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20.02.2018

18:33

Temperatur -4,6 °C
Luftfeuchte 93 %
Taupunkt -5,6 °C
Luftdruck 1013,3 hPa
Windrichtung 15 °
N-NO
Windstärke 14,1 km/h
Windböen 17,7 km/h
Wind 10m Ø 10,0 km/h
Windchill -11,9 °C
Regen/Tag 0,0 l/m²

 


Aktuelle Wetterdaten

Wetterstation Aalbäumle 707 m über Normalnull
Dienstag, 20. Februar 2018 18:33
Temperatur
-4,6 °C
Luftdruck
1013,3 hPa
Wind
15 °
Luftfeuchtigkeit
93 %
Tendenz
+1,1 hPa/6hup down
Windstärke
14,1 km/h
Taupunkt
-5,6 °C
Regen / 1/h
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Windböe
17,7 km/h
Windchill
-11,9 °C
Regen / Tag
0,0 l/m²
Wind 10 Min Ø
10,0 km/h
Vorhersage - veränderlich -

Telefonabruf Wetterstation 0160-3282349

Aktuelle Wettervorhersage
Kamerasteuerung vorläufig defekt !

Wind u. Thermikprognose 20.2.18

Bodenwind:
Aus variablen Richtungen mit 1 bis 4 KT. Tagsüber stellt sich oftmals ein Wind aus Nordwest bis Nordost ein. Dabei 3 bis 6 KT. Am Abend wird der Wind in Südbayern wieder variabel.

Höhenwind:
2000FT | 260/05KT M03C | 080/05KT M03C | 3000FT | 250/05KT M06C | 090/05KT M06C | 5000FT | 230/05KT M11C | 180/05KT M10C |

Thermik:
keine

Das Wetter in Aalen 20.2.18
In Aalen ist es wolkenreich. Die Höchstwerte betragen 0 Grad, die Tiefsttemperaturen der kommenden Nacht -5 Grad. Der Wind säuselt leicht aus Nord.

Wetterlage und -entwicklung:
Im Bereich geringer Luftdruckgegensätze bleibt eine feuchtkalte Grundschicht wetterbestimmend. Ein Trog über Norditalien tropft im Tagesverlauf als Höhentief ab. Er lenkt bereits in der Früh feuchte Luft in größeren Höhen von Osten nach Süddeutschland.

Alpenwetter:
Wetterseite des
Deutschen Alpenvereins


Skigebiete: Schwäbische Alb Ostalbskilift
Schneehöhen:Allgäu

 

Verbrüderung

Datum 19.02.2018

In der kommenden Woche bildet sich über Skandinavien eine ausgeprägte Hochdruckzone aus. Wie es dazu kommt und was dies für unser Wetter bedeutet, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.

Nachdem am Wochenende in Teilen des Südens ja nochmal etwas (teils auch etwas mehr) Schnee gefallen ist, steht uns in der kommenden Woche und bis ins nächste Wochenende hinein eine trockenere Witterungsperiode ins Haus.

Der Grund dafür? Ist die Verbrüderung gleich dreier Hochdruckgebiete, die in der heutigen "Wetterkarte" (vgl. beigefügte Abbildung mit den Linien gleichen Luftdrucks) noch deutlich getrennt sind. Es handelt sich dabei um die Hochdruckgebiete FRITZ (über Skandinavien), ENRIC (über Osteuropa) und ein Hoch über dem Atlantik, das voraussichtlich auf den Namen GERD getauft werden wird.

Im Laufe des heutigen Montags, insbesondere aber des morgigen Dienstags, bewegt sich FRITZ allmählich nach Süden, so dass er Kontakt mit ENRIC aufnehmen kann. Da FRITZ das insgesamt kräftigere Hoch ist, wird ENRIC von ihm "geschluckt". Am morgigen Dienstagmittag sind von ENRIC voraussichtlich nur noch kleinere Reste im Bereich der nördlichen Ukraine und Weißrusslands zu finden. Zu diesem Zeitpunkt sind sich auch FRITZ und (der mutmaßliche) GERD näher gekommen. GERD soll morgen Mittag westlich von Irland liegen und mit FRITZ über eine Hochdruckbrücke, also eine Zone relativ hohen Luftdrucks zwischen zwei Hochdruckgebieten, verbunden sein.

Am Mittwoch ist die Verbrüderung der drei dann abgeschlossen. Das Resultat ist eine großräumige Hochdruckzone, die sich von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien erstreckt Da wir auf ihrer Südflanke liegen, wird mit einer nordöstlichen Strömung trockene Festlandskaltluft zu uns geführt. Und damit ist auch schon viel über den Wettercharakter gesagt. Einerseits stammt die zu uns strömende Luft nicht direkt aus polaren Breiten, sie ist damit auch nicht extrem kalt. Lokal sollte es in den Nächten aber trotzdem für zweistellige Minusgrade reichen. Andererseits ist die Luft trocken, was für geringe Niederschläge spricht.

Diese Niederschläge, genauer gesagt die akkumulierten Schneemengen bis in den Sonntag, sind im kleineren Ausschnitt der beigefügten Grafik dargestellt. Man erkennt, dass vor allem im Ostseeumfeld und im Süden etwas Schnee fallen soll. Der Schnee an der Ostsee ist dadurch zu erklären, dass das Wasser die eigentlich trockene Luft anfeuchtet und erwärmt. Damit kommt es zu Hebungsprozessen und zur Bildung von Wolken. Entsprechend kann es im Umfeld der Ostsee etwas schneien. Im Süden macht sich dagegen ein Tief über Italien und dem Mittelmeer mit feuchter Luft, Wolken und entsprechend mit Schneefall bemerkbar. Hier wie da gilt aber: Die Neuschneemengen sind gering, von möglichen 10 bis 15 cm Neuschnee im Verlauf der gesamten Woche lässt sich an den Alpen niemand aus der Ruhe bringen.

Ohnehin gilt, dass große Teile Deutschlands trocken bleiben, und die Modelle deuten auch längere sonnige Abschnitte an. Und das könnte am heutigen "Tag der Minzschokolade" auch all jenen schmecken, die mit Minzschokolade nichts am Hut haben.

Winter im Olympiaort Pyeongchang

Datum 18.02.2018

Die zweite Hälfte der diesjährigen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang hat bereits begonnen. Daher möchten wir Ihnen heute die klimatischen Bedingungen an diesem Austragungsort ein wenig näher bringen.

Zum Beginn der Olympiade wurde der Wintersportort Pyeongchang bereits in einem Thema des Tages vorgestellt (nachzulesen unter "https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/2/8.html"). Heute widmen wir uns etwas genauer dem typischen Winterklima in dieser Region.

Pyeongchang liegt im Nordosten von Südkorea auf einer geographischen Breite von 37°22' N und auf einer Höhe von etwa 700 Metern über dem Meeresspiegel. Folgt man dem Breitengrad Richtung Europa, stellt man fest, dass sich der Austragungsort südlicher als Athen und auf der geographischen Breite von Sizilien befindet. Somit liegt Pyeongchang relativ weit südlich, in einer Breitenlage, in der in Europa mediterranes Klima herrscht und an Wintersport nicht zu denken wäre. Doch erinnert man sich an die ersten Wettkampftage, so war in den Medien von bitterkalten Temperaturen deutlich unter -10 Grad die Rede, die sich bei einem oftmals eisigen Wind noch kälter anfühlten. Aber wie kann man sich solch kalte Temperaturen und Schnee so weit im Süden erklären?

Zunächst einmal ist die Region Pyeongchang, ähnlich wie beispielsweise auch Mitteleuropa, der gemäßigten Klimazone zuzuordnen, wobei das Klima häufig kontinental geprägt ist. Genauer wird die Klimaregion nach Köppen und Geiger als "Dwa" (D: Boreales Klima, w: wintertrocken, a: heißer Sommer) klassifiziert. Demnach müssen die Temperaturen im kältesten Monat im Mittel weniger als -3 °C (Pyeongchang: ca. -5 °C im Januar) und im wärmsten Monat im Sommer mehr als 22 °C betragen (Pyeongchang: ca. 25 °C im August). Im Vergleich zu Deutschland ist es also in Pyeongchang im Sommer deutlich wärmer und im Winter kälter (durchschnittliche Temperatur im Juli in Deutschland ca. 17 °C und im Januar etwas unter 0 °C). Solch große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sind typisch für ein kontinentales Klima.

Konzentrieren wir uns nun auf den Winter. Zu dieser Jahreszeit weht der Wind am häufigsten aus Nordwest. Damit wird kalte Festlandsluft aus Sibirien auf direktem Weg nach Pyeongchang transportiert. Da die Luft einen langen Weg über den asiatischen Kontinent genommen hat, ist diese Luftmasse nicht nur kalt, sondern auch sehr trocken. Dadurch erklärt sich auch, dass in den Wintermonaten (anders als im Sommerhalbjahr) jeweils nur durchschnittlich 20 bis 30 mm Niederschlag fallen. Im zentralen Mittelmeerraum hingegen verhindern zum einen die Alpen ein direktes Vordringen kalter Luftmassen aus Nord- und Osteuropa, zum anderen erwärmt das relativ warme Wasser des Mittelmeers die Luft, sodass ähnlich winterliches Wetter wie in Pyeongchang in mediterranen Gefilden unmöglich ist.

Dreht nun aber der Wind auf Ost, können auch nach Pyeongchang feuchtere und mildere Luftmassen vom Japanischen Meer, welches aktuell etwa 10 °C warm ist, gelangen. Dann steigen auch hier die Temperaturen in den deutlich positiven Bereich und anstelle von Schnee fällt Regen.

Für die heutigen Wettkämpfe im "Alpensia Olympic Park" dürfen die Langläufer mit Temperaturen um +1 °C (am südkoreanischen Nachmittag) und später die Bobfahrer und Biathleten mit Werten um -3 °C (südkoreanischer Abend) rechnen. Dazu ist es heiter bis wolkig und es weht ein schwacher Wind aus Nordost. Auch in den kommenden Tagen ist das Winterwetter mit Höchstwerten etwas über 0 °C und Tiefstwerten von -5 bis -8 °C für die Sportler recht angenehm. Die bitterkalten Temperaturen aus der ersten Woche sind somit erst einmal vorbei. Immer topaktuelle Wetterinformationen zu allen Austragungsorten finden sie übrigens auf: "https://pc2018.kma.go.kr/en/main_pc.do" (auch zu finden auf der Startseite unserer Homepage "www.dwd.de" unter "Aktuelles Olympiawetter").

Das Wetter zum chinesischen Neujahrsfest

Datum 16.02.2018

Heute beginnt in China und Ostasien ein neues Jahr. Im Thema des Tages werfen wir einen Blick auf diesen Feiertag und das Wetter in den ersten Tagen des neuen chinesischen Jahres in Deutschland.

Das chinesische Neujahrsfest ist ein Familienfest, das auch außerhalb von China und Ostasien gefeiert wird. Es richtet sich nicht wie unser Neujahr nach dem gregorianischen Kalender, sondern nach dem chinesischen Lunisolarkalender. Am Vorabend trifft sich die ganze Familie zu einem opulenten Abendessen um kurz vor Mitternacht das Haus zu verlassen und so die Spuren des alten Jahres mit hinaus zu nehmen. Nach Mitternacht kehren alle wieder heim und öffnen Fenster und Türen, um das neue Jahr herein zu lassen. Das Fest kann über mehrere Tage gehen und nicht selten wird dafür der Jahresurlaub verbraucht.

Da sich das chinesische Neujahrsfest am Lunisolarkalender orientiert, fällt es jedes Jahr auf ein anderes Datum. Begangen wird der Tag an Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar, was meistens dem zweiten, selten dem dritten Neumond nach der Wintersonnenwende entspricht. Im Laufe der Zeit haben sich regional unterschiedliche Traditionen und Gebräuche ergeben. Wichtig sind aber überall die guten Wünsche und der Segen für das neue Jahr. Auch das Gedenken an die Ahnen steht im Fokus.

Nach alter Legende soll ein menschenfressendes Monster einmal im Jahr aus den Bergen kommen, um nach einer Tiefschlafphase seinen Hunger zu stillen. Als Schutz dienen nur Lärm, Feuer und Farbe, da das Monster sehr empfindlich sein soll. Die Vertreibung des Monsters geschieht heutzutage mit Hilfe von Feuerwerk und farbenfrohen Drachen- und Löwentänzen. Es wird "Guònián" genannt, was so viel bedeutet wie, dass das alte Jahr fort ist und das neue Jahr kommen kann.

Wettertechnisch beginnt das neue chinesische Jahr - übrigens das Jahr des Hundes - in weiten Teilen Deutschlands ruhig, oft auch sonnig. Nur im Süden halten sich dichte Wolken und südlich einer Linie Schwarzwald - Bayerischer Wald regnet es länger anhaltend. Schnee fällt nur in den Hochlagen, denn die Schneefallgrenze liegt über 1000 Meter. In den Alpen kommt es dabei zu Tauwetter. Am Abend lässt der Regen im Süden vorübergehend nach, in der Nacht zum Samstag setzt aus Südwesten aber neuer Niederschlag ein. Am Samstag ist es in der Südhälfte dicht bewölkt und nass mit gebietsweise kräftigem Schneefall teils bis in tiefe Lagen. In der Nordhälfte wechseln sich Sonne und Wolken ab und es bleibt weitgehend trocken. Am Sonntag gibt es im Norden dichtere Wolken und zeit- sowie gebietsweise schwache Schauer. Auch ganz im Süden ist der Sonntag dicht bewölkt und am Alpenrand fällt etwas Schnee. Dazwischen scheint für längere Zeit die Sonne. Die Höchsttemperaturen liegen tagsüber jeweils zwischen 3 und 8 Grad. Die Nächte sind frostig.

"Trouble in Paradise"

Datum 15.02.2018

Zyklon "GITA" treibt sein Unwesen im Südpazifik und sorgt mit extremen Orkanböen und sintflutartigen Regenfällen für große Zerstörungen. Zwar soll sich GITA nun allmählich abschwächen, jedoch nehmen seine Reste allmählich Kurs auf Neuseeland.

Die Beschreibung von Tonga hört sich paradiesisch an: "Ein Großteil der knapp 170 Inseln des polynesischen Königreiches im Südpazifik sind unbewohnt. Meist sind diese mit tropischem Regenwald bedeckt und vor den mit weißem Sand bedeckten Küsten finden sich traumhafte Korallenriffe."

Allerdings wird dieses idyllische Paradies im Durchschnitt einmal pro Jahr von einem tropischen Wirbelsturm heimgesucht. Denn hohe Wassertemperaturen und feucht-warme Luftmassen im Südpazifik bieten die ideale Brutstätte für Gewittercluster. Ist nun die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft, siehe www.dwd.de/lexikon) ausreichend groß und die Scherung des Windes in verschiedenen Höhen genügend klein, so kann aus diesen Gewitterclustern ein riesiger Wirbel entstehen und sich verstärken. Übrigens bezeichnet man tropische Wirbelstürme, die im Südpazifik und im Indischen Ozean entstehen als "Zyklone".

Um tropische Zyklonen besser beschreiben zu können, werden diese anhand der über 10 Minuten gemittelten Windgeschwindigkeiten in verschiedene Intensitätsstufen eingeteilt: Bei der "tropischen Depression" oder einem "tropischen Tief" handelt es sich um die schwächste Stufe mit Windgeschwindigkeiten bis 63 km/h. Mithilfe der "australischen Skala für tropische Zyklonen" lassen sich tropische Wirbelstürme mit Windgeschwindigkeiten über 63 km/h nochmals in Stärkekategorien 1 (schwacher Wirbelsturm, Windgeschwindigkeiten bis 88 km/h) bis 5 (verwüstend, Windgeschwindigkeiten über 200 km/h) unterteilen. Die auftretenden Spitzenböen können dabei jedoch weitaus höher ausfallen. Die australische Skala für tropische Wirbelstürme sollte aber nicht mit der Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane im Atlantik verwechselt werden (siehe Saffir-Simpson-Skala unter www.dwd.de/lexikon), da sich beide in der Einteilung der Intensität etwas unterscheiden.

