort in unmittelbarer Umgebung zu leuchten. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als "Elmsfeuer". Die Farbe des Elmsfeuers ist meist blau oder violett, was aus den chemischen Eigenschaften der Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle resultiert, aus denen sich die Erdatmosphäre hauptsächlich zusammensetzt.

Häufig tritt diese Leuchterscheinung übrigens an hohen, spitzen Gegenständen oder Objekten wie Schiffsmasten oder Kirchtürmen auf. Aber auch an den Scheiben von Flugzeugcockpits oder an einem Gipfelkreuz im Gebirge lässt sich das Elmsfeuer zusammen mit einem charakteristischen Knistern in der Luft beobachten. Die Erklärung liegt in der Stärke des elektrischen Feldes: Diese ist umso größer, je dichter die elektrischen Feldlinien (Linien gleicher Feldstärke) beieinanderliegen. Auf einer elektrisch geladenen und leitenden Oberfläche stehen die Feldlinien senkrecht zur Oberfläche. Geht man aber von einer stark konvex gekrümmten Oberfläche (z. B. einer Spitze oder einer scharfen Kante) aus, wird das elektrische Feld erheblich deformiert, die Feldlinien liegen dichter beieinander und die Feldstärke ist deutlich größer. Das sind dann auch die Stellen, in die Blitze bevorzugt einschlagen.

Somit begünstigen Objekte wie Gipfelkreuze, Kirchtürme oder Schiffsmasten die Entstehung des Elmsfeuers bei aufziehenden Gewittern. Aber auch an den Messinstrumenten des Sonnblick Observatoriums am Gipfel des Hohen Sonnblick auf 3106 Metern in den österreichischen Alpen bildete sich schon mehrfach ein Elmsfeuer. So wurde das Phänomen dort am 28. November 2012 um 19 Uhr von einer Webcam aufgezeichnet, deren Aufnahmen uns freundlicherweise von www.foto-webcam.eu zur Verfügung gestellt wurden (siehe linke Abbildung unter www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/6/26.html).

Im Englischen wird das Phänomen übrigens auch als "Saint Elmo's fire" bezeichnet, was Rückschlüsse auf die Namensgebung zulässt. So riefen Seefahrer früherer Zeiten den heiliggesprochenen Bischof Erasmus von Antiochia an (im italienischen auch "Elmo" genannt), wenn sie durch ein Gewitter in Not gerieten und das Ende ihrer Schiffsmasten in den blau-violetten Farben erleuchtet sahen (passend dazu die rechte Abbildung "Elmsfeuer an den Mastspitzen eines Schiffes auf dem Meer" aus der NOAA Photo Library).

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Hochglanzsommerwetter im Vereinigten Königreich

Datum 25.06.2018

Während es in Deutschland in der neuen Woche zwar sommerlich, aber phasenweise wechselhaft weitergeht, beschert Hoch DARYL den Britischen Inseln astreines Sommerwetter.

Die durchweg feuchte und kühle Witterung in Deutschland neigt sich dem vorläufigen Ende zu, im Wochenverlauf wird es insgesamt sonniger und wärmer -wir berichteten bereits am vergangenen Samstag an dieser Stelle. Die letzten Berechnungen der Computermodelle drücken allerdings ein wenig auf die "Euphoriebremse". Gerade der Süden und Osten Deutschlands scheint anfällig gegenüber Störungen zu sein, die dort ab Wochenmitte für durchwachsenes Wetter sorgen könnten. Dann heißt es: Regenschirm statt Sonnencreme!

Während Deutschland bei der sich einstellenden Großwetterlage mit einem stabilen und sich kaum verlagernden Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Nordwesteuropa bezüglich Sonne und Wärme eher eine ungünstige Randposition an der Ostflanke einnimmt, profitieren andere Regionen Europas in Form von durchweg trocken-warmem Sommerwetter, die zumindest landläufig nicht unbedingt bekannt dafür sind. So wird das Sommerwetter beispielsweise im Vereinigten Königreich durch Hoch DARYL ähnlich wie die britischen Kronjuwelen auf Hochglanz poliert. Über die gesamte Woche lacht die Sonne mit der Queen um die Wette und lässt die Temperaturen in ungeahnte Höhen steigen.

Schon am heutigen Montag scheint die Sonne im gesamten Königreich häufig von früh bis spät. Bei Temperaturen, die im Südosten Englands Spitzenwerte bis knapp 30 Grad erreichen, "mutiert" die englische "tea time" am Nachmittag schnell mal zur spanischen Siesta. Nach Norden zu, speziell in Schottland sowie bei auflandigen Winden an den Küsten wird es natürlich nicht ganz so heiß, aber T-Shirt-Wetter herrscht auch dort recht verbreitet.

Für die britischen Meteorologen, die in den kommenden Tagen für die Wetterberichte zuständig sein werden, dürfte "Copy and Paste" ein verlockendes Instrument sein, die Berichterstellung zu beschleunigen. Denn viel wird sich an dem meist sonnigen Wetter nicht ändern. Allenfalls die Temperaturen werden im Wochenverlauf noch etwas ansteigen und die Schotten zeitweise ein paar mehr Wolken sehen.

Sonne,30 Grad? "Nicht sehr britisch" werden viele sagen oder zumindest denken. Weit gefehlt! Zumindest im Sommer wartet das Königreich nicht nur mit Regenwetter, sondern auch mit sonnig-warmen Witterungsphasen auf, wobei der Norden und Westen dem Süden und Osten im Hinblick auf Sonne und Wärme schon etwas nachstehen. Die durchschnittliche Anzahl der Regentage (Tage mit mehr als 1 l/qm) von Juni bis August liegt in London beispielsweise nur bei 21,8 Tagen. Damit steht der Big Ben in London zumindest auf Grundlage der vieljährigen Mittelwerte 6 Tage weniger im Regen als zum Beispiel der Frankfurter Fernsehturm (28,0 Tage). Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreicht in London Werte zwischen 21 Grad im Juni und 23,4 Grad im Juli. Die Werte für Frankfurt liegen nur rund 1 Grad darüber.

