www.webcam-aalen.de
  Startseite | Kontakt | Impressum  
  Kamerabild Aalbäumle  
  Aktuelles Webcambild  

Wetter
     Aktuelle Wetterdaten
     10-Minuten-Übersicht
     Wetterübersicht
     Min - Max Werte
     Schneehöhen
     Wetterlinks
Prognose
     Wind - Regen
     Frontenkarte
     Satellitenbilder
     Unwetterwarnung
Webcam
     Webcamsteuerung
     Webcaminfo
     Webcamlinks
     Fotogallerie
Freizeit
     Sport
     Kultur
     Erholung
     Gastronomie
     Übernachtung
Diverses
     Aktuelles
     Sponsoren
     Werbung

29.06.2016

00:11

Temperatur 15,9 °C
Luftfeuchte 92 %
Taupunkt 14,6 °C
Luftdruck 1014,0 hPa
Windrichtung 360 °
N
Windstärke 0,0 km/h
Windböen 0,0 km/h
Wind 10m Ø 0,0 km/h
Windchill 15,9 °C
Regen/Tag 0,0 l/m²

 


Aktuelle Wetterdaten

Wetterstation Aalbäumle 707 m über Normalnull
Mittwoch, 29. Juni 2016 00:11
Temperatur
15,9 °C
Luftdruck
1014,0 hPa
Wind
360 °
Luftfeuchtigkeit
92 %
Tendenz
-0,8 hPa/6hup down
Windstärke
0,0 km/h
Taupunkt
14,6 °C
Regen / 1/h
0,0 l/m²
Windböe
0,0 km/h
Windchill
15,9 °C
Regen / Tag
0,0 l/m²
Wind 10 Min Ø
0,0 km/h
Vorhersage - veränderlich -

Telefonabruf Wetterstation 0160-3282349
Wetterstation Aalbaemle auf wetter.com

Aktuelle Wettervorhersage


Wind u. Thermikprognose 28.6.16

Thermik:
Wegen abschirmender Wolkenfelder meist geringe Wolkenthermik. In Schwaben bei anfangs geringerem Bedeckungsgrad mäßig bis gute Wolkenthermik. Thermikbeginn: gegen 09:30 Uhr bei 19 Grad C Thermikbeginn im Bergland in 800m: gegen 9 Uhr bei 14 Grad C Tageshöchsttemperatur: 20 bis 25 Grad C Thermikende: voraussichtlich gegen 19 Uhr, im Westen früher

Bodenwind:
5 bis 10 km/h aus westlichen Richtungen

Höhenwind:
1000 m 280 Grad 5 km/h 18 Grad C
1500 m 260 Grad 10 km/h 12 Grad C
2000 m 240 Grad 20 km/h 7 Grad C
3000 m 230 Grad 30 km/h 0 Grad C

Wettervorhersage Aalen 28.6.16

Wettervorhersage für heute
Sommer-Mix mit Sonne und Wolken. Am Vormittag gehen zeitweise örtliche Regenschauer nieder. Am Nachmittag gibt es viele Wolken, zeitweise auch sonnige Abschnitte, und die Temperaturen steigen am Tage auf 21 Grad. Nachts sinken die Werte dann auf 13 Grad. Der Wind säuselt nur leicht aus westlichen Richtungen.

Wetterbericht der nächsten Tage

Mittwoch
Am Vormittag scheint bei nur wenigen Wolken verbreitet die Sonne. Am Nachmittag haben teils mächtige Wolken Regenschauer zur Folge, und die Temperaturen klettern am Tage auf 22 Grad. Nachts gehen die Werte dann auf 12 Grad zurück. Der Wind weht nur schwach aus westlichen Richtungen.

Donnerstag
In Aalen gehen zwischen Sonnenschein und Wolken einige Schauer nieder, und die Temperaturen klettern am Tage auf 21 Grad. Nachts sinken die Werte dann auf 11 Grad. Der Wind weht schwach aus westlichen Richtungen.

Freitag
Angenehm warm und sonnig. In Aalen gibt es ungestörten Sonnenschein, und die Temperaturen steigen am Tage auf 24 Grad. Nachts sinken die Werte dann auf 14 Grad. Der Wind säuselt leicht aus südwestlichen Richtungen.



Wetterlage:
Heute Vormittag ziehen dichte Wolken durch, dabei kann es örtlich auch mal den einen oder anderen Regentropfen geben. Am Nachmittag kommt die Sonne von Süden her etwas öfter heraus. Dann können sich auch einzelne Regenschauer nördlich der Alb und am Schwarzwald bilden. Die Höchstwerte liegen zwischen 20 Grad im Bergland und 26 Grad am Hochrhein. Der Wind weht vormittags schwach aus unterschiedlichen Richtungen. Ab Mittag weht der Wind schwach bis mäßig aus Südwest.

Hochwasser
ww.hvz.baden-wuerttemberg.de
(Hauptserver)

Alpenwetter:
Wetterseite des Deutschen Alpenvereins


Skigebiete: Schwäbische Alb Ostalbskilift
Schneehöhen:Allgäu

 

Siebenschläfertag

Datum 27.06.2016

Eine wechselhafte Westwetterlage zum diesjährigen Siebenschläfer. Doch bleibt diese nun wirklich 7 Wochen lang?

"Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag" oder "Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt".

So, oder so ähnlich steht es wohl heute in vielen Bauernkalendern, denn am heutigen Montag den 27.06.2016 ist Siebenschläfertag. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Lostag, der durch historische wetterbedingte landwirtschaftliche Beobachtungen (Bauernregeln) festgelegt wurde. Anhand des Wetters an diesem Tag wird anhand einer Persistenzprognose das Wetter für die kommenden Wochen vorhergesagt.

In der heutigen Meteorologie wird kein einzelner Tag, sondern vielmehr der Zeitraum von 27. Juni bis 08. Juli betrachtet. In dieser Phase des Jahres stellt sich häufig eine beständige Großwetterlage über Europa ein, die den Witterungscharakter bei uns einige Wochen lang prägt. Diese statistische Häufung wird Siebenschläferregel genannt.

Für die Großwetterlage ist die Position des Jetstreams (Starkwindband in der höheren Troposphäre) in hohem Grade maßgebend.

Liegt der Jetstream über dem Ostatlantik relativ weit nördlich, so kann sich das Azorenhoch über Mitteleuropa ausdehnen, wodurch sich eine stabile Hochdrucklage etablieren kann. Die Folge: eine längere Phase störungsfreies Badewetter mit hochsommerlichen Temperaturen.

Liegt der Jetstream im Gegensatz dazu eher weiter südlich, dann können atlantische Tiefausläufer immer wieder ungebremst auf Mitteleuropa übergreifen und bei uns für nasses und zeitweise auch kühles Wetter sorgen.

Statistische Auswertungen zeigen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit der Siebenschläferregel bei den verschiedenen Großwetterlagen unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei Variante 1 liegt sie zwischen 55 und 60 Prozent und bei Variante 2 zwischen 62 und 70 Prozent.

Schaut man sich die verschiedenen Produkte der aktuellen Wettermodelle an, kommt man zu dem Schluss, dass in diesem Jahr im "Siebenschläferzeitraum" eindeutig Variante 2 (also die "Schlechtwettervariante") bevorzugt wird. Denn der Jetstream bleibt über dem Ostatlantik relativ weit südlich. Wenngleich immer wieder auch Zwischenhocheinfluss für vorübergehende "Schönwetterphasen" sorgt, bleibt der Tiefdruckeinfluss im gesamten Zeitraum vor allem im Norden allgegenwärtig. Im Süden des Landes werden dabei deutlich höhere Temperaturen und (verglichen mit der Nordhälfte) längere trockene und sonnigere Witterungsphasen erwartet.

Laut Siebenschläferregel tendiert unser Sommerwetter 2016 also mit 62 bis 70 prozentiger Wahrscheinlichkeit in Richtung wechselhaft und nur zu kurzen heiß temperierten Phasen. Wenngleich die statistische Relevanz dieser Tendenz nicht von der Hand zu weisen ist, heißt das für das Wetter zu einem einzelnen Zeitpunkt und für einen Ort natürlich relativ wenig. Selbst !wenn! sich die Siebenschläferregel in diesem Jahr voll bestätigen sollte und wir in diesem Sommer keine länger andauernde stabile Hochdrucklage mehr bekommen, dann gibt es neben den regnerischen und kühlen Perioden dennoch immer wieder auch mal sonnige und warme Phasen. Diese Abwechslung wäre ja ohnehin von Vorteil, denn dann ist für jeden Wettergeschmack mal was dabei.

Wenn der Wind ein Gewitter formt

Datum 25.06.2016

Wir erleben es jeden Sommer: mal zieht nur ein schwaches und kurzlebiges Gewitter vorüber, mal blitzt und donnert es über Stunden hinweg. Im heutigen Thema des Tages soll die Rolle des Windes beschrieben werden, die auf die Intensität und Lebensdauer eines Gewitters einen großen Einfluss ausübt.

Verfolgt man in Funk und Fernsehen während des Sommers die unterschiedlichen Berichterstattungen von Gewitterereignissen, dann fällt einem auf, dass mal der Starkregen, mal der Hagel oder der Wind oder gar alles zusammen für entsprechende Schäden verantwortlich gemacht werden kann. Während der letzten Wochen war das große Thema der Starkregen mit den teils verheerenden Überschwemmungen, wobei die letzten Tage über auch zunehmend der Wind und Hagelschlag in den Fokus rückten. Doch wieso kommt es zu solch unterschiedlichen Begleiterscheinungen?

In der Vorhersage arbeiten wir mit der bereits häufig genannten und beschriebenen Zutatenmethode. Hier wird aufgrund zahlreicher Parameter (respektive Zutaten) die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten und die Intensität der Gewitter abgeschätzt und vorhergesagt. Die Zutaten umfassen die Luftfeuchte der unteren und mittleren Troposphäre, denn nur in feuchter Luft kommt es zur Kondensation (Wolkenbildung) und letztendlich zum Niederschlag. Außerdem muss die Temperatur mit der Höhe abnehmen, damit ein aufsteigendes Luftpaket so lange wie möglich wärmer als die Umgebungsluft bleibt und somit aufgrund der geringeren Dichte weiter aufsteigt. Sollte dann auch noch ein Hebungsmechanismus vorhanden sein (wie z.B. eine Kaltfront oder ein Gebirge, wo die Luft gezwungen wird aufzusteigen), dann ist die Bildung eines Gewitters möglich.

Nun aber kommt der Wind ins Spiel. Er hat eine große Bedeutung, wenn es darum geht, schwache Gewitter oder schwere Unwetter vorherzusagen. Der Parameter wird in der Meteorologie umgangssprachlich als "Windscherung" bezeichnet. Es ist sicherlich allgemein bekannt, dass der Wind mit der Höhe zunimmt. Das merkt man, wenn man z.B. auf einen exponierten Hügel oder Berg steigt. Hier sorgt die fehlende Bodenreibung (u.a. das Fehlen zahlreicher Hindernisse wie Bäume, Häuser etc.) dafür, dass der Wind bereits deutlich spürbarer weht. Würde man sich nun noch weiter von der Erdoberfläche entfernen, dann wäre das Resultat eine weitere Intensivierung des Windes. Eine Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe wird als sogenannte "Geschwindigkeitsscherung" bezeichnet. Es gibt auch eine Richtungsscherung, wo der Wind also auch seine Richtung wechselt, doch diese lassen wir heute einmal außen vor.

Wie in der Grafik zu erkennen, kommt es nun unausweichlich zur Interaktion zwischen einer wachsenden Gewitterwolke und dem mit der Höhe zunehmenden Wind. Dabei sorgt der Wind unter anderem dafür, dass der Niederschlag bei kräftiger Höhenströmung in Windrichtung verfrachtet wird. Durch das Verfrachten des Niederschlags wird der Aufwind, wo warme und feuchte Luft in das Gewitter gesogen wird, vom Abwind, wo durch den Regen gekühlte Luft ausströmt, getrennt. Je ausgeprägter und länger die Trennung von Auf- und Abwinden umgesetzt wird, desto länger kann ein Gewitter leben.

Bei sehr schwacher Windscherung ziehen die Gewitter also nicht nur langsam, nein, sie haben auch meist keine lange Lebensdauer und weisen einen pulsierenden Charakter auf. Kaum ist ein Gewitter entstanden, sorgt die herabstürzende Luft im Abwind dafür, dass die Zufuhr der feuchten und warmen Luft unterbunden wird und das Gewitter stirbt. Wir haben es hier mit einer Einzelzelle zu tun. Wenn nun der Wind mit der Höhe zunimmt und es allmählich zur Trennung von Auf- und Abwinden kommt, dann leben die Gewitter nicht nur länger, sondern sie können sich auch besser organisieren. Hagel, der in den Wolken gebildet wird, kann zum Beispiel länger anwachsen und entsprechend größeren Schaden am Boden anrichten.

Wenn Sie also im Sommer an einem Tag, wo Gewitter vorhergesagt werden, zum Himmel schauen und sich die Zuggeschwindigkeit der unzähligen noch kleinen Haufenwolken anschauen, dann können Sie bereits abschätzen, ob in der Höhe ein starker Wind weht oder nicht. Sind die Haufenwolken mit der Höhe in Windrichtung geneigt, dann zeigt Ihnen die Natur eindrucksvoll, dass eine hohe Windscherung vorhanden ist und entsprechend die nun folgenden Gewitter von der kräftigeren Sorte hinsichtlich Hagelschlag und Wind sein können. Ist keine Windscherung zu erkennen, dann rückt dank langsamer Zuggeschwindigkeit besonders der Starkregen in den Vordergrund. Dies war auch in der vergangenen Nacht zum Samstag der Fall: Biberach 67 l/qm in 1 Stunde, Wutöschingen-Ofteringen 57 l/qm in 1 Stunde oder Freudenstadt 52 l/qm in 1 Stunde (alle Stationen in Baden-Württemberg).

Wie so oft in der Meteorologie beschreibt das Gesagte die Komplexität der Gewittervorhersage nicht vollständig. Dennoch kann man sich ein bisschen besser auf das Bevorstehende einstellen und das in diesem Fall mit nur einem Blick in den sommerlichen Himmel.

Dschungel-Wetter in Deutschland

Datum 23.06.2016

Hitze, Schwüle und kräftige Regengüsse bei Blitz und Donner, so sieht das Potpourri an Wettererscheinungen bis zum Wochenende aus. Was es mit diesem "Dschungel-Wetter" bei uns auf sich hat, lesen Sie hier.

Ab dem heutigen Donnerstag steht Deutschland die erste "richtige" Hitzewelle des Sommers 2016 bevor, Temperaturen über 30 Grad (per meteorologischer Definition ein "heißer Tag") dürften in fast ganz Deutschland bis Freitag, im Osten des Landes auch noch bis Samstag die Regel sein. Selbst 35 Grad werden ins Visier genommen, örtlich können mit viel Sonnenschein (Achtung! Sonnenbrandgefahr!) 36 Grad erreicht werden.

Der Hitze folgen dann bald auch schon wieder teils heftige Gewitter, die bereits heute den Nordwesten erfassen und sich bis Samstag dann langsam immer weiter ostwärts ausbreiten. Danach steht ab Sonntag - viele werden sicherlich aufatmen - wieder eine Abkühlung ins Haus, die Temperaturen pendeln sich dabei auf für die Jahreszeit normale Werte zwischen 20 und 24 Grad ein. Mit der aktuellen kurzen Hitzewelle steigt die Wärmebelastung für den Menschen alleine schon aufgrund der Temperaturen, hinzu kommt aber auch noch, dass es zum Teil sehr schwül wird. Der Regenwald (bzw. der Dschungel) lässt somit grüßen, insbesondere dann, wenn es bei den Gewittern zusätzlich auch noch kräftige Regengüsse geben sollte (Sturmböen und Hagel können ebenso vorkommen).

Aber was ist eigentlich "Schwüle"? Unter diesem Begriff versteht man einen Zustand der Luft, bei der Temperatur und Luftfeuchtigkeit hoch sind. Je höher die Werte, desto schwerer wird es für den Körper zu schwitzen. Durch die eingeschränkte Verdunstung an der Körperoberfläche und die dadurch fehlende Kühlung kann es in Extremfällen sogar zu einem Hitzschlag kommen.

Um neben der Temperatur die Feuchtigkeit der Luft zu beschreiben, sind in der Meteorologie zwei Parameter gebräuchlich: die absolute und die relative Luftfeuchtigkeit. Die absolute Feuchtigkeit stellt dabei die tatsächlich in der Luft enthaltene Feuchtigkeit (in Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft) dar. Bei der relativen Feuchtigkeit wird die absolute Feuchtigkeit ins Verhältnis zur maximal möglichen gesetzt (Angabe in Prozent).

Damit es nun ein Schwüle-Empfinden gibt, muss die absolute Feuchtigkeit einen Grenzwert von 13,5 g Wasserdampf pro Kubikmeter Luft überschreiten. Diese Menge an Feuchtigkeit kann die Luft aber erst ab einer Temperatur von 16 Grad aufnehmen, darunter ist es physikalisch gar nicht möglich. Somit gibt es erst ab 16 Grad überhaupt Schwüle.

Je höher die Temperatur steigt, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen. So sind bei 20 Grad bereits ab einer relativen Feuchtigkeit von etwa 80 % 13,5 g Wasserdampf pro Kubikmeter Luft enthalten und es wird schwül. Bei 25 Grad reichen 60 %, bei 30 Grad 44 % und bei 35 Grad sogar schon 34 % (siehe dazu die Grafik zum Schwüle-Empfinden und einer Vorhersage für Offenbach, zu finden unter www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/6/23.html).

Die Vorhersagen für die nächsten Tage zeigen, dass in vielen Landesteilen mit einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit und damit mit Schwüle gerechnet werden muss. Alles in allem resultiert daraus bei gefühlten Temperaturen über 32 bzw. zum Teil sogar über 38 Grad eine starke bzw. extreme Wärmebelastung. Entsprechende Hitzewarnungen können Sie aktuell unserer Warnkarte unter www.dwd.de/warnungen oder über die WarnWetter App des DWD entnehmen. Zusätzlich lassen sich Hitzewarnungen und auch UV-Warnungen als Newsletter unter www.dwd.de/newsletter abonnieren.

Hitze und Kälte auf demselben Planeten

Datum 22.06.2016

Während sich in Mitteleuropa die mit Tiefausläufern herangeführten atlantischen Luftmassen mäßigend auf unser Temperaturregime auswirken, treten Extremtemperaturen auf der Erde stets in wetterberuhigten Arealen auf. Dazu gehören die Wüsten und Halbwüsten Asiens ebenso wie das Innere Antarktikas. Zwischen der heißesten und der kältesten Region der Welt liegt die Temperaturspanne derzeit bei 130 °C. Noch größere thermische Gegensätze existieren auf Himmelskörpern ohne Atmosphäre, wie z.B. Mond oder Merkur.

In diesen Frühsommertagen sind die Tiefländer Vorder- und Südasiens die heißesten Regionen auf der Erde. Dort herrscht am Tage bei hoch stehender Sonne vorwiegend wolkenarmes Wetter, daher ist bei geringem Pflanzenbewuchs die am Boden empfangene Sonnenstrahlung gewaltig. Folglich treten in Pakistan im Tal des Indus und sogar im Hochland von Belutschistan verbreitet Lufttemperaturen über 40 °C auf. Spitzenreiter in der Statistik ist einmal mehr die Stadt Sibi (Belutschistan, 29°33'N, 67°53'E, 133 m Höhe). Dort wurde am gestrigen Dienstag, den 21.06.2016, 12:00 Uhr UTC (17:00 Uhr Ortszeit) eine Tageshöchsttemperatur von 50,0 °C gemessen, nachdem bereits am 07.06.2016 mit 52,0 °C der Hitzerekord dieser Station bzgl. der Klimanormalperiode 1971 bis 1990 eingestellt wurde.

Das andere Extrem ist der südpolare Kontinent Antarktika. Dort ist Winter und in den langen finsteren Polarnächten, insbesondere bei klarem Himmel über Schneeflächen mit hohem Emissionsgrad im langwelligen infraroten Spektralbereich, bestehen ideale Ausstrahlungs- und damit Auskühlungsbedingungen. Auf dem durchschnittlich 3000 m über dem Meeresspiegel gelegenen Polarplateau beobachtet man zurzeit Temperaturen von unter -50 °C. Dabei ist - wie so oft - die sowjetische/russische Station Wostok (78°27'52"S, 106°50'14"E, 3420 m NN) mit -79,6 °C, gemessen am Montag, den 20.06.2016, 18:00 Uhr UTC, der kälteste Ort der Erde. Allerdings geht es noch tiefer, am 21. Juli 1983 wurde in WOSTOK mit 89,2 °C die tiefste, jemals in natura gemessene Lufttemperatur registriert.