Bereits am Samstag, dem 03.02.18 konnten südlich der Salomonen erste Gewitterkomplexe beobachtet werden, die zunächst jedoch nur wenig organisiert wirkten. Diese verlagerten sich in der Folge weiter ostwärts, wo sie schließlich am vergangenen Donnerstag, dem 08.02.18 westlich der Samoa-Inseln als eine tropische Depression eingestuft werden konnten, die innerhalb von etwa einem Tag zu einem tropischen Zyklon anwuchs und folglich vom zuständigen "Tropical Cyclone Center" in Nadi (Fidschi) "GITA" getauft wurde. Unter Intensivierung zog dieser Zyklon am Samstag in südöstlicher Richtung in einem Bogen knapp an der Koralleninsel Niue, die zu Neuseeland gehört, vorbei und nahm schließlich wieder einen westlichen Kurs an, um in Richtung Tonga zu ziehen. Dort traf GITA am Montagabend mit Spitzenböen von 230 km/h die größte und bevölkerungsreichste Insel Tongapatu sowie auf die Insel `Eua. Damit kann GITA als Kategorie 4-Wirbelsturm eingestuft werden und geht wohl zusammen mit dem verheerenden "IAN" aus dem Jahr 2014 als stärkster Zyklon in die Geschichte Tongas ein. Man kann von Glück sagen, dass bisher noch keine Berichte über Tote vorliegen. Die vergangene Zugbahn von GITA sowie eine Vorhersage auf Basis aktueller Modellrechnungen finden Sie unter www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/2/15.html.

Westlich von Tongapatu intensivierte sich GITA noch weiter und erreichte in der Nacht zum Mittwoch die Kategorie 5 mit geschätzten Böen von bis zu 285 km/h, was vergleichbar ist mit einem Kategorie 4-Hurrikane auf der Saffir-Simpson-Skala. Allerdings besteht nicht nur große Gefahr durch extreme Orkanböen. Aufgrund sintflutartiger Regenfälle kommt es häufig auch zu massiven Überschwemmungen. Das zu Fidschi gehörige Atoll Ono-i-Lau konnte laut dem Nationalen Wetterdienst auf Fidschi von Dienstag bis Mittwoch innerhalb von 24 Stunden über 270 Liter pro Quadratmeter verzeichnen. Dies entspricht mehr als ein Drittel des durchschnittlichen Jahresniederschlags in Deutschland. Nach Schätzungen mithilfe von Satellitendaten könnten die Niederschläge in dieser Region aber auch Mengen von über 300 Liter pro Quadratmeter betragen haben.

Zwar wird GITA mittlerweile "nur" noch als ein Wirbelsturm der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h (Spitzenböen bis 240 km/h) eingestuft und schwächt sich im Folgenden auch weiter ab. Allerdings zeichnet sich in den aktuellen Modellprognosen ab, dass die Überreste von GITA allmählich Kurs auf Neuseeland nehmen und dort im Laufe der nächsten Woche für unwetterartige Starkregenfälle sorgen könnten

Faschingszeit - zwischen Winter und Frühling

Datum 13.02.2018

Die närrischen Tage sind nun fast vorüber, daher blicken wir im heutigen Thema des Tages einmal in die Vergangenheit und zeigen, wie unterschiedlich das Wetter zu Fasching sein kann.

Zum Endspurt des diesjährigen Faschings (bzw. Karnevals oder Fasnachts) blicken wir einmal zurück und schauen uns an, wie unterschiedlich das Wetter an den jecken Tagen sein kann. Mitunter kann sich das Wetter tief winterlich präsentieren, während in manchen Jahren hingegen bereits Frühlingsgefühle aufkommen. Ein Grund dafür liegt darin, dass die närrischen Tage jedes Jahr auf unterschiedliche Termine fallen. Der Veilchendienstag (auch Faschingsdienstag, Karnevalsdienstag oder Fasnachtsdienstag genannt) beispielsweise ist immer 47 Tage vor dem Ostersonntag. Der im Christentum bedeutsame Ostersonntag fällt immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling (Osterformel aus dem Jahre 325). Danach richten sich natürlich auch die Termine des Veilchendienstags. Der frühestmögliche Termin eines Veilchendienstags ist der 3. Februar. Dies war zuletzt im Jahre 1818 der Fall und wir werden einen solch frühen Fasching auch nicht mehr erleben (das nächste Mal erst im Jahre 2285). Der spätestmögliche Termin ist mehr als ein Monat später, nämlich erst am 9. März (letztmals 1943 und das nächste Mal im Jahr 2038). Somit ist der diesjährige Fasching relativ früh im Jahr und die "Session" dadurch ziemlich kurz gewesen.

Doch nun kommen wir zurück zum Wetter. Um spektakuläres Faschingswetter zu finden, müssen wir gar nicht weit in die Vergangenheit schauen. Vor 2 Jahren zum Beispiel brachte das kräftige Sturmtief "Ruzica" sehr turbulentes Wetter. Verbreitet gab es Schauer, in denen der Wind teils mit Sturmstärke über das Land fegte. Vielen bleiben sicherlich noch die Absagen zahlreicher Rosenmontagsumzüge in Erinnerung. Nur wenige Regionen wurden davon verschont und konnten die Umzüge bei Sonnenschein genießen. Aber auch im letzten Jahr sorgte Sturmtief "Thomas" bei manchen Organisatoren für Kopfzerbrechen.

Richtig winterlich war es deutschlandweit hingegen zuletzt im Jahre 2010. Damals befand sich an den Faschingstagen (14. bis 16.2.) fast ganz Deutschland unter einer dicken weißen Schneedecke. Selbst in den Karnevalshochburgen am Rhein lagen damals einige Zentimeter Schnee und nicht nur die Rosenmontagsbesucher bibberten am Straßenrand bei Dauerfrost. Auch 2013 (10. bis 12.2.) war es recht kalt mit teilweisem Dauerfrost und einer Schneedecke in vielen Regionen Deutschlands. Noch dickere Kostüme waren im Kältewinter 1986 gefragt. In der Nacht auf den Faschingssonntag (9.2.) sank die Temperatur damals deutschlandweit (mit Ausnahme der Nordfriesischen Inseln) auf -10 bis -25 Grad. Auch am Faschingssonntag selbst blieb das Thermometer im Mittelgebirgsraum ganztags unter -10 Grad und sogar am Rhein wurden seinerzeit nur um -8 Grad gemessen. Glücklicherweise wurde es zumindest zu den Rosenmontagsumzügen ein paar Grad weniger frostig.

Ganz anders sah es im Jahr 1992 aus. Bei frühlingshaften Temperaturen von vielfach über 15 Grad konnten am Faschingssonntag (1.3.) etwas luftigere Kostüme angezogen werden. Am Oberrhein wurden sogar Höchstwerte von 19 Grad gemessen. Noch wärmer war es am Faschingssonntag zwei Jahre zuvor. In der Südhälfte stieg das Thermometer am 25.2.1990 verbreitet auf Werte um oder sogar über 20 Grad, mit einem Spitzenwert von knapp 22 Grad in Rheinfelden am Oberrhein. In den klassischen Karnevalshochburgen war es 1990 jedoch etwas "kühler" als 1992.

Im Vergleich zu diesen Extremen verlief das Wetter an den närrischen Tagen in diesem Jahr eher unspektakulär. Zwar besuchten uns sowohl am Faschingssonntag als auch am gestrigen Rosenmontag einige Schnee- und Graupelschauer, aber es war weder verbreitet tief winterlich oder stürmisch noch frühlingshaft mild. Wenn schon das Wetter relativ durchschnittlich war, konnte man sich wenigstens auf so manch spektakuläre Wagen bei den Rosenmontagsumzügen konzentrieren. Am heutigen Veilchendienstag und auch am morgigen Aschermittwoch werden wir von viel Sonnenschein verwöhnt. Die Sonne scheint vielerorts an beiden Tagen von früh bis spät, sodass in einigen Regionen wohl mehr Sonnenstunden als im gesamten (und äußerst trüben) Januar genossen werden können. Erst am Donnerstag beendet die nächste Front mit Schnee, Regen und möglicherweise auch gefährlichen Glatteis das sonnige Wetter.

Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima

Datum 12.02.2018

Wir haben in mehreren Themen des Tages vom Einfluss der Atmosphäre auf den Flugverkehr gelesen (24.07.16, 27.12.16, 11.02.17 und 06.03.2017). Gleichzeitig beeinflusst der Flugverkehr aber auch die Atmosphäre. Davon handeln die letzten beiden Kapitel zu diesem Thema.

Sowohl Kraftfahrzeuge als auch Flugzeuge verbrennen Ölderivate und geben die Verbrennungsrückstände in die Atmosphäre ab. Es gibt aber zwei wichtige Unterschiede: Zum einen laufen in den Höhen, in denen Flugzeuge normalerweise fliegen, chemische Reaktionen teilweise anders als in Bodennähe ab. Zum anderen verbleiben in 10 km Höhe ausgestoßene Teilchen wesentlich länger in der Atmosphäre als die entsprechenden Stoffe aus einem 10 cm hoch gelegenen Auspufftopf. Während sich die chemischen Vorgänge unserer unmittelbaren Gefühlswelt entziehen, können wir aber ein anderes Phänomen der hoch fliegenden Flugzeuge regelmäßig beobachten. Es handelt sich um Kondensstreifen, die von Verschwörungstheoretikern auch als Chemtrails bezeichnet (betrachtet?) werden und inzwischen auch einen eigenständigen meteorologischen Wolkenbegriff haben, nämlich Cirrus homogenitus (Vom Mensch erzeugte Schleierwolke). Unabhängig von deren detaillierter Zusammensetzung handelt es sich hauptsächlich um aus Wasserdampf bestehende Wolken, die sich in der langlebigen Art als Schleierwolken präsentieren und sich bisweilen sogar ausschneien, wobei der Niederschlag den Erdboden aber nicht erreicht. Wolken haben nun zweierlei klimatologische Effekte. Die nach oben weiße Oberfläche der Wolken reflektiert die Strahlung und sorgt damit für eine Abkühlung der Atmosphäre. Andererseits verringern Wolken die Ausstrahlung der warmen Erde in den mehr als eiskalten Weltraum. Ob der wärmende oder abkühlende Effekt der Kondensstreifen überwiegt ist noch unklar. "Jede" neue Studie führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Welche klimarelevanten Stoffe bringen Flugzeuge nun in die höhere Atmosphäre ein und wie wirken sie sich auf die Klimaerwärmung aus? 1. CO2 als bekanntestes Treibhausgas. 2. Stickoxyde, die am Boden zur Feinstaubverordnung führten, reduzieren in der Höhe das stark klimarelevante Methan und verstärken die Ozonschicht. Ein in Bezug auf solare Strahlung gern mitgenommener Effekt, der aber andererseits auch zur Erwärmung beiträgt. 3. Die bei der Verbrennung entstehenden Sulfate führen zu einer Abkühlung durch Gegenstrahlung. 4. Wasserdampf und sonstige Schwebeteilchen tragen ebenfalls zur Erwärmung bei. Der überwiegende Einfluss, der etwa ein Drittel ausmacht, kommt wohl von Wolkenbildung aufgrund von Kondensstreifen.

Da Forschung in großen Höhen (bis ca. 12 km) schwierig ist, wird es noch dauern und noch umfangreiche Untersuchungen bedürfen, um belastbare Kenntnisse über den Umfang der durch den Flugverkehr induzierten Klimaänderung zu erhalten. Man rechnet für 2020 mit einem Einfluss des Flugverkehrs auf die Klimaerwärmung von 5 %, aufgrund der noch mangelhaften Kenntnisse jedoch mit relativ großer Ungenauigkeit.

Der Februar...

Datum 10.02.2018

...bildet den Übergang zwischen Winter und Frühling. Im klimatologischen Mittel ist er in Deutschland milder, aber auch schneereicher als der Januar. Eine bekannte Februar-Wetterregel lautet: "Ist's zu Lichtmess mild und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit."

... (lat. februare = reinigen) wurde nach dem antiken Reinigungsfest benannt und war ursprünglich der letzte Monat des altrömischen Kalenders. Aus diesem Grunde erhielt er die zum Abgleich des Kalendariums mit dem Sonnenstand notwendigen Schalttage angehängt. Seit 153 v. Chr. ist Februar der zweite Monat des Jahres, infolge der Augustinischen Kalenderreform im Jahre 8 n. Chr. verlor er einen Tag an den August und besitzt seitdem in Gemeinjahren 28 und in Schaltjahren 29 Tage. Finanztechnisch hat der Februar übrigens, wie jeder andere Rechnungsmonat auch, 30 Tage, so dass Zinsabrechnungen zum 30. Februar nicht unbedingt eine Narretei sind.

Ein altdeutscher Name für den Februar ist Hornung, weil die reifen Rothirsche beginnen, ihre Geweihe ("Gehörne") abzuwerfen. Weitere gebräuchliche Namen waren Schmelzmond, Taumond (schließlich geht der Winter zu Ende und ggf. schmelzen Eis und Schnee) oder Narrenmond. Letztere Bezeichnung ergibt sich daraus, dass, um die Dämonen des Winters zu vertreiben, in alter Zeit Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsrituale abgehalten wurden, die als Karneval, Fastnacht oder Fasching in die Moderne überliefert wurden.

Unter http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/02/10.html finden Sternfreunde eine vom Kosmos-Verlag, Stuttgart, publizierte Darstellung des Firmaments im Februar 2018. (Wenn man im Freien senkrecht empor blickt, schaut man zum Zenit und wenn man sich in Meridianrichtung nach Süden orientiert, hat man linker Hand die östlichen und rechts von sich die westlichen Himmelsrichtungen.)

Beispielsweise hängt das "Winter-Sechseck" im Februar hoch am Süd- und Südwesthimmel. Diese Konstellation besteht aus den Sternen "Kapella" im Sternbild Fuhrmann, "Aldebaran" im Sternbild Stier, "Rigel" im Sternbild Orion, "Sirius" im Sternbild Großer Hund, "Prokyon" im Kleinen Hund und nicht zuletzt "Pollux", dem hellsten Stern in den Zwillingen. Im Südosten steht bereits der Löwe als astronomischer Frühlingsbote bereit.

Im Laufe des Februars wird die unaufhaltsame Ankunft des Frühlings deutlich wahrnehmbar: in 50° nördlicher Breite, beispielsweise in Frankfurt am Main, verlängert sich der lichte Tag um gut anderthalb Stunden, in diesem Jahr von 9 h 19 min zu Monatsbeginn auf 10 h 54 min am Monatsende. Im klimatologischen Mittel ist der Februar milder, aber auch schneereicher als der Januar.

Der 2. Februar (Mariä Lichtmess - endgültiges Ende des Weihnachtskreises und Beginn der Fastenzeit) hat eine für Mitteleuropa statistisch gut belegte, prognostische Kraft in Form einer Wetterregel. Diese lautet "Ist's zu Lichtmess mild und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit."

Unser diesjähriger Februar startete unter Einfluss eines absterbenden Sturmtiefs - das mit seinem Zentrum vom Nordmeer über Südskandinavien hinweg in den Ostseeraum zog - unbeständig, frostfrei und vor allem in der Nordhälfte Deutschlands windig.

Mild war es also, allerdings zeigte sich der Himmel vielerorts trüb, den Sturm hatten wir zumindest in den Gipfellagen des Berglandes sowie an der See und es fiel gelegentlich auch etwas Schnee. Das klingt irgendwie nach "Anything goes..." - lassen wir uns doch einfach überraschen was der restliche Februar noch in petto hat, Frühlingserwachen oder ein spätwinterliches Intermezzo? Schönen Sonntag!

Strenger Frost in Deutschland, ungewöhnlich viel Schnee in Paris

Datum 07.02.2018

Die nach Mitteleuropa und in Teile Westeuropas eingeflossenen polaren Luftmassen sorgen dieser Tage zum ersten Mal in diesem Winter für lokal strengen Frost in Deutschland. In Teilen Frankreichs, betroffen war besonders der Großraum Paris, fiel gestern (06.02.2018) und vergangene Nacht ungewöhnlich viel Schnee.

In der Nacht zum Dienstag (06.02.2018) und in der vergangenen Nacht sanken die Temperaturen deutschlandweit in den Frostbereich, häufig wurde mäßiger Frost zwischen -5 und -10 Grad registriert. Stellenweise, vor allem über Schneeflächen, lagen die Tiefstwerte sogar im strengen Frostbereich, das heißt unter -10 Grad. In der Nacht zum Dienstag war dies insbesondere in Thüringen, Sachsen sowie im Süden von Sachsen-Anhalt und Brandenburg der Fall. Am kältesten war es in Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge mit -14,2 Grad, kaum weniger kalt in Stiege im Harz mit -14,1 Grad. In der Nacht zum heutigen Tag geht der Kältetitel nach Karlshagen in Vorpommern mit -11,7 Grad. Ein weiterer Ort mit strengem Frost war beispielsweise Kiel mit -10,6 Grad.