Die Briten erleben derzeit also zwar eine ungewöhnliche, aber nicht außerordentliche Witterungsphase. Dennoch werden Sonne- und Wärmeliebhaber dort bis auf weiteres etwas mehr zu lachen haben als hierzulande.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Die gespaltene Front

Datum 24.06.2018

Neben den bekannten Fronten wie der Warm- und Kaltfront gibt es noch einige weitere außergewöhnliche Strukturen. Eine davon ist die sogenannte "split front", die im heutigen Thema des Tages vorgestellt wird.

Tagtäglich gehört der Blick auf die Erde aus dem Weltall zur Arbeit eines Meteorologen. Mithilfe unzähliger Satelliten ist es heutzutage möglich, die unterschiedlichsten Wolkenstrukturen und deren Entwicklung mit sehr hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung zu beobachten. Dies hat vorrangig für die Erstellung der Wettervorhersage eine große Bedeutung. So kann z.B. verfolgt werden, ob die Entwicklung eines Tiefdruckgebietes über dem Ozean so verläuft, wie es die Wettermodelle auch erwarten, da einem dort nur wenige Echtzeitmessungen, wie die von Schiffen, zur Verfügung stehen. Natürlich spielt aber auch die Ästhetik eine Rolle, denn man wird nicht selten Zeuge von beeindruckenden Wolkenstrukturen mit den unterschiedlichsten Formen. Im heutigen Thema des Tages soll so ein "Schnappschuss" vorgestellt werden, der eine sogenannte "split front" über dem offenen Nordatlantik zeigt.

Dafür schauen wir in die Vergangenheit und zwar auf den 28. Mai 2018 und richten unseren Blick auf das Seegebiet vor Grönland, direkt südlich der Irmingersee (beigefügtes Bild). Es ist ein riesiger Wolkenwirbel zu erkennen, der ein für die Jahreszeit kräftiges Sturmtief darstellt. Dieses Tiefdruckgebiet entwickelte sich bereits am 24. Mai über den Weiten Kanadas, verlagerte sich in der Folge über Neufundland nach Osten und erreichte im Verlauf des 27. Mai den offenen Atlantik. Dort zog es in eine äußerst entwicklungsförderliche Umgebung. Zwischen dem wärmenden Wasser des Golfstroms und der winterlich kalten Polarluft über Grönland baute sich ein markanter Temperaturgradient auf. Außertropische Tiefdruckgebiete beziehen unter anderem ihre Energie aus solchen Temperaturgradienten und daher verwunderte es nicht, dass sich das Tiefdruckgebiet vom 27. auf den 28. Mai innerhalb von 24 Stunden um mehr als 20 hPa verstärkte. Diese Intensivierungsrate liegt nur geringfügig unter der einer sog. "rasanten Tiefdruckentwicklung", von der man ab einem Druckfall von 24 hPa/24h spricht. Dabei entstand während der intensivsten Phase dieses Satellitenbild, in das grob die Kaltfront eingezeichnet wurde. Dabei besitzt die Bodenfront farblich ausgefüllte Symbole, während die offenen Symbole eine Höhenfront repräsentieren, also eine Front, die sich nur in der Höhe bemerkbar macht. Das "T" stellt das Tiefdruckzentrum dar und ist gekennzeichnet von einer immer enger werdenden Wolkenspirale.

Nun muss man wissen, dass bei sehr kräftigen Tiefdruckentwicklungen trockene Luft aus höheren Bereichen der Troposphäre einbezogen wird - nicht selten aus 9 bis 11 km über Grund. Diese trockene Luft wird auf der Südseite des Tiefdruckgebietes regelrecht in tiefere Bereiche der Troposphäre gerissen und wirbelt dann weiter nach Nordosten. Sehen Sie den ziemlich wolkenfreien Bereich südlich und östlich des Tiefdruckzentrums? Das sind die Auswirkungen der trockenen Luftmasse, in der sich ein Großteil der Bewölkung auflöst. Diese trockene Luftmasse wurde durch einen gelben Pfeil gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde vorderseitig der Kaltfront bodennah eine warme und feuchte Luftmasse aus Südosten um das Tief geführt (rote Pfeile).

Wenn nun die trockene Luftmasse südlich um das Tiefdruckzentrum gewirbelt wird und die Kaltfront erfasst, die sich östlich vom Zentrum befindet, dann wird der obere Bereich der Kaltfront abgetrocknet. Die trockene Luftmasse überrennt die Kaltfront und frisst sich in die Wolkendecke, die die Kaltfront begleitet. Dabei wird der Übergang dieser trockenen Höhenluft und der feuchten und wolkenreichen Luftmasse als Höhenkaltfront bezeichnet. Dies wurde im Satellitenbild wie bereits erwähnt durch eine Front mit offenen Symbolen dargestellt. Die bodennahe Kaltfront hingegen ist deutlich hinter der Höhenkaltfront zu finden. Diese Art der Frontenverteilung wird als "split front" bezeichnet. Dabei ist der Bereich zwischen Höhen- und Bodenfront meist durch tiefe Bewölkung gekennzeichnet, die in diesem Fall jedoch nur spärlich vertreten war. Der Einschub trockener Höhenluft fiel in diesem Beispiel sehr kräftig aus und die Bodenfront war dort relativ wetterinaktiv.