Zwischen dem 50 °C heißen Belutschistan und dem bis zu -80 °C kalten Südpolarplateau herrscht also derzeit eine Temperaturspanne von 130 °C. Fühlt sich wegen dieser krassen Temperaturgegensätze vielleicht jemand an das lebensfeindliche Klima anderer Himmelskörper erinnert? Auf dem Mond beispielsweise gibt es wegen der fehlenden Atmosphäre und daher "wetterberuhigten Bedingungen" zwischen Tag und Nacht noch größere Temperaturunterschiede. Mit der Sonne im Zenit steigt die Temperatur an der Mondoberfläche auf ca. 130 °C und sinkt des Nachts auf etwa -160 °C; gemittelt über die gesamte Oberfläche kalkulierte man die Durchschnittstemperatur auf ca. -55 °C. Auf Merkur, dem sonnennächsten Planeten, erwärmt sich die Sonnenseite je nach Distanz zur Sonne (wegen seiner stark elliptischen Bahn) auf Temperaturen von 250 °C bis 427 °C und sinkt auf der Nachtseite bis auf -173 °C.

Wie man sieht, liefert unsere Erdatmosphäre nicht nur die Luft zum Atmen sondern gewährleistet auch einen gewissen Ausgleich allzu starker Temperaturdifferenzen. Sie sorgt also dafür, dass der größte Teil der festen Erdoberfläche prinzipiell bewohnbar ist. Unten finden Sie eine Karte Antarktikas mit den aktuellen Temperaturen vom Montag, den 20.06.2016, 18:00 Uhr UTC, sowie eine Karte Pakistans mit den Tageshöchsttemperaturen vom Dienstag, den 21.06.2016, 12:00 Uhr UTC (17:00 Uhr Ortszeit). Die Temperaturwerte sind jeweils auf ganze Grad Celsius gerundet.

Astronomischer Sommeranfang

Datum 21.06.2016

Heute ist der Astronomische Sommeranfang. Was das astronomisch Besondere an diesem Tag ist und ob das Wetter zum Sommeranfang auch wirklich sommerlich wird - hier erfahren Sie es.

Als Meteorologe darf man am heutigen 21.6. eigentlich nicht allzu laut vom Sommeranfang sprechen. Schließlich ist der Meteorologische Sommeranfang ja immer am ersten Juni und liegt damit - auch wenn man es vom Wetter her nicht bemerkt haben sollte - schon drei Wochen zurück.

Astronomisch betrachtet liegt die Ursache für die Jahreszeiten in der Neigung der Erdachse gegen die Ebene, auf der die Erde ihre Bahn um die Sonne zieht. Die Neigung beträgt dabei etwa 23,5°, und auf der Nordhalbkugel ist immer dann Sommeranfang, wenn die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis steht.

Dummerweise ist dies immer an einem festen Punkt auf der Bahn der Erde um die Sonne der Fall. Und da die Erde keine 365 Tage braucht, um einmal um die Sonne zu kreisen, sondern 365,256 Tage, kommt die Sonne jedes Jahr etwa 6 Stunden später an diesem Bahnpunkt ein. Mit anderen Worten: Der astronomische Sommeranfang "verspätet" sich, Jahr für Jahr. Um der Erde Zeit zu geben, ihre Verspätung einzuholen, wird alle 4 Jahre ein Schaltjahr eingelegt, so wie dieses Jahr. Ohne den Schalttag wäre der Sommeranfang in diesem Jahr übrigens am 22.6. um 00:34 Uhr MESZ gewesen, mit Schalttag aber in der vergangenen Nacht um 00:34. Und damit ist jetzt per definitionem Sommer!

Gut und schön, werden all jene sagen, die auf Temperaturen um oder jenseits der 30-Grad-Marke und auf reichlich Sonne hoffen. Aber hält das heutige Datum denn auch, was es verspricht? Kommt ER jetzt (endlich!!!) oder kommt ER nicht?

Und die Antwort ist eindeutig: Er kommt - aber erstmal nur zu einem Kurzbesuch! Den heutigen Dienstag gilt es noch mit Temperaturen um 24 Grad zu überstehen. Dann geht es, was die Temperaturen angeht, mit dem Expressaufzug nach oben! Um 30 Grad sollen es am morgigen Mittwoch sein, um 32 Grad dann am Donnerstag und Freitag, wobei am Donnerstag im Südwesten, am Freitag im Osten lokal Werte bis 36 Grad möglich sind.

Aber unser Heißsporn hat leider wenig Ausdauer und verlässt die Wetterbühne am Freitag in der Westhälfte, am Samstag auch in der Osthälfte sehr ungestüm und mit lautem (Gewitter-)Poltern. Aufbrausend haut er uns auch das ein oder andere Unwetter-Gewitter mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen um die Ohren. Und es folgt ein Dejà-vu: Die Temperaturen pendeln sich am Sonntag und Montag bei Werten um 25 Grad ein und liegen damit etwa auf dem heutigen Niveau.

Letztendlich bedeutet das nichts anderes, als dass wir mit dem Sommer noch etwas Geduld haben müssen. Er hat noch 3 Monate Zeit, erwachsener, ruhiger und ausgeglichener zu werden. Vielleicht bekommt er ja auch noch ein sonniges Gemüt, mit dem er dann auch den von Rudi Carell besungenen Sonnenschein bringen könnte, nicht mehr von Juni, aber vielleicht von Juli bis September.

Hitze ante portas

Datum 20.06.2016

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer", werden sich viele nach dem eher kühlen und nassen Wetter der vergangenen Wochen gefragt haben. Die Antwort auf diese Frage lautet "ab Mittwoch". Doch was uns am Ende der Woche erwartet, ist für einige dann sicher wieder zu viel des "Guten".

Unbeständig, schwere Gewitter mit Unwettern und wiederholt kräftiger Regen, dabei nur mäßig warme Temperaturen. So lässt sich das Wetter der letzten Wochen kurz zusammenfassen. "Wann wird es mal wieder richtig Sommer", werden sich viele angesichts des Wetters der vergangenen Woche fragen. Die Antwort auf diese Frage lautet "ab Mittwoch." Doch was uns am Ende der Woche erwartet, ist für einige dann sicher wieder zu viel des "Guten".

Ab Mitte der Woche stellt sich die Wetterlage um. Vom Atlantik nähert sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet. Über Mittel- und Osteuropa baut sich gleichzeitig ein kräftiges Hoch auf, das die West-Ost-Zugbahn des Tiefs blockiert, sodass sich das Tief auf dem Ostatlantik festsetzt. Zwischen diesem Tief und dem europäischen Hochdruckgebiet wird mit einer südwestlichen Strömung heiße, aber feuchte Luft aus den Subtropen über Nordwestafrika, Spanien, Frankreich bis nach Mitteleuropa geführt.

Somit erwartet uns am Mittwoch ein deutlicher Temperaturanstieg. Dann kann bereits die 30-Grad-Marke am Oberrhein, sowie im Rhein-Main-Gebiet geknackt werden. So richtig heiß wird es dann am Donnerstag. Dann muss bei viel Sonnenschein verbreitet mit Werten über 30 Grad gerechnet werden. Vereinzelt kann es sogar 35 Grad geben. Unsicher ist noch, inwieweit hohe Cirrusbewölkung und Saharastaub die Sonneneinstrahlung und somit auch die Temperaturen etwas dämpfen. Kühler bleibt es nur im Nordwesten, wo viele Wolken und auch kräftige Gewitter für etwas niedrigere Temperaturen sorgen. Sonst sorgen in den westlichen Mittelgebirgen nur einzelne, aber heftige Gewitter für örtliche Abkühlung. Unsicher ist die Entwicklung am Freitag. Ab dann beginnt unser Hochdruckgebiet etwas zu schwächeln, wodurch uns das Atlantiktief mehr auf die Pelle rückt. Damit verbunden ist eine Kaltfront. Wie schnell diese jedoch auf Deutschland übergreift, ist derzeit noch schwer vorhersagbar. Nach aktuellem Stand setzt im Westen mit unwetterartigen Gewittern mit Sturmböen, Hagel und Starkregen bereits Abkühlung ein, während der Osten den Höhepunkt der Hitze erlebt. Lokal könnten dort bis zu 36 Grad möglich sein. Da die herangeführte Luftmasse auch noch ziemlich feucht ist, sorgt dies für eine gewisse Schwüle. So sind die gefühlten Temperaturen vielerorts noch höher.

Wie es dann am Wochenende weiter geht, ist derzeit noch etwas unsicher. Wahrscheinlich wird die Kaltfront mit unwetterartigen Gewittern Deutschland von West nach Osten überqueren und wieder für Abkühlung auf ein der Jahreszeit entsprechendes, aber noch sommerliches Temperaturniveau sorgen. Wie schnell dies vonstattengeht, bleibt abzuwarten.

Gewitter und kräftiger Regen - die Bilanz des Tiefs Karin

Datum 17.06.2016

Neben teils kräftigen Gewittern setzten ab den Abendstunden des gestrigen Donnerstags im Osten und Süden länger andauernde Regenfälle ein. Welche Summen wurden gemessen und wie lange geht das noch so weiter?

Viele von Ihnen können es sicherlich kaum noch hören beziehungsweise lesen. Denn wieder einmal ist in den Wetterberichten für die kommenden Tage von kräftigen Schauern und Gewittern die Rede. Lokal können diese auch unwetterartig ausfallen. Der Blick aus dem Fenster bestätigt dies leider nur allzu häufig. So zieht es sich - von kurzen Unterbrechungen einmal abgesehen - schon seit Ende Mai hin. Die dafür verantwortliche, vorherrschende Wetterlage "Tief Mitteleuropa" wurde im Thema des Tages vom 04.06.2016 bereits ausführlich beschrieben.

Die Wetterkonstellation bekam nun gestern noch ein zusätzliches Detail. So bildete sich aufgrund der starken Südströmung in der Höhe (Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Kilometer pro Stunde in 4 Kilometern Höhe) leebedingt auf der Alpennordseite das Tief KARIN, das unter Vertiefung in den nächsten Stunden Nordpolen erreicht. Starke Temperaturkontraste begünstigten die Verstärkung KARINS. Während man bei Höchstwerten von 17,1 Grad in Nürnberg mehr oder weniger im Dauerregen saß, schwitzte man nur 100 Kilometer weiter südöstlich in Regensburg bei 25,5 Grad im Biergarten. Wer auf der Strecke mit dem Auto unterwegs war, konnte also pro 10 Kilometer knapp 1 Grad Temperaturanstieg beobachten. Weiter Richtung Südosten wurde in Schärding dicht hinter der deutschen Grenze in Österreich mit 30,3 Grad sogar ein heißer Tag (Höchstwerte größer gleich 30 Grad) registriert. Die Kehrseite der Medaille waren in den späten Nachmittagsstunden jedoch schwere Unwetter in Niederbayern.

Auf der Rückseite des Tiefs erfasste nun bereits in den Frühstunden des gestrigen Donnerstags im Bereich der stärksten Luftmassengegensätze ein Regengebiet weite Teile Baden-Württembergs und Bayerns, das sich mit Verlagerung des Tiefs nach Nordosten vergangene Nacht zunehmend auch zur Elbe und Oder ausweitete. Im Anhang finden Sie eine Übersicht über die 24-stündigen Niederschlagsmengen bis heute Früh 8 Uhr Ortszeit. In einem Streifen vom Breisgau über die Bodenseeregion, die Schwäbische Alb, Franken bis ins Vogtland sind demnach verbreitet 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter gefallen, im Allgäu punktuell sogar um 50 l/qm. Das ist im Übrigen auch die Größenordnung, die bis in den Nachmittag hinein noch in weiten Teilen Sachsens, Brandenburgs und Vorpommerns zu erwarten ist. So schüttet es dort aktuell noch recht verbreitet bei stündlichen Niederschlagssummen in der Spitze bis 10 Liter pro Quadratmeter.

Doch betrachten wir auch die positiven Seiten. Nachts kann man bei angenehmen Temperaturen wunderbar schlafen, die Ozonwerte sind gering, die Natur wächst und gedeiht, Bauern und Hobbygärtner sparen Bewässerungskosten, die Waldbrandgefahr ist quasi nicht existent. Es darf eben nur nicht zu viel Wasser werden, so wie es bis Start der neuen Woche am Alpenrand zu befürchten ist. Für den Rest des Landes kann man durchaus Hoffnung verbreiten, denn speziell zum Sonntagnachmittag und Montag hin zeigt sich auch mal länger die Sonne und es bleibt weitgehend trocken. Zudem klettern die Temperaturen bis 25 Grad, in der kommenden Woche auch darüber. Der Sommer wagt sich nach KARINS Abzug also vorsichtig aus der Deckung.

Trog Westeuropa

Datum 16.06.2016

Derzeit bestimmt ein Trog über Westeuropa unser Wetter. An seiner Vorderseite zieht im Bodenniveau ein zunächst flaches Tief über Bayern, Tschechien und Polen hinweg unter Verstärkung ins Baltikum. Dabei ist im Alpenraum, dann in den östlichen Mittelgebirgen und später nordöstlich der Elbe mit ergiebigem Dauerregen zu rechnen.

Der Jahresverlauf der Witterung an einem Ort oder in einem Gebiet besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den sog. Großwetterlagen. Diese ergeben sich durch bestimmte großräumige Luftdruck bzw. Geopotentialverteilungen und die daraus resultierenden Strömungsmuster. Welche Großwetterlage sich einstellt, wird letztendlich durch die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre bestimmt und manifestiert sich im raum-zeitlichen Verhalten der atmosphärischen Höhenströmung in der mittleren Troposphäre.

Diese fließt auf der Nordhalbkugel stets so, dass, in Stromrichtung betrachtet, auf der rechten Seite hoher Luftdruck bzw. hohes Geopotential und auf der linken Seite tiefer Luftdruck bzw. niedriges Geopotential herrschen. Das Wetter selbst wird außerdem noch durch die Eigenschaften der in das jeweilige Zirkulationsregime einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten.

Die seit dem gestrigen Mittwoch vorherrschende Wetterlage nennt sich "Trog Westeuropa" (wiss. Abk. TrW). Sie gehört zu den meridionalen Zirkulationsformen, d.h. sie ist durch eine stark mäandrierende Höhenströmung gekennzeichnet. Derzeit verläuft diese über dem Ostatlantik in Nord-Süd-Richtung, kehrt etwa über der Iberischen Halbinsel um, wendet sich zunächst nordostwärts und schließlich über Mitteleuropa nordwärts. Somit befindet sich über Westeuropa ein ausgedehntes Gebiet niedrigen Luftdruckes bzw. Geopotentials, welches im Meteorologenjargon gern als "langwelliger Trog" bezeichnet wird.

In der dort vorhandenen, hoch reichenden Kaltluft nimmt der Luftdruck in der Vertikalen schneller ab als in warmer Luft, so dass ein Höhentrog immer mit tiefem Luftdruck bzw. niedrigem Geopotential in der mittleren und höheren Atmosphäre verbunden ist. Die Wechselwirkung mit den tieferen Atmosphärenschichten besteht nun darin, dass bei Wanderung des Troges Luft nach oben angesaugt bzw. von unten "gehoben" wird. Folglich fällt aus Kontinuitätsgründen der Luftdruck am Boden und es bildet sich auch dort ein Tiefdruckgebiet oder ein bereits vorhandenes Tief verstärkt sich. Die atmosphärische Höhenströmung "steuert" also die Bildung und Verlagerung der Hoch- und Tiefdruckgebiete im Bodenniveau.

Durch eine "Lee-Zyklogenese" hat sich im nördlichen Alpenvorland bereits ein flaches Tiefdruckgebiet gebildet. Dieses wird nun durch eine kurzwellige Komponente des westeuropäischen Troges verstärkt und zieht bis Freitagabend an der Trogvorderseite über Tschechien und Polen hinweg ins Baltikum. Dabei ist zunächst im Alpenraum, dann in den östlichen Mittelgebirgen und später nordöstlich der Elbe mit ergiebigem Dauerregen zu rechnen, der z.T. schauerartig verstärkt oder gewittrig ist und gebietsweise Unwettercharakter annehmen kann. Darüber hinaus lebt die Gewittertätigkeit allgemein im Verlaufe des heutigen und morgigen Tages in Deutschland wieder auf, wobei erneut unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind.

Unten finden Sie eine vom heutigen 00:00-UTC-Lauf des Vorhersagemodells des ECMWF berechnete Prognose der geopotentiellen Höhe der 500-hPa- sowie der 850-hPa-Hauptdruckfläche für Freitag, den 17.06.2016, 12:00 UTC. Das 500-hPa-Niveau (obere Abbildung) repräsentiert die mittlere Atmosphäre, in der 850-hPa-Fläche (untere Abbildung) zeigt sich die Struktur der unteren Atmosphäre. Am Freitagnachmittag liegt der Kern des Bodentiefs an der polnischen Ostseeküste, die steuernde kurzwellige Komponente über Polen bleibt noch etwas zurück.

Die nächste große Schütte

Datum 15.06.2016

In den nächsten Tagen muss in Teilen Deutschlands mit länger anhaltendem, ergiebigem Regen gerechnet werden. Trifft dieser auf wassergesättigte Böden, steigt die Überschwemmungs- und Hochwassergefahr.

Die vergangenen Tage und Wochen verliefen nicht gerade niederschlagsarm. Wiederholt auftretende Schauer und mitunter heftige Gewitter brachten regional erhebliche Niederschlagsmengen. Diejenigen unter uns, die beharrlich auf beständiges Sommerwetter hoffen - immerhin nähern wir uns dem kalendarischen Sommeranfang - werden in den nächsten Tagen zum wiederholten Male in die Röhre schauen müssen.

Das Gros der Wettermodelle berechnet für die nächsten Tage, besonders für den Zeitraum zwischen Donnerstag und Samstag, eine Wetterlage, die zumindest prädestiniert für enorme Niederschlagsmengen ist. Etwa über dem östlichen Alpenraum setzt am Donnerstagabend eine Tiefdruckentwicklung ein. Das Tief verlagert sich unter Intensivierung nordwärts Richtung Ostsee, wo es schließlich am Freitagabend erwartet wird. In die Zirkulation des Tiefdruckgebietes wird von Südosten her feuchte und warme Mittelmeerluft einbezogen, die über Deutschland auf kühlere Atlantikluft stößt. Im Bereich der sich dabei einstellenden großen Temperaturgegensätze - wir Meteorologen reden dabei auch von "Baroklinität" - werden Regenfälle verursacht, die aufgrund des durch die Mittelmeerluft bereitgestellten hohen Wassergehaltes der Luftmasse sehr intensiv ausfallen können.

"Nicht schon wieder dieser Starkregen, den hatten wir doch erst", werden sich viele sagen. Das stimmt nicht ganz! Die Niederschläge, die von den meisten Wettermodellen in Aussicht gestellt werden, haben mit den Schauern und Gewittern, die als eher kleinräumige meteorologische Phänomene punktuell zuschlagen, nicht viel zu tun. Sie kommen ungleich großflächiger daher und bewässern auch größere Gebiete. Dadurch verschiebt sich auch das Gefahrenpotenzial von möglichen Sturzfluten zu Überschwemmungen, insbesondere durch die zunehmend Hochwasser führende Flüsse. Problematisch sind dabei besonders die bereits vielerorts wassergesättigten Böden. Das zusätzliche Wasser, das durch den Niederschlag bereitgestellt wird, fließt somit größtenteils ab und wird in Bäche und Flüsse eingetragen, wodurch diese weiter anschwellen.

Die Aufgabe für uns Meteorologen beim Deutschen Wetterdienst ist es nun, sowohl die Niederschlagsmengen abzuschätzen, als auch mögliche Schwerpunkte der Niederschläge auszumachen. Dabei werden verschiedene Wettermodelle und deren Berechnungen begutachtet, interpretiert und mit einer Brise Erfahrung zu einem Vorhersagekonzept verschnitten.