Diese Werte sind aber keineswegs ungewöhnlich für den Monat Februar. Beim Blick zurück auf die vergangenen Jahre fällt sofort der Februar 2012 auf, der Kälte eines ganz anderen Kalibers bot. Heute vor genau einem Jahr zum Beispiel, am 7. Februar 2012, gab es verbreitet strengen Frost, nur auf manchen Inseln von Nord- und Ostsee lagen die Tiefstwerte über -10 Grad. Besonders eisig war es damals in der Mitte des Landes mit Temperaturen, die um -20 Grad lagen. Spitzenreiter im negativen Sinne war auch damals der Harz mit Werten um -25 Grad. Im Süden und der Mitte des Landes schafften es die Temperaturen auch im Tagesverlauf gebietsweise nicht aus dem strengen Frost heraus. Diese Dauerfrostperiode vor sechs Jahren dauerte rund zwei Wochen lang an. Sowohl von der Andauer, aber auch den absoluten Werten sind wir dieser Tage weit entfernt. Zwar kann es auch in der kommenden Nacht zum Donnerstag sowie in der Folgenacht strengen Frost geben, dieser tritt aber erneut nur lokal auf und ist ohne vorhandene Schneedecke kaum zu erreichen.

Das Thema Schneedecke ist am heutigen Tag untypischerweise fast zwingend mit Paris verbunden. In großen Teilen Frankreichs schneite es gestern und in der vergangenen Nacht. Besonders betroffen war auch der Großraum Paris. Mit Stand von heute früh 7 Uhr liegen die Schneehöhen dort um 10 cm, am Flughafen Paris-Orly sogar bei 15 cm. Verantwortlich für die Schneefälle war ein sich kaum verlagerndes Tiefdruckgebiet über dem Osten Frankreichs, das an seiner Nord- und Westflanke im Zusammenspiel mit der polaren Luftmasse für anhaltende Schneefälle sorgte. In abgeschwächter Form erreichten diese Schneefälle gestern auch den Südwesten Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz sowie das Saarland. In Frankreich waren rekordlange Staus im abendlichen Berufsverkehr die Folge.

Paris, meist im Einflussbereich maritimer und milder Luftmassen, ist nicht häufig von solch starken Schneefällen betroffen. Ähnlich kräftige Schneefälle gab es zuletzt im Dezember 2010, als auch in Deutschland verbreitet Schnee lag. Besonders stark schneite es am 2. März 1946 in Paris, 40 cm sollen damals gefallen sein. Am heutigen Mittwoch klingen die Schneefälle in Frankreich ab, mit einer Entspannung der dortigen Situation ist also zu rechnen.

Kohlekraftwerke - kleine "Wettermaschinen" (Teil 2)

Datum 06.02.2018

Im gestrigen Thema des Tages haben wir bereits erläutert, dass große Kohlekraftwerke nicht nur durch ihre massiven CO2-Emissionen zum Klimawandel betragen, sondern in manchen Fällen auch das aktuelle Wettergeschehen deutlich sichtbar beeinflussen können. Dabei ging es hauptsächlich um Effekte bei ruhigen Hochdruckwetterlagen. Heute schauen wir uns an, wozu Kraftwerke bei klassischem Schauerwetter in der Lage sind.

Ist die Atmosphäre labil geschichtet, nimmt also die Lufttemperatur mit der Höhe stark ab, wird die Bildung von Schauern und Gewittern begünstigt. Oftmals reicht die Labilität jedoch nicht aus, um von sich aus Schauer auszulösen. Die Atmosphäre braucht sozusagen einen "Zünder". Die feuchte und warme Luft, die aus den Kühltürmen von Kohlekraftwerken strömt, kann solch ein Zünder für Schauerbildungen sein. Bereits bestehende Niederschläge können sich dadurch erheblich verstärken, in einzelnen Fällen bilden sich stromabwärts der Kraftwerke sogar wiederholt neue Schauer.

Zuletzt konnte dieser Effekt am Nachmittag des vergangenen Freitag, 2. Februar 2018, beobachtet werden. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss einer nördlichen bis nordwestlichen Strömung, mit der Meeresluft polaren Ursprungs eingeflossen ist. Insbesondere in der Höhe machte sich die Luft mit kalten Temperaturen bemerkbar. In ca. 5,3 km Höhe lagen die Temperaturen bei etwa -35 Grad, während am Boden noch Temperaturen von +2 bis +7 Grad gemessen wurden. Somit waren die Bedingungen für Schauer (labile Schichtung) gegeben.

Die Radarbilder zeigen in der Tat über Nordrhein-Westfalen Regen- und Schneeschauer. Um 15:15 UTC (16:15 MEZ), Abbildung (a), sind vor allem zwei kräftigere Schauer zu sehen, westlich von Köln sowie östlich von Leverkusen. Auffällig ist, dass der westliche Schauer genau am Ort des Kohlekraftwerks Niederaußem (rotes Kreuz) nördlich von Bergheim beginnt. 15 Minuten später (15:30 UTC) "startet" der Schauer noch an genau der gleichen Stelle (b), während sich der Schauer östlich von Leverkusen mit dem Wind etwas weiter nach Südosten verlagert hat. Weitere 30 Minuten später (16:00 UTC) hat sich der östliche Schauer weiter Richtung Osten verlagert (c), während sich der Schauer zwischen Bergheim und Köln zwar abgeschwächt, aber nicht von Ort und Stelle bewegt hat. Selbst weitere 30 Minuten später (16:30 UTC) bildet sich bei Bergheim nach wie vor Niederschlag (d), der sich nach Südosten ausbreitet, sodass es südöstlich des Kraftwerks Niederaußem über eine Stunde pausenlos geregnet hat. Nach 16:30 UTC ließ die Schauertätigkeit allmählich nach.

Ein weiterer Fall konnte am 8. Dezember letzten Jahres beobachtet werden. Die Wetterlage war ähnlich. Auch an diesem Tag floss Meeresluft polaren Ursprungs nach Deutschland. In den unteren Abbildungen (e und f) erkennt man großflächige Schnee- (gelb), Schneeregen- (grün) und Regenfälle (blau). Bei genauem Hinsehen sieht man, dass sich direkt südöstlich des Kraftwerks Niederaußem eine linienhafte Niederschlagsstruktur gebildet hat (rotes Oval). Wie an einer Perlenschnur aneinander gereiht ziehen diese Schauer mit dem Wind nach Südosten. Während die umliegenden Schauer langsam abzogen, lieferten die Kraftwerke fortwährend Feuchtigkeit nach. Wie im ersten Fall hielten die kräftigen Schauer westlich von Köln über mehr als eine Stunde an, während es westlich und östlich dieser schmalen Schauerstraße trocken blieb. Die orangefarbenen Pixel deuten darauf hin, dass sich sogar Graupel bilden konnte. Tatsächlich wurde im etwa 45 km von Niederaußem entfernten Bonn ein für längere Zeit andauernder Graupelschauer beobachtet. Dieses Phänomen ist im Winter immer wieder zu beobachten. Der Autor dieses Textes befand sich selbst vor einigen Jahren in Bonn mitten in einem dieser "Dauergraupelschauer". Wie an einer Perlenschnur, die am Kraftwerk begann, zog für eineinhalb Stunden Graupel ins Stadtgebiet von Bonn. Der sorgte dafür, dass die Temperatur auf -1 Grad sank, während am nur etwa 15 km entfernten Flughafen Köln/Bonn bei leicht bewölktem Himmel +4 Grad gemessen wurden.

Der aus den Kühltürmen ausströmende Wasserdampf kann also interessante und mitunter spektakuläre Wettereffekte auslösen, hat jedoch im Gegensatz zum CO2 auf das zukünftige Klima keinerlei Einfluss.

Kohlekraftwerke - kleine "Wettermaschinen" (Teil 1)

Datum 05.02.2018

Kohlekraftwerke stehen wegen ihrer hohen CO2-Emissionen in der Kritik, da sie damit auch zum Klimawandel beitragen. Diese Kraftwerke haben nicht nur auf das zukünftige KLIMA Einfluss, sondern können auch das aktuelle WETTERgeschehen beeinflussen. Wozu diese kleinen "Wettermaschinen" in der Lage sind, wird im heutigen und morgigen Thema des Tages betrachtet.

Der stetige Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre trägt bekanntlich zum globalen Klimawandel bei. Daran sind auch unsere deutschen Stein- und Braunkohlekraftwerke beteiligt. Beispielsweise stammen etwa 1/3 der gesamten CO2-Emissionen in Nordrhein-Westfalen von den drei größten Braunkohlekraftwerken Deutschlands (Niederaußem, Neurath und Weisweiler). Der Ausstoß dieses Klimagases ist für uns unsichtbar und hat auf unser aktuelles Wettergeschehen keinen Einfluss.

Bei der Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken wird jedoch nicht nur CO2 erzeugt. Aus der Ferne fallen einem schon die großen Kühltürme auf. Aus diesen werden große Mengen an Wasserdampf an die Atmosphäre abgegeben. Im Gegensatz zum CO2 kann der Wasserdampf manchmal sogar das aktuelle Wettergeschehen beeinflussen. Der Atmosphäre wird nämlich nicht nur Wasserdampf, sondern auch die durch die Verbrennung von Kohle entstandene Wärme zugeführt. Da warme Luft eine geringere Dichte als die umgebende kühlere Luft besitzt, also für sich gesehen leichter ist, steigt die feuchte und warme Kraftwerksluft auf. Dabei wird sie abgekühlt und erreicht relativ schnell eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 100 %. Die Luft ist somit gesättigt und kann kein weiteres Wasser mehr aufnehmen. Beim weiteren Aufsteigen kondensiert das überschüssige Wasser zu winzigen Wassertröpfchen. Diesen Prozess kann man gut an den weißen Fahnen erkennen, die aus den Kühltürmen in die Höhe schießen. Im Prinzip handelt es sich um den gleichen Prozess, den man im Kleinen auch bei einem kochenden Wassertopf sehen kann. Ist auch die Umgebungsluft nahezu gesättigt, kann der Wasserdampf aus den Kühltürmen ausreichen, dass sich stromabwärts der Kraftwerke größere Quellwolken bilden können, während es in der Umgebung (nahezu) wolkenlos ist. Dies kann man insbesondere im Sommer bei windschwachen Hochdruckwetterlagen beobachten.

Auch im Winter können die Kraftwerke als kleine "Wettermaschinen" agieren. Ebenfalls bei ruhigen Hochdruckwetterlagen bilden sich in der unteren Atmosphäre häufig sogenannte Inversionen. Während normalerweise die Lufttemperatur mit der Höhe abnimmt, steigt die Temperatur innerhalb einer Inversionsschicht stark mit der Höhe an. Diese Atmosphärenschichtung bezeichnet man in der Meteorologie als sehr stabil, d.h. aufsteigende Luft kann diese Schicht nur sehr schwer durchdringen. Daher steigt die Luft zunächst nur bis in die Höhe der Inversionsschicht auf. Es bilden sich nachfolgend Wolken, die sich anschließend an der Unterkante der Inversion seitlich in der Fläche ausströmen; der im Winterhalbjahr berüchtigte zähe Hochnebel breitet sich aus. Nun kommen die Kraftwerke ins Spiel. Die oben beschriebene aufsteigende und energiereiche Luft kann es schaffen, diese Inversion zu durchstoßen. Die Aufnahme des Wettersatelliten SUOMI (linkes Bild) vom 2. Dezember letzten Jahres, 11:11 UTC (12:11 MEZ), zeigt dies eindrucksvoll. Zu sehen ist zunächst eine großflächige glatte Hochnebeldecke. Nur Teile der Eifel und des Sauerlands ragen aus dieser Wolkendecke heraus. Sieht man genauer hin, fallen einem die drei oben genannten Kraftwerke auf. Die feucht-warme und damit energiegeladene Luft aus den Kühltürmen schafft es die Inversion oberhalb der Wolkendecke zu durchdringen und strömt mit dem Wind Richtung Südwesten. Diese "Kraftwerkswolken" werfen sogar einen Schatten auf die Hochnebeldecke. Auch etwa 3 Stunden später, 14 UTC (15 MEZ), ist auf einem weiteren Satellitenbild (rechtes Bild, aufgenommen vom Wettersatelliten METEOSAT) zu erkennen, dass sich die Orte dieser Kraftwerkswolken nicht verändert haben, aber oberhalb der Hochnebeldecke der Wind von Nordost auf Nord gedreht hat.

Liegt die Lufttemperatur zudem unter dem Gefrierpunkt und weht kaum Wind, ist in seltenen Fällen sogar die Bildung von sogenanntem "Industrieschnee" möglich. Dabei handelt es sich um meist leichten Schneefall, der eng begrenzt um die Kraftwerkskühltürme fällt. Das in der aufsteigenden Luft enthaltene Wasser kondensiert und gefriert bei weiterem Abkühlen zu kleinen Eiskristallen, die anschließend zu Boden fallen.

Im morgigen Teil 2 zeigen wir, dass die Kraftwerkswettermaschinen bei klassischem Schauerwetter, wie es zum Beispiel in der letzten Woche der Fall war, noch spektakulärere Wetterphänomene erzeugen können.

Deutschlandwetter im Januar 2018

Datum 02.02.2018

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland.

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Januar 2018*

1. Platz Karlsruhe-Rheinstetten (Baden-Württemberg) 6,7 °C Abweich. +5,8 Grad

2. Platt Lahr (Baden-Württemberg) 6,7 °C Abweich. +5,3 Grad

3. Platz Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 6,6 °C Abweich. +5,2 Grad

Besonders kalte Orte im Januar 2018*

1. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) -0,7 °C Abweich. +3,9 Grad

2. Platz Reit im Winkl (Bayern) -0,2 °C Abweich. +3,4Grad

3. Platz Carlsfeld (Sachsen) -0,1 °C Abweich. +3,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Januar 2018**

1. Platz Sankt-Blasien-Menzenschwand (Baden-Württemberg) 541,4 l/m² 277 Prozent

2. Platz Baiersbronn-Mitteltal (Baden-Württemberg) 483,8 l/m² 213 Prozent

3. Platz Bernau-Goldbach (Baden-Württemberg) 459,8 l/m² 232 Prozent

Besonders trockene Orte im Januar 2018**

1. Platz Mehringen (Sachsen-Anhalt) 28,7 l/m² 94 Prozent

2. Platz Zeitz (Sachsen-Anhalt) 32,9 l/m² 94 Prozent

3. Platz Schönwölkau-Brinnis (Sachsen) 33,3 l/m² 87 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Januar 2018**

1. Platz Oberstdorf (Bayern) 79 Stunden 104 Prozent

2. Platz Wielenbach (Bayern) 77 Stunden 137 Prozent

3. Platz München-Stadt (Bayern) 73 Stunden 112 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Januar 2018**

1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 7 Stunden 17 Prozent

2. Platz Kronach (Bayern) 11 Stunden 31 Prozent

3. Platz Wunsiedel-Schönbrunn (Bayern) 13 Stunden 29 Prozent

oberhalb 920 m NN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter http://www.dwd.de/presse

Die Faszination des Mondes

Datum 01.02.2018

Ob als „Blutmond“, "Blue Moon", „Supermond“ oder einfach nur „Vollmond“, der Mond (lateinisch "Luna") fasziniert viele Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Auch in der vergangenen Nacht rückte der Mond wieder Mal in den Fokus. Zahlreiche Medien berichteten schon seit einigen Tagen über das anstehende Ereignis in der Nacht zum 1. Februar. Gleich drei Mondphänomene - "Supermond", "Blue Moon", Mondfinsternis - konnten am Himmel beobachtet werden, sofern es die Bewölkung zuließ und man sich an einem entsprechend günstigen Ort befand.

Als ständiger Begleiter hat der Mond jedoch auch einen großen Einfluss auf das Leben auf der Erde. Um ihn besser von den Trabanten anderer Planeten des Sonnensystems abzugrenzen, wird er oft auch als „Erdmond“ bezeichnet. Mit einem Durchmesser von 3.476 km ist er viermal kleiner als die Erde und gleichzeitig der fünfgrößte Mond unter den seinen im Sonnensystem. Der Abstand zwischen Mond und Erde beträgt im Durchschnitt 384.400 km. Er umkreist die Erde auf einer elliptischen Bahn und benötigt dafür 29,5 Erdtage (Neumond zu Neumond). Gemeinsam bewegen sich Mond und Erde (Schwerpunkt im Erd-Mondsystem) schließlich um die Sonne. Auch aufgrund der verhältnismäßig geringen Entfernung ist er bisher der einzige Himmelskörper, den der Mensch neben der Erde jemals betreten hat. Bereits am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als Kommandant von Apollo 11 den ersten Fuß auf den Erdtrabanten. Insgesamt gab es im Zeitraum von 1969 bis 1973 weitere fünf erfolgreiche Landungen der US-Amerikaner, seit dem aber keinen weiteren menschlichen Besuch.