Mit diesem Wissen lässt sich erklären, wieso man manchmal nach der Passage der Höhenkaltfront mit Schauern und Gewittern nur kurze Zeit später erneut Schauer- und Gewitterwolken am Horizont erkennt. Diese sind in dem Fall an die bodennahe Kaltfront gebunden und sorgen erneut für unliebsame Überraschungen infolge von Blitzschlag und teils heftigen Böen.

Bleibt abschließend zu sagen, dass die Satelliten in der heutigen Zeit aus der Wettervorhersage nicht mehr wegzudenken sind, denn mit ihrer Hilfe können u.a. auch solche Ereignisse entdeckt und analysiert werden, die sich weit abseits der Kontinente ereignen und bedeutend für die regionalen maritimen Vorhersagen sein können.

Dipl.-Met. Helge Tuschy

Rückfall in alte Muster

Datum 23.06.2018

Die gegenwärtige kühle und teils wechselhafte Witterung ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Im Laufe der kommenden Woche (25.06-01.07.) kehrt die Atmosphäre wieder in einen aus den vergangenen Wochen gut bekannten Zustand mit hohem Luftdruck zurück. Zunehmend freundliches Wetter mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen ist die Folge.

Im Thema des Tages vom 21.6. (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/6/21.html) wurde im Detail auf die Gründe für die derzeit vergleichsweise tiefen Temperaturen eingegangen, Stichwort: Polarluft. Wir werfen heute einen genaueren Blick auf die darauf folgende Wetterlage, die in vielen Bereichen frappierende Ähnlichkeiten zu Wetterlagen der vergangenen Wochen aufweist.

In den Fokus rückt dabei Hoch DARYL, das am heutigen Samstag (23.06.) noch über Irland liegt. In den kommenden Tagen wandert dieses kräftige und umfangreiche Hochdruckgebiet langsam nach Osten und soll nach Mehrheit der verschiedenen Wettermodelle am Dienstag mit Schwerpunkt über der Nordsee liegen. Im gleichen Maße, wie uns das Hoch "auf die Pelle rückt", verschwindet auch der Einfluss tiefen Luftdrucks nach Osten. Wie bereits beschrieben laufen diese Prozesse aber nur langsam ab. Während sich im Westen bereits am Dienstag freundliches Wetter einstellt, dauert dies beispielsweise in Cottbus oder Passau länger.

Genau diese langsame Verlagerung der Druckgebilde ist es aber, die uns diese stabile Wetterlage beschert. Zwar kommt das Hoch nur langsam herein, es zieht aber auch nicht wie ein Zwischenhoch in ein oder zwei Tagen über uns hinweg. Somit wird sich erneut eine weitgehend stabile hochdruckgeprägte und zunehmend sommerlich warme, teils heiße Wetterlage in West- und Mitteleuropa einstellen. Etwas unbeständiger wird es zeitweise im Osten und Südosten Deutschlands sein, dort spürt man die Nähe zu kleinräumigen Tiefs über dem östlichen Mitteleuropa in Form von mehr Wolken und einzelnen Schauern und Gewittern.

Die gebietsweise problematische Trockenheit bleibt also bestehen beziehungsweise verschärft sich weiter. Die Niederschläge der vergangenen Tage und auch die Niederschläge der zwei oder drei kommenden Tage waren und sind da oft nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Meist wurde allenfalls die oberste Bodenschicht angefeuchtet, die bei den kommenden hohen Verdunstungsraten rasch wieder austrocknen wird. (Daten zur Bodenfeuchte für viele Orte Deutschlands in der Rubrik "Agrarwetter": (https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/2_agrarwetter/_node.html). Größere Regenmengen gab es im Prinzip nur im Nordwesten des Landes, im Norden Mecklenburg-Vorpommerns, an den Alpen sowie örtlich bei starken Schauern und Gewittern.

Während das kommende Wetter den heimischen Urlauber also ein Lächeln ins Gesicht zaubert, treibt es Landwirten und (Hobby-)Gärtnern eher Sorgenfalten auf die Stirn.

MSc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.06.2018

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Sommerbeginn - astronomisch, meteorologisch und phänologisch?

Datum 20.06.2018

Eine "kalte Dusche" zum Sommeranfang! Was bedeutet nach Definition der Begriff Sommeranfang und wie präsentiert sich das Wetter an diesem? Nach über 4 Wochen Sommer im Frühling macht dieser nämlich genau zum Sommeranfang Pause.

Am morgigen Donnerstag, dem 21. Juni um 12:07 Uhr ist es wieder soweit. Die Sonne erreicht auf der Nordhalbkugel ihren höchsten Stand auf der Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Damit wird der astronomische Sommerbeginn bezeichnet.

Die Sonne steht zu diesem Zeitpunkt an ihrem nördlichsten Punkt. Den damit erreichten Breitenkreis, der sich in etwa auf 23 Grad Nord (23°26'16" N) befindet, nennt man auch "nördlicher Wendekreis". Bis zu diesem Wendekreis bewegt sich die senkrechte Achse der Sonne während der gesamten ersten Jahreshälfte täglich ein Stück weiter nach Norden, was wir durch längere Tage und auch durch einen höheren Sonnenstand am Himmel beobachten können. Auf diesem Wendekreis gibt es genau einen Ort bzw. Punkt, wo die Sonne um 12:07 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit bzw. an dem besagten Punkt um 12 Uhr Ortszeit genau senkrecht über der Erde steht. Danach macht sich die Sonne von der Erde aus betrachtet wieder auf den Weg in Richtung Äquator, welchen sie am 23. September um 03:54 Uhr (Herbstanfang) überschreitet. Die hellen Tage werden nun also wieder kürzer und der Einfallwinkel der Sonne flacher.