Derzeit noch durchaus große Unterschiede in der Berechnung der Niederschlagsschwerpunkte ergeben sich insbesondere aus der sehr verschieden simulierten Intensität und Zugbahn des Tiefdruckgebietes. Die Grafik auf www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/6/15.html zeigt die Niederschlagsschwerpunkte, die die drei Globalmodelle ICON, GFS und EZMWF setzen (Stand heute Morgen, 15.06.). Unter gebührender Berücksichtigung der Differenzen ergeben sich vor allem für den Nordosten und Osten Deutschlands Überschneidungen, die dort auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für kräftigere Entwicklungen hinsichtlich des Dauerregens bis in den markanten Bereich (über 30 l/qm in 24 Stunden), teils bis in den Unwetterbereich (über 50 l/qm in 24 Stunden) schließen lässt. Da solche Tiefdruckentwicklungen in der Vergangenheit im Vergleich zu den Berechnungen der Wettermodelle eher weiter östlich als westlich stattfanden, muss man die Osthälfte Deutschlands, darüber hinaus aber auch die Staulagen der östlichen Mittelgebirge sowie den Alpenrand definitiv im Auge behalten. Wirklich Klarheit werden aber erst die nächsten Wettermodellläufe verschaffen.

Am Samstag zieht der stärkste Regen nordostwärts ab, die niederschlagsreiche Witterung ist damit aber noch nicht passe. Vielmehr stellt sich wieder der altbekannte Zustand punktuell auftretender Schauer und Gewitter ein. Damit bleibt die Hochwasserlage bis auf weiteres angespannt - das Befinden des ein oder anderen Sonne- und Wärmeliebhabers wohl auch.

Ostseitenklima

Datum 13.06.2016

In den küstennahen Gebieten Ostasiens herrscht sog. Ostseitenklima mit kühlen bis milden Wintern und feucht-heißen Sommern. Derzeit werden in der Region ergiebige Niederschläge beobachtet, die sich als monsunartige Regenfront organisieren.

Im Süden Chinas und auf den südlichen Inseln Japans herrscht "subtropisches Ostseitenklima". Ostseitenklimate sind, nomen est omen, an den Ost- und Südostseiten der Kontinente anzutreffen, neben Ostasien findet man sie hauptsächlich in Nord- und Südamerika sowie in Australien. Die Winter in den küstennahen Gebieten Ostasiens sind mild bis kühl und trocken, im Sommer wird es feucht und heiß.

Wetter und Klima werden vom Monsun bestimmt, also von der Süd-Nord-Süd-Verlagerung der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) im Verlaufe eines halben Jahres. Unter der ITCZ versteht man einen in West-Ost-Richtung verlaufenden, wenige hundert Kilometer breiten, mit Verzögerung von etwa einem Monat den Sonnenhöchstständen folgenden, weltumspannenden Tiefdruckgürtel. Aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung erwärmt sich dort die untere Atmosphäre stark. Die warme Luft steigt auf, kühlt sich unter den Taupunkt ab, kondensiert und bildet mächtige, hoch reichende Quellwolkenkomplexe, aus denen gewittrige Starkniederschläge fallen können.

Der Großteil des Jahresniederschlages der Region fällt folglich in den Sommermonaten, dabei organisieren sich die Niederschläge als monsunartige Regenfront, die in Japan als "Baiu Zensen" bekannt ist und dort im Mittel im späten Juni und frühen Juli zu beobachten ist. In diesem Jahr scheint diese Entwicklung zumindest in Japan recht früh im Gange zu sein, denn bereits in diesen Tagen werden, wie bereits in Süd- und Südostchina, auch dort eindrucksvolle Niederschlagsmengen beobachtet.

Im Anschluss finden Sie eine vom koreanischen meteorologischen Dienst herausgegebene Wetterkarte Ostasiens. Dargestellt sind die Isobaren des Bodenluftdruckes im Abstand von zwei Hektopascal sowie die üblichen Hoch- und Tiefdruckgebiete (engl. H - High-Pressure Area, L - Low-Pressure Area). Warm und Kaltfronten wurden weggelassen, stattdessen sind die von der "Monsunfront" beeinflussten Regengebiete durch die grün schraffierte Linie gekennzeichnet. In der unteren Karte sind die innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute Nacht, 13.06.2016, 00:00 Uhr UTC gefallenen und auf ganze mm (=L/m²) gerundeten Niederschlagsmengen eingetragen.

Spitzenreiter in der ostasiatischen Regenstatistik ist die chinesische Station Ganzhou (Provinz Jiangxi, 25°50'N, 114°56'E, 125 m Höhe ü.d.M.), wo 143 mm registriert wurden. Auf den Plätzen folgen Lianzhou (Provinz Guangdong, 24°47'N, 112°23'E, 98 m) mit 141 mm und Nancheng (Guangdong, 27°31'N, 116°42'E, 82 m) mit 104 mm. Auch in Japan fiel ergiebiger Regen, beispielsweise auf der Insel Honshu an der Station Tsu (Präfektur Mie, 34°43'N, 136°30'E, 2 m) 92 mm oder in Kochi (Insel Shikoku, 33°33'N, 133°31'E, 0 m) 68 mm.

Forensische Meteorologie Teil 3 - "Wetterdetektive" des Deutschen Wetterdienstes

Datum 12.06.2016

Von Versicherungsfällen bis hin zu Mordanklagen - hauptsächlich bei gerichtlichen Auseinandersetzungen beschreibt und analysiert die forensische Meteorologie wichtige Wetterfaktoren, die unter Umständen zur Klärung eines Rechtsstreits oder zur Aufklärung eines Sachverhaltes führen können.

In den ersten beiden Teilen der Reihe "forensische Meteorologie" wurden bereits einige anschauliche Beispiele aufgeführt, bei denen das Wettergeschehen maßgeblich zum Ermittlungserfolg beitrug. Auch der Deutsche Wetterdienst beschäftigt an unterschiedlichen Standorten in Deutschland eigene, speziell ausgebildete Gutachter, wie zum Beispiel Uta Frisch vom Klimabüro in München, die auf über 30 Jahre Erfahrung als meteorologische Sachverständige zurückblicken kann und freundlicherweise etwas Zeit für ein Gespräch fand.

Nicht nur in den USA werden "Wetterdetektive" zertifiziert, in Deutschland existieren ebenfalls Zertifikate für meteorologische Sachverständige, die man nach mehreren Jahren Berufserfahrung erwerben kann. Die amtlichen Gutachten an sich folgen dabei festgelegten Richtlinien und werden nicht nur vom Deutschen Wetterdienst angeboten, auch private Wettergutachter liefern solche Dienstleistungen.

Da die amtlichen Gutachten meist jedoch sehr aufwendig und entsprechend teuer sind, lohnt sich ein solches nur in Ausnahmefällen. Zudem ist nicht immer gleich ein professioneller Gutachter von Nöten. Die Internetplattform "WESTE-XL" (Wetterdaten und -statistiken Express - XL) bietet den kostenfreien Online-Zugriff auf Messwerte, die am häufigsten nachgefragt werden. Dabei sind auch klimatologische Auswertungen umfangreicher Datensätze möglich. Die entsprechenden Informationen finden Sie unter www.dwd.de/weste.

Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass nicht jedes Wetterereignis an den Messstationen nachgewiesen werden kann. Gewitter treten beispielsweise nur eng begrenzt auf. So kommt es vor, dass Begleiterscheinungen wie Fallböen oder Starkregen zwischen zwei Stationen für Schäden sorgen, an den Stationen selbst jedoch nicht registriert werden. In einem solchen Fall kann dann die Anfrage eines Gerichts erfolgen: Sind Gewitterfallböen zum Zeitpunkt eines Unfalls aufgetreten und wenn ja, in welcher Stärke?

Auch die Einschätzung von Sichtverhältnissen stellt unter Umständen eine schwierige Aufgabe dar. Bei einem durch einen Geisterfahrer verursachten Verkehrsunfall kamen die Insassen der beiden verwickelten Fahrzeuge ums Leben. "Unser Sherlock", Uta Frisch, bekam dann den Auftrag, die Sichtverhältnisse zum Unfallzeitpunkt zu ermitteln. Konnte der Autofahrer den Geisterfahrer auf sich zukommen sehen? Wie groß war dabei die Sichtweite? Eine solche Aussage zu treffen ist dann nur begrenzt möglich, da das Messstationsnetz recht weitmaschig ist und man somit nicht über flächendeckende Beobachtungsdaten verfügt. Als zusätzliches Hilfsmittel bietet sich da der Blick aus dem All an. Allerdings schaut man mit dem Satelliten nur von oben auf die Nebeldecke. Eine Abschätzung der Sichtweite auf 50 m genau ist dann entsprechend nicht möglich.

Beim Fund einer eingeschneiten Leiche in winterlichem Gelände lässt sich der Todeszeitpunkt für Gerichtsmediziner nur schwer bestimmen, da die Leiche von Insektenbefall verschont bleibt. Jedoch kann man sich auch hier die Witterung zunutze machen. Vergleicht man die Schneedecke unter der Leiche mit der Schneedecke, die sich auf der Leiche gebildet hat, kann man mithilfe einer Niederschlagsanalyse den Tod zeitlich näher eingrenzen. Entsprechend muss der Frage nachgegangen werden, in welchem Zeitraum welche Mengen an Schnee gefallen sind.

Wetter beeinflusst aber auch den Kleidungsstil eines Menschen. Zum Beispiel werden im Sommer gerne kurze und luftige Kleidungsstücke getragen, im Winter mag man es dagegen eher lang und dick. Bei der Frage, wann sie eine Person das letzte Mal gesehen haben, erinnern sich viele Zeugen an die Kleidung der Person. War es ein besonders warmer Tag im Frühling, kann das Datum womöglich näher eingegrenzt werden.

In einem weiteren spannenden Ermittlungsverfahren kam es zu einer Drogenrazzia. Dabei beobachtete ein Polizist, wie sich einer der Täter über den Balkon des durchsuchten Gebäudes scheinbar einer Tüte Rauschgift entledigte. Im Anschluss an die Razzia musste die Aussage des Polizisten mit den vorherrschenden Lichtverhältnissen abgeglichen werden, da die Wahrnehmung beispielsweise durch dichte Wolken oder Regen eingeschränkt hätte sein können. Falls das Sachverständigengutachten dann aufgrund mangelnder Daten zu ungenau ist, kommt es im äußersten Fall zu einem Ortstermin, bei dem die lokalen Lichtverhältnisse bei ähnlichen Wetterbedingungen unter die Lupe genommen werden.

Vor 200 Jahren fiel der Sommer aus

Datum 11.06.2016

Vulkanausbrüche können weitreichende Folgen auf die globale Durchschnittstemperatur haben. Besonders deutlich wurde das im Jahr 1816, das auch als "das Jahr ohne Sommer" in die Geschichte einging.

Im April 1815 brach der auf der indonesischen Insel Sumbawa gelegene und auch heute noch aktive Stratovulkan Tambora aus. Die Eruption erreichte dabei die zweithöchste Intensität von 7 auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI). Bei diesem Ereignis wurden neben ungefähr 150 km³ Staub und Asche unter anderem auch Schwefelverbindungen in die Stratosphäre geschleudert, wo sie sich als Schwefelsäureaerosole verteilten und wie eine Art Schleier um den Globus legten.

Weil die Aerosoltröpfchen nur sehr klein sind und im Gegensatz zur Troposphäre in der Stratosphäre das Ausregnen und Auswaschen als sehr effektive Reinigungsprozesse fehlen, klingen die vulkanischen Störungen nur durch langsames Ausfällen der Partikel ab. Von den Aerosolen werden die Sonnenstrahlen teilweise absorbiert oder zurückgestreut, wodurch es zur Erwärmung der Stratosphäre kommt. Am Boden führen diese Vorgänge hingegen im Mittel zur Abkühlung des Weltklimas, regional und abhängig von der Jahreszeit kommt es aber gleichzeitig auch zu Erwärmungen. Da sich die Aerosolmasse mit einer Halbwertszeit von etwa einem Jahr reduziert, können solche klimatischen Veränderungen durchaus längere Zeit anhalten.

Allerdings deuten Auswertungen grönländischer und antarktischer Eisbohrkerne darauf hin, dass der Ausbruch des Tambora nicht allein verantwortlich dafür war, dass die Dekade von 1810 bis 1820 die weltweit kälteste der letzten 500 Jahre wurde. Vielmehr wird vermutet, dass andere größere Vulkanausbrüche (VEI größer gleich 4), wie beispielsweise die des Awu (1812) und des Suwanosejima (1813) bereits durch eine substanzielle Anreicherung von Aerosolen die Durchschnittstemperatur sukzessive senkten. Ein weiterer begünstigender Faktor war wohl auch die erheblich reduzierte Aktivität der Sonne im sogenannten Daltonminimum (Periode geringerer Sonnenfleckenaktivität zwischen 1790 und 1830).

Im Endeffekt resultierte daraus, dass die Sommermonate Juni, Juli und August 1816 in Deutschland im Mittel etwa 1 bis 2,7 Grad kälter als im Referenzzeitraum 1971-2000 ausfielen, wie auch die Grafik auf http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/6/11.html zeigt. In Teilen Frankreichs gab es sogar negative Abweichungen von über 3 Grad. Im Juli trat Frost auf, in der Schweiz schneite es mitunter bis in tiefe Lagen - das Jahr 1816 blieb "das Jahr ohne Sommer" und das nicht nur in Europa. Auch im Osten Kanadas und in Neuengland fiel während des eigentlichen Sommers Schnee, der in Quebec zeitweise eine Höhe von 30 cm erreichte. Zudem kam es in Mitteleuropa zu schweren Unwettern mit heftigen Regenfällen.

In der Folge führte alles zusammen zu katastrophalen Überschwemmungen und Missernten und das, nachdem Europa erst kürzlich durch die Napoleonischen Kriege gebeutelt wurde. Am stärksten betroffen waren die Gebiete unmittelbar nördlich der Alpen: Baden, Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Elsass und Deutschschweiz, wo der Getreidepreis 1817 das Zweieinhalb- bis Dreifache des Niveaus von 1815 erreichte. Aber nicht nur in Europa, sondern auch in der übrigen Welt hungerten die Menschen angesichts der stark in die Höhe geschossenen Preise für Getreide und Reis. Übrigens reduzierte sich aufgrund der Nahrungsknappheit der Pferdebestand in Europa beträchtlich, wodurch die Entwicklung der Draisine vorangetrieben wurde. Im Königreich Württemberg, welches besonders hart von den Folgen des "Jahres ohne Sommer" getroffen wurde, stiftete König Wilhelm I. gemeinsam mit seiner Frau Katharina Pawlowna ein "jährlich am 28. September zu Kannstadt abzuhaltendes landwirtschaftliches Fest", heute umgangssprachlich bekannt als "Cannstatter Wasen".

Hoch Nordmeer-Island, überwiegend zyklonal

Datum 09.06.2016

Die Wetterlage hat sich umgestellt. Zwischen hohem Luftdruck über dem Nordmeer und einem Tiefdruckgebiet über dem Ostseeraum wird mit nördlicher Strömung polare Meeresluft nach Mitteleuropa geführt.

Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich aus weiträumigen Luftdruckverteilungen und den daraus resultierenden Strömungsmustern in Bodennähe, sowie auch in den darüber liegenden Luftschichten.

Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in die Zirkulation einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten.

Am heutigen Donnerstag befindet sich Mitteleuropa an der Ostflanke einer Hochdruckzone, die sich von Westeuropa über Island bis nach Grönland erstreckt. Die derzeitige Großwetterlage kann man als "Hoch Nordmeer-Island" klassifizieren.

Allerdings schwindet der Zwischenhocheinfluss in Mitteleuropa und am morgigen Freitag überquert uns eine weitere Kaltfront des Tiefdruckgebietes GISELA II über Finnland und dem Baltikum. Daher wird noch das Attribut "zyklonal" hinzufügt, das für "tiefdruckbeeinflusst" steht. Die korrekte Bezeichnung lautet also "Hoch Nordmeer-Island, überwiegend zyklonal" (wiss. Abkürzung HNz).

HNz zählt zu den gemischten Zirkulationsformen, d.h. die zonale, also in West-Ost-Richtung verlaufende Strömungskomponente und der in Nord-Süd-Richtung orientierte, meridionale Anteil, sind etwa in derselben Größenordnung. Zur visuellen Unterstützung des eben Erläuterten sei auf die im Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes angebotenen Boden- und Höhenwetterkarten verwiesen.

Im Zusammenspiel zwischen dem Hochdruckgebiet über dem Nordmeer und tiefem Luftdruck über dem Ostseeraum wird seit gestrigem Mittwoch mit nördlicher Strömung polare Meeresluft nach Deutschland geführt. Dabei wurde die zuvor wetterwirksame feucht-warme "Gewitterluft" bereits weitgehend nach Süden abgedrängt.

In diesem Zusammenhang kam es am Mittwoch und in der vergangenen Nacht erneut verbreitet zu teils gewittrigen und gebietsweise unwetterartigen Niederschlägen, die sich am Alpenrand in Form von Dauerregen noch bis heute Abend fortsetzen.

Unten finden Sie eine Karte Süddeutschlands mit den auf ganze mm (= L/m²) gerundeten, innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute früh, 09.06.2016, 06:00 Uhr UTC, gefallenen Niederschlagsmengen.

Konvergenzlinie - Eine Linie mischt die Atmosphäre auf!

Datum 05.06.2016

Konvergenzlinien - Linien kräftiger Konvektion! Auch in der vergangenen Unwetterwoche sowie auch in den nächsten Tagen konnten bzw. können sich lokal die wetterintensiven Linien ausbilden. Doch was bedeuten sie und wo treten sie auf?

In den letzten Tagen entwickelten sich wiederholt kräftige Gewitter, die teilweise auch linienhaft organisiert waren und oftmals mit unwetterartigem Starkregen sowie größerem Hagel einhergingen. Beispielhaft fielen dem Radar zur Folge in Teilen des Wendlandes am gestrigen Samstag, den 4. Juni, in wenigen Stunden bis 100 Liter Regen auf den Quadratmeter. Auch am heutigen Sonntagmorgen sorgten linienhaft angeordnete wiederholt auftretende Gewitter im Osten Bayern für Starkregen bis 40 l/m². Schon am Samstagabend meldete die Station Osterhofen-Thundorf im Südosten Bayerns innerhalb einer Stunde 53 Liter pro Quadratmeter. Beobachtet wurde in der letzten Unwetterwoche zudem häufiger großer Hagel mit 2 bis 3 cm Durchmesser. Oftmals waren die linienhaften Gewitterstrukturen das Resultat von zusammenströmender Luft.

In der Atmosphäre wird bei jeder Bewegung auch Masse transportiert. Da die Atmosphäre nicht beliebig komprimierbar ist, schafft die Atmosphäre dort, wo Konvergenz (Zusammenströmen) und Divergenz (Auseinanderströmen) in der Horizontalen auftritt, vertikale Ausgleichsströme. Dabei steigt über einem Konvergenzgebiet die Luft am Boden auf und divergiert in der Höhe. Über einem Divergenzgebiet am Boden sinkt die Luft stattdessen ab und konvergiert in der Höhe (vgl. Graphiken 1 und 2).

Die so genannten Konvergenzlinien beschreiben dabei eine bestimmte Zone von zusammenfließender (konvergierender) Luft in Bodennähe. Der resultierende Massenüberschuss am Boden wird dabei durch kompensierendes Aufsteigen ausgeglichen. Im Gegensatz zu den Luftmassengrenzen wie Warm- oder Kaltfront handelt es sich bei Konvergenzlinien um Phänomene, die innerhalb einer Luftmasse auftreten und somit nicht zwingend thermische Gegensätze abtrennen.

Typische Konvergenzlinien entstehen in Mitteleuropa z.B. bei starker Warmluftzufuhr aus Südwesten in einem gewissen Abstand vor der nachfolgenden Kaltfront. Dabei markiert die Konvergenzlinie nicht selten die Achse der wärmsten Luft am Boden, die in der Höhe häufig von vorauseilender Kaltluft überlaufen wird. Nachfolgend stellen sich große vertikale Temperaturunterschiede ein, die schließlich vertikale Umwälzungen hervorrufen. Die Folge sind meistens starke Gewitter.

Neben der beschriebenen, dynamischen Entstehung einer Konvergenzlinie können auch thermische Bedingungen zusammenströmende Luftmassen auslösen. Kann sich der Erdboden und somit auch die bodennahen Luftschichten in einer schmalen Zone beispielsweise durch die Sonneneinstrahlung sehr stark aufheizen, kommt es ebenfalls zum Aufsteigen der warmen und daher leichten Luft. Der Massenverlust am Boden muss schließlich durch zusammenströmende Luft ausgeglichen werden.

Ein erster Hinweis einer sich bildenden Konvergenzlinie ist der beginnende Druckfall in einem langgezogenen Bereich, der sich von der Umgebung deutlich unterscheidet.

Auch am heutigen Sonntag sowie an den nächsten Tagen muss vor allem in der Westhälfte weiter mit kräftigen, teilweise auch unwetterartigen Gewittern mit heftigem Starkregen und großem Hagel gerechnet werden. Regional können dabei auch wieder Konvergenzlinien die Finger mit im Spiel haben.