Sowohl die mitgebrachten Gesteinsproben als auch die neueste Technik der Observatorien und der Einsatz von Mondsonden sorgten dafür, dass der Mond das am weitesten erforschte Gestirn unseres Sonnensystems ist. Nach heutiger mehrheitlich akzeptierter Vorstellung ist der Mond in der Frühzeit des Sonnensystems durch einen gewaltigen Einschlag auf der Erde entstanden. Bei dem Zusammenstoß der Erde mit einem anderen Planeten vor etwa 4,5 Milliarden Jahren wurden viele Trümmerteile freigesetzt, die in Teilen schließlich den Mond bildeten und zu einem atmosphärenlosen Trabanten machten.

Auf der Oberfläche des Mondes lassen sich durch ein Fernrohr unterschiedliche Strukturen erkennen. Neben den kraterreichen etwas helleren Hochländern können auch die meist runden, etwas dunkleren Tiefebenen (die sogenannten „Mare“) beobachtet werden. Während die mit zahlreichen Einschlagkratern übersäten Hochländer auf die Mondentstehung datiert sind, entstanden die „Mare“ in der letzten Phase vulkanischer Aktivität des Mondes vor etwa 3 bis 4 Milliarden Jahren. Entsprechend der Erde kann man durch die Auswertung der Laufzeitkurven von Mondbahnen auf die physikalischen und geologischen Bedingungen im Inneren des Mondes schließen. Analog zur Erde umhüllt auch den Mond eine Kruste, die sogenannte Mondkruste, die etwa die obersten 80 km (Vorderseite 60 km, Rückseite 100 km) einnimmt. Dieser schließt sich der obere Mondmantel an, der bis in Tiefen zwischen 480 und 500 km reicht und aus basaltischem Tiefengestein besteht. Ihm wiederum folgen der mittlere Mantel (bis etwa 1000 km) und der untere Mantel (bis etwa 1300 km). Im Inneren soll sich ähnlich wie bei der Erde wahrscheinlich ein kleiner Eisenkern befinden, dessen Existenz aus den seismischen Daten jedoch noch nicht eindeutig belegt ist.

Am Himmel ist der Mond meist das auffälligste Gestirn, sodass er zusammen mit der Sonne die Kalender der Menschen prägte. Auf seiner Bahn um die Erde variiert er sein Aussehen und durchläuft verschiedene Mondphasen. Den Beginn macht der Neumond. Zu diesem Zeitpunkt steht der Mond von der Erde aus gesehen in Richtung Sonne und geht mit dieser auf und unter. Weil er uns die Nachtseite zuwendet, können wir ihn in der Nacht nicht sehen. Nach Neumond bewegt sich der Mond von der Sonne aus gesehen nach Osten und geht daher nach der Sonne unter. In der Abenddämmerung ist für die Menschen ein kleiner Teil der Tagesseite des Mondes zu erkennen, was wir im Verlauf als „zunehmende Mondsichel“ wahrnehmen. Befindet sich der Mond von der Sonne aus schließlich neben der Erde, kann man die Hälfte der Tagseite des Mondes erkennen („zunehmender Halbmond“). Der Mond geht dann etwa zu Mittag auf und gegen Mitternacht unter. Als „zunehmenden Mond“ wird nachfolgend die vierte Mondphase bezeichnet, in der sich der Mond weiter als die Erde von der Sonne entfernt. Dabei steigt die Helligkeit des Mondes für die Beobachter beträchtlich an und lässt den Erdtrabanten bis nach Mitternacht am Himmel strahlen. Steht der Mond von der Sonne aus hinter der Erde, befindet sich die gesamte der Erde zugewandte Mondhälfte im Sonnenlicht. Der sogenannte „Vollmond“ geht bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter. Dieser 5. Mondphase folgen der „abnehmende Mond“ sowie der „abnehmende Halbmond“. Dabei wandert der Mond um die Erde herum wieder in Richtung Sonne.

In der vergangenen Nacht schien nun der Vollmond vergleichsweise groß. Vor allem in den Wintermonaten, wenn der Abstand des Mondes auf seiner elliptischen Bahn um die Erde anstatt seiner größten Entfernung von 406.000 Kilometer nur etwa 360.000 Kilometer beträgt, kann dieses Phänomen beobachtet werden. Die Medienwelt spricht in diesem Fall vom sogenannten "Supermond". In Wirklichkeit kann dieser Unterschied mit dem Auge jedoch kaum wahrgenommen werden. Auf seiner erdnächsten Bahn ist der Mond im Vergleich zu dem erdentferntesten Punkt nämlich nur um bis zu 14 Prozent größer, aber immerhin um etwa 30% heller, was wiederum nur einmal im Jahr vorkommt.

Der Begriff "Blue Moon" kommt aus dem Amerikanischen, wobei seine Herkunft nicht genau geklärt ist. Im deutschen Sprachgebrauch gibt es den Begriff eigentlich gar nicht, da der Mond zu keiner Zeit blau leuchtet. In diesem Zusammenhang ist es eine kalendarische Besonderheit, auf die der Begriff "Blue Moon" Bezug nimmt. Da es nur alle 29 Tage einen Vollmond gibt, sind zwei Vollmonde in einem Monat eher selten. Im Schnitt kann der doppelte Vollmond ungefähr alle 2,5 Jahre am Himmel betrachtet werden. In diesem Januar stand der erste Vollmond am 2. Januar über dem Horizont. Und gleich im März steht die Konstellation das nächste Mal an. Da der Februar nur 28 Tage besitzt, können wir am 2. März und nachfolgend am 31. März wieder den Vollmond bestaunen.

Zusätzlich zu den beiden genannten Phänomenen "Supermond" und "Blue Moon" findet derzeit auch noch eine "totale Mondfinsternis" statt. Bei einer Mondfinsternis wandert der Mond durch den Kernschatten der Erde. Im Durchschnitt geschieht dies zweimal im Jahr. Die maximale Verfinsterung wird dabei heute etwa um 14.30 Uhr erwartet. Insgesamt kann das Spektakel bis zu sechs Stunden andauern. Bei einer Mondfinsternis wird der Mond nicht unsichtbar, sondern reflektiert das in der Erdatmosphäre gebrochene Sonnenlicht. Da auf dem Weg zum Mond das blaue Licht am stärksten gebrochen wird, bleiben die roten Anteile schließlich übrig. Somit erscheint der Mond während der Finsternis in kupferrot, sodass er aufgrund seiner Färbung auch als "Blutmond" bezeichnet wird (vgl. Graphik). Da in Deutschland zur Zeit der totalen Mondfinsternis lichter Tag herrscht, ist sie hierzulande nicht zu sehen. Gute Chancen einen Blick auf die Verfinsterung zu erhaschen gibt es in Asien oder über dem Polarkreis.

Die Kuriosität, dass die drei Phänomene gleichzeitig auftreten, konnte das letzte Mal vor 35 Jahren am 30. Dezember 1982 beobachtet werden. Das nächste Chance wird dies erst wieder am 31. Januar 2037 der Fall sein.

Ein facettenreiches Satellitenbild

Datum 30.01.2018

Ein Blick auf das sehr detailreiche Satellitenbild vom gestrigen Montag lässt sicher nicht nur das "Meteorologenherz" höher schlagen.

Das in der Abbildung dargestellte Satellitenbild von Montagmittag ist die sehr hochaufgelöste Aufnahme eines polarumlaufenden Satelliten namens Suomi-NPP. Suomi ist ein amerikanischer Satellit, der die Erde in einer Höhe von etwa 830 km umkreist. Mitteleuropa bzw. der in der Abbildung dargestellte Bereich wird tagsüber 2 Mal überflogen und zwar etwa um 11 und 13 UTC. Die gestrige Aufnahme stammt von 11.23 UTC, also 12.23 Uhr MEZ und hatte einige interessante Details zu bieten.

Schauen wir uns dabei zunächst einmal den Alpenraum und das Alpenvorland an. Dort herrschte unter Hochdruckeinfluss verbreitet wolkenloser Himmel, so dass man die schneebedeckten Berge und die zahlreichen verästelten, schneefreien Täler gut erkennen kann. Die registrierte Sonnenscheindauer lag dort bei 8 bis 9 Stunden, auf höheren Bergstationen wie der Zugspitze oder dem Schweizer Säntis sogar bei knapp 9,5 Stunden.

Nördlich davon schließt sich ein Bereich mit geschlossener, hochnebelartiger Bewölkung an, selbst die Hochlagen der Mittelgebirge befanden sich teils in dieser Wolkenschicht. Die Sonne zeigte sich dort kaum, allerdings wurde diese Hochnebeldecke im Tagesverlauf von Süden her "angeknabbert", so dass z. B. Augsburg doch noch auf etwa 4 Stunden Sonnenschein kam. Bei genauem Hinsehen kann man auch einige Wellenstrukturen in der Bewölkung über dem mittleren Deutschland erkennen, die sich durch die Entstehung sogenannter Leewellen bei der Überströmung der Mittelgebirge gebildet haben. Auch die etwas größeren Auflockerungen im Lee (Windschatten) des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb sowie im Lee der ostdeutschen Mittelgebirge sind darauf zurückzuführen. Auch dort zeigte sich die Sonne etwa 3 bis 5 Stunden.

Schauen wir auf dem Satellitenbild noch etwas weiter nach Norden, kommen wir in den Bereich einer Kaltfront, die uns im Laufe des gestrigen Montags von Norden her allmählich südwärts überquert hat und aktuell in deutlich abgeschwächter Form über dem Süden Deutschlands liegt. Dort fiel aus kompakter, mehrschichtiger Bewölkung gebietsweise Regen und die Sonne suchte man mal wieder vergebens. Und noch weiter nordwärts über der Nordsee kann man zellenförmige Schauerbewölkung erkennen, die hinter der Kaltfront in der einfließenden, kühleren Luftmasse entstanden ist.

Zuletzt richten wir unser Augenmerk noch auf die Region südlich der Alpen: Unter höherem Luftdruck und bei schwachem Wind herrschte in der Po-Ebene recht dichter Nebel, in dem die Sichtweiten den ganzen Tag meist deutlich unter 1 km, teils sogar anhaltend bei Werten um 100 m, lagen. Von den 8 bis 9 Sonnenstunden im gesamten Alpenraum, also nur wenige Kilometer weiter nördlich, war man in der Po-Ebene am Montag sehr weit entfernt.

Wer entscheidet über die Namen der Bodendruckzentren auf der Wetterkarte?

Datum 29.01.2018

Georgia, Helene, Imke und Jira - nein, es geht diesmal nicht um die beliebtesten Vornamen 2018, vielmehr ergründen wir im Thema des Tages die Herkunft der Namen für die Hoch- und Tiefdruckgebiete.

Wie bereits mehrfach in den letzten Tagen zu lesen und merken war, befindet sich Mitteleuropa nach wie vor im Einflussbereich einer westlichen Strömung und somit günstig für den Durchzug von zahlreichen Tiefdruckgebieten. Letzte Woche waren es Georgia, Helene, Imke und Jira, diese Woche werden es Kari und Lotti und vielleicht auch noch Martina sein.

Die Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete werden seit Mitte der 50er Jahre an der Freien Universität Berlin vergeben und richten sich nach dem Alphabet. Früher wurden die Namen von den Meteorologen bestimmt, seit 2002 kann jeder einen Buchstaben für ein Hoch oder Tief käuflich erwerben. Der Preis für ein Hoch liegt bei 299,- Euro, ein Tief gibt es bereits für 199,- Euro (jeweils zzgl. Steuern). Der Preisunterschied kommt durch die zu erwartende Lebensdauer zustande: Tiefs sind für gewöhnlich nur wenige Tage auf der Wetterkarte zu finden, ein Hoch kann sich hingegen schon mal über eine Woche halten. Der Erlös kommt der Wetterwarte Berlin-Dahlem zu Gute, die damit die Wetterbeobachtung und ihr Fortbestehen auch im Zeitalter der Automatisierung sichert.

Jeweils im Herbst schreibt die Freie Universität Berlin die Anfangsbuchstaben für die kommende Saison aus. Dann kann man sich, mit einfachem Ausfüllen eines Formulars, um einen Buchstaben bewerben und auch gleich den Wunschnamen angeben. Hierbei gibt es nur wenige Regeln: 1. Es muss ein standesamtlich anerkannter Name sein. 2. Doppelnamen werden nicht zugelassen. 3. Der Name muss dem Druckgebilde entsprechen.

Während früher die Tiefdruckgebiete immer mit Frauennamen versehen wurden und die Hochdruckgebiete mit Männernamen, hat sich Ende der 90er Jahre auch hier die Gleichberechtigung durchgesetzt und nun wird jedes Jahr gewechselt. In geraden Jahren, so wie dieses Jahr, tragen die Tiefs Frauennamen und die Hochs Männernamen. In ungeraden Jahren ist es umgekehrt.

Gibt es mehrere bzw. zu viele Anwärter auf einen Buchstaben entscheidet das Los. Bei den Tiefdruckgebieten geht man aufgrund der Schnelllebigkeit von fünf Durchläufen durch das Alphabet aus. Bei den Hochdruckgebieten werden drei Durchgänge durchs Alphabet als gesichert angenommen. Eine sechste (Tiefs) bzw. vierte (Hochs) Runde wird als riskant bewertet. Man muss diese erst bezahlen, wenn es tatsächlich zu einer Taufe kommt. Einige Buchstaben sind beliebter als andere, so sind beispielsweise N, A und R recht schnell vergeben, wohingegen X, Q und Z oft noch zu haben sind, wenn eine Taufe kurz bevorsteht. In solchen Fällen werden die Buchstaben schon einmal über eBay versteigert.

Am Ende des Lebenszyklus eines Tiefs oder Hochs erhält der Taufpate eine Urkunde mit Wetterkarten sowie einem individuellen Lebenslauf des Druckgebildes. Auf der Website: www.wetterpate.de finden Sie weitere Informationen zu Wetterpatenschaften. U.a. sind dort auch die Namenslisten für dieses Jahr ersichtlich, inklusive der noch nicht verkauften Buchstaben.

Pollenpause im Vorfrühling

Datum 28.01.2018

Durch die hohen Temperaturen im Dezember und Januar ist die Vegetation ein paar Wochen ihrer Zeit voraus. Details dazu erfahren Sie heute im Thema des Tages.

Thema des Tages Ende Januar und das Wort Frühling. Wie passt das denn zusammen? Wie der aufmerksame Leser der Themen des Tages bzw. der Presseberichte weiß, war der Dezember um knapp 2 Grad zu warm. Der Januar setzt dem mit einer voraussichtlichen Abweichung von etwa 4 Grad noch die Krone auf. In Baden-Württemberg ist er sogar der wärmste seit Messbeginn, deutschlandweit erreicht er vermutlich Platz 5 seit Beginn der Wetteraufzeichnung. (Platz 1 hält der Januar 2007 mit einer Abweichung von über 5 Grad.)

Und was hat das mit dem Frühling zu tun, der bekanntlich für die Meteorologen erst am 1. März beginnt? In der Phänologie, der Lehre von der Pflanzen- und Tierentwicklung in Abhängigkeit von der Jahreszeit, wird unter anderem der "Vorfrühling" definiert. Er fällt mit der Blüte der Haselnuss zusammen.

Die langjährigen Mittel, die in unseren Statistiken 1992 anfangen, also nach Beginn der deutlichen Klimaerwärmung um 1990, geben etwa Mitte Februar als Beginn der Haselblüte und damit des Vorfrühlings an. In Anbetracht der seit längerem überdurchschnittlich hohen Temperaturen, die derzeit sogar den mittleren Werten von Anfang April entsprechen, ist natürlich klar, dass auch die Natur aus dem üblichen Takt kommt.