Wir Meteorologen sind schon seit dem 1. Juni auf Sommer eingestellt. Dies hat allerdings rein statistische Gründe. Für die Auswertung von Wetter- oder Klimadaten und die Erstellung von Statistiken ist es, insbesondere im Computerzeitalter, einfacher, volle Monate zu betrachten. Daher wurden die Monate Juni, Juli und August aus wissenschaftlicher Sicht für die Meteorologie als Sommer definiert.

Der phänologische Sommerbeginn richtet sich entgegen nach der Flora in der Natur und deren Entwicklungsstand. Das "phänologische Jahr" wird grundsätzlich in 10 physiologisch-biologisch begründete "phänologische Jahreszeiten" eingeteilt, gekennzeichnet durch spezielle phänologische Indikatoren (Leitphasen). Der Sommer wird dabei nochmals in Frühsommer, Hochsommer und Spätsommer untergliedert. Mit dem Blühbeginn der Gräser setzt der Frühsommer ein. Auf den Wiesen blüht zuerst der Wiesenfuchsschwanz und auf den Getreidefeldern der Winterroggen. Blühen die Sommerlinden und die Kartoffeln, dann kommt der Hochsommer.

Mit dem Wissen der verschiedenen Definitionen stellt sich nun die Frage, warum der Sommer nicht genau um den Sonnenhöchststand (21.06.) herum definiert ist, an dem die Sonne den größten Energieeintrag auf die Nordhalbkugel abstrahlt. In diesem Sinne müssten die Monate Mai, Juni und Juli den Sommer bilden!?!

Wie oben beschrieben, umfasst der Sommer aus astronomischer Sicht allerdings denjenigen Zeitraum, in dem sich die Sonne vom nördlichen Wendepunkt zum Äquator zurückbewegt. Bei den Meteorologen wird auch nur ein kleiner Zeitraum vor Sonnenhöchststand dem Sommer zugesprochen. Die Pflanzenwelt ist komplett von meteorologischen Parametern wie Niederschlag, Temperatur und Sonnenstrahlung abhängig und kann in dieser Diskussion nicht berücksichtigt werden.

Für eine genauere Betrachtung muss man zusätzlich zur Sonneneinstrahlung auch die Speicherung und den Transport von Wärmeenergie betrachten. Die Atmosphäre und erst recht die Ozeane sind grundsätzlich träge Medien, bei denen alle thermodynamischen Vorgänge etwas langsamer ablaufen. Ab Frühlingsbeginn, wenn sich die senkrechte Achse der Sonne über den Äquator hinweg nach Norden bewegt, erwärmen sich die Ozeane und Landflächen auf der Nordhalbkugel indem sie die einstrahlende Sonnenenergie aufnehmen bzw. speichern. Da in nördlichen Breiten (>60°N) durch die Kugelform der Erde der Energieeintrag trotz höherem Sonnenstandes sehr gering bleibt, muss Wärme von Süden nach Norden transportiert werden. Dies übernehmen bis ca. 30° N hauptsächlich die Ozeane und deren Strömungen (z. B. Golfstrom). Nördlich von 30° N sind unsere wohlbekannten Tiefdruckgebiete für den Wärmetransport größtenteils verantwortlich. Bis also die maximale Energie bzw. Wärmemenge in den mittleren bzw. nördlichen Breiten erreicht wird, vergeht etwas Zeit. Aus diesem Grund treten im Normalfall die maximal möglichen Temperaturen für die mittleren und nördlichen Breiten, vom Sommeranfang zeitlich nach hinten verschoben, in den typischen Hochsommermonaten Juli und August auf.

Aufgrund günstiger Wetterlagen kam in diesem Jahr bereits im Frühling an vielen Tagen ein "Sommerfeeling" auf. Strömungen aus südlichen Gefilden führten schon seit Mitte Mai wiederholt warme bis sehr warme Luft nach Deutschland, die sich hierzulande durch die Sonneneinstrahlung, der nahe am Zenit stehenden Sonne weiter aufheizen konnte. Dies sorgte schließlich dafür, dass zum morgigen Sommeranfang nach Definition verbreitet schon mehr als 30 Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad in Deutschland registriert wurden.

Auch am heutigen Mittwoch stehen die Zeichen durch Hoch "Christof", einem Azorenkeil, der sich von Westeuropa bis in die Ukraine erstreckt und mit Christof über Polen und Tschechien sein Zentrum hat, noch voll auf Hochsommer. Dabei wird mit einer südwestlichen, im Süden teils auch östlichen Strömung, weiter Warmluft ins Land geführt. Diese heizt sich durch die hoch am Himmel stehende Sonne richtig auf, sodass im Südwesten Deutschlands Höchstwerte bis 32 Grad zu erwarten sind. Lediglich der äußerste Norden, rund um die Küstenabschnitte, bleibt weiter benachteiligt und bekommt von diesem Hochsommerfeeling kaum etwas ab. Bei durchziehenden Wolkenfeldern und auffrischendem Wind klettern die Temperaturen dort nur auf Maxima zwischen 20 und 25 Grad auf.

Doch bald heißt heißt es "auf Hochmut folgt der tiefe Fall"!

Eine große Wetterumstellung bringt Schwung in die Atmosphäre. Wie schon im gestrigen Thema des Tages beschrieben, folgt auf den "One Day Summer" mit teils heißen Temperaturen über 30 Grad, nach einem Temperatursturz um 10 bis 15 Grad vorübergehend ein eher herbstlicher Witterungsabschnitt!