Deutschlandwetter im Mai 2016

Datum 02.06.2016

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland.

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Mai 2016* 1. Platz Berlin-Tegel 16,4 °C Abweich. +2,5 Grad 2. Platz Berlin-Tempelhof 16,2 °C Abweich. +2,3 Grad 3. Platz Berlin-Marzahn 16,2 °C Abweich. +2,9 Grad

Besonders kalte Orte im Mai 2016* 1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 9,9 °C Abweich. +1,7 Grad 2. Platz Carlsfeld (Sachsen) 9,9 °C Abweich. +1,8 Grad 3. Platz Kleiner Feldberg/Taunus (Hessen) 10,1 °C Abweich. +1,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Mai 2016** 1. Platz Aschau-Stein (Bayern) 306,8 l/m² 152 Prozent 2. Platz Marktschellenberg (Bayern) 275,8 l/m² 167 Prozent 3. Platz Kreuth-Glashütte (Bayern) 265,8 l/m² 138 Prozent

Besonders trockene Orte im Mai 2016** 1. Platz Hohenbucko (Brandenburg) 2,0 l/m² 4 Prozent 2. Platz Fürstenwalde (Brandenburg) 6,8 l/m² 12 Prozent 3. Platz Lemförde (Niedersachsen) 8,0 l/m² 13 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Mai 2016** 1. Platz Arkona (Mecklenburg-Vorpommern) 340 Stunden 130 Prozent 2. Platz Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern) 321 Stunden 122 Prozent 3. Platz Putbus (Mecklenburg-Vorpommern) 319 Stunden 127 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Mai 2016** 1. Platz Bad Kohlgrub-Rosshof (Bayern) 153 Stunden 90 Prozent 2. Platz Garmisch-Partenkirchen (Bayern) 160 Stunden 94 Prozent 3. Platz Oberstdorf (Bayern) 161 Stunden 97 Prozent

Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent). Hinweis: Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Es liegt Spannung in der Luft

Datum 31.05.2016

Seit Jahrtausenden sind sie für viele Menschen beeindruckend und furchterregend zugleich und auch in den vergangenen Tagen sorgten sie für zahlreiche Schlagzeilen: die Gewitter. Doch wie entstehen Blitz und Donner eigentlich?

Früher schrieb man Blitz und Donner dem Zorn der Götter zu, heute werden die Gründe für das Naturschauspiel in der Physik gesucht und gefunden: Zunächst einmal muss sich eine Gewitterwolke (Cumulonimbus) bilden, in der starke Aufwinde kleine Eisteilchen nach ganz oben tragen. Wenn diese auf ihrem Weg mit großen, nicht gefrorenen Wassertröpfchen zusammenstoßen, findet eine Trennung der elektrischen Ladung statt: Die schwereren Wassertröpfchen sind anschließend negativ geladen, die kleinen und leichteren Eisteilchen positiv. Dadurch befindet sich in der Gewitterwolke positive Ladung im oberen Teil, während die untere Hälfte negativ geladen ist - ähnlich wie bei einer Batterie (siehe Grafik A). Die durch diese Ladungstrennung verursachten Spannungen innerhalb der Wolke können mehrere Millionen Volt betragen - Donnerwetter!

Da die Natur stets versucht, ein Gleichgewicht herzustellen, muss dieser Ladungsunterschied ausgeglichen werden: Dies geschieht durch die Blitze. Es gibt Blitze innerhalb der Wolke, zwischen den Wolken und Blitze zwischen Wolke und Boden. Letztere beginnen mit einem sogenannten "Leitblitz", der sich mit starken Verästelungen von Wolke Richtung Erde ausbreitet (Bild B). Nähert sich dieser negativ geladene Leitblitz dem positiv geladenen Erdboden, so steigt an den Spitzen von exponierten Objekten (z.B. von Kirchtürmen oder Bäumen) die positive Ladung, bis ein bestimmter Wert überschritten wird. Dann starten von den Spitzen dieser Objekte Fangentladungen, die dem Leitblitz entgegenwachsen (Bild C).

Wo nun der Blitz am Boden einschlägt, hängt von der Fangentladung ab, die als erstes mit dem Leitblitz zusammentrifft. Erst nach diesem Zusammentreffen beginnt die Hauptentladung, die wir optisch als Blitz wahrnehmen. Diese startet übrigens am Einschlagspunkt und pflanzt sich Richtung Wolke fort, also von unten nach oben, was vielen nicht bewusst ist, weil alles rasend schnell geht (Bild D). So wird negative Ladung Richtung Boden geführt und der Ladungsunterschied ausgeglichen.

Und wie entsteht der Donner, der viele Menschen zusammenzucken und erschrecken lässt? Das ist etwas schneller erklärt, als die Entstehung eines Blitzes: Der Blitz erwärmt seine umgebende Luft auf bis zu 30.000 °C, wodurch sie sich blitzartig ausdehnt. Sie überschreitet sogar die Schallgeschwindigkeit und durchbricht mit einem Knall die sogenannte Schallmauer - es donnert! Blitz und Donner finden also quasi zur selben Zeit statt. Das Licht des Blitzes bewegt sich aber rasant mit Lichtgeschwindigkeit (300.000 Kilometer pro Sekunde), während der Klang des Donners sich deutlich "langsamer", nämlich mit Schallgeschwindigkeit (ca. 340 Meter pro Sekunde) fortbewegt. Deshalb sieht man den Blitz meist viel eher, als dass man den Donner hört.

Wenn man die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählt und diese durch drei teilt, erhält man eine ungefähre Kilometerangabe, wie weit das Gewitter noch weg ist. Beträgt der Abstand beispielsweise drei Sekunden, ist das Gewitter ca. einen Kilometer entfernt.

Nach dem turbulenten vergangenen Gewitterwochenende in weiten Teilen Deutschlands werden am heutigen Dienstag hauptsächlich im Nordosten, in den nächsten Tagen wieder verbreiteter, viele Blitze am Himmel zu sehen sein. Es bleibt zu hoffen, dass sie und die begleitenden Starkregenfälle keine allzu großen Schäden mehr anrichten werden...

Unwetternachlese

Datum 30.05.2016

In der Nacht zum heutigen Montag wurden Teile des Südens und der Mitte von heftigen Regenfällen und Gewittern heimgesucht. Das heutige Thema des Tages wirft einen Blick auf die entsprechenden Entwicklungen, die leider vielerorts auch schwere Schäden und heftige Überflutungen hervorgerufen haben.

Auch am gestrigen Sonntag (29.05.) ist es wieder zu extremen Gewittern und Niederschlägen gekommen. Insofern verlangt es die Chronistenpflicht, hier einen kurzen Abriss der Ereignisse des gestrigen Sonntags und der letzten Nacht zu geben.

Schon am Nachmittag hatten sich in einem Bereich vom westlichen Alpenrand bis nach Schwaben einige sehr kräftige Gewitter gebildet, die sich mit einer schwachen südlichen bis südwestlichen Strömung langsam nach Norden verlagerten (in der angehängten Grafik, die den Süden Deutschlands zeigt, oben links zu sehen). Bereits zu diesem Zeitpunkt kam es in einem Streifen von Ulm bis zum Wettersteingebirge zu heftigem Starkregen, am Hohenpeissenberg wurden von 18 bis 19 Uhr (alle Zeiten in MESZ) 53 Liter pro Quadratmeter gemessen.

Im Laufe des Abends bildete sich dann eine regelrechte Gewitterlinie aus, die von der unteren Donau bis in den Norden Baden-Württembergs reichte (in der Grafik oben rechts). Im Bereich dieser Gewitterlinie kam es zu teils extremen Unwettern, die höchste im DWD-Messnetz in einer Stunde registrierte Regenmenge wurde an der Station Hohenthann etwa 70 km nordöstlich von München gemessen. Von 20 bis 21 Uhr MESZ fielen dort 65 Liter auf den Quadratmeter, im benachbarten Landshut-Reithof waren es im gleichen Zeitraum noch 57 Liter.

Da sich zu diesem Zeitpunkt das Zentrum des für die heftigen Gewitter- und Wettererscheinungen verantwortlichen steuernden Tiefs ELVIRA über dem Süden Deutschlands befand, wurde die Gewitterlinie entgegen dem Uhrzeigersinn nach Nordwesten gesteuert (in der Grafik unten die Termine 00 und 03 Uhr). In den Regionen, die sehr nahe am Drehzentrum lagen, ging die Verlagerung der Regenfälle am zögerlichsten von statten (In der Grafik beim Vergleich zwischen dem 21 Uhr und dem 00 Uhr Termin gut erkennbar). Dies ist durchaus ungewöhnlich, denn in der Regel nimmt in einem Tief die Windgeschwindigkeit (vorausgesetzt, man ist nicht zu nahe am Druckzentrum) mit der Nähe zum Zentrum zu.

Wie dem auch sei - der Norden Baden-Württembergs und der Süden Hessens waren am Ende am stärksten von den Unwettern betroffen. An den Stationen Öhringen (Baden-Württemberg) und Birkenau (Hessen) wurden jeweils 78 Liter Regen in den 12 Stunden bis heute Morgen um 6 Uhr gemessen. In Kirchberg-Herboldshausen an der Jagst (Baden-Württemberg) sind im gleichen Zeitraum sogar 93 Liter Regen gefallen. Auch im Messnetz unserer ehrenamtlichen Wetterbeobachter wurden teils extreme Niederschläge registriert. So meldeten die Beobachter an den Stationen Neustadt am Kocher und Gundelsheim, beide bei Pforzheim (Baden-Württemberg) gelegen, 123,8 bzw. 122,1 Liter in 24 Stunden (!), wobei der größte Teil dieser Mengen am Abend und in der Nacht gefallen sein dürfte.

Und wie geht es weiter? Nun, überstanden haben wir die Unwetterlage noch nicht, allerdings ist heute voraussichtlich eher der Norden dran. Vom Emsland bis nach Polen und Tschechien sind wieder Unwettergewitter mit heftigem Starkregen, größerem Hagel und Sturm zu erwarten. Am Dienstag wird es dann im Südwesten und Westen wohl trocken bleiben, bevor am Mittwoch, mit Ausnahme der Küsten, wieder allgemein mit mehr Niederschlägen und auch wieder verbreiteter mit Gewittern zu rechnen ist, wobei das Unwetterpotential im Vergleich zum gestrigen Sonntag nicht mehr ganz so hoch sein sollte.

Eine aufregende Gewitterwoche

Datum 29.05.2016

Mit großen Schritten geht es in Richtung Sommer. Nicht nur die oft sommerlichen Tageshöchsttemperaturen, sondern auch die zunehmende Gewitteraktivität zeigen das deutlich. In dieser Woche konnten täglich teils kräftige Gewitter in Deutschland beobachtet werden.

Bereits am vergangenen Sonntag, den 22.05.2016, bildeten sich in der Westhälfte Deutschlands im Vorfeld einer Kaltfront über Frankreich teils schwere Gewitter - in Verbindung mit einer rotierenden Gewitterzelle ("Superzelle") der Auftakt für eine ereignisreiche Gewitterwoche. In Meißen bei Minden in Nordrhein-Westfalen kam es zu Gewitterfallböen mit Windgeschwindigkeiten von lokal über 150 km/h (detailliert im Thema des Tages vom 25.05.16 unter www.dwd.de/tagesthema).

Am Montag war dann verstärkt der Osten Deutschlands betroffen. Über Sachsen und später auch Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg zog eine Superzelle mit heftigem Starkregen, Sturmböen und Hagel hinweg. In der Region um Bautzen (Sachsen) wurde von einer Hagelschicht bis zu einem halben Meter berichtet. Und auch der Dienstag verlief nicht ohne das Ziehen der roten Karte, also der Ausgabe einer Unwetterwarnung. Dieses Mal traf es den Osten Brandenburgs, wo örtlich schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel auftraten. Eine kleine Verschnaufpause stand am Mittwoch und Donnerstag auf dem Plan. Die beiden Tage verliefen vergleichsweise ruhig, wenngleich die tägliche Portion Gewitter nicht fehlte.

Am Freitag übernahm dann zunehmend Tief ELVIRA mit Kern über dem Ostatlantik respektive Westeuropa das Ruder und steuerte mit einer südwestlichen Strömung warme und feuchte Luftmassen nach Deutschland, die nicht nur für schwül-warmes Wetterempfinden, sondern auch für weitere unwetterartige Gewitterentwicklungen sorgten. Am späten Vormittag bildeten sich bereits über der Eifel erste Schauer- und Gewitterzellen, die im weiteren Verlauf auch einen mittlerweile bestätigten Tornado hervorbrachten, wie Bildern und Videos einiger Social Media Seiten zu entnehmen ist. Aber auch große Hagelansammlungen und Überschwemmungen wie beispielsweise in Wiesbaden waren mit von der Partie. Dort mussten weiße Straßen mit Traktoren von den Hagelmassen befreit werden, Teile der Innenstadt standen unter Wasser. In anderen Teilen der Südwesthälfte zückten die Warnmeteorologen ebenfalls die rote Karte.

Der Samstag gestaltete sich vor allem in Flusstälern zunächst neblig-trüb, sonst zeigte sich in der Frühe auch mal die Sonne. Nach einer morgendlichen Gewitterdepression sprießten ab dem späten Vormittag in der Südhälfte Deutschlands wieder munter Gewitterzellen empor und brachten weitere Hagel- und Wassermassen. Im westlichen Rheinland-Pfalz wurden bei einem Blitzeinschlag 33 Menschen verletzt, darunter befanden sich 29 Kinder. Und aktuell? Zurzeit liegt Deutschland im Bereich einer Tiefdruckrinne, deren Kern den Namen ELVIRA II trägt. Die wärmste und energiereichste Luft verlagert sich dabei zunehmend in die Osthälfte Deutschlands. Dort werden heute bei örtlich schwülwarmen 27 Grad wieder langsam ziehende, unwetterartige Gewitter erwartet. Mit im Gepäck ähnlich wie am gestrigen Samstag sind Starkregen, Hagel und Hagelansammlungen sowie vereinzelt Sturmböen. Die Südwesthälfte bleibt dagegen bei Temperaturen um 22 Grad etwas kühler. Auch hier treten tagsüber wieder Gewitter auf. Interessant wird es in der Nacht zum Montag. Dann kommt es vor allem von der Donau über Thüringen bis zum Mittelrhein zu schauerartig verstärkten und gewittrigen Niederschlägen, die sich voraussichtlich bis in den Unwetterbereich akkumulieren. Lokal muss dabei vor allem anfangs noch mit Hagel gerechnet werden.

Und wie sehen die nächsten Tage aus? Zum Beginn der neuen Woche verlagert sich der Gewitterschwerpunkt hauptsächlich in den Norden und Nordosten Deutschlands. Dort treten dann am morgigen Montag nochmals teils kräftige, unwetterartige Gewitter auf. In der Südwesthälfte fällt dagegen tagsüber teils schauerartiger Regen, nach Südosten hin sind auch noch einzelne Gewitter möglich, insgesamt besteht aber nur noch ein geringes Unwetterpotential. Auch am Dienstag besteht im Nordosten noch Unwetterpotential, von Südwesten her wird es aber zunehmend ruhiger.

Eine Gewitterpotentialabschätzung für den heutigen Sonntag finden Sie als Grafik unter www.dwd.de/tagesthema. Verfolgen Sie die aktuelle Warnlage unter www.wettergefahren.de oder in der Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes und passen Sie auf sich auf.

Precipitable water

Datum 28.05.2016

Welche Bedeutung dieser kompliziert klingende Begriff für die Wettervorhersage und das Warnwesen hat, soll im heutigen Thema des Tages geklärt werden.

Zugegeben, um den Ausdruck "precipitable water" einigermaßen flüssig und fehlerfrei aussprechen zu können, bedarf es schon einer gewissen Übung. Für uns Meteorologen stellen diese zwei Wörter aber eine entscheidende Größe dar, da sie - so auch die deutsche Übersetzung - das ausfällbare Niederschlagswasser in der Atmosphäre beschreiben.

Das ist insbesondere während der konvektiven Saison - also vor allem im Sommer - von großer Bedeutung, da sich damit das Potenzial für Starkregen abschätzen lässt und, wenn nötig, entsprechend quantifizierte Warnungen ausgegeben werden können.

Unter "precipitable water" (ppw) versteht man die in der Atmosphäre enthaltene Menge Wasserdampf in einer Luftsäule, die vom Boden bis zum Oberrand der Troposphäre (in unseren Breiten liegt dieser in ca. 10 km Höhe) reicht. Für die Luftsäule muss man sich am Boden einen Würfel mit einer Kantenlänge von einem Meter vorstellen und diesen 10000-mal übereinanderstapeln. Beträgt das ppw vor Ort 30 mm, so befinden sich in dieser Luftsäule 30 Liter Wasser, die dann, wenn sie vollständig ausregnen und nicht abfließen würden, am Boden (dessen Grundfläche ja 1 m² groß ist) 30 mm hoch stehen. Man kann das ppw daher sowohl in Millimetern als auch in Litern pro Quadratmeter angeben. Aufgrund der Dichte von Wasser ist die Angabe in kg/m² ebenfalls synonym möglich, da ein Liter Wasser ein Kilogramm wiegt.

Bei arktischen Luftmassen im Winter sind die ppw-Werte sehr niedrig, oft liegen sie bei nur 5 mm oder sogar darunter. Dagegen können die Werte bei subtropischer Meeresluft, die im Sommer zu uns vordringt, 40 mm durchaus überschreiten.

Für den heutigen Samstag liegen die ppw-Werte in Deutschland zwischen rund 20 mm in Südschleswig und über 30 mm im Südwesten, wie auch die Grafik auf http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/5/28.html zeigt. Entsprechend hohe Niederschlagsmengen, die dann auch bis in den Unwetterbereich (mehr als 25 mm pro Stunde) reichen können, sind also bei der derzeitigen Wetterlage möglich.

Man muss zusätzlich einkalkulieren, dass bei Gewittern die Niederschlagsmengen noch höher sein können, als rein über das ppw angegeben wird. Zurückzuführen ist das auf die mit Gewittern verbundene bodennahe Konvergenz, bei der feuchte Luft aus der Umgebung zusammenströmt, zum Aufsteigen gezwungen und somit in das Gewitter geführt wird. Zudem muss auch die Zuggeschwindigkeit von Schauer- und Gewitterzellen berücksichtigt werden, da stehende oder sich nur langsam verlagernde Zellen am selben Ort viel mehr Niederschlag bringen als schnell ziehende.

Hohe ppw-Werte müssen nicht unbedingt großen Hagel bedeuten. Im Gegenteil: Je höher das ppw, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Hagel kleinkörnig ausfällt. Das liegt darin begründet, dass zu viel Wasser den Aufwind in Gewittern massiv abschwächt, weil die Schwerkraft nun wegen der erhöhten Masse an Wasser der aufwärtsgerichteten Vertikalbewegung verstärkt entgegenwirkt.

Wolken wie Wellen

Datum 22.05.2016

Per E-Mail erreichte uns die Anfrage nach der Bezeichnung einer Wolkenformation, die nahezu unwirklich am Himmel steht und großen Wasserwellen ähnelt. Die Rede ist von sogenannten Kelvin-Helmholtz-Wellen und diese sollen im heutigen Thema des Tages einmal genauer betrachtet werden.

Wie bereits im Thema des Tages vom 05.05.2016 "Wolken und ihre Bezeichnungen" behandelt wurde, gibt es viele verschiedene Wolkentypen, bei deren Klassifikation das Erscheinungsbild, die Form, Größe und Gestalt der Wolke und die hervorgerufenen optischen Effekte wie Schatten oder Lichtdurchlässigkeit mit einbezogen werden. Die einen kommen häufiger, die anderen etwas seltener vor und einige Wolkentypen sehen spektakulär aus und lösen beim Betrachter regelrechtes Erstaunen aus. Eine bestimmte Wolkenformation ähnelt dabei meist mehreren, nur langsam und in eine bestimmte Richtung brechenden Wasserwellen und wird durch die sogenannte Kelvin-Helmholtz-Instabilität ausgelöst

Diese Wellen sorgten zum Beispiel am Morgen des 11.04.2016 in Digne-les-Bains in der Provence in Frankreich für Aufsehen. Ein Foto finden Sie mit freundlicher Genehmigung eines aufmerksamen Fotografen als Grafik 1 im Anhang an das Thema des Tages unter www.dwd.de/tagesthema. Grafik 2 zeigt ein weiteres eindrucksvolles Beispiel dieser faszinierenden Wellen auf einer Wolkendecke, die von der DWD-Wetterwarte aus unterhalb des 1215 m hohen Fichtelbergs im Erzgebirge in Sachsen an einem Februarmorgen (2014) beobachtet werden konnten.