Die für Pollenallergiker so wichtige Hasel begann deutschlandweit vereinzelt schon im letzten Dezember mit dem Blühen. An den vielen Orten, wo derzeit schon deren Pollen fliegen, tat sie das knapp drei Wochen früher als üblich. Die Erle, die inzwischen vereinzelt zu blühen beginnt, ist an diesen Stellen ihrer Zeit um vier Wochen voraus, allerdings im Rahmen einer Statistik, die erst 2009 begann. Und schließlich entdecken wir fast erwartungsgemäß das Schneeglöckchen, dessen Austrieb allerdings stärker durch die Tageslänge beeinflusst wird. Aber auch hier spielt die hohe Temperatur natürlich eine Rolle und verfrüht deren Auftreten um "nur" zwei Wochen. Ebenso sind Krokusse und Winterlinge, die beide normalerweise erst ab Mitte Februar zu erwarten sind, schon zu erspähen. Sie werden aber von den phänologischen Daten des Wetterdienstes nicht erfasst und daher kann deren Wachstumsvorsprung nicht exakt festgelegt werden.

Der (Vor-) Frühling ist also schon im vollen Gange!

Kommen wir abschließend zur Pollenpause. Ab Donnerstag erreichen die Temperaturen kurzeitig wieder in etwa die normalen Werte für Anfang Februar mit Höchstwerten bis 5 Grad und leichtem Nachtfrost. Dann ist es, zumindest kurzfristig, mit dem Fortschreiten der Vegetation und dem Pollenflug zu Ende.

Wenn Sie Details zum aktuellen Stand der Vegetationsentwicklung erfahren wollen, geben Sie auf unserer Homepage www.dwd.de ins Suchfeld (in die Lupe oben rechts klicken) "Phänologiestatistik" oder "aktuelle Vegetationsstatistik" ein. Weitergehende Informationen erhalten Sie unter www.dwd.de/phaenologie.

Außergewöhnliche Schneemengen beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Datum 27.01.2018

Gigantische Schneemassen stellten den Schweizer Alpenort Davos beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum vor eine besondere Herausforderung. Dort fiel vergangene Woche so viel Schnee wie seit 19 Jahren nicht mehr.

In den Alpen liegt derzeit so viel Schnee, wie schon viele Jahre nicht mehr. In den Medien kursieren seit Wochen Fotos und Videos von gesperrten Straßen und eingeschneiten Dörfern. Durch die extremen Neuschneemengen (in hohen Lagen der Westalpen teils Rekordschneehöhen), dem teils stürmischen Wind und Regen bis auf rund 2000 m spitzte sich auch die Lawinensituation immer weiter zu (siehe auch https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/1/10.html). In den vergangenen Tagen gingen viele große, gebietsweise auch sehr große spontane Lawinen nieder. Anfang der Woche wurde für einige Regionen der Alpen die äußerst seltene Stufe 5, die höchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Auch im schweizerischen Davos, wo am gestrigen Freitag das diesjährige Weltwirtschaftsforum (engl: World Economic Forum, WEF) endete, schneite es zuvor tagelang fast ohne Unterbrechung. Meterhohe Schneeberge säumten die Straßen, Nebenstraßen waren teilweise überhaupt nicht oder nur noch einspurig befahrbar. Der Besuch von US-Präsident Trump war also nicht der einzige Punkt, der das diesjährige WEF zu einem außergewöhnlichen machte und die Verantwortlichen vor eine Herausforderung stellte. Dabei sorgte der Schnee nicht nur für abgesagte Demonstrationen aufgrund von Platzmangel, sondern auch für höhere Kosten. Laufend transportierten Lastwagen Unmengen an Neuschnee weg vom dichtbevölkerten Zentrum von Davos. Insgesamt waren für die Sicherheitsmaßnahmen am WEF rund 9 Millionen Franken budgetiert, die Schneeräumungsarbeiten könnten dieses Jahr aber Zusatzkosten in noch unbekannter Höhe verursacht haben.

Am Dienstag wurden im Ort 175 cm Schnee gemessen - so viel wie noch nie zuvor an einem 23. Januar. Aber nicht nur in Davos, sondern an rund einem Drittel aller langjährigen Beobachtungsstationen in der Schweiz unterhalb von 2000 m lag an einem 23.01. noch nie so viel Schnee wie dieses Jahr.

Einige Bewohner von Davos berichten, sich nicht an solche Schneemassen erinnern zu können - und tatsächlich muss man auf der Suche nach vergleichbaren Schneehöhen einige Jahre in der Klimastatistik zurückgehen. Letztmals gab es im Februar 1999 mehr Schnee - Alpenbewohner und Wintersportler erinnern sich sicherlich noch an diesen schneereichen und leider auch lawinenträchtigen Winter. Damals fielen innerhalb von neun Tagen in den niederschlagsreichsten Regionen der zentralen Nordalpen zwischen 2,5 und 3,5 m. Diese Summen entsprechen dort einem 75- bis 100-jährigen Ereignis. Zum Vergleich: Die 7-Tages-Neuschneesummen der vergangenen Woche (17.-23.01.2018) betrugen in den schneereichen Regionen zwei bis drei Meter. An gewissen Stationen im Wallis und in Graubünden kommen diese Mengen nur alle 15 bis 30 Jahre vor. Die 25-Tages-Neuschneesummen vom 30.12.2017 bis zum 23.01.2018 gibt es an einigen Stationen sogar nur alle 75 Jahre, sie betrugen 2,5 bis 5 m. Damit ist die derzeitige Schneesituation durchaus außergewöhnlich, wenngleich auch nicht so extrem wie sie im Winter 1999 war.

Das Weltwirtschaftsforum ist für dieses Jahr beendet und den vielen internationalen Teilnehmern werden vermutlich die riesigen Schneemassen noch lange in Erinnerung bleiben. Die Davoser Einwohner bekommen mit ein paar trockenen Tagen zumindest eine kurze Verschnaufpause, bevor ab Mitte nächster Woche weiterer Neuschnee erwartet wird.

Kaltfront ohne Kälte

Datum 26.01.2018

Am gestrigen Donnerstag (25.01.2018) zog die Kaltfront von Sturmtief HELENE über Südskandinavien bis in die mittleren Landesteile Deutschlands. Rückseitig der Kaltfront wurde es im Norden zwar kühler, es blieb aber für die Jahreszeit weiterhin deutlich zu mild. Wir klären, warum die Kaltfront alles andere als kalte Luft brachte.

Für das Verständnis der Wetterlage ist ein kleiner Wetterrückblick sinnvoll. Beginnen wir also mit Mittwoch, dem 24.01.2018. An diesem Tag erreichte uns landesweit in einer kräftigen Südwestströmung eine für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Luftmasse. In dieser subtropischen Luft gab es verbreitet zweistellige Temperaturwerte und im Norden des Landes kam es vereinzelt sogar zu neuen Monatsrekorden der Tageshöchsttemperatur, wie zum Beispiel in Schleswig oder Leck (beide in Schleswig-Holstein). Auch am gestrigen Donnerstag reichte es vor der Kaltfront noch einmal für Temperaturen oberhalb der 10-Grad-Marke. Doch selbst hinter der Kaltfront lag die Temperatur im Norden und Westen von Deutschland mit 6 bis 9 Grad noch im milden und damit überdurchschnittlichen Bereich für Ende Januar. Dennoch, aufgrund der noch höheren Werte weiter südlich, handelte es sich zweifelsfrei um eine Kaltfront. Denn letztlich ist nicht die Temperatur hinter der Front, sondern die Temperaturdifferenz vor und nach der Front entscheidend.

Dies erklärt zwar, warum es sich trotz der weiterhin relativ hohen Temperaturwerte um eine Kaltfront handelte, aber noch nicht warum es hinter der Kaltfront nicht wirklich kalt wurde. Für die Beantwortung dieser Frage braucht es den Blick auf die Herkunft der Luftmasse, die bei uns einströmte. Dafür sind sogenannte "Trajektorien" hilfreich. Dies sind die Bahnkurven, auf denen sich die Luftpartikel in der Atmosphäre bewegen. Mit einfachen Worten: es handelt sich um jene Wege, die Luftpartikel in der Atmosphäre zurücklegen. Dabei wird zwischen zwei Arten von Trajektorien unterschieden: Die sogenannten "Rückwärtstrajektorien" geben an, woher ein Luftteilchen kommt, und die "Vorwärtstrajektorien" liefern Informationen darüber, wohin sich ein Luftteilchen bewegt. Lange Rede kurzer Sinn, die Luftmasse, die uns erreichte, nahm ihren Ursprung am vergangenen Wochenende in Neufundland. Nun ist es dort im Winter für gewöhnlich recht kalt und auch am vergangenen Wochenende lagerten in dieser Region arktische Luftmassen. Doch auf ihrem weiten Weg über den Atlantik, etwa entlang des 50. Breitengrades, konnte sich die Luft zumindest in den unteren Schichten deutlich erwärmen. Denn der Nordatlantik weist in diesem Bereich Wassertemperaturen von etwa 10 bis 12 Grad auf. Die Luftmasse wurde somit nach und nach deutlich modifiziert und verlor ihre ursprünglichen arktischen Eigenschaften.

Arktische Luftmassen erreichen Mitteleuropa aufgrund des Atlantiks nur aus nördlichen Richtungen (der Weg über das Europäische Nordmeer und die Nordsee ist zu kurz für eine vollständige Umwandlung der Luftmasse) oder über östliche Windrichtungen auf dem "Landweg", auf dem eine Umwandlung deutlich langsamer vonstattengeht. In den kommenden Tagen sind wir vor derlei Windrichtungen allerdings gefeit. Es bleibt bei Südwest- bis Westwind weiterhin deutlich zu mild für die Jahreszeit. Gebietsweise werden am kommenden Sonntag und Montag erneut Höchsttemperaturen über 10 Grad erreicht.

Eine fotogene arktische Kaltfront

Datum 25.01.2018

In den USA sorgte eine Kaltfrontpassage vor zwei Wochen für teils spektakuläre Bilder. Im heutigen Thema des Tages soll dieses Ereignis näher betrachtet werden.

Die USA wurden während der vergangenen Wochen wiederholt von mehreren arktischen Kaltfronten (siehe: DWD Lexikon) von Nord nach Süd überquert, die neben heftigen Schneefällen besonders dem Norden und Nordosten teils klirrende Kälte brachten. Eine dieser Kaltfronten war weniger wegen ihrer Intensität von Interesse, sondern fiel besonders über dem Mittleren Westen durch ihre optische Erscheinung auf. Diese Kaltfront trat durch eine Tiefdruckentwicklung entlang der kanadisch-US-amerikanischen Grenze am 10. Januar ihre Reise nach Süden an und erreichte in weniger als 24 Stunden den Mittleren Westen der USA. Dabei verlor sie allerdings deutlich an Kraft. In der Folge richtet sich unser Fokus auf den Bundesstaat Oklahoma, da dort die Kaltfrontpassage von unzähligen Wetterbeobachtern teils mit beeindruckendem Bildmaterial festgehalten wurde.

Als Beispiel der Frontpassage soll die Temperaturentwicklung von Oklahoma City näher betrachtet werden. In Abbildung a) ist die vertikale Temperaturverteilung am 11. Januar um 12:47 UTC (5:47 Uhr Lokalzeit) und in b) um 17:04 UTC (10:04 Uhr Lokalzeit) abgebildet. Auf der y-Achse (vertikal) ist die Höhe über Grund in Kilometern und auf der x-Achse (horizontal) die Temperatur in Grad Celsius aufgetragen, wobei die Linien mit derselben Temperatur (in der Meteorologie als Isotherme bezeichnet) farblich hervorgehoben von der x-Achse nach rechts oben zeigen. Die rote Linie stellt die gemessene Temperatur in der Vertikalen dar, die durch einen aufsteigenden Wetterballon ermittelt wurde. Die Sternchen geben von unten nach oben einzelne Temperaturwerte in rund 400 m, 1000 m, 1500 m und 2000 m über Grund an. Die Kaltfront passierte Oklahoma City zwischen 12:47 UTC und 17:04 UTC.

Was lässt sich anhand dieser Temperaturprofile erkennen? Die Temperatur änderte sich bodennah während der Kaltfrontpassage kaum und ging von -1.5 Grad auf -3.5 Grad zurück. Auch in 1500 m über Grund gibt es nur eine unwesentliche Temperaturänderung. Bei beiden Messungen wurde in diesem Höhenbereich eine Temperatur von ca. 0 Grad ermittelt. Ganz anders sieht es allerdings in 1000 m über Grund aus. Hier entfaltete die Kaltfront noch ihre volle Kraft und ließ die Temperatur von +4.5 Grad um knapp 15 Kelvin auf -10 Grad abstürzen. Es handelte sich also nicht mehr um eine hochreichende, sondern nur noch um eine flache Kaltfront, die oberhalb von 1500 m und bodennah die Temperatur kaum veränderte.

Die herannahende Kaltfront wurde bildlich festgehalten (siehe c und d). Die roten Pfeile zeigen die warme und aufsteigende, die blauen Pfeile die kalte und herabstürzende Luftmasse. In beiden Aufnahmen bewegt sich die Kaltfront auf den Beobachter zu. Bereits visuell ist die seichte Ausprägung der Kaltfront auszumachen, denn oberhalb der Wolkenwalze erstrahlt der Winterhimmel in dunklem Blau. Normalerweise ist eine Kaltfrontpassage von kräftigen Schauern oder gar Gewittern begleitet, die sich von weitem durch den Aufzug hoher Wolken (Cirren) bemerkbar machen. Diese fehlen hier vollständig. Auch anhand dieser Standbilder kann man sich lebhaft vorstellen, wie die kalte Luftmasse regelrecht über die Landschaft "walzt" und die vor und über der Front liegende warme und stabil geschichtete Luft beständig anhebt. "Stabil geschichtet" bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Luft ohne den Hebungsimpuls der Kaltfront nie von alleine aufgestiegen wäre. Ihr widerwilliges Aufsteigen äußerte sich in einer sehr glatten Oberseite der Wolkenwalze. Das glatte Aussehen lag einerseits daran, dass die warme Luft entsprechend der geringen Mächtigkeit des Kaltluftkörpers auch nur wenige Hundert Meter angehoben wurde (von alleine also nicht mehr weiter aufstieg). Andererseits unterband die weiterhin über der Wolkenwalze liegende wärmere Luftmasse ein weiteres Aufsteigen der gehobenen Luft (siehe Temperaturprofil in b)). So ist visuell wunderbar der Kaltluftkörper der Kaltfront erkennbar, der in Form dieser Wolkenwalze über die Landschaft zog.

So bedrohlich diese Front auch aussah, sie war mit keinen signifikanten Wettererscheinungen verbunden. Der Wind frischte stark böig auf, drehte auf nördliche Richtung und die Temperatur ging bodennah um einige Grad zurück. Aus dichter Bewölkung fiel etwas Sprühregen oder Regen, der rasch in Schnee überging. Abgesehen von den unspektakulären Begleiterscheinungen zirkulierten in den öffentlichen Medien unzählige beeindruckende Bilder dieser Kaltfrontpassage, die vielen Menschen alleine der Optik wegen sicherlich noch längere Zeit in Erinnerung bleiben wird. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich in dieser Wintersaison noch die eine oder andere Möglichkeit ein ähnliches Ereignis zu erleben, denn die Wettermodelle deuten weitere Kaltfronten an, die über die USA weit nach Süden vorstoßen sollen.

Schnee ade! - Im Süden sorgt Tauwetter für Hochwasser

Datum 22.01.2018

Dem schönen Schnee im Schwarzwald und in den Alpen geht es an den Kragen! Starkes Tauwetter führt zu einem erhöhten Hochwasserpotenzial an Bächen und Flüssen Süd- und Südwestdeutschlands.

Kaum ist er gefallen, schmilzt er schon wieder dahin! Einem kurzen Wintergruß am Wochenende folgen nun zu Wochenbeginn eine deutliche Milderung, Wind und teilweise ergiebiger Regen. Zumindest in Lagen unterhalb von 1000 bis 1500 m sorgt diese unter Winterfreunden als echter "Schneefresser" gefürchtete Kombination von warmer Luft, Regen und Wind für ein deutliches Schrumpfen der Schneedecke. "Schmuddelwetter" könnte man dazu sagen, meteorologisch korrekt wird diese Wetterpuzzle schlussendlich aber als "Tauwetter" bezeichnet.

Puzzleteil Nummer Eins: Der Schnee

Klar, ohne Schnee kein Tauwetter! Eine nennenswerte Schneedecke lag am Montagmorgen in den höheren Lagen der Mittelgebirge und natürlich in den Alpen. Im Schwarzwald z. B. wurde um 6 UTC (7 Uhr MEZ) auf dem Feldberg 135 cm, in Freudenstadt 50 cm Schnee gemeldet. In den Alpen liegt oberhalb 1000 bis 1500 m verbreitet eine 1 bis 1,5 m mächtige Schneedecke.