Bereits am morgigen Donnerstag sowie in der Nacht auf Freitag macht sich Tief "Cathy" mit Kern über dem südlichen Skandinavien und Dänemark bemerkbar. Im Zusammenspiel mit dem Hoch "Daryl", das langsam den Schwerpunkt zu den Britischen Inseln verlagert, wird Luft polaren Ursprungs angesaugt und mit einer auf Nordwest drehenden Strömung über die Nordsee hinweg nach Deutschland transportiert.

Folgt also auf den Hochsommer im Frühling der Herbst im Sommer?

Diese Frage kann auf jeden Fall mit "Nein" beantwortet werden! Denn bei den herbstlichen Wetterbedingungen mit Regenschauern und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad handelt es sich nur um ein vorübergehendes Intermezzo. Schon zur neuen Woche begeben sich die Temperaturen wieder auf Klettertour. Nach derzeitigem Stand soll sich erneut eine recht stabile Hochdruckwetterlage mit viel Sonnenschein einstellen. Dann steht Hoch "Daryl" im Mittelpunkt, das zwar demnächst für die herbstlichen Verhältnisse mitverantwortlich ist, ab Montag dann aber zunehmend wieder den Sommer bringt. Unsicher ist noch, ob wir "nur" mit sommerlichen Höchstwerten zwischen 23 und 28 Grad rechnen müssen oder ob die Sommerhitze mit Werten über 30 Grad ein Revival startet. Abhängig ist das jeweilige Szenario von der tatsächlichen Lage von "Daryl". Bleibt er mit seinem Zentrum westlich von Deutschland liegen, bringt er zwar Sonne pur, jedoch schafft es die starke, im Zenit stehende Junisonne nicht, die dann weiterhin einfließende Nordseeluft in den Bereich der 30-Grad-Marke zu heben. Sollte "Daryl" jedoch etwas weiter nach Osten wandern und schließlich z.B. mit seinem Zentrum über Deutschland ankern, könnte aus Süden auf seiner Westflanke zusätzlich wärmere Luft einfließen, sodass die Sonne die Maxima tatsächlich wieder in das "heiße Temperaturniveau" mit Werten über 30 Grad ansteigen lässt. Warten wir es also ab.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass die aktuellen Computerberechnungen der vielfach ausgetrockneten und daher nach Wasser lechzenden Natur in Teilen Nord- und Ostdeutschlands leider nur wenig, ab Montag wahrscheinlich überhaupt keinen Regen mehr versprechen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.06.2018

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Trockenheit

Datum 18.06.2018

Starkregenfälle waren in den letzten Wochen in aller Munde. Dabei gerät schnell aus dem Fokus, dass in einigen Regionen Deutschlands eine teils akute Trockenheit herrscht. Mehr dazu im heutigen Thema des Tages.

Gerade in der warmen Jahreszeit, wenn Schauer und Gewitter die dominante Niederschlagsart sind, kommt es nicht selten vor, dass es große Regenmengenunterschiede auf engsten Raum gibt. So kann es passieren, dass großräumig betrachtet in einem Bundesland überdurchschnittlich viel Niederschlag gefallen ist. An einem konkreten Ort in diesem Bundesland können aber alle Schauer und Gewitter vorbeigezogen sein und der Monat ist zu trocken ausgefallen. Natürlich gibt es auch das umgekehrte Phänomen.

Diese wichtige Anmerkung sei vorweggestellt, wenn im heutigen Thema des Tages die Trockenheit in Teilen des Ostens und Nordostens von Deutschland näher betrachtet wird. Schaut man dort in die Statistiken, dann hat das Niederschlagsdefizit in einigen Regionen doch schon beachtliche Ausmaße angenommen.

Zunächst ein Blick auf die bisherigen Jahresmengen. Die Flächendarstellung in der angehängten Grafik lässt sich mit Hilfe von an die Wetterstationen angeeichten Radarbildern ermitteln. Sofort fällt ins Auge, dass es im Osten größere Gebiete mit wenig Niederschlag gibt. Das ist per se nicht ungewöhnlich, gehören Altmark und Börde beispielsweise zu den trockensten Gebieten Deutschlands. Blickt man aber auf die genauen Zahlen, dann wird schnell klar, dass die Summen selbst für diese Region sehr niedrig sind, teils rekordverdächtig. Für die hauptsächlich betroffenen Bundesländer wurde in der angehängten Tabelle eine kleine Auswahl an Stationen herausgepickt. Das geschah subjektiv und nicht dem Anspruch der Vollständigkeit entsprechend. Gelistet sind immer die aktuelle Jahresniederschlagssumme (bis 17.06.2018), die mittlere Halbjahressumme aus den Klimastatistiken sowie der sich daraus ergebende Anteil der aktuellen Werte im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten. Das gleiche wurde für den Monat Mai und die erste Monatshälfte des Junis gemacht. Allein bei der Betrachtung der Halbjahressumme fällt auf, dass in einigen Regionen im Vergleich zu den mittleren Mengen noch nicht einmal die Hälfte des zu erwartenden Niederschlags gefallen ist. Beispielhaft sei die Station Wittenberg in Sachsen-Anhalt betrachtet. Dort sind bis heute im gesamten Jahresverlauf gerade einmal 129.3 l/qm gefallen. Wenn man bedenkt, dass in Salzburg bei einem Unwetter in der vergangenen Nacht 74 l/qm innerhalb kurzer Zeit gefallen sind, lässt sich diese Summe besser einordnen. Die Trockenheit in der betroffenen Region hat sich in den letzten beiden Monaten sogar nochmal verstärkt. Im Mai sind gerade einmal 0.6 l/qm und im Juni bisher nur 0.2 l/qm gefallen. Es ist also innerhalb der letzten knapp 50 Tage weniger als ein Liter Wasser auf den Quadratmeter herunter gekommen! Auch in anderen Regionen sieht es kaum besser aus.