Der Mechanismus trägt den Namen zweier berühmter Wissenschaftler, die die mathematischen Grundlagen zur Beschreibung dieses Phänomens legten. William Thomson, erster Baron Kelvin, oder besser bekannt als Lord Kelvin forschte als irischer Physiker im 19. Jahrhundert sehr erfolgreich auf den Gebieten der Elektrizitätslehre, der Thermodynamik sowie der Strömungslehre. Hermann von Helmholtz war ein deutscher Physiologe und Physiker, der etwa zur selben Zeit wie Lord Kelvin lebte. Helmholtz ging als einer der vielseitigsten Naturwissenschaftler seiner Zeit in die Geschichte ein und erforschte unter anderem in der sogenannten Hydrodynamik das Verhalten und die Bewegung von Wirbeln in idealen, d. h. reibungsfreien Flüssigkeiten.

Die typische Wellenstruktur entsteht häufig an einer sogenannten Inversionsschicht, die zwei übereinander liegende und charakteristisch unterschiedliche Luftmassen voneinander wie eine unsichtbare Grenze trennt. Normalerweise nimmt die Temperatur in der unteren Atmosphäre (Troposphäre) mit zunehmender Höhe ab. Bei einer Inversion kommt es jedoch in einer mehr oder weniger mächtigen Luftschicht mit zunehmender Höhe zu einem Temperaturanstieg. In der Atmosphäre liegt also eine warme und trockene Schicht über einer kälteren und feuchteren Luft. Weisen beide Luftmassen nun zudem unterschiedliche Geschwindigkeiten oder auch verschiedene Bewegungsrichtungen auf, können sich im Grenzbereich durch geringste Störungen Kelvin-Helmholtz-Wellen bilden. Dabei "reißt" die obere Luftschicht, die in der abgebildeten Skizze in Grafik 4 eine höhere Geschwindigkeit und eine geringe Luftfeuchte aufweist, Teile der feuchteren Luftmasse der sich langsamer bewegenden, unteren Schicht nach oben, wodurch die wellenartigen, rollenden Strukturen gebildet werden.

Allerdings sind solche Wellen nur selten für das menschliche Auge sichtbar. Bei nur geringer Luftfeuchtigkeit treten diese Verwirbelungen beispielsweise für Piloten von Flugzeugen meist überraschend auf. Durch die fehlende Feuchte bringen diese Verwirbelungen keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich und bleiben so dem Betrachter verborgen. Die dabei auftretenden Auf- und Abwinde gleichen jedoch einer wilden Achterbahnfahrt und können Flugzeug und Passagiere gut durchschütteln.

Seit ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert wurden Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten übrigens nahezu im gesamten Universum beobachtet. Sie treten nicht nur als gigantische Wellen am Himmel oder als vom Wind angeregte Wasserwellen auf, auch in den Atmosphären von Jupiter (Stichwort "großes rotes Auge") und Saturn sind sie präsent (siehe Grafik 3, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Saturn_Kelvin_Helmholtz.jpg). Selbst in unserem Erdmagnetfeld und der Sonnenkorona, also der Atmosphäre der Sonne, finden sich die faszinierenden Instabilitäten wieder.

Globale Erwärmung: Rekorde am laufenden Band

Datum 21.05.2016

Der April 2016 war global der wärmste April seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1880. Damit erweitert er die ununterbrochene Reihe rekordwarmer Monate um den zwölften Monat.

Die neulich veröffentlichte Presseinformation der nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) über die globale Temperaturentwicklung ist das erwartete "Sequel": Auch der April 2016 ist hinsichtlich der Lufttemperatur über Land und der Ozeantemperatur auf globaler Ebene der wärmste seiner Art seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahre 1880. Damit konnte der nunmehr zwölfte Monat in Folge einen neuen Rekord aufstellen. Das Temperaturmittel des diesjährigen Aprils war 1,1 Grad höher als das April-Temperaturmittel des 20. Jahrhunderts. Das mag sich für einige nach keiner nennenswerten Abweichung anhören, auf der global-klimatologischen Skala ist dieser Wert allerdings gewaltig. So wurde der bestehende Rekord aus dem Jahre 2010 um 0,28 Grad übertroffen. Typischerweise werden die Rekorde nur um wenige Hundertstel Grad überboten. Die Ursachen für diese bemerkenswerte Entwicklung sind, wie häufig in der Klimaforschung, vielfältig und vielschichtig und oft auch nicht ganz eindeutig definierbar. Dennoch kann man die Rekordjagd im Kontext mit kurz- und langfristigen im Ozean und in der Atmosphäre stattfindenden Prozessen sehen, die das globale Klima wesentlich beeinflussen.

Zu den eher episodisch und relativ kurzfristig klimabeeinflussenden Faktoren zählt das kürzlich stattgefundene El Nino-Phänomen. Dieses führte zum Beispiel zu einer starken Erwärmung des Oberflächenwassers in Teilen des Pazifiks. Dabei wurden die größten Temperaturabweichungen im Dezember 2015 registriert. Ein großer Teil dieser Wärmeenergie wird auch an die darüber liegende Luft, also die Atmosphäre abgegeben. Da es sich dabei um einen länger andauernden Prozess handelt, liegen zwischen dem "Wärmepeak" des Ozeans und der Luft in der Regel einige Monate. Es ist daher kein Zufall, dass gerade die erste Hälfte des Jahres 2016 im "Nachgang" des El Nino-Höhepunkts Ende 2015 besonders große positive Abweichungen hinsichtlich der Lufttemperatur aufweist.

Darüber hinaus lässt sich die aktuelle Entwicklung als konsequente Fortführung der seit der Industrialisierung stattfindenden globalen Klimaerwärmung sehen, die durch ansteigende Treibhausgaskonzentrationen (Kohlenstoffdioxid, Distickstoffmonoxid (Lachgas), Methan) weiter forciert wird.

Zumindest der Einfluss von El Nino wird im Jahresverlauf aber abebben, dennoch scheint das Jahr 2016 nach diesem "furiosen" Start gute Chancen zu haben, nach 2015 wieder ein rekordwarmes zu werden.

Ein bisher vielerorts zu trockener Mai

Datum 20.05.2016

Der Mai fiel bisher in weiten Teilen Deutschlands deutlich zu trocken aus. Vor allem im Nordosten und im Westen gibt es ein großes Niederschlagsdefizit. Überdurchschnittlich viel Regen gab es dagegen im äußersten Süden.

Regen, Regen und nochmal Regen wird so mancher Bewohner Süddeutschlands und dort insbesondere zwischen der Donau und den Alpen dieser Tage sagen. Doch wovon die einen zumindest regional zu viel haben, darauf mussten andere bisher weitgehend verzichten. Denn in weiten Teilen Deutschlands gibt es im bisherigen Mai ein großes Niederschlagsdefizit und dabei befinden wir uns schon im letzten Drittel des Monats.

Regenereignisse gab es in diesem Monat nur an wenigen Tagen. Nach einem wechselhaften Start in den Monat mit meist nur geringen Regenmengen folgte eine durch hohen Luftdruck geprägte Witterung, wodurch jeglicher Niederschlag von uns fern gehalten wurde. Erst mit Annäherung an die Pfingsttage nahm der Tiefdruckeinfluss wieder zu. Allerdings wirkte sich dieser insbesondere im Süden mit länger anhaltendem und sehr ergiebigem Regen aus. Über der Mitte gab es immerhin örtliche Schauer und Gewitter, während es im Norden nahezu trocken blieb.

Besonders niederschlagsarm war der Mai bisher im Nordosten, aber teils auch im Westen Deutschlands. Dort sind gebietsweise noch nicht einmal 10 Prozent der im Mai zu erwartenden Niederschlagsmenge gefallen, wie zum Beispiel in Rostock-Warnemünde und in Düsseldorf. In Trollenhagen in Mecklenburg-Vorpommern gab es bisher sogar keinen einzigen Regentropfen! Aber auch in den anderen Regionen Deutschlands wurden bislang meist nur etwa 15 bis 25 Prozent des vieljährigen Monatsmittels erreicht. Als Beispiel sei die Station Offenbach-Wetterpark genannt, wo mit knapp 15 mm gerade einmal 19 Prozent des zu erwartenden Monatsmittels von 77 mm gefallen sind.

Vor allem dann, wenn der Regen in Form von Schauern oder in Verbindung mit Gewittern fällt, können sich die Niederschlagsmengen von Ort zu Ort extrem unterscheiden. Während beispielsweise am 13. Mai an der Station Frankfurt-Westend 34 mm Niederschlag gemessen wurde, waren es am gleichen Tag am Frankfurter Flughafen knapp 7 mm und im nahegelegenen Mainz sogar nur 5 mm.

Deutlich anders verlief der bisherige Mai dagegen südlich der Donau und insbesondere im Bodenseeraum und vom Chiemgau bis in das Berchtesgadener Land. Durch ein Dauerregenereignis vor Pfingsten ist dort innerhalb weniger Tage überdurchschnittlich viel Regen zusammen gekommen. So fielen beispielsweise an der Station Friedrichshafen am Bodensee am 12. Mai an nur einem Tag über 60 mm Regen, über drei Tage summiert waren es schließlich 96 mm.

Mit der bisher in weiten Teilen Deutschlands schlechten Niederschlagsbilanz gleicht der diesjährige Mai dem Mai 2015. Auch dieser fiel mit Ausnahme des äußersten Nordens und der alpennahen Regionen deutlich zu trocken aus. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied. Im vergangenen Jahr folgte auf einen bezüglich des Niederschlags ausgeglichenen Januar ein relativ trockenes Frühjahr, so dass das Niederschlagsdargebot insgesamt deutlich zu niedrig war. In diesem Jahr waren die Monate Januar und Februar deutschlandweit überdurchschnittlich nass und auch der März und der April brachten in weiten Teilen des Landes ausreichend Regen. Somit ist zumindest in den tieferen Erdschichten, je nach Bodenbeschaffenheit, noch eine gewisse Feuchte vorhanden.

Doch wie sieht nun die Niederschlagsentwicklung der nächsten Tage aus?

Nachdem es am gestrigen Donnerstag erneut vor allem vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald regnete, ist auch heute und am morgigen Samstag in den trockenen Regionen kein nennenswerter Niederschlag zu erwarten. Erst im Laufe des Sonntags greift ein Tiefausläufer mit schauerartigem Regen auf die Westhälfte über und könnte zumindest dort in einigen der niederschlagsarmen Gegenden etwas Linderung bringen. Im sehr trockenen Nordosten und Osten Deutschlands ist aber weiterhin kaum Regen in Sicht, so dass die Waldbrandgefährdung weiterhin hoch bleibt.

Wo kann man jetzt schon baden?

Datum 18.05.2016

Während bei uns in Deutschland die Freiluftsaison noch recht weit entfernt scheint, bieten sich in südlichen Gefilden Europas und in Übersee bereits Möglichkeiten für einen vorsaisonalen Badeurlaub.

Der diesjährige Mai fühlt sich bisher tatsächlich eher "kühl und nass" an, was den Bauern ja sprichwörtlich freut. So liegt der Sommer wettertechnisch und kalendarisch leider noch fern. An Badespaß im Freien ist in heimischen Gefilden also vorerst nicht zu denken, denn bei Wassertemperaturen von 8 °C bis 13 °C an Nord- sowie Ostsee und 10 °C bis 15 °C den deutschen Binnenseen würden sich nur Seehunde im nassen Element wirklich wohlfühlen. Auch die europäischen Atlantikküsten zwischen Brest und Lissabon mit Wassertemperaturen von 13 °C bis 16 °C dürften den meisten Zeitgenossen ebenso noch zu kalt sein wie die rumänischen und bulgarischen Schwarzmeerküsten mit 15 °C bis 17 °C.

Es gibt jedoch Plätze, die sich bereits vor den mitteleuropäischen Sommerferien für einen Badeurlaub eignen. Da fällt einem sofort das Mittelmeer ein, weitere Assoziationen sind Italien, Spanien und damit natürlich Mallorca. An der Adria sind ebenso wie an der Riviera derzeit Meeresoberflächentemperaturen von 17 °C anzutreffen. Die Balearen kann man in den kommenden Tagen bei freundlichem Wetter und Wassertemperaturen von immerhin 18 °C schon als urlaubstauglich klassifizieren, zumal sich auch die Lufttemperatur auf sommerliche 25 °C empor schraubt. Am östlichen und südlichen Mittelmeer ist es sogar noch etwas wärmer. Dort liegen die Wassertemperaturen bei 19 °C am Ägäischen Meer, 21 °C in tunesischen Gewässern, 22 °C an der zypriotischen Küste und 23 °C an den Stränden der Levante (Küstenstreifen von Israel und Libanon).

Ägypten-Fans indes kommen am Roten Meer so richtig auf ihre Kosten. Dort kann man bei schon fast tropischen 27 °C im Wasser bestens schwimmen, schnorcheln und tauchen. Wen das Fernweh noch stärker packt, der ist in der Karibik und Zentralamerika gut aufgehoben, wo die Spanne der Meeresoberflächentemperaturen zwischen 27 °C an Floridas Golfküste und 29 °C an der mittelamerikanischen Landbrücke liegt. Innerhalb der touristisch erschlossenen Welt bietet das Meer um Südindien und den Malediven mit Werten um 31 °C die höchsten Badetemperaturen. Man mag allerdings zweifeln, ob das Baden dort noch eine Erfrischung bietet.

Überhaupt sind die tropischen Meere in der Region zwischen dem nördlichen Indischen Ozean über den Malaiischen Archipel hinweg bis nach Mikronesien mit Oberflächentemperaturen von verbreitet über 30 °C am wärmsten. In der unten angeführten Weltkarte vom Dienstag, den 17. Mai 2016, finden Sie auf ganze °C gerundete Meeresoberflächentemperaturen sowie deren Isothermen. In der Meteorologie und Ozeanografie nutzt man gern die englische Übersetzung des Begriffs, nämlich "Sea Surface Temperature", abgekürzt SST. Sie hat nicht nur touristische Bedeutung sondern ist eine wichtige Größe im Klimasystem der Erde sowie als Eingangsparameter in der computergestützten Wettervorhersage.

Wo verstecken sich die warmen sommerlichen Temperaturen?

Datum 16.05.2016

Noch regieren die Eisheiligen in Mitteleuropa, doch schon bald steigen die Temperaturen wieder. Wer es nicht erwarten kann, sollte sich in den Fliegen setzen und der Sonne sowie den warmen Temperaturen entgegen fliegen! Doch wo haben sie sich versteckt?

Nachdem in der letzten Woche der Frühling mit viel Sonnenschein und teils sommerlichen Temperaturen in Deutschland Einzug hielt, zeigten die Eisheiligen dem Mai über Pfingsten hinweg die kalte Schulter. Einfließende polare Meeresluft sorgte bei kühlen Temperaturen zwischen 6 und 15 Grad für typisches Aprilwetter. Auf den höheren Bergen konnte sogar nochmals der Spätwinter mit Schnee oder Schneeregen zupacken. Doch wo steckt die derzeit die Sonne mit sommerlicher Wärme? Wir begeben uns für Sie auf die Suche!

Das Wetter in Europa zeigt sich derzeit zweigeteilt. Während der Westen und Südwesten von den Britischen Inseln über Frankreich hinweg bis zur Iberischen Halbinsel unter Hochdruckeinfluss liegen, reihen sich vom Nordmeer über Skandinavien und der Ostsee hinweg bis zum Schwarzen Meer Tiefdruckgebiete aneinander. Zudem tummelt sich auch im Golf von Genua ein kleines Tief, dessen Ausläufer sich über Italien und das nördliche Griechenland hinweg ebenfalls bis zum Schwarzen Meer erstrecken.

Neben Deutschland liegen auch weitere mitteleuropäische Staaten, wie die Niederlande, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen sowie die östlichen Teile Frankreichs in der nordwestlichen Strömung, die kühle und feuchte Luft polaren Ursprungs über die Nordsee südwärts transportiert. Entsprechend gedämpft fallen die Höchsttemperaturen in diesen Regionen aus. Verbreitet klettern die Werte lediglich auf 8 bis 15 Grad. Dazu gesellt sich typisches Aprilwetter mit zahlreichen Schauern und auch einzelnen Gewittern. Im Nordweststau der Gebirge kann es auch länger regnen, im höheren Bergland schneien.

Auch in Skandinavien erinnert das Wetter eher an den Vorfrühling als an den Sommer. Vor allem in Norwegen und Schweden liegen die Temperaturen mit Werten zwischen 6 und 15 Grad auf einem moderaten Niveau. In den höheren Bergregionen herrscht noch Dauerfrost. Lediglich in Finnland steigen die Temperaturen auf der Ostflanke von Tief "Zooey" über der Ostsee und somit unter Zustrom milderer Luft aus südlicheren Gefilden auf angenehme 12 bis 18 Grad an. Allerdings überwiegen dabei die Wolken am Himmel. Gleiches trifft auch auf Schweden zu, wo die Wolkendecke nur selten und regional begrenzt größere Lücken bekommt. Ganz anders sieht es am heutigen Montag in Norwegen aus. Zwischen dem Tief "Zooey" und einem Tief vor der Küste Norwegens kann sich kurzzeitig Zwischenhocheinfluss mit viel Sonnenschein durchsetzen.

In Portugal steigen die Temperaturen heute bei wolkigem bis gering bewölktem Himmel auf 20 bis 25 Grad, im südöstlichen Teil des Landes lokal auch bis 27 Grad an. In weiten Teilen Spaniens kann die Sonne sogar vom teils wolkenlosen Himmel nahezu durchgehend scheinen. Lediglich im Nordwesten ziehen zeitweise dichtere Wolkenfelder durch. An der Atlantikküste werden daher auch nur 18 bis 22 Grad erwartet. Sonst heizt die Sonne die Luft verbreitet auf 22 bis 28 Grad auf. Im Süden sind lokal auch hochsommerliche Werte bis 30 Grad möglich.

Ähnlich sonnig wie auf dem spanischen Festland wird es auf den Balearen. Auch dort stören nur wenige Wolken das Himmelsbild. Jedoch macht sich auf den Inseln noch das vergleichsweise kühle Wasser des Mittelmeeres bemerkbar, sodass die Temperaturen meist zwischen 18 und 23 Grad verharren.

Im östlichen Mittelmeer von Sizilien über Griechenland hinweg bis zur Türkei und Zypern können die Temperaturen bei meist strahlendem Sonnenschein jedoch auf teils sommerliche Werte zwischen 22 und 30 Grad, auf Zypern auch bis 32 Grad ansteigen.

Weiter nördlich in Richtung Balkanstaaten sowie Schwarzes Meer sieht es weniger freundlich aus. Dort sorgt der tiefe Luftdruck vielerorts für dichte Wolken, aus denen teils kräftige schauerartige Niederschläge fallen. Temperaturmäßig zeigt sich die Region nicht so einheitlich. Je nach Lage des Tiefs werden höhere oder niedrigere Temperaturen erreicht. Während die Balkanregion auf der Westseite eines Tiefs liegt und somit von Norden her bei Werten zwischen 10 und 20 Grad eher kühlere Luftmassen vorherrschen, steigen die Temperaturen im Umfeld des Schwarzen Meeres in einer südlichen Strömung auf 18 bis 25 Grad an.

Das Wetter in Italien wird derzeit weitgehend von dem Tief im Golf von Genua geprägt. Bei Temperaturen um 21 Grad ziehen wiederholt Wolken durch, die gebietsweise schauerartigen Regen bringen. Die größten Chancen auf längeren Sonnenschein gibt es wohl auf Sardinien sowie an Teilen der Westküste.

Viel mehr Sonne wird jedoch auch nicht auf den verwöhnten Kanaren erwartet. Auf der Südflanke des Azorenhochs wird feuchte und wolkenreiche Luft herangeführt, die die Temperaturen neben dem noch kühlen Atlantikwasser weiter dämpft. Mit 20 bis 25 Grad liegen die Temperaturen aber noch im angenehmen Bereich.

Auch in den nächsten Tagen ändert sich bei der Sonnenverteilung nur wenig. Vor allem Nord-, Mittel- und Nordwesteuropa müssen weiter mit vielen Wolken vorlieb nehmen. Auch in Deutschland ist Hochdruckeinfluss mit Sonne pur nicht in Sicht. Regional jedoch kann sich die Sonne durchaus auch länger blicken lassen. Aber zumindest die Temperaturen sollen wieder auf normales Mainiveau steigen. Sonnenreich zeigt sich aber weiter der Mittelmeerraum. Auch in Italien und der Balkanregion sollen die Sonnenanteile weiter steigen, sodass schließlich von der Iberischen Halbinsel bis ins östliche Mittelmeer die Sonnenanbeter die besten Chancen haben. Allerdings können in der zweiten Wochenhälfte über Italien und der Balkanregion sowie später auch über Griechenland schauerartig verstärkte, teils auch gewittrige Niederschläge hinwegziehen.