Puzzleteil Nummer Zwei: Die sehr milde Luftmassen

An der Südwestflanke einer umfangreichen Tiefdruckzone, die vom Nordostatlantik bis Nordeuropa reicht, wird mit einer kräftigen Westströmung ungewöhnlich warme Luft subtropischen Ursprungs vor allem in den Süden Deutschlands geführt. Die Nullgradgrenze steigt im Laufe des heutigen Montags im Süden auf 1000 bis 1500 m an. Zum Dienstag sinkt sie zwar wieder etwas ab, doch da sich an der Grundkonstellation mit tiefem Luftdruck nordwestlich von uns nichts ändert, bleibt der Weg frei für neue Warmluftvorstöße im weiteren Wochenverlauf.

Puzzleteil Nummer Drei: Der Regen

In die Westströmung sind Tiefausläufer (Warmfronten, Kaltfronten und Okklusionen) eingebettet, die Deutschland von West nach Ost überqueren. An diese Ausläufer sind Niederschläge gebunden, die nur anfangs bis in tiefere Lagen als Schnee fallen. Mit Vorstoß der Subtropikluft in die Südhälfte und dem damit verbundenen Anstieg der Nullgradgrenze schießt auch die Schneefallgrenze in die Höhe - es fällt folglich bis in die Kammlagen der Mittelgebirge Regen. Und das nicht mal wenig: Von Sonntagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein werden in einem Streifen vom Schwarzwald bis zu den Alpen verbreitet 10 bis 25 l/qm, in den Staulagen 25 bis 40 l/qm, im Hochschwarzwald und im Allgäu sogar lokal bis 60 l/qm zusammen kommen.

Puzzleteil Nummer Vier: Der Wind

Wenn der Regen von kräftigem Wind über die Schneeflächen "gepeitscht" wird, taut die Schneedecke mitunter noch viel effektiver als bei Windstille. Zwar ist zunächst kein ausgewachsener Sturm zu erwarten, dennoch weht der Wind zumindest in den höheren Lagen von Schwarzwald und Alpen in Böen mit Stärke 7 bis 8 (60 bis 75 km/h).

Sie sehen, ganz besonders im Schwarzwald und in den Alpen sind alle wichtigen Zutaten für den für Winterfreunde bitteren "Tauwetterbrei" zusammengetragen. Das Schmelzwasser und die Regenmengen akkumulieren sich dort schließlich zu einem sehr hohen Niederschlagsdargebot, das im Zeitraum von Sonntagabend bis Dienstagfrüh verbreitet zwischen 50 und 100 l/qm liegen wird. Diese Wassermassen müssen irgendwo hin. Da die Böden schon ziemlich gesättigt sind, fließt ein großer Teil des Wassers ohne größeren Umweg in die kleinen Bäche und Flüsse, deren ohnehin teilweise schon hohe Pegel in der Folge sehr rasch ansteigen werden. Von drohendem Hochwasser betroffen sind im Wesentlichen die Gewässer mit Einzugsgebiet im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben. Mit einiger Verzögerung dürften dann auch an den größeren Gewässern wie Ober- und Hochrhein sowie am Neckar und an der Donau die Wasserstände deutlich ansteigen. Weitere Informationen bekommen Sie von unseren Partnern an den Hochwasserzentralen: http://hochwasserzentralen.de/.

Zahlenspielerei

Datum 21.01.2018

Regelmäßig erfahren wir, ob der vergangene Monat kälter oder wärmer als während der Normalperiode war. Was können wir ohne Kenntnis der genauen Temperaturabweichungen daraus schließen?

Zwölfmal pro Jahr lesen wir, dass der vergangene Monat zu warm oder zu kalt war. Dabei werden natürlich auch die Temperaturabweichungen angegeben. In Erinnerung bleibt uns aber meistens nur die positive oder negative Temperaturabweichung. Wie uns da in die Irre führen kann, werden wir im Folgenden aufzeigen.

Betrachten wir zunächst die Vorzeichen der Abweichungen von den Mittelwerten in der 30jährigen Normalperiode von 1961 bis 1990, wie sie unten in der Tabelle dargestellt sind. Zunächst erwartet man, da sie sich auf den gleichen Zeitraum beziehen, etwa gleich viel positive wie negative Abweichungen. Tatsächlich aber überwiegen die positiven Abweichungen mit 165 Fällen die negativen mit 135 Fällen um gut 20%. Das Ergebnis erstaunt aber nur im ersten Moment. FÜNF Monate mit einer positiven Abweichung von 0,1 Grad sind für die Mittelung gleichwertig mit EINEM Monat mit einer negativen Abweichung von 0,5 Grad. Bei den Vorzeichen der Abweichungen ergibt sich aber das Verhältnis von 5 zu 1.

Die Differenz von 20% kann logischerweise nicht irgendeinen Trend bedeuten, sondern ist das Ergebnis einer Verteilung der Abweichungen, die sich zufällig um die Mittelwerte herum ergibt.

Ein Blick auf die Jahre 1991-2017 (im Vergleich zur Normalperiode(!)) zeigt allerdings, dass die zu warmen Monate die der zu kalten Monate bei weitem übersteigen. Das Verhältnis 225 zu 100 ist wahrscheinlich nicht mehr zufällig, sondern stellt mit ziemlicher Sicherheit einen Trend zu wärmeren Temperaturen dar.

Was dabei aber auffällt ist die Tatsache, dass der September und der Oktober mit mehr zu kalten als zu warmen Monaten in Bezug auf die Vergleichsperiode da nicht so recht mitspielen. Insbesondere der Oktober war im Vergleich zum Zeitraum 1961-1990 häufig kälter. Spiegelt sich das auch in den mittleren Temperaturen wider? In gewisser Weise schon, denn der Oktober ist in dieser Statistik der Monat mit der geringsten Erwärmung gegenüber der Vergleichsperiode. Der September entspricht von der Erwärmung her dem November und Dezember, die allerdings von den Vorzeichen her deutlich auf eine Erwärmung hinweisen.

Und was lernen wir daraus? Wenn wir uns nur die Temperaturabweichungen merken, können wir nicht zwingend auf eine eventuelle Änderungen der Mittelwerte schließen.

Natürlich gibt es statistische Verfahren, die Auskunft darüber liefern, ob die Abweichungen eher zufällig oder systematisch (signifikant) sind. Getreu dem Motto "Glaube keiner Statistik (statistischen Auswertung), die Du nicht selbst gefälscht (manipuliert) hast" überlasse ich dem Leser diese Arbeit. Die heute überall zur Verfügung stehende Bürosoftware bringt Sie schnell zu den von Ihnen erwünschten Ergebnissen.

"Friederike"- einer der stärksten Stürme seit Kyrill

Datum 19.01.2018

Pünktlich zum 11. Jahrestag von Orkan Kyrill fegte das Orkantief "Friederike" über Deutschland hinweg. Mit verbreiteten Orkanböen bis zu über 130 km/h war "Friederike" der stärkste Orkan seit Kyrill in Mitteldeutschland. Doch was war das Besondere an Friederike und warum traten schwere Stürme in der jüngeren Vergangenheit häufiger auf?

Mit verbreiteten Orkanböen, die Windgeschwindigkeiten von zum Teil über 130 km/h erreichten, fegte der Orkan "Friederike" besonders über die Mitte Deutschlands hinweg und richtete dabei zum Teil schwere Schäden an. "Friederike" war in diesen Regionen der schwerste Sturm seit dem Orkan "Kyrill", der vor genau 11 Jahren am 18.01.2007 auf Deutschland traf. Die Liste der maximalen Windspitzen von Orkan "Friederike":

Berge: - Brocken 203 km/h - Fichtelberg 174 km/h - Zugspitze 158 km/h - Feldberg/Schwarzwald 144 km/h - Kahler Asten 142 km/h

Tiefland: - Gera-Leumnitz 138 km/h - Frankenberg-Geismar 133 km/h - Erfurt-Weimar 130 km/h - Leipzig/Halle 129 km/h - Ahaus 127 km/h

Anders als bei Kyrill, der noch verbreiteter in Deutschland für Orkanböen sorgte und die stärksten Böen an Gewittern an der zugehörigen Kaltfront auftraten, kam es bei Friederike zu den stärksten Böen in einem nur etwa 200 km breiten Streifen erst hinter der Kaltfront. Verantwortlich dafür war ein sogenannter "Sting-Jet". Bei einem Sting-Jet wird durch dynamische Prozesse der Jet-Stream (ein Starkwindband in der mittleren und oberen Troposphäre) zwischen Tiefkern und Kaltfront bis in untere Luftschichten "abgesenkt", was im Gegensatz zu normalen Sturmtiefs auf relativ kleinem Raum zu extremen Böen mit verheerenden Schäden führt. Dies geschieht immer an der Südwestflanke des Tiefs hinter der Kaltfront. Dort wird trockene Luft aus der Stratosphäre bis in tiefere Atmosphärenschichten angezapft, wodurch sich das Wolkenband, das um den Tiefkern gewickelt ist, zu einem "Stachel" (siehe Satellitenbild) verformt. Daher auch die Bezeichnung "Sting" zu Deutsch "Stachel-Jet."

Die aktuelle Sturmsaison wurde am 14. September 2017 mit Sturm Sebastian ungewöhnlich früh eröffnet. Am 05. Oktober folgte Sturm Xavier und am 31. Oktober bereits der nächste schwere Sturm namens Herwart, der regional eng begrenzt sogar an die Windgeschwindigkeiten von Kyrill heran reichte. Am 2. Januar sorgte Sturm Burglind für Schäden in der Südhälfte Deutschlands und nun folgte mit Friederike einer der schwersten Stürme des vergangenen Jahrzehnts. Die Häufung von schweren Stürmen ist in dieser Saison schon auffällig. Doch was ist der Grund dafür?

Die Ursache dafür ist, dass seit dem Herbst eine Westwetterlage vorherrschend war. Dabei ziehen Tiefdruckgebiete in rascher Abfolge vom Nordatlantik meist von Island kommend über die Nordsee nach Südskandinavien und beeinflussen mit ihren Ausläufern Mitteleuropa. An der Südflanke dieser Tiefdruckgebiete bilden sich bei großen Temperaturgegensätzen immer wieder Randtiefs. Diese können sich dann zu Sturmtiefs entwickeln. Voraussetzung für eine aktive Sturmsaison ist also eine Westwetterlage, die über einen längeren Zeitraum stabil bleibt. Dies war auch Anfang der 90er Jahre der Fall, wo es in diesem Zeitraum ebenfalls zahlreiche große Stürme gab. Mit Beginn des neuen Jahrtausends hat die Zahl der Westwetterlagen und damit auch die Anzahl der Stürme deutlich abgenommen. Erst in der jüngeren Vergangenheit ist wieder eine Zunahme zu verzeichnen. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird, oder ob es sich dabei nur um eine kurze Episode handelt, ist allerdings noch ungewiss.

Friederike ist nun schon wieder Vergangenheit und es herrscht Ruhe nach dem Sturm. Die derzeitige mittelfristige Wetterentwicklung deutet erst einmal auch auf keinen weiteren großen Sturm hin.

Windspitzen von Orkan "Friederike"

Datum 19.01.2018

Eine Liste der Windspitzen des Orkantiefs "Friederike".

Am Jahrestag von Orkan "Kyrill" sorgte erneut ein Orkantief namens "Friederike" für verbreitet Orkanböen in einem Streifen über der Mitte Deutschlands. Friederike war einer der stärksten Stürme seit dem Orkan "Kyrill" vor 11 Jahren. Die Liste der maximalen Windspitzen:

Berge:

- Brocken 203 km/h - Fichtelberg 174 km/h - Zugspitze 158 km/h - Feldberg/Schwarzwald 144 km/h - Kahler Asten 142 km/h

Tiefeland: - Gera-Leumnitz 138 km/h - Frankenberg-Geismar 133 km/h - Erfurt-Weimar 130 km/h - Leipzig/Halle 129 km/h - Ahaus 127 km/h

Riesenwellen vor Irland und Großbritannien!

Datum 17.01.2018

Luftdruckgegensätze von teils über 75 hPa über Europa sorgen für stürmische Zeiten! Zwischen hohem Luftdruck über dem Atlantik und tiefem Luftdruck von Grönland bis nach Mitteleuropa bildete sich eine kräftige Strömung aus, deren Auswirkungen nicht nur über Land zu spüren sind! Auf dem Meer türmen sich die Wellen zu riesigen Bergen auf.

In den Medien fällt derzeit vereinzelt wieder der Begriff "Riesenwellen". Dies hat auch seinen Grund. Durch die großräumige Luftdruckverteilung, die sich von Grönland bis nach Mitteleuropa durch sehr tiefen (Kerndruck zwischen Island und Nordwegen um 975 hPa) und über dem Atlantik durch hohen Luftdruck (um 1040 hPa) auszeichnet, hat sich eine kräftige westliche bis nordwestliche Grundströmung ausgebildet. Diese fungiert als Autobahn für atlantische Tiefdruckgebiete und deren Ausläufer, die von West nach Ost geführt werden. In dieser ausgeprägten Westdrift verlagert sich am heutigen Mittwoch und am morgigen Donnerstag das Orkantief "Friederike" von Neufundland kommend unter Intensivierung über die Britischen Inseln hinweg nach Deutschland. Zunächst werden Teile der Britischen Inseln sowie das umliegende Meeresgebiet vom Sturmfeld "Friederikes" erfasst. Die Auswirkungen der strammen westlichen Strömung zusammen mit "Friederike" werden dabei nicht nur über Land zu spüren sein, wo man mit erheblichen Schäden an Haus und Gut sowie Infrastruktur rechnen muss, sondern auch über dem Meer droht Gefahr durch riesige Wellen. Teilweise werden sich die Wassermassen auf offener See und an den Westküsten mehr als 15 Meter hoch auftürmen. Dabei können auf dem Meer Schiffe in Seenot geraten sowie küstennahe Straßenzüge überflutet werden.

Doch wie entstehen diese riesigen Wellen?

Unter Wasserwellen versteht man Oberflächenwellen, die sich im Grenzbereich zwischen Wasser und Luft entwickeln. Eine wesentliche Einflussgröße bei der Wellenentstehung und -entwicklung ist der Wind. Das Zusammenwirken von Windgeschwindigkeit, Einwirkungsdauer und Eindringtiefe entscheidet dabei über die Größe und die Gestalt von Wellen.

Die auf die Wasseroberfläche einwirkende Energie des Windes, erzeugt Reibung, die wiederum die Wasserteilchen in Schwingung versetzt. Wenn man die Meeresoberfläche betrachtet, so scheint es, als ob die Wellen an einem vorüber wandern würden. Wenn wir jedoch einen im Wasser schwimmenden Gegenstand genauer beobachten, so bleibt dieser fast immer am selben Standort und bewegt sich nur auf und nieder. Er führt annähernd eine vertikale Pendelbewegung durch. Ist die Wassertiefe jedoch ausreichend groß, so kommt auch noch eine geringe horizontale Komponente dazu, die die Wasserteilchen kreiseln lässt.

Je stärker der Wind weht, desto größer ist seine Eindringtiefe und umso stärker sind folglich auch die Kreisbewegung der Wasserteilchen sowie die Wellenhöhe. Durch Wind hervorgerufene Wellen verlaufen dabei meist in Windrichtung.

Bei der Entstehung der sogenannten Riesenwellen (auch Monsterwellen) nehmen zusätzlich die Wellenrichtung, die Wellenperiode sowie die Wellenlänge (Entfernung von einem Wellenkamm zum nächsten Wellenkamm) entscheidende Rollen ein.

Grundsätzlich gilt: trifft z.B. eine schnelle Welle (große Wellenlänge) auf eine langsame Welle (kleine Wellenlänge), so wird die schnelle Welle gestaucht und türmt sich auf.

Da die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Wellen von der Wassertiefe abhängig ist, türmen sich häufig in der Küstenumgebung Wellen zu richtigen Wänden auf. Bei einem langsam ansteigenden Ufer verringert sich mit abnehmender Wassertiefe die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellenfront. Schnellere nachfolgende Wellen laufen auf und werden ausgebremst. Die Wellenlänge nimmt dabei ab und die Wellenhöhe zu.