Ursächlich für die Trockenheit ist die Großwetterlage im zurückliegenden Sommerfrühling. So hatte sich über Wochen hinweg eine sogenannte Blockadelage über Europa eingestellt, die nur kurze Unterbrechungen aufwies. Ein umfangreiches Tiefdruckgebiet befand sich über Südwest und Südeuropa. Gleichzeitig herrschte hoher Luftdruck über Nord- und Osteuropa. Während der Südwesten und Westen im Einflussbereich der feuchtwarmen Luftmassen lag, befand sich der Osten und Nordosten einen großen Teil der Zeit auf der hochdruckdominierten, trockenen Seite. Gerade diese Beständigkeit der Wetterlage führte nun dazu, dass über Wochen hinweg in manchen Regionen kein nennenswerter Niederschlag fiel.

Die Auswirkungen sind in den betroffenen Regionen weithin sichtbar. Statt grün dominiert eher die Farbe braun. Felder sind verdorrt, wenn sie nicht künstlich bewässert worden sind und die Waldbrandgefahr bewegt sich schon seit Wochen auf einem hohen Niveau. Nicht überraschend, dass die Feuerwehren auch schon die ersten kleineren Flächenbrände löschen mussten.

Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Stellt sich also die Frage, wie es in der Zukunft mit dem Niederschlag ausschaut. Die Großwetterlage hat sich im Vergleich zu Mai und Anfang Juni umgestellt. An Stelle einer Blockadelage hat sich mittlerweile eine Westwetterlage eingestellt. Allerdings, und das ist das Problem, verläuft die Zugbahn der Tiefausläufer weit nördlich in Richtung Südskandinavien. Etwas Hoffnung besteht immerhin für die zweite Wochenhälfte, wenn ein verhältnismäßig kräftiger Kaltlufteinbruch für Schauer und auch Gewitter im Norden und teils auch im Osten sorgt. In den südlichen Trockengebieten sind die prognostizierten Mengen allerdings gering. Mittelfristig ist die Wetterentwicklung zudem wieder hochdruckdominiert. Wenn überhaupt, dann bleibt dieses Ereignis in vielen Regionen ein Tropfen auf den heißen Stein. Nennenswerte und flächige Regenfälle, die der Trockenheit ein Ende bereiten würden, sind auch beim Blick in die Glaskugel derzeit nicht zu finden.

Anmerkung: Alle angesprochenen Grafiken und Tabellen sowie weiterführende Links finden sie unter www.dwd.de/tagesthema.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.06.2018

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Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht

Datum 17.06.2018

Vor knapp 60 Jahren hob Juri Gagarin mit der Rakete Wostok 1 in der Sowjetunion ab und war der erste Mensch im Weltraum. Heute wollen Unternehmen wie SpaceX oder Virgin Galactic die Menschen in Massen ins All bringen. Doch hat das ganze Auswirkungen auf unsere Atmosphäre und unser Wetter?

Schnell mal den Urlaub auf die Malediven gebucht oder für einen Kurztrip mit dem Flugzeug nach London - dass Fliegen Auswirkungen auf unser Klima hat, ist fast jedem bekannt. Doch wie schaut das eigentlich bei Flügen außerhalb unserer Atmosphäre aus? Hat die vergleichsweise zu Flugzeugen geringe Anzahl an Raketen auch Einfluss auf die Prozesse in der Atmosphäre?

Den jährlich über 40 Millionen Flugzeugflügen weltweit stehen knapp 100 Raketenstarts pro Jahr gegenüber. Diese Tatsache könnte einen schnell zu der Schlussfolgerung bringen, dass Raketen kaum Einfluss auf die Atmosphäre haben. Für die Troposphäre, also die unterste Schicht der Atmosphäre, in der sich unser tägliches Wettergeschehen abspielt, mag dies primär auch zutreffen. Anders schaut das schon in der Stratosphäre, der Schicht oberhalb der Tropopause, aus. In dieser befindet sich die allseits bekannte und wichtige Ozonschicht.

Ozon (O3) ist ein Spurengas, das quasi "zwei Seiten" hat: In der Troposphäre trägt es zum Treibhauseffekt bei, doch die Ansammlung von Ozon in der Stratosphäre (die Ozonschicht) schützt uns gleichzeitig vor solarer UV-Strahlung. Ohne Ozon wäre die Strahlenbelastung auf der Erde für Lebewesen deutlich zu hoch.

Zurück zu den Raketen. Während die Flugzeuge ihr Kerosin hauptsächlich in der Troposphäre verteilen, geht es bei jeder Mission ins Weltall einmal durch alle Schichten, also auch durch die Ozonschicht. Dabei unterscheiden sich die Antriebsstoffe der Raketen von denen der Flugzeuge. Um das Gravitationsfeld der Erde zu verlassen, muss die Rakete eine größere Geschwindigkeit als die Fluchtgeschwindigkeit erreichen, die um ein Vielfaches größer ist als die Geschwindigkeit eines Flugzeugs. Um solch ein Tempo zu erreichen, werden andere (sogenannte "kryogene" oder feststoffartige) Antriebsmittel als im täglichen Flugbetrieb verwendet. Diese Antriebsmittel setzen jede Menge ozonschädliche Stoffe frei, unter anderem Chlor. Bei einem Start der derzeit leistungsstärksten Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Ariane 5 werden in der Hochatmosphäre ungefähr 100 Tonnen Chlor freigesetzt. Ein Chloratom reicht aus, um bis zu einer Millionen Ozon-Moleküle zu zerstören.