Wer also die Sonne und sommerliche Temperaturen liebt und dem derzeit wechselhaften Wetter in Deutschland entfliehen möchte, findet vor allem auf der Iberischen Halbinsel sowie auch in weiten Teilen des östlichen Mittelmeerraumes gute Möglichkeiten um die Glückshormone sprießen zu lassen.

Auf die Felder fertig los: Es ist Erdbeerzeit!

Datum 15.05.2016

Erdbeeren, eine schmackhafte und kalorienarme Versuchung von Mai bis August! Endlich ist es wieder soweit. Die heimischen roten Früchte belagern zunehmend die Verkaufsstände.

Am vergangenen Donnerstag, den 12. Mai 2016 wurde in Hessen offiziell die diesjährige Erdbeersaison eröffnet. Los ging es dieses Mal in Hofheim am Taunus, wo die hessische Landwirtschaftsministerin die ersten roten schmackhaften Beeren pflückte. Einen Tag später, am Freitag, den 13. Mai folgte dann Niedersachsen mit dem Startschuss. Allgemein beginnt die Erdbeeren Saison etwa Mitte Mai und dauert nachfolgend etwa bis Anfang August an. Während die roten schmackhaften Beeren im Winter als Importgut hauptsächlich aus Israel, Marokko, Ägypten aber auch Kenia und natürlich auch aus Spanien nach Deutschland kommen, mischen sich ab April zunehmend einheimische Früchte unter die Verkaufsware. Diese ersten deutschen Erdbeeren werden jedoch unter Glas oder Folie angebaut. Laut Deutscher Presse Agentur ist der Anbau der Erdbeeren zwar nur ein Nischengeschäft, wird aber zunehmend beliebter. Dies zeigt auch die Anbaufläche in Hessen, die im Jahre 2015 um mehr als 800 Hektar zunahm, Tendenz steigend. Die meisten Freilanderdbeeren stammten 2015 aus Niedersachsen (43.500 Tonnen), Nordrhein-Westfalen (31.400 Tonnen) und Baden-Württemberg (28.900 Tonnen). Doch was macht die Erdbeeren so beliebt? Wir begeben uns auf die Spur.

Erdbeeren sind mehrjährige krautige Pflanzen, die meist weiße Blüten tragen und rasch nach dem Ende der kalten Jahreszeit erscheinen. Dabei gehören die Erdbeeren jedoch aus botanischer Sicht nicht zu den Beeren, sondern zu den Sammelfrüchten. Die Erdbeerpflanze selber ist allerdings in der Familie der Rosengewächse einzuordnen. Als Nahrungsmittel wird bei der Erdbeere lediglich der fleischige Blütenboden verwendet. Schon seit der Steinzeit spielt diese Sammelfrucht eine bedeutende Rolle in der menschlichen Nahrungskette. So verfügt die Erdbeere über zahlreiche wichtige und gesunde Inhaltstoffe. Neben einem hohen Gehalt an Ballaststoffen (Pektine und Zellulose) enthalten Erdbeeren Vitamine sowie Karotin und sind reich an Magnesium, Calcium und Kalium. Die Entwicklung der Erdbeerpflanze und deren Fruchtbildung stehen im direkten Zusammenhang mit dem Wetter. Damit die Pflanze den Winter übersteht, muss sie noch an den letzten warmen Tagen im Spätsommer bzw. Frühherbst gepflanzt werden. Dabei muss man wissen, dass in der Zeit vom Pflanzen bis zum ersten Frost die Blütenanlage für die Ernte im Folgejahr gebildet wird. Je kürzer diese Zeit ist, desto weniger Ertrag hat man im nächsten Jahr (vgl. www.erdbeeren.de). Auch das Wachstum der Pflanze im Frühjahr ist eng mit den klimatischen Verhältnissen verbunden. Nach einem milden Winter können die Pflanzen schon frühzeitig Blüten bilden und somit Früchte ansetzen. Damit die Früchte schließlich gut reifen und ihren süßlich fruchtigen Geschmack annehmen können, muss neben milden Temperaturen im Frühjahr auch die Sonne ausgiebig scheinen sowie der Wasserhaushalt stimmen. Man sollte die Erdbeeren aber erst pflücken, wenn sie eine schöne rötliche Farbe aufweisen. Denn unreif gepflückt, reifen die Beeren nicht mehr nach.

Pünktlich zum Saisonstart grüßte am vergangenen Donnerstag und Freitag noch vielerorts die Sonne vom meist nur leicht bewölkten Himmel. Dabei stiegen die Temperaturen vor allem nördlich von Mosel und Main auf Werte über 20 Grad an. Jedoch läuteten schon am Freitagnachmittag teils kräftige Gewitter den Wetterumschwung ein. Nach eine frühsommerlichen Periode, setzt sich nun vorübergehend nochmals der April in Deutschland fest. Der kühle wechselhafte Witterungsabschnitt wird das Wachstum aber nur kurzzeitig dämpfen, denn schon im Verlauf der kommenden Woche steigen die Temperaturen wieder auf typisches Mainiveau an. Lassen Sie sich also die süße und erfrischende Versuchung schmecken. Es können dann auch gerne ein paar mehr Erdbeeren sein, denn Erdbeeren gehören zu den Leichtgewichten unter den Früchten. Sie bestehen zu 90% aus Wasser, sodass 100 Gramm nur etwa 30 Kilokalorien haben. Lassen Sie es sich also schmecken!

Polarluft mit Heiligenschein

Datum 14.05.2016

Zu Pfingsten kommen die Eisheiligen vorbei und bringen kühles und windiges Schauerwetter. Nachts kann es sogar für Bodenfrost reichen.

Frühlingshaft schön waren die letzten Tage, allen voran das verlängerte Himmelfahrtswochenende - "Prachtwetter" mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad luden zum Genießen nach Draußen ein. Viele sind diesem Ruf nur allzu gerne gefolgt, einem Besuch in der Eisdiele natürlich inklusive.

Da kommen die Eisheiligen wie Spielverderber daher, auch wenn sie trotz recht warmen Beginns doch noch pünktlich zur Stelle sind. Die zunehmende Erwärmung im Frühjahr erfolgt nicht kontinuierlich und wird immer wieder durch Kaltlufteinbrüche aus polaren Regionen unterbrochen. Die Eisheiligen gehören zu den sogenannten meteorologischen Singularitäten und stellen Witterungsregelfälle dar, die zu bestimmten Zeiten im Jahr gehäuft auftreten. Bonifatius (am 14. Mai) und die kalte Sophie (am 15. Mai) zeigen dieses Jahr ihr "kaltes Gesicht". Mit einer kräftigen nördlichen bis nordwestlichen Strömung gelangt zwischen Tiefdruckgebieten über Nord- und Osteuropa und hohem Luftdruck bei Island kalte Polarluft nach Deutschland.

Das schlägt sich natürlich in den Temperaturen nieder, so fallen die Höchstwerte im Vergleich zu den Vortagen deutlich geringer aus. Heute werden noch zwischen 12 Grad im Emsland und 17 Grad in Ost- und Süddeutschland erreicht. Auch über die Pfingstfeiertage kommt die Temperatur nicht mehr über 9 bis 14, im Bergland 7 Grad hinaus, sodass das T-Shirt wieder getrost durch den Pullover ersetzt werden kann.

Ein in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief bringt am heutigen Samstag vor allem dem Norden und Nordwesten Schauer, auch kurze Gewitter sind möglich. Im Süden Bayerns und Baden-Württembergs lässt der teils anhaltende Regen nur zögerlich nach und geht am Nachmittag in teils kräftige Schauer und Gewitter über, die lokal recht unterschiedliche Regenmengen bringen. Dabei sind bisher in einem 48-stündigen Zeitraum 40 bis 60, in Staulagen der Alpen bis zu 90 Liter pro Quadratmeter gefallen. Sonst kann sich gebietsweise, vor allem südlich der Mittelgebirge zwischen den Wolken auch mal die Sonne zeigen. Allerdings weht ein zeitweise stark böiger Nordwestwind, im Nordseeumfeld und auf den Bergen kann es stürmische Böen geben.

Auch am Pfingstsonntag und -montag geht es unbeständig weiter mit wiederholt auftretenden Schauern, im Norden sind einzelne Gewitter mit Graupel möglich. Dabei kann es, wie an den Küsten und im Bergland stürmisch werden. Im höheren Bergland fällt auch wieder Schnee. Aber immerhin zeigen sich zwischen den dichten Wolken auch mal sonnige Lücken.

In den Nächten liegen die Tiefstwerte meist zwischen 7 und 1 Grad, je nach Bewölkung und Wind. In windgeschützten Lagen und bei längerem Aufklaren kann es für Frost in Bodennähe reichen, was den Erdbeerbauern wohl einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Im höheren Bergland tritt vereinzelt auch Luftfrost auf.

Im Laufe der nächsten Woche wird es mit Höchstwerten zwischen 15 und 20 Grad zögerlich wieder etwas wärmer. Allerdings bleibt es weiterhin unbeständig.

Ist der Mai kühl und nass,...

Datum 13.05.2016

...füllt's dem Bauern Scheun' und Fass. So lautet eine bekannte Bauernregel für die Witterung im Monat Mai. Was derzeit in Teilen Süddeutschlands vom Himmel fällt, ist allerdings zu viel des Guten. Dort gelten markante Wetterwarnungen sowie Unwetterwarnungen vor ergiebigem Dauerregen.

Seit dem gestrigen Donnerstag (12. Mai) liegt Süddeutschland im Einflussbereich des Tiefdruckgebietes YEKATERINA, das sich derzeit über dem südöstlichen Mitteleuropa befindet und im Tagesverlauf nordwärts in Richtung Polen zieht. In diesem Zusammenhang kommt es in den mittleren und südlichen Teilen Baden-Württembergs und Bayerns zu ergiebigen Regenfällen, die in einem Streifen zwischen Südschwarzwald und Berchtesgadener Land Unwettercharakter aufweisen.

Beispielsweise fielen innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute früh 06:00 Uhr UTC in der Gemeinde Deggenhausertal (Bodenseekreis, 559 m Höhe) 78,3 mm Niederschlag, in Fürstenzell (Kreis Passau, 358 m Höhe) waren es 78,1 mm und in Malsburg-Marzell (Kreis Lörrach, 755 m Höhe) 76,5 mm. Übrigens, wenn man einen Liter Wasser auf einer Fläche von einem Quadratmeter ausschüttet, hat die Flüssigkeitssäule die Höhe von einem Millimeter, daher gilt 1 L/m² = 1 mm.

Tiefdruckentwicklungen werden über dem Bergland intensiviert, da die bewegten Luftmassen neben der ohnehin vorhandenen Vertikalbewegung zusätzlich zum Aufsteigen gezwungen werden, was die Wolken- und Niederschlagsbildung noch verstärkt. Da wundert es niemanden, dass im selben Zeitraum auf dem ostschweizerischen Säntis (Appenzeller Alpen, 2502 m Höhe) 161,9 mm Niederschlag beobachtet wurden.

Eine Karte Süddeutschlands sowie Teilen Österreichs und der Schweiz mit den auf ganze Millimeter gerundeten, in vierundzwanzig Stunden bis heute früh 06:00 Uhr UTC registrierten Niederschlagsmengen finden Sie unten. Da die Dauerregen-Wetterlage noch bis Samstag, z.T. bis Sonntag fortdauert, dürfte noch einiges an Regen dazu kommen.

Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass in Deutschland zu Pfingsten kühles Schauerwetter erwartet wird. Insofern ist die oben zitierte Bauernregel als Trost aufzufassen.

In der Sahara

Datum 12.05.2016

Extremtemperaturen treten auf der Erde stets in meeresfernen, wetterberuhigten Arealen auf. Dazu zählen auch die Wüsten, die man vor allem im Bereich der subtropischen Hochdruckgürtel in geografischen Breiten um 25 Grad Nord und Süd findet. Dort sind in diesen Tagen Temperaturmaxima um 45 °C keine Seltenheit.

In unseren mittleren geografischen Breiten ist das Klima advektiv geprägt, d.h. es herrschen in der Regel großräumige horizontale Luftbewegungen vor. Folglich hängt auch der Verlauf der Temperatur an einem Ort bei uns zum großen Teil vom Wärmeinhalt der herangeführten Luftmassen ab. Lediglich bei Hochdruckwetterlagen mit geringen Luftdruckgegensätzen in Mitteleuropa spielt der lokale Strahlungshaushalt, und damit die Energiebilanz vor Ort, im Tagesgang der Lufttemperatur die entscheidende Rolle.

Während sich insbesondere Meeresluftmassen, die mit Tiefausläufern zu uns gelangen, mäßigend auf das Temperaturregime auswirken, treten die Extremtemperaturen auf der Erde stets in meeresfernen, wetterberuhigten Arealen auf. Dazu zählen auch die Wüsten, die man vor allem im Bereich der subtropischen Hochdruckgürtel in geografischen Breiten um 25 Grad Nord und Süd findet. Von diesen "Wendekreiswüsten" ist die Sahara im Norden Afrikas mit einer Fläche von 9 Millionen Quadratkilometern bei weitem die größte.

Entgegen landläufigen Klischees von Dünen und Kamelen ist die Sahara größtenteils eine Stein- oder Felswüste (arabisch: Hammada) bzw. eine Kies- oder Geröllwüste (berberisch: Serir). Die bekanntere Sandwüste (arabisch: Erg) macht nur etwa 20% der Gesamtfläche aus. Wie auch immer, am Tage herrscht dort bei hoch stehender Sonne vorwiegend wolkenarmes Wetter, daher ist bei geringem Pflanzenbewuchs die am Boden empfangene (kurzwellige) Strahlung gewaltig. Auch die nächtliche (langwellige) Ausstrahlung ist bei meist klarem Himmel beträchtlich. Dennoch verbleibt insgesamt ein positiver Strahlungssaldo, dessen Betrag etwa doppelt so hoch wie in Mitteleuropa ist.

Wo bleibt nun diese Energie? Verdunstung findet in der Wüste infolge Wassermangels nicht statt. Der Boden besteht aus Sand, Kies, Geröll oder Fels - allesamt Materialien mit sehr schlechter Wärmeleitung - kann also die Energie kaum aufnehmen. Nur durch die Erhöhung der Lufttemperatur kann der Energieüberschuss abgeführt werden.

Dementsprechend sind in diesen Maitagen in der Sahara Tageshöchsttemperaturen um 45 °C keine Seltenheit, wobei es unmittelbar am Boden noch viel heißer ist. Als Beispiel sei die Station IN GUEZZAM im Süden Algeriens unmittelbar an der Grenze zu Niger (19°34' N, 05°46' E, 401 m Höhe) an der "Route Transsaharienne" (von Algier nach Lagos) genannt. Nach Frühtemperaturen von ca. 30 °C am 11. Mai erreicht das Quecksilber rasch die 40-°C-Marke, steigt dann langsamer, erreicht den Höchstwert von 46,2 °C, um bis zum Morgen erst gemächlich, nach Sonnenuntergang umso schneller abzusinken.

Ein Meteogramm der Station IN GUEZZAM vom 8. bis 11. Mai 2016, also eine Darstellung meteorologischer Größen an einem bestimmten Ort in Abhängigkeit von der Zeit, finden Sie unten. Man beachte besonders die fette rote Linie des Temperaturverlaufes. Interessant ist außerdem die dünne violette Linie darunter, die den Verlauf des Taupunktes charakterisiert. Die Luft ist so trocken, sass die Taupunkttemperatur schließlich im Bereich des Gefrierpunktes liegt. Übrigens war IN GUEZZAM am gestrigen Mittwoch mit seinen 46,2 °C der heißeste Ort der Welt. Das ist überdurchschnittlich, liegt doch die mittlere Tageshöchsttemperatur im Mai bei 41,0 °C.

Ungewöhnlich frühe Waldbrände in Kanada

Datum 11.05.2016

Der Mai steht in Teilen Kanadas zurzeit ganz im Zeichen gewaltiger und teils verheerender Waldbrände. Betroffen ist besonders eine Region rund um die Stadt Fort McMurray in der Provinz Alberta. Die Naturkatastrophe ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich.

Gerade der von borealen Nadelwäldern geprägte Norden Albertas ist anfällig für Waldbrände. Sehr warme, trockene und windige Bedingungen begünstigen das Entfachen und schnelle Ausbreiten größerer Waldbrände im Wesentlichen aber erst während der Sommermonate. Insofern sind die aktuell lodernden Flammen schon rein vom "Timing" her ungewöhnlich. Verantwortlich dafür waren einerseits eine für Anfang Mai untypische Wetterlage und andererseits die besonderen Witterungsverhältnisse der vergangenen Monate. Ein für den Frühling ungewöhnlich weit nach Norden verschobenes Tiefdruckgebiet führte mit kräftigen südwestlichen Winden heiße und trockene Luftmassen bis in den Norden Albertas (siehe Skizze auf http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/5/11.html). Die Hitzewelle brach zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt über die Region herein, als der Schnee des Winters gerade abgetaut war, sich das Ergrünen der Vegetation aber noch nicht vollzogen hat. Aufgrund des warmen, aber vor allem sehr schnee- und niederschlagsarmen Winters und Frühlings (es wurde zwischen Dezember und April teils weniger als 50% der sonst üblichen Niederschlagsmenge registriert) fiel dieses üblicherweise sehr schmale Zeitfenster viel größer aus.

Die für die Ausbreitung der Feuer geradezu optimalen Bedingungen (Temperaturen über 30 Grad, eine relative Luftfeuchtigkeit unter 10 % und Windböen über 70 km/h) sorgten dafür, dass sich die Waldbrände schnell und völlig unkontrollierbar auf eine Fläche von etwa 2000 Quadratkilometern ausdehnen konnten. Das entspricht mehr als der doppelten Fläche Berlins. Ganz besonders betroffen war eine Region rund um die 60.000-Einwohner-Stadt Fort McMurray. Es ist das erste Mal, dass auf dem nordamerikanischen Kontinent eine vergleichbar große Siedlung fernab größerer Ballungsräume von Waldbränden eingeschlossen und in Folge dessen vollständig evakuiert werden musste. Letzte Meldungen gehen von zwei Todesopfern und rund 2400 zerstörten Gebäuden aus. Damit bewahrheiteten sich wenigstens die schlimmsten Befürchtungen nicht vollends.

So ungewöhnlich die Waldbrände in Kanada zu dieser Zeit auch sind, zumindest im global-klimatologischen Kontext scheinen sie kein reines Zufallsprodukt zu sein. Sowohl das El Niño-Ereignis des vergangenen Jahres, als auch die längerfristige globale Klimaveränderung könnten dabei die Finger im Spiel haben. So tendiert beispielsweise El Niño dazu, Kanada sehr warme Winter zu bescheren. Im vergangenen Winter erstreckte sich eine deutliche positive Anomalie der Temperatur sogar vom Nordwestpazifik bis nach Alaska. Diese eher episodisch auftretende Variation der Wetterverhältnisse wird von der ungleich langfristigeren und nachhaltigen starken Erwärmung der hohen Breiten im Zuge des globalen Klimawandels überlagert. Letztere könnte die Ursache dafür sein, dass in den letzten Jahren ein immer zügigeres Abtauen der Schneedecke im Frühjahr beobachtet werden konnte.

Es gibt natürlich noch weitaus mehr Faktoren, die das häufigere und frühere Auftreten der Waldbrände begünstigen können. Insbesondere Veränderungen des Landschaftsbildes, beispielsweise durch Modifikation des Waldbestands (Anpflanzen von Monokulturen, Schäden durch frühere Waldbrände), sind erwähnenswert.

In Alberta sorgte eine Kaltfront Anfang dieser Woche für eine deutliche Abkühlung. Feuchteres und wolkenreicheres Wetter ermöglichte eine Eindämmung der Brände und damit eine leichte Entspannung der Gesamtsituation. Angesichts des nahenden Sommers und der immer noch teils unkontrollierten Brandherde ist allerdings zu befürchten, dass die Flammen noch längere Zeit in der Region lodern werden.

Hof oder Halo - unterschiedliche Lichterscheinungen am Himmel

Datum 10.05.2016

Ob während einer Vollmondnacht mit einer dünnen Wolkendecke oder am Tage bei Sonnenschein und Federwolken am Himmel - immer wieder sind um die Himmelskörper Lichterscheinungen auszumachen, die sich bei genauer Betrachtung unterscheiden. Was genau hat es damit auf sich?