Eine Möglichkeit zur Entstehung von Riesenwellen auf offener See besteht beispielsweise in der Überlagerung von vorherrschenden Meeresströmungen und Windwellen. Hierbei kann sich die Wellenhöhe ebenfalls zu sogenannten "Monsterwellen" amplifizieren. Dieses Phänomen wird häufig südöstlich von Afrika und an der Südspitze Südamerikas festgestellt.

Des Weiteren können auch Überlagerungen gegenläufiger Wellen zu einer großen Wellenhöhe führen. Dies geschieht, wenn die sogenannte Dünung - durch Wind verursachte Wellen ohne unmittelbaren Zusammenhang mit dem aktuellen Wettergeschehen in dem Beobachtungsgebiet (sozusagen "alter Seegang") - und die derzeitige Windsee, also der sogenannten "Kreuzsee", beobachtet werden. Die Kreuzsee steht häufig im Zusammenhang mit dem Durchgang einer Kaltfront. Dort dreht der Wind meist von Südwest auf Nordwest, was auch mit einer wechselnden Wellenrichtung einhergeht.

Allgemein werden derzeit drei Arten von "Monsterwellen" unterschieden. Diese wären der "Kaventsmann" - eine große, relativ schnelle Welle, die nicht der Richtung des normalen Seegangs folgt, die "Drei Schwestern" - drei schnell aufeinander folgende große Wellen und die "Weiße Wand" - eine sehr steile Welle, von deren Kamm die Gischt herabsprüht. Nicht zu verwechseln mit einem Tsunami, der andere physikalische Ursachen hat (Erdrutsch, Seebeben, etc.).

Die Vorhersage von Sturmtiefs am Beispiel der nahenden "FRIEDERIKE"

Datum 16.01.2018

Die stürmische Großwetterlage steuert am Donnerstag mit Sturmtief FRIEDERIKE auf einen Höhepunkt zu. Die genaue Vorhersage gestaltet sich allerdings recht diffizil. Die Herangehensweise und Probleme der Prognose werden im heutigen Tagesthema behandelt.

Mittlerweile hat es sicherlich jedermann gemerkt, dass das aktuelle Wettergeschehen durchaus als turbulent zu bezeichnen ist. Relativ kaltes Schauerwetter bei teils stürmischen Wind sorgen bei vielen Menschen nicht gerade für ein gesteigertes Verlangen nach längeren Spaziergängen. Diese turbulente Phase steuert am kommenden Donnerstag nun auf Ihren Höhepunkt zu. Dafür verantwortlich ist Sturmtief FRIEDERIKE. Allerdings macht es FRIEDERIKE den Meteorologen dieser Tage nicht einfach. Zwar scheint mittlerweile die Zugbahn recht klar zu sein, doch gibt es derzeit noch größere Unterschiede, was die tatsächliche Intensität und die damit verbundenen Auswirkungen betrifft. Um die Problematik etwas besser zu verstehen, möchte ich Sie in den Arbeitsalltag der Vorhersagemeteorologen mitnehmen und zeigen, wie wir an die Prognose einer solchen Sturmlage herangehen.

Das Wichtigste ist zunächst, dass man sich einen Überblick über die aktuelle Großwetterlage verschafft. Dafür gibt es verschiedene Basisfelder, die sich der Vorhersagemeteorologe anschaut. Dazu gehören neben der Luftfeuchte und der Temperatur in verschiedenen Höhen natürlich auch der Bodenluftdruck und die Druckverteilung in höheren Luftschichten, um das Zusammenspiel der verschiedenen Luftmassen und das sich daraus ergebende Strömungsmuster beschreiben zu können.

Grundlage für die Entwicklung von Tiefdruckgebieten sind große horizontale Temperaturunterschiede auf engstem Raum, wie sie aktuell auch über dem Nordatlantik zu finden sind. Die Natur ist bestrebt eben diese Unterschiede auszugleichen. Tiefdruckgebiete sind dabei die Arbeitsgeräte der Atmosphäre und die Temperaturunterschiede ihre Nahrung. Wie riesige Schaufelradbagger werden auf ihrer Ostflanke warme Luftmassen nach Norden geschaufelt und auf ihrer Westflanke im Gegenzug kalte Luft nach Süden. Wo genau entlang der Luftmassengrenze die Tiefs entstehen und wie kräftig sie sich entwickeln, darüber entscheidet die Strömung in den höheren Luftschichten und damit wird auch klar, weshalb wir eben auch verschiedene Modellfelder in höheren Luftschichten betrachten müssen.

Zur Einarbeitung konzentriert man sich zunächst auf ein Modell und dafür wird zunächst die Modellkette des DWD betrachtet. Das hauseigene "ICON-Modell" zeigt für den Donnerstag eine brisante Entwicklung in einem Streifen von Südniedersachsen/Nord-NRW über Thüringen und Sachsen-Anhalt bis nach Südbrandenburg und Sachsen schwere Sturmböen. Dort werden nach unserem Modell einzelne Orkanböen erwartet.

Nun darf man sich nicht nur auf ein Modell verlassen, sondern muss auch andere Wettermodelle betrachten. Warum? Tut man dies nicht, besteht die Gefahr einer Fehlprognose. Ein Grund dafür ist, dass die Eingangsgrößen (Temperatur, Feuchte, Luftdruck ...) für die Modellberechnungen nicht ausreichend genau gemessen werden. Je nachdem wie die Eingangsgrößen in ein Modell einfließen und wie diese dann weiter verarbeitet werden, können am Ende unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Abhängig von der Größe der Unsicherheiten können Modellunterschiede mal mehr und mal weniger stark ausfallen. Ein einzelnes Modell stellt quasi eine erste Schwarz-Weiß Skizze über die Entwicklung dar und die Einbeziehung weiterer Wettermodelle füllt diese dann mit Farbe. Schaut man sich das farbige Bild an, so fällt auf, dass es einige Prognosen gibt, die "Friederike" um einiges schwächer zeigen, als unser "ICON-Modell". Demnach wären "nur" Sturmböen und vereinzelte schwere Sturmböen zu erwarten.

Den letzten Baustein stellen schließlich Modellensembles dar. Dabei wird ein Wettermodell kurz gesagt nicht nur einmal berechnet, sondern gleich mehrfach. Beim europäischen Modell vom EZMW geschieht das ganze 52- mal. Dabei werden die in das Modell hineingesteckten Eingangsgrößen jedes Mal ein wenig variiert, um ihren Unsicherheiten Rechnung zu tragen. Mit dem damit berechneten Strauß an Prognosen lassen sich dann Wahrscheinlichkeiten berechnen. Man kann damit für eine Region bestimmen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Schwellwert überschritten wird. Beim Ensemble bietet sich veranschaulichend ein Aufdeckbild an. Angenommen es besteht aus 60 Teilen. Die Betrachtung einer Einzelmodellösung ist zu vergleichen mit einem einzelnen aufgedeckten Teil. Nutzt man hingegen das Ensemble des EZMW, so kann man 52 Teile aufdecken. Man sieht zwar noch nicht alles, kann aber viel klarer erkennen, welches Wetterszenario sich möglicherweise für die Zukunft ergibt.

Betrachtet man nun aktuell das Ensemble des europäischen Modells, so sieht man, dass bei der nahenden Sturmwetterlage die Wahrscheinlichkeit des Überschreitens der Unwetterwarnstufe (Orkanböen) eher gering ist. Das Ergebnis des Vorhersagemeteorologen in der Zusammenschau der Wetterentwicklung lautet also: Derzeit wird für den Donnerstag ein kräftiges Sturmtief erwartet. Dabei kann es in tiefen Lagen Sturmböen und einzelne schwere Sturmböen geben. Unwetterartige Entwicklungen mit Orkanböen können zwar nicht ausgeschlossen werden, sind aber derzeit eher unwahrscheinlich.

So lange keine Einigkeit herrscht, müssen neue Modellläufe daher weiter aufmerksam betrachtet werden. Die Gefahr einer Orkanlage ist noch nicht endgültig vom Tisch!

Der Stau der Berge

Datum 15.01.2018

Regen, Schnee, Sturm, Gewitter und gebietsweise auch Glatteis - die neue Wetterwoche hat einiges zu bieten. Den Höhenpunkt gibt es am Donnerstag, wenn ein kräftiges Sturmtief gebietsweise auch im Flachland für Orkanböen sorgen wird.

Der Wochenbeginn ist meteorologisch gesehen zwar noch ruhig, doch das ändert sich zügig. Das nur noch heute wetterbestimmende Hochdruckgebiet BORCHERT verlagert nämlich seinen Randbereich sukzessive von Osteuropa weiter nach Russland und verliert damit an Einfluss auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa. In den nächsten Tagen stehen dagegen Tiefausläufer im Mittelpunkt, die das Land von West nach Ost überqueren. Am Donnerstag gewinnt dann ein kräftiges Sturmtief an Relevanz. Einer abwechslungsreichen Wetterwoche steht daher nichts entgegen!

Bereits heute frischt der Wind von Westen her deutlich auf. Wind- und Sturmböen treten ab dem Nachmittag nicht nur auf den Bergen, sondern im Westen und Nordwesten zunehmend auch in tieferen Lagen und an der Küste auf. Mit dem Durchschwenken eines ersten Tiefausläufers ist auch einsetzender Niederschlag verbunden, wobei die Schneefallgrenze rasch in die Kammlagen der west- und südwestdeutschen Mittelgebirge ansteigen wird. Diese feuchte und eher milde Witterung hält besonders im Süden voraussichtlich bis in die Nacht zum Mittwoch an, bevor bei sinkenden Temperaturen zunehmend der Schnee in den Mittelpunkt rücken wird.

Bei einer solchen milden "Westwetterlage" kommt es bevorzugt in einigen Mittelgebirgen zu längeren Niederschlägen. In diesem Fall ist davon explizit der Schwarzwald betroffen. Dort ist die Überschreitung der DWD-Warnschwelle für Dauerregen (mehr als 30 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden) wahrscheinlich. Zudem muss man im Hinterkopf behalten, dass das letzte Hochwasserereignis an vielen Flüssen erst ein paar Tage in der Vergangenheit liegt. Die Wasserläufe sind zwar von den damals erreichten Pegelständen wieder etwas entfernt, doch kann es in den Regionen mit Dauerregen bei den gesättigten Böden vor allem an kleineren Flüssen und Bächen rasch zu einem Wiederanstieg der Wasserstände kommen.

Unsere Warnungen vor Dauerregen werden auf der Warnkarte in der Farbe "ocker" (Warnung vor markantem Wetter) dargestellt. Doch die Warnungen bestehen nicht nur aus der farblichen Codierung und einem Gültigkeitszeitraum, sondern auch aus einem informativen Textblock. Zum einen werden darin natürlich die erwarteten Niederschlagsmengen beschrieben, zum anderen taucht dort häufig auch der Begriff "Staulagen" auf. Ein solcher Warntext könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen: "Es werden Niederschlagsmengen zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter erwartet. In Staulagen werden bis 60 Liter pro Quadratmeter erreicht." Doch was sind nun genau diese ominösen Staulagen?

Die Spezifikation einer "Staulage" ist immer in Bezug auf die Orographie zu verstehen. Typische Staulagen gibt es beispielsweise in den Mittelgebirgen oder besonders am Alpenrand. Berge haben nämlich allgemein die Eigenschaft, dass an deren Flanken die darauf zuströmende Luft zum Aufsteigen gezwungen wird. Damit wird der in der Luft vorhandene Wasserdampf in höhere Luftschichten transportiert. Dort ist die Luft aber normalerweise kälter und kann deutlich weniger Wasserdampf halten. Als Folge kommt es zum Abregnen des Niederschlags. Hält dieser Effekt über eine längere Zeit an, können erhebliche Niederschlagsmengen zusammenkommen. Normalerweise sind die Flüsse und die relevanten hydrologischen Bauten auf die dort typischen erhöhten Niederschlagsmengen ausgerichtet. Aber bei besonderen, langanhaltenden "nassen" Wetterlagen können auch dort die Möglichkeiten erschöpft sein. Durch diesen "Staueffekt" kommt es daher häufig zu einem starken Unterschied der Niederschlagsmenge zwischen Bergland und angrenzendem Flachland. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, werden diese Unterschiede in unseren Warnungen auch detailliert kommuniziert.

Zum Ende noch ein Update zum erwarteten Sturm am Donnerstag: Die Zugbahn des Sturmtiefs hat sich in den verschiedenen Modellen angeglichen. Wahrscheinlich zieht das Tief von der mittleren Nordsee über Dänemark in die Ostsee. Damit gelangt das gesamte Bundesgebiet in sein Sturmfeld, besonders im Norden und an der Küste sind Orkanböen möglich. Wir halten Sie natürlich auf unseren üblichen Informationswegen auf dem Laufenden.

ADAM und BORCHERT - ein kühles Gespann

Datum 11.01.2018

Die blockierenden Hochdruckgebiete ADAM und BORCHERT führen kalte Festlandsluft aus Osten in Teile Deutschlands. Der Westen und Süden des Landes befinden sich dagegen im meteorologischen "Niemandsland". Zu Wochenbeginn kommt dann wieder Schwung in die Wetterküche.

Die bodennahe Luftmassengrenze im Bereich der Elbe trennt immer noch milde Luft im Süden und Westen von etwas kälterer im Nordosten und sorgt so für eine Temperaturzweiteilung in Deutschland. Am gestrigen Mittwoch wurde dabei der Höhepunkt der Woche erreicht: Während das Quecksilber nordöstlich einer Linie Lübeck - Frankfurt/Oder die 5-Grad-Grenze nicht überschritt, wurde im restlichen Land punktuell sogar die 10-Grad-Marke durchbrochen.

Durch die blockierenden und sich noch etwas verstärkenden Hochdruckgebiete ADAM und BORCHERT, die sich von Skandinavien bis nach Südosteuropa erstrecken und Tiefdruckgebieten den typischen Weg Richtung Osten versperren, gelangt weiterhin mit einer östlichen Strömung kalte Festlandsluft in den Osten, die nun auch allmählich in die restlichen Landesteile einsickert. So steigt nicht nur nachts die Frostgefahr bis zum Wochenende sukzessive von Ost nach West, sondern auch tagsüber gerät der Nordosten am Samstag und Sonntag teilweise in leichten Dauerfrost.

Ansonsten hat die Wetterküche nicht allzu viel zu bieten: ADAM und BORCHERT nehmen bei ihrer Verstärkung Kontakt zu einem weiteren Hoch westlich der Iberischen Halbinsel auf und bauen so über die Färöer-Inseln hinweg eine Hochdruckbrücke auf. Insbesondere der Westen und Süden des Landes verbleiben bei weiterhin geringen Luftdruckgegensätzen im meteorologischen "Niemandsland". Durch die daraus resultierende fehlende Luftbewegung lösen sich die nächtlichen Nebelfelder in den kommenden Tagen nur zögerlich auf und es überwiegt starke, teils hochnebelartige Bewölkung. Ab und an fällt örtlich etwas Sprüh-/Nieselregen oder im Osten auch Schneegriesel, sodass es dort vorübergehend glatt werden kann. Wer auf der Suche nach Sonnenschein ist, wird am ehesten Richtung Südwesten fündig.

Trotz der relativ niedrigen Lufttemperaturen sehen in Deutschland die Chancen für einen winterlichen Witterungsabschnitt bis in tiefe Lagen weiterhin schlecht aus. Zu Wochenbeginn setzt sich dann im Westen wieder tiefer Luftdruck gegen das kühle Hochdruckgespann durch und es fließt zunehmend milde Atlantikluft in das Bundesgebiet ein. Mit der sich einstellenden kräftigen Westströmung wird es auch immer windiger (einige Wettermodelle weisen sogar auf eine potentielle Sturmlage hin) und wechselhafter. Schneefälle bis in tiefe Lage rücken damit zunächst in weite Ferne, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, können Wintereinbrüche noch bis in den April auftreten.

Eine festgefahrene Lage

Datum 09.01.2018

Weder Winterluft noch frühlingshafte Temperaturen können sich so recht bei uns durchsetzen. Warum das so ist, was das für Konsequenzen hat und wie es zukünftig weiter geht, ist im heutigen Thema des Tages zu lesen.