Aber wie so oft, hat ein einzelner Start einer Rakete auf die Ozonschicht noch keine nachhaltigen Auswirkungen. Über ein ganzes Jahr zerstören Raketen global momentan weniger als 1% der Ozonschicht.

Sollten die Pläne der verschiedenen Unternehmen aber Realität werden und ein regelrechter Massentourismus ins All stattfinden, ist eine stärkere Beeinträchtigung der Ozonschicht durchaus vorstellbar. Durch die daraus resultierende, erhöhte Intensität der Sonneneinstrahlung könnte sich dann auch das tägliche Wettergeschehen ändern.

Met. Cornelius Weiß (Praktikant) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.06.2018

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Sommer in Südostasien

Datum 16.06.2018

In den vom Monsunklima geprägten Gebieten der Erde bestimmen "Regen- und Trockenzeit" das Leben der Menschen, in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht, oftmals aber auch mit unmittelbaren Folgen für Leib und Leben. Im Sommer bringt der Südwestmonsun in Südostasien vielerorts die Regenzeit mit ergiebigen Niederschlägen, darüber hinaus entstehen im Zusammenhang mit der Tiefdruckrinne der innertropischen Konvergenz häufig tropische Stürme bzw. die berüchtigten Taifune.

Monsune sind großräumige, mit beständigen Winden einher gehende Luftströmungen in den Tropen und niederen Subtropen mit halbjährlichem Richtungswechsel. Ihre Ursache ist die mit der Verlagerung der sogenannten innertropischen Konvergenzzone (engl. Abk. ITCZ) mit dem Sonnenstand im Verlaufe des Jahres einher gehende unterschiedliche Erwärmung von Meer und Land, man kann sie daher auch als gigantische Land- und Seewindzirkulation auffassen.

Im Nordwinter liegt die Innertropische Konvergenzzone und die damit verbundene Tiefdruckrinne weit im Süden, die asiatischen Landmassen sind gegenüber den südlichen Meeren vergleichsweise kalt, dort herrscht hoher Luftdruck im Bodenniveau. Es entsteht ein Zirkulationsregime, in welchem relativ kalte und trockene Luft vom asiatischen Kontinent südwärts strömt, der Winter- oder Nordostmonsun.

Im nordhemisphärischen Frühjahr und Sommer liegen die Verhältnisse anders, mit zunehmendem Sonnenstand erwärmen sich die Festländer Süd- und Südostasiens stark und die ITCZ wandert nach Norden. Die umgebenden Meere sind nun relativ kühl, dort herrschen absinkende Luftbewegung und höherer Luftdruck. Es entsteht eine entgegengesetzt rotierende Zirkulation, der Sommer- oder Südwestmonsun (Andauer etwa von Ende Mai/Juni bis September/Oktober).

Da der südostasiatische Südwestmonsun über weite und relativ warme Meeresflächen weht, kann sich die Luft mit viel Wasserdampf anreichern. Der Sommermonsun ist also feuchtwarm und bringt vielerorts ergiebige Regenfälle (sog. Monsunregen), die von Gewittern durchsetzt und bei Staueffekten im Luv von Gebirgen noch verstärkt werden. Darüber hinaus dienen die "Monsuntröge" der innertropischen Konvergenz gern als Entstehungsherde für die in der Region häufigen tropischen Stürme bzw. die berühmt-berüchtigten Taifune.

Um sich ein Bild von den intensiven Sommerniederschlägen in Südostasien zu machen, seien die bis Samstag, den 16.06.2018, 00:00 Uhr UTC, gemessenen 24-stündigen Regenmengen von Cubi Point (Philippinen, 14°48'N, 120°16'E, 19 m Höhe) mit 129 L/m² (= mm) und Naze (Japan, Insel Amami-Oshima, 28°23'N, 129°30'E, 3 m Höhe) mit 125,5 mm erwähnt. Ursache für die letztgenannten "Wolkenbrüche" ist übrigens der tropische Sturm GAEMI, der Samstagfrüh im Seegebiet südsüdwestlich des japanischen Inselreiches entstanden war. Während derartige Regenmengen in Mitteleuropa selten sind, stehen sie im südostasiatischen Sommer auf der Tagesordnung.

Die unten stehende Karte Südostasiens, unterlegt mit einem infraroten Satellitenbild (10,8 µm), zeigt vierundzwanzigstündige Niederschlagsmengen in ganzen Litern pro Quadratmeter [L/m² = mm] vom heutigen Samstag, den 16.06.2018, um 00:00 Uhr UTC. Außerdem sind die zum selben Termin vom amerikanischen Vorhersagemodell GFS an den Gitterpunkten berechneten Windvektoren, mit dem Betrag der Windgeschwindigkeit in Knoten (engl. Einheitenzeichen [kt], lange Fieder = 10 kt, kurze Fieder = 5 kt, 1 kt = 1,852 km/h) sowie der Windrichtung, auf der erdoberflächennahen 1000-hPa- Hauptdruckfläche eingezeichnet.

Eine bodennahe, an der Bewölkung erkennbare, eher flache Tiefdruckrinne erstreckt sich vom Golf von Bengalen über Hinterindien hinweg bis zum Ostchinesischen Meer. Der von den Luftdruckunterschieden angetriebene, zunächst südliche Wind wird nördlich von etwa 5° nördlicher Breite durch die nun deutlich wirksame Corioliskraft nach rechts abgelenkt und weht nun recht straff mit 25 Knoten aus Südwest. Rechts oben im Bild belegt die zyklonale, also dem Uhrzeigersinn entgegen gerichtete Rotation der Windvektoren den entstehenden Tropensturm GAEMI, dessen Wolkenspirale noch recht schwach ausgeprägt ist.