Besonders während der kalten Jahreszeit kann man im Fernsehen oft alte oder neu verfilmte Märchenfilme genießen. Als Kind freute man sich über die spannenden Erzählungen und Erwachsene lassen sich dabei gerne in ihre Kindheit zurückversetzen. Neben den abenteuerlichen Erlebnissen kommen dabei immer wieder Szenen vor, in denen die Heldin oder der Held durch die Nacht reiten, laufen oder irren. Häufig erzeugt dabei die Kombination aus zahlreichen dünnen Wolken oder etwas Nebel und einem hell durch die Wolken scheinenden Vollmond eine mystische Stimmung, wenn der Mond, eingebettet in einer matten Lichtscheibe, am Himmel steht. Aber es gibt auch tagsüber zeitweise Lichterscheinungen, die die Sonne als ein Ring umgeben und mal mehr mal weniger strahlend am Himmel stehen.

Beide Lichterscheinungen haben unterschiedliche Namen und sind als "Hof" und "Halo" bekannt. Es handelt sich dabei um optische Phänomene in der Atmosphäre, hervorgerufen durch Licht, das von der Sonne und dem Mond aus durch Wolken hindurch den Beobachter erreicht. Doch kritischen Beobachtern fallen sicherlich Unterschiede auf, die auf eine jeweils andere physikalische Entstehungsweise zurückzuführen sind. Wenden wir uns zunächst dem Halo zu, der im Thema des Tages vom 04.09.2015 bereits näher beschrieben wurde.

Ein Halo ist ein Lichtring, der durch sehr hohe Wolken hervorgerufen wird, die sich zwischen Mond oder Sonne und dem Beobachter befinden. Wir sprechen dabei von Cirruswolken (im Deutschen bekannt als "Federwolken"), die in 6 bis 12 km Höhe über dem Beobachter vorüberziehen. In dieser Höhe sind hauptsächlich Eiskristalle vorhanden, deren Spektrum von Säulen- bis hin zu Plättchenkristallen reicht. Einfallendes Licht wird in diesen Kristallen gebrochen und reflektiert, wobei die Ausrichtung des Kristalls und der Einfallswinkel des Lichts bestimmen, wie oft das Licht reflektiert oder gebrochen wird und mit welchen Farben es wieder aus dem Kristall austritt. Diese Lichtringe sind meist relativ scharf abgegrenzt und bilden einen deutlich sichtbaren Ring um den Himmelskörper. Ein Halo weist zum inneren Rand hin Farben auf, während er nach außen hin weiß erscheint. Beim Blick in Richtung Sonne sollte natürlich auf einen entsprechenden Augenschutz geachtet werden.

Die weiter oben angesprochene Lichterscheinung in den Märchen hat jedoch einen anderen physikalischen Entstehungsgrund und ist als "Korona" bekannt. Sie ist häufig um einen Mond zu beobachten. Zwar erscheint eine Korona auch um die Sonne, doch strahlt die Sonne so hell, dass die Korona nicht mehr zu erkennen ist. Eine Korona entsteht, wenn dünne Wolken zum Beispiel vor den Mond ziehen. Diese Wolken sind mit einer Höhe von 3 bis 6 km deutlich tiefer gelegen als die zuvor angesprochenen Federwolken und bestehen somit hauptsächlich aus unterkühlten Wassertröpfchen. Der physikalische Unterschied ist der, dass in diesem Fall der Lichtstrahl gebeugt und nicht gebrochen wird. Wenn die Tröpfchen relativ gleich groß sind, erscheint die Korona entsprechend kreisrund und wirkt bei einem unterschiedlichen Tröpfchenspektrum eher "verwaschen". Die Korona ist unschärfer und deutlich ausgedehnter, wobei das Weiß innen und zum Beispiel die rötliche Farbe außen zu sehen sind.

Immer wieder ist auch die Bezeichnung "Hof" für Korona zu hören. Dabei wird ihr nachgesagt, dass bei ihrem Auftreten zeitnah mit schlechtem Wetter gerechnet werden muss. Das mag für einen Wolkenaufzug einer nahenden Front stimmen, doch kann eine Korona auch bei stabilen Lagen auftreten. Es muss nur gewährleistet sein, dass der Mond oder die Sonne durch die Wolkendecke scheinen können. Von daher bedeutet ein Mondhof nicht zwingend schlechtes Wetter.

Ob mystisch oder optisch schön, Halo und Hof erlauben doch einem interessierten Beobachter Rückschlüsse auf die Art der Wolken zu ziehen (ob eher aus Eiskristallen oder Wassertröpfchen bestehend und somit in welchem Wolkenstockwerk diese zu finden sind) und das selbst in der tiefsten Nacht.

Das Wetter und der Rasen

Datum 09.05.2016

Unter welchen Wetterbedingungen der heimische Rasen wirklich am besten wächst, erfahren Sie im Folgenden.

In der heutigen Zeit ist die Rasenpflege zu einer richtigen Wissenschaft geworden. Sämtliche Sportvereine, die auf das satte Grün als Spielfläche angewiesen sind (Golf, Fußball, Tennis, Football, etc.), haben - sofern sie es sich leisten können - Platzwarte oder neudeutsch: "Greenkeeper" angestellt. Sie sind verantwortlich für die fachgerechte Instandhaltung und Bewirtschaftung der Anlage. Das Aufgabenspektrum umfasst dabei unter anderem die essentiellen Arbeitsschritte des Mähens, Vertikutierens (Anritzen der Grasnarbe), Aerifizierens (Belüftung des Bodens), Düngens und des Nachsäens. Nicht selten entflammt sich aber auch der Nachbarschaftsstreit zwischen "Häuslebesitzern" und Hobbygärtnern am möglichst perfekten Zustand des heimischen Rasens. Mancherorts tobt hierbei sogar ein wahrer Wettstreit, der sich über die Art der Blumen, die Hecke bis zum Unkraut in der Einfahrt.

Die drei Grundbedürfnisse eines üppigen Grüns, die von der Atmosphäre beliefert werden, lauten wie folgt:

- Wasser:

Wasser stellt bekanntlich eine der Grundlagen des Lebens auf der Erde dar. Insbesondere in den Sommermonaten beträgt die potentielle Verdunstung je nach Pflanzen- und Bodenart nicht selten über 5 Liter pro Quadratmeter pro Tag. Ein Wasserbedarf um 30 Liter pro Quadratmeter pro Woche ist daher bei längeren Trockenperioden in den Sommermonaten keine Seltenheit. Das Bewässern sollten Sie im Idealfall in den frühen Morgenstunden durchführen. Das Wasser gelangt bei ausreichender Bewässerungsdauer (circa 30 Minuten) tief in den Boden und wird so länger gespeichert. Das Wurzelwerk wird dabei auch angeregt sich tiefgründig zu verzweigen, wodurch die Gräser robust genug werden, um eine längere Trockenperiode auch ohne tägliches Wässern zu überstehen. Gießt man tagsüber, verdunsten die Wassertropfen direkt auf den Halmen nicht nur schnell wieder, sondern wirken aufgrund der Brechung und Fokussierung des Lichts wie ein Brennglas. In den Abendstunden hingegen besteht die erhöhte Gefahr der Pilzbildung und des Schädlingsbefalls über Nacht, da die Feuchtigkeit auf den Pflanzenteilen nicht mehr vollends abtrocknet.

- Wärme:

Entscheidend für das Pflanzenwachstum sind weniger die Luft- als viel mehr die Bodentemperaturen - blendet man Schäden durch Luftfrost einmal aus. Die Bodentemperatur kann dabei je nach Bodenart, Wassergehalt, Relief, Bewuchs, Erdwärme usw. erheblich von der Lufttemperatur abweichen. Trockene Sandböden weisen aufgrund ihres hohen Luftanteils (geringe Wärmekapazität) beispielsweise einen großen Tagesgang in ihrer oberflächennahen Temperatur auf. Während sie sich tagsüber bei Einstrahlung schnell aufheizen, kühlen sie nachts rasch aus. Lehmige Böden mit einem hohen Wasseranteil (große Wärmekapazität) dagegen erwärmen sich zwar langsam, haben aber die Eigenschaft die Wärme dann besser speichern zu können und kühlen entsprechend langsam aus. Zumindest bei bewölkten Verhältnissen stimmt die vorherrschende Luft- mit der Bodentemperatur in 5 cm Tiefe ungefähr überein. Laut einer Studie der North Carolina State University beträgt die optimale Bodentemperatur für das Wurzelwachstum 10 bis 18°C, für das optimale Sprosswachstum 15 bis 24°C. Damit ergibt sich ein Überlappungsbereich von einer Temperaturspanne zwischen 15 und 18°C, bei der der Rasen sowohl unter- als auch oberirdisch am besten gedeiht. Das betrifft hierzulande klassischerweise den Zeitraum beginnend etwa Mitte April bis Mitte Oktober, wobei aber in milden Jahren selbst in den Wintermonaten Wachstum vorzufinden ist. Fällt die Temperatur unter 0,5°C oder übersteigt sie 25°C, dann unterbleibt das Wurzelwachstum komplett. Beim Sprosswachstum sind die kritischen Werte 5°C beim Minimum und 32°C beim Maximum. Daher sollten sie während länger andauernden Hitzeperioden im Hochsommer mit dem Mähen vorsichtiger sein und die Schnitthöhe ruhig etwas größer belassen.

Die aktuellen Temperaturen in einer Tiefe von 5 cm liegen zwischen 14 Grad im höheren Bergland und 19 Grad entlang des Rheins, also ziemlich flächendeckend im "optimalen" Wachstumsbereich (siehe aktuelle Tagesgrafik im Anhang). Weitere Informationen zum Gartenwetter mit einer Vorhersage der Rasenschnittbedingungen, des Bienenflugs, der Frostgefahr und vielem mehr finden Sie für Ihre Region unter:

http://www.dwd.de/DE/fachnutzer/freizeitgaertner/_node.html

- Licht:

Licht ist ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor. Immerhin stellt es für Pflanzen - neben der Verfügbarkeit von Wasser - den wichtigsten Ökofaktor dar, weil es die Energie für die Photosynthese liefert. Dabei stellt der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll unter Einbezug von Wasser aus dem Boden und Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Luft Energiepolster in Form von Stärke und Zucker her, die dann für das Wachstum zur Verfügung stehen. Zur "dunklen Jahreszeit" wird dadurch - insbesondere bei bedecktem Himmel - das Wachstum trotz milder Temperaturen deutlich gehemmt.

Unter den beschriebenen Gesichtspunkten verwundert es daher nicht, dass viele Firmen, die sich auf die Produktion von Rollrasen spezialisiert haben und von denen beispielsweise auch einige Fußball-Bundesligisten ihre Spielflächen beziehen, in den Niederlanden ansässig sind. Das kombinierte, ideale "Rasenwachstumswetter" mit einem Wechsel aus Sonne und Regenschauern bei Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad ist am häufigsten in den maritim beeinflussten Klimata Westeuropas zu finden. Aber auch in Deutschland haben sich landesweit zahlreiche Unternehmen etabliert, die das satte Grün bei Bedarf auch im privaten Garten verlegen. Unabhängig ob es nun warm oder kalt, nass oder trocken, hell oder dunkel ist; eine alte Weisheit eint alle passionierten Landschaftsgärtner: "Solange der Rasen wächst, sollten Sie ihn auch mähen."

Schönes langes Wochenende mit Sommertagen an der See

Datum 08.05.2016

Das lange Wochenende war das bisher wärmste des Jahres. An der See gab es bereits Anfang Mai die ersten Sommertage.

So erträumt sich fast jeder ein langes freies Wochenende: Sonne pur und warme Temperaturen. Dass das eigentliche Wochenende dann auch das wärmste des bisherigen Jahres wird, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Nach einer ersten frühlingshaften Periode Anfang April, bei der es am 05. im Südosten und Osten örtlich sogar einen Sommertag gab, blieb es bis Anfang Mai größtenteils bei eher gedämpften Temperaturen. Aus Sicht der Höchstwerte war deutschlandweit der 03.April der wärmste Tag des Aprils. Der Mai begann mit normalen Höchstwerten von 15 Grad und nach einem ziemlich milden zweiten Mai ging es erstmal wieder bergab. An Himmelfahrt stiegen die Höchstwerte um 4 Grad gegenüber Mittwoch, am Freitag schossen die Maxima erneut um 4 Grad nach oben und mit durchschnittlich 22,5 Grad war schließlich auch der 03. April überboten. Am gestrigen Samstag gab es noch einen kleinen Zuschlag und wir erreichten durchschnittliche Maxima von 23,6 Grad.

Was ist dabei Anfang Mai so erwähnenswert? Sicher nicht der gestern aufgestellte Jahresrekord für 2016 in Kleve am Niederrhein mit 27,8 Grad, denn für Rekorde müssten schon Temperaturen von mehr als 33 Grad gemessen werden. Vielmehr sind es die Sommertage an der Nord- und Ostseeküste, die äußerst ungewöhnlich sind und teils sogar Tagesrekorde darstellen. In Sankt Peter-Ording war es mit 25,7 Grad so warm wie noch nie an einem 08. Mai, auch z.B. auf Norderney und in Kirchdorf an der Ostsee wurden Werte über 25 Grad gemessen, die definitionsgemäß einen Sommertag bedeuten. Wie kommt das? Die Luft selbst wird von der Sonne kaum erwärmt, sondern auf dem Umweg über die Erdoberfläche, die sich durch den Sonnenschein aufwärmt und die Wärme an die Luft abgibt. An der See stellt sich tagsüber an windschwachen Tagen eine Land-Seewind Zirkulation ein. Dann kommt die Luft vom kühlen Wasser, das zurzeit etwa 12 Grad warm ist. Was im Sommer eine angenehme Kühlung bedeutet, verhindert im Frühjahr höhere Temperaturen an der Küste. So erklären sich die typischen Frühjahrsvorhersagetexte: "Höchstwerte um 25, an der See bei auflandigem Wind nur 17 Grad."

Kommt der Wind aber so stark vom Land, dass er die Land-Seewindzirkulation unterdrückt, dann ist es auch an der Küste ähnlich warm wie auf dem Festland. Hoch Peter über dem Baltikum sorgte die letzten Tage für einen kräftigen Ost- bzw. Südostwind, so dass die normale Land-Seewindzirkulation nicht entstehen konnte. Alle Messstationen an der Küste, die "Landwind" hatten, maßen über-, die dem Seewind zugewandten unter 20 Grad. Das geht dort prinzipiell auch die nächsten Tage so weiter, das Temperaturniveau geht allerdings etwas zurück.*

Mini-mini-Sonnenfinsternis: Der Merkurtransit am 09.Mai 2016

Datum 07.05.2016

Am Montag findet ein Merkurtransit statt, ein seltenes astronomisches Ereignis.

Der Mai 2016 hält für alle Sternfreunde und Astronomen einen besonderen himmlischen Höhepunkt parat. Im Mittelpunkt steht ein Himmelskörper, der ansonsten meist unauffällig seine Bahn am irdischen Himmel zieht und den viele Menschen in Mitteleuropa vielleicht noch nie bewusst mit eigenen Augen gesehen haben: der Planet Merkur. Merkur ist der sonnennächste Planet unseres Sonnensystems. Dies bedeutet, dass er wie auch der Planet Venus die Sonne innerhalb der Erdbahn umkreist. Von der Erde aus betrachtet steht Merkur deshalb auch immer in unmittelbarer Nähe zur Sonne, deren helles Licht ihn am Himmel meist überstrahlt. Nur im Frühjahr abends (wie jetzt zuletzt im April 2016) und im Herbst morgens bieten sich in Deutschland zuweilen günstige Chancen, den Planeten einiger Maßen leicht in der Dämmerung knapp über dem Horizont zu beobachten. Da Merkur sich also wie beschrieben innerhalb der Erdbahn bewegt, kommt es alle 116 Tage zu der Situation, das sich der Planet zwischen Erde und Sonne hindurch bewegt. Wenn Sonne, Merkur und Erde dann in dieser Reihung auf einer Linie stehen, spricht man von einer sogenannten "unteren Konjunktion" des Merkur. Und ähnlich wie beim Mond, der - wenn er sich zwischen Sonne und Erde schiebt - manchmal die Sonne von der Erde aus betrachtet ganz oder teilweise verdeckt (Sonnenfinsternis), kann auch der Merkur dann von der Erde aus betrachtet einen Teil der Sonne "verfinstern". Freilich ist der Merkur viel weiter von der Erde entfernt als der Mond, so dass er nur einen winzigen Bruchteil der Sonnenscheibe bedecken kann, nämlich nur ganze 0,004 Prozent. Deswegen spricht man in diesem Fall auch nicht von einer Sonnenfinsternis, sondern von einem "Merkurdurchgang vor der Sonnenscheibe" oder kürzer von einem "Merkurtransit". Wegen der Ekliptik kommt es nicht alle 116 Tage, sondern in 100 Jahren nur zu 13 oder 14 Merkurtransits, dieses Ereignis ist also weitaus seltener als eine "normale" Sonnenfinsternis. Die beiden letzten von Deutschland aus in voller Länge sichtbaren Merkurdurchgänge vor der Sonnenscheibe gab es am 10.November 1973 und am 07.Mai 2003 (also fast auf den Tag genau vor 13 Jahren) zu sehen. Jetzt am 09.Mai 2016 kann man also wieder von Mitteleuropa und von (fast ganz) Deutschland aus dieses Ereignis in voller Länge beobachten. Los geht es am kommenden Montag um 13:12 Uhr MESZ (die genauen Zeiten variieren in Deutschland um ein paar Sekunden, je nach Beobachtungsort), wenn der Rand des sichtbaren Merkurscheibchens erstmals die Sonnenscheibe an ihrem östlichen Rand berührt. Gut drei Minuten später ist Merkur komplett vor die Sonne getreten, man nennt dies auch den "2.Kontakt". Ab jetzt braucht Merkur mehr als 7 Stunden Zeit, um bis zum westlichen Rand der Sonnenscheibe zu laufen. Den geringsten Abstand zur Mitte der Sonnenscheibe erreicht gegen 16:56 Uhr MESZ ("3.Kontakt"). Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne etwa in der Mitte Deutschlands noch rund 35 Grad hoch über dem südwestlichen Horizont. Dann wird es etwas "eng": Merkur berührt erstmal wieder den Rand der Sonne ("4.Kontakt") gegen 20:37 Uhr MESZ. Im Südosten Bayerns, Sachsens und Brandenburgs ist dies gegen oder kurz nach Sonnenuntergang der Fall. Wieder rund 3 Minuten später gegen 20 Uhr 40 und 30 Sekunden hat Merkur dann die Sonnenscheibe endgültig wieder verlassen ("5.Kontakt"). Um dies zu beobachten braucht man dann auch in allen anderen Regionen Deutschlands einen flachen und von Sichthindernissen freien Westhorizont zu Sonnenuntergang. Achtung: Die Beobachtung dieses Ereignisses gestaltet sich durchaus nicht ganz einfach. Nicht nur, dass man natürlich erst einmal gutes Wetter mit einem möglichst wolkenfreien Himmel braucht, (das ist nordöstlich einer Linie Emsland - Harz für den gesamten Zeitraum sehr wahrscheinlich), man benötigt nämlich auch noch ein optisches Hilfsmittel hierzu. Denn Merkur ist schlicht - wie erwähnt - zu klein, um mit bloßem Auge vor der Sonnenscheibe zum Beispiel mit Hilfe einer Sonnenfinsternisbrille gesehen werden zu können. Man braucht also ein Fernglas oder ein Teleskop mit speziellen Schutzfiltern bzw. mit der Möglichkeit durch diese hindurch ein Abbild der Sonne auf einen weißen Karton zu projizieren. Unser Rat: Experimentieren Sie auf keinen Fall herum mit irgendwelchen "Hausmitteln" zur Dämpfung des grellen Sonnenlichtes wie CD's, rußgeschwärzten Scheiben oder ähnlichem. Sie riskieren schwere Augenschäden bis hin zur dauerhaften Erblindung! Am besten und sichersten beobachtet man dieses Ereignis in einer der zahlreichen öffentlichen Sternwarten unseres Landes, die an diesem Tag und für dieses Schauspiel ihre Türen öffnen und zur sicheren, gemeinsamen Beobachtung einladen. Der nächste Merkurtransit findet bereits am 10.November 2019 statt, er wird zumindest teilweise von Deutschland aus sichtbar sein. Danach muss man sich bis zum 13.November 2032 bis zum nächsten Merkurtransit gedulden.

Es werde Licht...

Datum 06.05.2016

Strahlendes Wetter dominiert das kommende Wochenende, und mit Strahlung beschäftigt sich auch das heutige Thema des Tages.