Zwei Schwergewichte stehen sich derzeit beim Wetter in Deutschland gegenüber. Da wäre zum einen das Hochdruckgebiet "Adam" mit einem Luftdruck von 1040 hPa, das von Südskandinavien langsam in Richtung Osteuropa wandert. Demgegenüber steht ein kräftiges Tief, dessen Luftdruck bei etwa 960 hPa liegt. Der Druckunterschied lag also heute Morgen immerhin bei beachtlichen 80 hPa! Über Deutschland können beide Schwergewichte ihren Einfluss ausüben, sodass sich beim Wetter eine Zweiteilung ergibt. So liegen der Norden und Osten in einer östlichen Strömung, wodurch bodennah kalte und vor allem sehr trockene Festlandsluft herangeführt wird. Charakterisiert ist die Luftmasse nicht nur durch frostige Minima, sondern vor allem auch durch einen niedrigen Taupunkt. Die Differenz zwischen Temperatur und Taupunkt ist ein Maß für den Feuchtegehalt der Luft und diese ist im Nordosten deutlich größer als im Südwesten des Landes.

Im Tagesverlauf dreht mit Verlagerung des Hochdruckgebietes nach Osteuropa die Strömung stärker auf südöstliche Richtungen, sodass die bodennahe Kaltluft immer mehr nach Nordosten abgedrängt wird. Spannend wird es ab den Abendstunden im Grenzbereich zwischen Festlandskaltluft und der milderen Luft im Südwesten. Vor allem von der deutschen Modellkette wird etwas Niederschlag vorhergesagt. Durch das frostige Wetter der vergangenen Tage sind die Böden im Norden und Osten oft gefroren. Im Nordosten ist der Frost bis fast 10 cm in die Böden eingedrungen. Wenn nun ab dem Abend und in der Nacht auf Mittwoch im Nordosten Regen fällt, kann sich Glatteis mit erheblicher Glätte bilden. Allerdings ist das Auftreten des Niederschlags noch nicht in "trockenen Tüchern". Wie angesprochen ist die Luft im Nordosten sehr trocken und so gibt es auch Lösungen von anderen Wettermodellen, die kaum oder gar keinen Niederschlag vorhersagen. Somit bleibt abzuwarten, was am heutigen Dienstagabend tatsächlich passiert. Man sollte daher die Warnlage mit der WarnwetterApp oder unter www.dwd.de genau verfolgen.

Spannend bleibt auch, wie sich das Verhältnis der beiden Schwergewichte im weiteren Verlauf der Wetterwoche und darüber hinaus entwickelt. Zunächst einmal sind sich die Modelle einig, dass über Skandinavien bis zum Wochenende der Luftdruck wieder ansteigt. Als Folge wird der Einfluss des Atlantiks zurückdrängt und die Strömung dreht erneut auf östliche Richtungen. Damit werden auch wieder kältere Luftmassen nach Deutschland transportiert. Das Ergebnis ist eine erneute Zweiteilung mit einem noch milden Westen und Südwesten und deutlich kälteren Werten nördlich der Mittelgebirgsschwelle.

Wie es dann darüber hinaus weiter geht, wird von den verschiedenen Wettermodellen noch unterschiedlich gesehen. Allen ist aber gemein, dass im Verlauf der kommenden Woche der Atlantik wieder einen stärkeren Einfluss gewinnt, bei dem einem Modell mehr, bei dem anderen weniger.

Am Hin und Her sieht man, dass sich keines der beiden Schwergewichte so recht durchzusetzen vermag. Diese stationäre Lage kann man auf der gesamten Nordhalbkugel wiederfinden. Schaut man sich die Nordhemisphäre an, so lassen sich zwei riesige Kaltluftkörper erkennen. Einer liegt über dem asiatischen Festland, ein zweiter hat den nordamerikanischen Kontinent im Griff. Dazwischen werden warme Luftmassen über dem Atlantik und dem Pazifik weit nach Norden in Richtung Nordpol geführt.

Diese nordhemisphärische Grundkonstellation ist sehr stabil und erklärt auch die blockierende Situation sowohl über Mitteleuropa und Deutschland als auch in Nordamerika. Zwar setzt sich in den USA vorübergehend Tauwetter durch, der nächste massive Kaltluftvorstoß aus Kanada wird aber bereits für das kommende Wochenende anvisiert.

Während man also auf der anderen Seite des Atlantiks den Winter nicht so recht los wird, verbleiben wir in Deutschland im meteorologischen Niemandsland zwischen milden und kalten Luftmassen. Etwas Gute hat dies Situation immerhin: Es fällt kaum Regen und die Hochwassersituation entspannt sich.

Wie es mit dem Winter im "Glaskugelbereich" weiter geht bleibt abzuwarten. So lange sich an der quasistationären Lage allerdings nichts ändert, wird es schwierig. Die weitere Entwicklung bei uns hängt unter anderem mit der Situation in Nordamerika zusammen. Wie in vielen Bereichen des Lebens, ist auch die Atmosphäre und damit das Wettergeschehen auf der Nordhalbkugel miteinander vernetzt.

Die gefühlte Temperatur

Datum 08.01.2018

In Norddeutschland ist es derzeit sowohl nachts als auch tagsüber am kältesten. Gefühlt liegen die Temperaturen sogar noch tiefer. Wovon die "gefühlte Temperatur" abhängt und wann wir uns am wohlsten fühlen, erfahren Sie im heutigen Thema des Tages.

In der vergangenen Nacht gab es in der Norddeutschen Tiefebene verbreitet leichten bis mäßigen Frost, am kältesten war es in Barth mit -9,4 Grad. Und auch tagsüber schafft es das Quecksilber nur mühsam über die Nullgradmarke - Höchstwerte um 1 Grad stehen in Norddeutschland am heutigen Montag ins Haus, örtlich wird es wohl sogar nur für einen Eistag reichen. Angesichts des allmählich zunehmenden Ostwindes kommen einem diese Temperaturen trotz Sonnenscheins sogar noch kälter vor.

Der Wärmehaushalt des Menschen reagiert nicht nur auf die Lufttemperatur, sondern eben auch auf die Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung sowie auf die Wärmestrahlung der Atmosphäre. Von entscheidender Bedeutung sind zudem der Aktivitätsgrad des Menschen und wie gut die Kleidung, die er trägt, isoliert.

Eine Möglichkeit, das Temperaturempfinden eines Menschen zu beschreiben, ist die "gefühlte Temperatur". Diese vergleicht die tatsächlich vorhandenen äußeren Bedingungen mit der Temperatur, die in einer Standardumgebung herrschen müsste, um ein identisches Wärme-, Behaglichkeits- oder Kältegefühl zu haben. Als Standard gilt dabei ein Bereich mit Schatten, in dem die Umgebungsflächen die gleiche Temperatur haben wie die Luft und in dem nur ein leichter Windzug von 0,2 Metern pro Sekunde herrscht. Zudem wird eine Aktivität des Menschen angenommen, bei der die gleiche Leistung erbracht wird wie beim Gehen mit vier Kilometern pro Stunde. Damit möglichst Behaglichkeit erreicht wird, kann der Mensch seine Kleidung stets an die vorherrschenden Bedingungen anpassen, wobei die Kleidung ein Spektrum zwischen sommerlich leicht und winterlich dick aufweist.

Im Deutschen Wetterdienst wird die gefühlte Temperatur mit dem sogenannten "Klima-Michel-Modell" berechnet, das den Wärmehaushalt eines Modellmenschen bewertet. Der "Klima-Michel" ist eine männliche Person mit einer Größe von 1,75 Metern, einem Gewicht von 75 Kilogramm und einem Alter von etwa 35 Jahren. Sein Wärmehaushalt ist im Wesentlichen von der Lufttemperatur, Luftfeuchte, Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit abhängig. So steigt die gefühlte Temperatur unter warm-sonnigen, feuchten und windschwachen Bedingungen viel schneller als die Lufttemperatur an. Bei angenehmen, milden und trockenen Bedingungen mit mäßigem Wind kann sie aber auch unter die Lufttemperatur absinken. Unter kalter, insbesondere windstarker äußerer Umwelt kann die gefühlte Temperatur um teils mehr als 15 °C unter der Lufttemperatur liegen. Sonne und Windstille können die gefühlte Temperatur hingegen über die Lufttemperatur klettern lassen.

Die gefühlte Temperatur lässt sich in eine physiologisch gerechte Bewertung des thermischen Empfindens "übersetzen". Eine gefühlte Temperatur zwischen 0 und +20 Grad empfinden wir als angenehm, man spricht daher auch vom "Behaglichkeits-" oder "Komfortbereich". Ist es kälter oder wärmer, leiden wir unter Kältestress bzw. Wärmebelastung (siehe Tabelle unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/1/8.html). Je weiter sich die gefühlte Temperatur vom Komfortbereich entfernt, umso stärker werden Herz, Kreislauf und periphere Gefäße belastet.

So muss unter sehr warmen Bedingungen das Herz eine höhere Leistung erbringen, da es viel durch Schweißverdunstung auf der Haut abgekühltes Blut umwälzen muss, um den Körperkern bei der für alle Organfunktionen optimalen Temperatur von ca. 37 °C zu halten. Da der Mensch aber kein Standardobjekt, sondern ein Individuum ist, kommt es individuell auch zu abweichenden Beurteilungen vom thermischen Komfort bzw. Diskomfort. Faktoren wie unterschiedliche Akklimatisation und auch genetische Adaption spielen dabei eine Rolle.

Schaut man auf die gefühlte Temperatur von heute früh 8 Uhr (siehe Grafik (1)), so liegen diese in Norddeutschland verbreitet unter -10, gebietsweise sogar unter -15 Grad, sodass unser "Michel" schwachen bis mäßigen Kältestress empfindet. Heute Mittag (Grafik (2)) wird es zwar gefühlt wärmer mit Werten um -9 Grad, vom Komfort ist man da aber auch noch ein ganzes Stück entfernt. In den nächsten Tagen macht die bereits im Süden Deutschlands lagernde milde Luft allmählich Raum nach Norden gut, im Nordosten bleibt es am längsten beim schwachen Kältestress.

Dauerregen- und Tauwetter-Update

Datum 05.01.2018

Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit der weiterhin andauernden andauernden Dauerregen-und Tauwettersituation in Deutschland.

Für ein Abschlussstatement ist es noch etwas zu früh. Aber ein Zwischenfazit kann man schon mal ziehen. Bezüglich was? Bezüglich der Dauerregensituation in Teilen Deutschlands! Immerhin laufen die aktuellen Dauerregenwarnungen im Schwarzwald seit der Nacht zu Mittwoch und somit schon seit über 2 Tagen.

Einen Eindruck von den bisher gefallenen Niederschlagsmengen vermittelt die beigefügte Grafik. Sie zeigt die Niederschlagssummen der letzten 3 Tage bis zum heutigen Morgen um 07 Uhr MEZ. Dabei gilt es allerdings, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen. Denn die Daten, aus denen die flächige Verteilung des Niederschlags abgeleitet wurde, stammen aus dem Radarverbund des Deutschen Wetterdienstes, während die Zahlenwerte direkt aus dem DWD-Messnetz stammen. Die flächige Darstellung muss also nicht an jedem Ort exakt mit dem tatsächlich gefallenen Niederschlägen übereinstimmen.

Ein weiteres kleines Problem stellt die Farbabstufung dar. Während die Zahlen aus dem Messnetz ab einem Wert von 50 mm (Liter pro Quadratmeter) rot eingefärbt werden, geschieht dies bei den Radardaten erst ab einem Wert von 90 mm (Legende links). Aber trotz der Unterschiede: Die verschiedenen Quellen liefern qualitativ ein recht einheitliches Bild der Lage.

Und dieses Bild besagt, dass drei Regionen besonders von den Niederschlägen betroffen waren. Die erste reicht vom Dollart im Westen bis zur Ostsee und betrifft damit weite Bereiche der Küstenregionen. Dort sind verbreitet 30 bis 50mm Regen gefallen, die feinere Auflösung des Radars deutet in Ostfriesland, nordwestlich von Hamburg und südlich des Darß auch Mengen um 70 mm an, wobei es sich aber um "Radarfehler" (Bright-Band) handeln dürfte. Trotzdem: Klimatologisch betrachtet kommt man mit den bisher gefallenen Mengen schon recht nahe an das gesamte Niederschlagssoll des Januars heran, welches beispielsweise in Aurich (Ostfriesland) um 65 mm liegt.

Die zweite stark betroffene Region ist der westliche Mittelgebirgsbereich. So sind im betrachteten Zeitraum im saarländischen Tholey 68 mm gefallen, aber auch an anderen Stationen der Region wurden mehr als 50 mm Niederschlag beobachtet. Recht interessant für den detailverliebten Beobachter: Im Westen deutet sich an, dass die gemessenen Werte tendenziell etwas höher liegen als die aus den Radardaten abgeleiteten, während im Norden die Radardaten höhere Niederschläge liefern als die Messtöpfe. Ein Grund könnte in der Orografie liegen, die einerseits eine präzise Radarmessung erschwert, andererseits aber die räumliche Variabilität der Niederschlagsverteilung erhöht (Stichwort Stauniederschläge), was Abweichungen zwischen Radar und Messnetz wahrscheinlicher macht.

Die dritte und letzte Regen-Region ist der Süden. Verbreitet sind dort in den letzten 3 Tagen 30 bis 70 mm zusammen gekommen. Auch das reicht, ähnlich wie im Norden, normalerweise für einen ganzen Januar. Man könnte hier das Beispiel Augsburg herausgreifen, wo im Januar im vieljährigen Mittel etwa 45 mm Niederschlag üblich sind.

Will man Aussagen zum Tauwetter und den Abflussmengen treffen, wird die Lage noch etwas verzwickter. Denn einerseits ist zu Beginn einer Tauwettersituation nie wirklich klar, welche Wassermengen eigentlich in der Schneedecke stecken. Andererseits ist gerade im Süden die Schneefallgrenze in den letzten Tagen starken Schwankungen unterworfen gewesen. Dies bedeutet, dass wohl nicht nur Regen, sondern zumindest zwischenzeitlich auch Schnee gefallen ist - der nicht oder wiederum nur verzögert zum Abfluss kommt. Ein Beispiel hierfür dürften die 127 mm sein, die an der in Österreich auf 1100 Meter gelegenen Station Hinterhornbach (blauer Kasten) gemessen worden sind. Da dort zumindest zeitweise Schnee gefallen ist, wiedersprechen die hohen Niederschlagsmengen nicht zwangsläufig den avisierten Abflussmengen von bis zu 100 mm in der Region.

P.S.: Definitiv zu früh, selbst für ein Zwischenfazit, ist es, wenn man den Blick auf die Hochwassersituation wendet. Entsprechende, ständig aktualisierte Infos finden Sie unter www.hochwasserzentralen.de.

Deutschlandwetter im Jahr 2017:

Datum 03.01.2018

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Jahr 2017*: 1. Platz: Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen) 11,9 °C, Abweichung +1,1 Grad 2. Platz: Frankfurt am Main-Westend (Hessen) 11,8 °C, Abweichung +1,5 Grad 3. Platz: Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 11,6 °C, Abweichung +1,3 Grad

Besonders kalte Orte im Jahr 2017*: 1. Platz: Carlsfeld (Sachsen) 5,9 °C, Abweichung +1,5 Grad 2. Platz: Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 5,9 °C, Abweichung +1,6 Grad 3. Platz: Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 6,3 °C, Abweichung +1,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Jahr 2017**: 1. Platz: Balderschwang (Bayern) 2919,8 l/m², 119 Prozent 2. Platz: Ruhpolding-Seehaus (Bayern) 2713,9 l/m², 122 Prozent 3. Platz: Baiersbronn-Ruhestein (Baden-Württemberg) 2481,9 l/m², 124 Prozent

Besonders trockene Orte im Jahr 2017**: 1. Platz: Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) 477,3 l/m², 83 Prozent 2. Platz: Querfurt-Lodersleben (Sachsen-Anhalt) 490,6 l/m², 95 Prozent 3. Platz: Köthen/Anhalt (Sachsen-Anhalt) 493,7 l/m², 99 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Jahr 2017**: 1. Platz: Leutkirch-Herlazhofen (Baden-Württemberg) 1980 Stunden, 113 Prozent 2. Platz: Rheinfelden (Baden-Württemberg) 1964 Stunden, 114 Prozent 3. Platz: Weihenstephan (Bayern) 1960 Stunden, 117 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Jahr 2017**: 1. Platz: Braunlage (Niedersachsen) 1185 Stunden, 80 Prozent 2. Platz: Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 1213 Stunden, 90 Prozent 3. Platz: Alfeld (Niedersachsen) 1266 Stunden, 96 Prozent

oberhalb 920 m NN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Jahresmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreswertes zum vieljährigen Jahreszeitmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

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