"Normalität" ist eingekehrt: Rückblick und Ausblick

Datum 15.06.2018

Nach den vergangenen außergewöhnlichen Wetterwochen, geprägt vor allem von Gewittern mit sintflutartigen Regenfällen, (hoch)sommerlichen Temperaturen, aber gebietsweise auch von Trockenheit, hat sich nun typisch mitteleuropäisches Sommerwetter eingestellt.

Eine außergewöhnliche Witterungsperiode liegt hinter uns. Nachdem sich im März der Winter mit Schnee und Dauerfrost verabschiedete, schien anschließend der Frühling in diesem Jahr regelrecht auszufallen und der Winter direkt in den Sommer überzugehen. Dem bisher wärmsten April seit Beginn offizieller Temperaturmessungen folgte ebenso der bisher wärmste Mai, sodass der diesjährige meteorologische Frühling trotz des Kaltstarts im März als zweitwärmster seiner Zunft in die Geschichte einging (siehe Frühlingsbilanz im angefügten Link). Diese bemerkenswerte Witterungsperiode ging sogar bis zum Ende des ersten Junidrittels in die Verlängerung, das ebenso deutlich wärmer als im langjährigen Mittel ausfiel. Neben den teils hochsommerlichen Temperaturen sorgten in den vergangenen Wochen fast täglich heftige Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen für Schlagzeilen, die in zahlreichen Orten in Deutschland verheerende Überschwemmungen, Sturzfluten und immense Schäden verursachten. Als Kontrastprogramm herrscht(e) in Teilen Nord- und Ostdeutschlands große Trockenheit, die für Natur und Landwirtschaft zunehmend zum Problem wurde.

Ursache hierfür war eine in den vergangenen Wochen und Monaten vorherrschende sehr stabile Großwetterlage. Über dem Nordatlantik war die normalerweise rege Tiefdruckaktivität auffällig schwach. Anstelle dessen dominierten vom mittleren Nordatlantik über das Europäische Nordmeer bis nach Skandinavien und Osteuropa Hochdruckgebiete, die sich immer wieder regenerieren konnten (siehe obige Abbildung vom 27 Mai, 02 MESZ). Die atlantischen Tiefs, ohnehin schon recht schwach auf der Brust, hatten somit keine Chance gegen das Hochdruck-Bollwerk anzukommen (sogenannte Blocking-Lage). Daher konnten kaum Tiefs kühle und feuchte Meeresluft nach Deutschland transportieren. Vorderseitig eines Höhentiefs über der iberischen Halbinsel sickerte dagegen immer wärmere und feuchtere Luft zu uns ein. Über Mitteleuropa selbst verhinderten zudem geringe Luftdruckgegensätze einen Luftmassenaustausch, sodass wir uns wochenlang in dieser schwülwarmen Luftmasse befanden, in der sich über den Mittelgebirgen und im Bereich schwacher bodennaher Tiefdruckzonen schwere Gewitter entluden.

Diese Großwetterlage hat sich Anfang/Mitte dieser Woche grundlegend umgestellt. Die Blocking-Lage wurde nach langer Zeit einmal wieder von einer eher westlichen Strömung abgelöst. Salopp gesprochen ist wieder "Normalität" eingekehrt (siehe untere Abbildung von heute, 02 MESZ). Dem Azorenhoch steht ein großräumiger Tiefdruckkomplex über dem nördlichen Nordatlantik und dem Europäischen Nordmeer gegenüber. Darin eingebettet ist das für die Jahreszeit recht kräftige Sturmtief ZOEY, das gestern Teilen Großbritanniens einen heftigen Sommersturm brachte und heute mit schweren Sturmböen die norwegische Küste heimsucht. Je nachdem, ob nun in Deutschland der Einfluss des Azorenhochs oder der des sogenannten Islandtiefs dominiert, ist entweder mit sonnigem und mäßig warmem Wetter oder mit eher kühlem und wechselhaftem Wetter zu rechnen.

Das Tal mit vergleichsweise kühlen Temperaturen zur Wochenmitte ist bereits wieder überschritten, wobei sich die Temperaturen nur wegen der vorherigen andauernden Wärme- bzw. Hitzeperiode so kühl anfühlten. Aktuell nimmt das Azorenhoch Kontakt mit einem Hoch über Russland auf, sodass sich Deutschland im Bereich einer Hochdruckbrücke befindet. Ausgehend von Tief ZOEY macht sich noch eine schwache Okklusionsfront etwa vom Saarland über die Mitte bis nach Vorpommern mit einem schmalen Wolkenband bemerkbar. Dieses löst sich unter Hochdruckeinfluss aber langsam auf. Ansonsten können wir uns heute über recht freundliches Wetter mit einem Mix aus Sonne und Wolken bei angenehmen Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad freuen. Damit liegen die Temperaturen im für die Jahreszeit durchschnittlichen Bereich.

Am morgigen Samstag überwiegt weiterhin der Hochdruckeinfluss. Neben einigen Quellwolken lässt sich bei noch etwas ansteigenden Höchsttemperaturen (22 bis 28°C) vor allem im Süden die Sonne blicken. Im Norden sind jedoch ab dem späten Nachmittag erste Schauer möglich. In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag selbst unterbricht ein kleines Höhentief über der Nordsee das Hochdruckwetter und es kommt zunächst im Norden, am Nachmittag auch im Osten und Süden zu einzelnen Schauern und kurzen Gewittern. Vor allem dort muss man beim "Public Viewing" den Himmel im Auge behalten. In der kommenden Woche setzt sich die "Normalität" fort, wobei ab Wochenmitte noch offen ist, wohin beim Wetter die Reise geht.

 

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