Wer gestern an "Christi Himmelfahrt", auch Vater- Männer- oder Herrentag genannt, eine Runde an der frischen Luft gedreht hat, konnte (endlich) wieder vermehrt Leute mit Sonnenbrillen beobachten. Und in Biergärten sowie an Stränden war auch zurecht häufig Sonnencreme im Einsatz.

Natürlich kann man besagte Brillen und Cremes unter dem Begriff "Sonnenschutz" zusammenfassen. Das blendet aber aus, dass sie vor zwei unterschiedlichen physikalischen Größen des Sonnenlichts schützen. Die Cremes sollen vor Sonnenbrand und in der Folge vor möglichem Hautkrebs schützen. Die dafür verantwortliche UV-Strahlung ist sehr energiereich, mithin schützt die Sonnencreme vor der Strahlungsenergie. Die Sonnenbrille dagegen reduziert den auf das Auge treffenden Lichtstrom (wenn auch viele Sonnenbrillen heute zusätzlich schon einen UV-Schutz haben). Salopp gesprochen reduziert sie also durch Streuung oder Absorption die "Zahl" der Strahlen, die das Auge erreichen. Dies ist umso wichtiger, als bei den aktuell fast wolkenlosen Bedingungen der Lichtstrom ununterbrochen recht stark ist und Erholungsphasen für das Auge fehlen.

Technisch betrachtet gelingt es im heutigen Zeitalter der Laser ziemlich gut, solche Bedingungen eines konstanten Lichtstroms zu erzeugen. Früher war dies durchaus schwierig. Im 19ten Jahrhundert verwendete man zumeist Kerzen, deren Lichtstärke (an der Kerze selbst) und deren abgestrahlter Lichtstrom möglichst geringen Schwankungen unterworfen waren. Die recht konstante Sonnenstrahlung konnte und kann, wegen der nicht gegebenen Reproduzierbarkeit und der vielfältigen Veränderung des Lichtstroms in der Atmosphäre, nicht als Referenzgröße verwendet werden.

Obwohl man aktuell durchaus auf die Idee kommen könnte, dass genau dies in den kommenden Tagen möglich sein müsste. Mit anderen Worten: Auch am bevorstehenden Wochenende scheint die Sonne fast ungehindert, es bleiben also zunächst die sonnigen Witterungsbedingungen erhalten ...

Wolken und ihre Bezeichnungen

Datum 05.05.2016

Häufig kommen Worte wie Cirrus oder Stratocumulus beim Thema Wetter zur Sprache. Diese Begriffe geben Wolkentypen an. Aber wonach klassifiziert man Wolken und was bedeutet das?

Zunächst soll erklärt werden, was eine Wolke ist bzw. wie sie entsteht. Wolken sind eine sichtbare Anhäufung von Wasserdampf, die aus feinsten Wassertröpfchen oder Eiskristallen bestehen. Wolken entstehen, wenn der in der Atmosphäre enthaltene Wasserdampf an sogenannten Kondensationskernen bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100% kondensiert und Wassertröpfchen bzw. durch Gefrieren Eiskristalle bildet. Als Kondensationskerne bzw. -keime dienen beispielsweise Salzpartikel oder Staub. Je nach genauem Entstehungsprozess der Wolke und somit auch der Zusammensetzung der Wolkenpartikel entstehen die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der Wolken.

Die erste Wolkenklassifikation wurde von dem englischen Pharmazeuten und Hobbymeteorologen Luke Howard im Jahre 1803 erstellt. Er teilte die Wolken in Anlehnung an die Biologie in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten ein. Seine Einteilung ist heute noch in der verbesserten Klassifikation der WMO (World Meteorological Organization) als internationale Klassifikation gebräuchlich und soll im Folgenden kurz erläutert werden.

Grundsätzlich werden bei der Wolkenklassifikation das Erscheinungsbild, die Form, Größe und Gestalt der Wolke und die hervorgerufenen optischen Effekte wie Schatten oder Lichtdurchlässigkeit mit einbezogen. Daraus ergeben sich 4 Wolkenfamilien, 10 Wolkengattungen, 14 Wolkenarten, 9 Wolkenunterarten und 9 Sonderformen und Begleitwolken. Die jeweiligen Bezeichnungen sind auf www.dwd.de/tagesthema zu finden.

Die Wolkenfamilien lassen sich durch die Wolkenhöhe ("Stockwerke"; die angegebenen Werte gelten für die mittleren Breiten) festlegen: - tiefe Wolken in einer Höhe von 0 bis 2 km, - mittelhohe Wolken in einer Höhe von 2 bis 7 km und - hohe Wolken in einer Höhe 5 bis 13 km. Wolken, die eine große vertikale Erstreckung besitzen und sich somit über alle "Stockwerke" erstrecken, stellen die vierte Wolkenfamilie dar.

Die Gattungen teilen in der Regel die Familien in zwei Formen auf: haufenförmige Wolken (Cumulus) und schichtförmige Wolken (Stratus). Die hohen Wolken besitzen eine weitere Gattung, die sogenannten Schleierwolken (Cirrus), die vollständig aus Eiskristallen bestehen und Kondensstreifen ähneln. Im tiefen "Stockwerk" existiert noch eine Mischform aus Stratus und Cumulus (Stratocumulus), die prinzipiell wie eine schichtförmige Wolke ausschaut, in der aber noch markante Strukturen zu erkennen sind. Ist die Familie und Gattung der Wolke bekannt, ergibt sich der Name bzw. die Bezeichnung der Wolke. Für die tiefen Wolken gibt die Gattung den Namen vor. Bei hohen Wolken kommt ein "Cirro-" vor die Gattungsbezeichnung, bei mittelhohen ein "Alto-" und bei vertikal mächtigen Wolken ein "Nimbo-".

Die Wolkenart wird durch die Gestalt der Wolke bestimmt. So erhält beispielsweise eine linsenförmige Wolke den Beinamen lenticularis oder eine hakenförmige Wolke den Beinamen uncinus. Die Unterarten klassifizieren die Wolken dann noch genauer, z. B. erhält eine Wolke, die die Sonne besonders gut durchscheinen lässt, die Unterart translucidus.

Am Ende soll noch ein Beispiel zur Veranschaulichung angeführt werden. Die im Volksmund unter Schönwetterwolken bekannten Cumulus sind tiefe Wolken. Diese können Sie in den kommenden Tagen vor allem nachmittags beobachten. Je nach genauer Erscheinungsform erhalten sie den Beinamen (Wolkenart): - humilis: horizontale Erstreckung ist höher als die vertikale, also breiter als hoch - mediocris: mittelgroß - congestus: vertikale Erstreckung ist höher als die horizontale, also höher als breit

Beispielbilder aller Wolkenbezeichnungen lassen sich im internationalen Wolkenatlas einsehen. Die deutsche Fassung ist unter "Wolkenatlas" im Wetterlexikon unter www.dwd.de/lexikon verfügbar.

Forensische Meteorologie Teil 2 - "Wetterdetektive" in Aktion

Datum 04.05.2016

Von Versicherungsfällen bis hin zu Mordanklagen - hauptsächlich bei gerichtlichen Auseinandersetzungen beschreibt und analysiert die forensische Meteorologie wichtige Wetterfaktoren, die unter Umständen zur Klärung eines Rechtsstreits oder zur Aufklärung eines Sachverhaltes führen können.

Bereits im vorangegangenen Teil des Thema des Tages "Forensische Meteorologie Teil 1 - Eine weitere spannende Seite der Meteorologie" haben Sie einen ersten Einblick in die forensische Meteorologie gewinnen können. Heute schauen wir uns die Wetterdetektive einmal in Aktion an.

Nach Informationen des Kommissariats für Tötungsdelikte der Mainzer Kriminalpolizei wird bei Straftaten, die im Freien stattfinden, in der Regel ein Gutachten über die Wettersituation zur Tatzeit eingeholt, selbst wenn dieses auf den ersten Blick nicht sehr relevant erscheint. Die Erfahrung zeigt, dass der Ermittlungsverlauf überraschende Wege gehen kann. Aber auch in der Gerichtsmedizin nutzen beispielsweise Madenexperten den Verlauf der Witterung und dabei speziell der Temperatur zur Bestimmung des Stadiums der auf und in der Leiche befindlichen Maden.

Selbst auf das Verhalten von Menschen kann man mithilfe von Wetterdaten schließen. Im Jahr 2013 musste sich ein 38-jähriger Pizzabote wegen Mordes an einer 86 Jahre alten Dame aus Mainz vor dem Landgericht verantworten. Ins Visier der Ermittler geriet dabei der zeitweise als Pizzabote arbeitende Obdachlose, da seine DNA am Tatort festgestellt werden konnte. Zur Überprüfung seines Alibis sollte anhand von Wetterdaten ein Bewegungsprofil des Verdächtigen erstellt werden. Ließ die Wetterlage eine Übernachtung im Freien zu oder zog sich der Mann in den Ermittlern bekannte Unterkünfte zurück? Die finale Überführung des Täters geschah allerdings nicht nur aufgrund der Wetterdaten. Eine Überwachungskamera in der Nähe der Wohnung des Opfers hielt den Täter um die Tatzeit fest.

In einem Mordprozess in den USA beispielsweise wurde ein Mann beschuldigt, die eigene Ehefrau ermordet zu haben. Seiner Aussage nach handelte es sich bei dem Täter jedoch um einen Einbrecher. Wetterdetektive eines beauftragten Unternehmens konnten allerdings nachweisen, dass die Wiese in der Umgebung des Hauses zum Tatzeitpunkt durch Tau sehr nass gewesen ist. Entsprechend hätte ein Einbrecher Fußabdrücke in der Wohnung hinterlassen müssen, die am Tatort jedoch nicht festgestellt werden konnten. Die Einbrecher-Theorie wurde somit widerlegt, was den Kreis der Verdächtigen entscheidend einschränkte.

Ein Beispiel aus der Versicherungsbranche: Im April 2011 trafen im Südosten der USA kalte und trockene Luftmassen aus Kanada auf warme und feuchte Luftmassen aus dem Golf von Mexiko und zusammen mit starken Höhenwinden bildeten sich heftige Gewitterlinien mit kräftigen Sturmböen und Superzellen mit teils langlebigen Tornados. In sieben US-Staaten forderten die Unwetter 348 Menschenleben und sorgten mit Schäden in Milliardenhöhe für eine der opferträchtigsten und teuersten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA. Bis heute dreht es sich aus versicherungstechnischer Sicht bei bestimmten lokalen Schäden noch um Fragen nach der Ursache. Wurden diese durch Fallwinde eines Gewitters oder durch rotierende Winde eines Tornados verursacht. Denn nicht jede Versicherung deckt zwangsläufig beide Schadensursachen ab. Mittels Augenzeugenaussagen, Beobachtungsdaten sowie Aufnahmen von Wetter- und Dopplerradarsystemen versuchen forensische Meteorologen dabei die zeitliche Abfolge, die Andauer sowie die Stärke und Natur des Wetterevents festzustellen.

Das Wetter an Himmelfahrt und am verlängerten Wochenende

Datum 03.05.2016

Unternehmungen draußen an der frischen Luft steht in der zweiten Wochenhälfte zumindest wettertechnisch nichts im Wege. Wir können uns auf überwiegend freundliches, teils sonniges und frühlingshaft warmes Wetter freuen.

Die aktuelle Arbeitswoche ist für viele von uns eine kürzere, denn der Donnerstag ist ein Feiertag, namens "Christi Himmelfahrt". Neben der christlichen Bedeutung hat sich dieser Tag in Deutschland zum Vater-, Männer- bzw. Herrentag entwickelt. Entsprechend der Jahreszeit werden zu diesem Anlass viele Freiluftaktivitäten geplant, sei es als reine Männerausflüge oder als Ausflüge mit der ganzen Familie. Mit einem freigenommenen Brückentag, dem Freitag, lässt sich auch ein verlängertes Wochenende planen. Aber wie sehen dazu die Wetteraussichten aus? Kurze und bündige Antwort: "Gut bis sehr gut!"

Bereits nach Durchzug der Luftmassengrenze am heutigen Dienstag, die allerdings vor allem an den Alpen noch bis in den Mittwoch hinein verweilt und dort in Hochlagen oberhalb von 1000 bis 1200 Metern nochmals für Schnee und darunter teils für anhaltenden Regen sorgt, streckt sich ein Keil des Azorenhochs zunehmend nach Mitteleuropa. Am Mittwoch wird daraus ein abgeschlossenes Hochdruckgebiet namens "Peter" mit Schwerpunkt direkt über Deutschland und sorgt für zunehmende Wetterbesserung.

Am Donnerstag, dem Himmelfahrtstag, lösen sich lokale Frühnebelfelder im Süden recht rasch auf und wie bereits in den übrigen Regionen startet der Tag gering bewölkt oder sonnig. Die Frühtemperaturen sind mit niedrigen einstelligen Werten aber insgesamt noch eher frisch. Besonders über den östlichen Mittelgebirgen sowie im Alpenraum bilden sich im Tagesverlauf einige Quellwolken, das Schauerrisiko ist aber auch dort sehr gering. Sonst können vor allem nach Norden hin zeitweise dünne, harmlose Wolkenfelder durchziehen, insgesamt überwiegt jedoch der Sonnenschein. Die Temperaturen steigen im östlichen Mittelgebirgsraum sowie an der Ostseeküste bei auflandigem Wind nur auf 14 Grad, auf den Inseln bleibt es teils noch etwas kühler. Sonst werden 16 bis 21 Grad erreicht, wobei die höchsten Werte entlang des Rheins, vor allem auch am Niederrhein erwartet werden können.

Am Freitag sowie am Wochenende verlagert sich Hoch "Peter" mit seinem Schwerpunkt zunehmend zur Ostsee bzw. ins Baltikum, so dass eine Tiefdruckzone über Westeuropa etwas näher rücken kann. Dabei fließt dann vor allem in den Südwesten Deutschlands etwas feuchtere Luft ein, in der sich im Tagesverlauf häufiger Quellbewölkung bildet. Nachmittags und abends ist dann auch der ein oder andere Schauer, vereinzelt auch ein Gewitter möglich. In den anderen Landesteilen hält das freundliche, häufig auch sonnige und trockene Wetter an. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 Grad auf den Inseln, um 20 Grad im Nordosten sowie im Bergland und bis 25 Grad an Rhein, Main und Neckar. Insbesondere im Bereich von Mittel- und Niederrhein kann am Wochenende vielleicht die 25 Grad-Marke stellenweise leicht überschritten werden. Allerdings dämpft der meist aus östlichen Richtungen kommende und teils böig auffrischende Wind die gefühlte Temperatur etwas.

Unternehmungen an frischer Luft nebst viel Sonnenschein steht also zumindest wettertechnisch bis zum Sonntag nichts im Wege!

Deutschlandwetter im April 2016

Datum 02.05.2016

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im April 2016* 1. Platz Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen) 10,0 °C Abweich. +0,1 Grad 2. Platz Frankfurt am Main-Westend (Hessen) 9,9 °C Abweich. 0,0 Grad 3. Platz Mannheim (Baden-Württemberg) 9,8 °C Abweich. -0,1 Grad

Besonders kalte Orte im April 2016* 1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 3,8 °C Abweich. +0,3 Grad 2. Platz Carlsfeld (Sachsen) 4,1 °C Abweich. +0,8 Grad 3. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 4,3 °C Abweich. +1,1 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im April 2016** 1. Platz Baiersbronn-Ruhestein (Baden-Württemberg) 230,7 l/m² 155 Prozent 2. Platz Sankt Blasien-Menzenschwand (Baden-Württemberg) 211,9 l/m² 169 Prozent 3. Platz Simonswald-Obersimonswald (Baden-Württemberg) 205,9 l/m² 181 Prozent

Besonders trockene Orte im April 2016** 1. Platz Halberstadt (Sachsen-Anhalt) 7,7 l/m² 18 Prozent 2. Platz Hecklingen-Groß Börnecke (Sachsen-Anhalt) 8,6 l/m² 21 Prozent 3. Platz Groß Lukow (Mecklenburg-Vorpommern) 10,5 l/m² 26 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im April 2016** 1. Platz Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern) 206 Stunden 102 Prozent 2. Platz Grambow-Schwennenz (Mecklenburg-Vorpommern) 197 Stunden 110 Prozent 3. Platz Rostock-Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) 196 Stunden 113 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im April 2016** 1. Platz Elzach-Fisnacht (Baden-Württemberg) 106 Stunden 83 Prozent 2. Platz Albstadt-Badkap (Baden-Württemberg) 113 Stunden 73 Prozent 3. Platz Perl-Nennig (Saarland) 114 Stunden 73 Prozent

Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Nasser Start in den Mai - Tief VIOLA bringt viel Regen im Südwesten

Datum 01.05.2016

Nach dem kühlen und wechselhaften Aprilwetter der vergangenen Tage hat im Südwesten kräftiger Dauerregen eingesetzt. Wie kam es zu dieser Wetterkonstellation?

Das Wetter sowie die dazugehörige Berichterstattung der letzten Tage ist uns noch in guter Erinnerung. Bei einem raschen Wechsel aus dunklen Quellwolken und kurzen sonnigen Abschnitten entwickelten sich vor allem in der zweiten Tageshälfte vielerorts teils kräftige Regen-, Schnee- oder Graupelschauer. Auch kurze Gewitter traten örtlich auf. Grund war die hochreichende Zufuhr polarer Kaltluft, die zudem auch vielfach Nachtfröste produziert hat. Dieser Kaltluftkörper ist derzeit rudimentär noch im äußersten Westen Deutschlands vorzufinden. So wurde am gestrigen Samstag exemplarisch in Aachen (Nordrhein-Westfalen) bei bedecktem Himmel und zeitweiligem leichten Regen lediglich eine Höchsttemperatur von 7,5 Grad erreicht. Unterdessen konnte sich vor allem im Süden und Osten des Landes die ursprüngliche Luftmasse fernab ihres Entstehungsgebietes zunehmend erwärmen, so dass zur gleichen Zeit beispielsweise in Schwandorf nördlich von Regensburg (Bayern) mit einer Höchsttemperatur von 21,5 Grad erstmals seit dem 22.04.2016 wieder die 20 Grad-Marke geknackt wurde. Anhand dieser Vorgeschichte wird das Potenzial erhöhter Wetteraktivität im Bereich der Temperaturgegensätze schon deutlich.

Da sich nun in höheren Luftschichten eine südliche Strömung einstellte, entstand auf der Alpennordseite infolge des Überströmens der Alpen als natürliche Barriere ein sogenanntes "Leetief", das auf den Namen VIOLA getauft wurde. Mit Drehbewegung entgegen dem Uhrzeigersinn bewirkt dieses nun eine bodennahe nördliche Strömung an der Westflanke, sprich genau über Südwestdeutschland. Hier trifft der bodennahe Nordwind auf einen Südwind in höheren Luftschichten. Da kalte Luftmassen eine höhere Dichte als warme aufweisen und damit schwerer sind, schieben sie sich keilartig unter die darüber liegende Warmluft. Diese gegenläufige Luftbewegung bodennaher kalter Luftmassen gegenüber wärmeren in höheren Luftschichten bezeichnet man in der Meteorologie als "Aufgleiten" mit der häufigen Folge länger anhaltender, kräftiger Niederschläge. Klassisches Beispiel derartiger Aufgleitniederschläge stellen sogenannte Vb (sprich: Fünf B) - Wetterlagen dar (siehe Thema des Tages vom 26.02.2016).

Unter dem Strich fielen dabei innerhalb der vergangenen 12 Stunden zwischen Saarland und Schwarzwald verbreitet 20-30 Liter pro Quadratmeter, in Staulagen des Nordschwarzwaldes punktuell sogar bis 35 l/m² (siehe Grafik im Anhang). Inzwischen hat sich das Tief VIOLA südostwärts auf die Alpensüdseite verlagert. So verwundert es nicht, dass sich der Schwerpunkt der Regenfälle in den nächsten Stunden innerhalb Deutschlands zunehmend auf den Alpenrand konzentrieren wird, wobei mengenmäßig ähnliche Größenordnungen wie im Südwesten zu erwarten sind.

Angesichts der aktuell normal bis nur leicht erhöhten Flusspegel im Süden und Südwesten ist als Folge der Regenfälle zumindest keine große Hochwassergefahr zu erwarten. Die ohnehin unausgeglichene Monatsniederschlagsbilanz im April zwischen verhältnismäßig trockenem Nordosten und im Vergleich zum klimatologischen Mittel zu nassem Südwesten hat das Ereignis aber nochmals befeuert.

Copyright DWD

 

 

 

 

 

 



 

copyright wetter-aalen.de     email: kontakt _at_ wetter-aalen.de     Impressum